Gastbeitrag von Heike Baller


Ergänzte und aktualisierte Fassung: 27. September 2019


Viele Informationen, mit denen ich mich befasse, stammen aus Social Media – manchmal nur der Hinweis auf eine Veranstaltung, manchmal eine Meinungsäußerung mit anschließender Diskussion. Wenn ich mich mit einem Thema, wissenschaftlich oder sonstwie als Autorin, in der Art befasse, dass ich nachweisen muss, wo ich die Informationen herhabe, komme ich um Zitate nicht herum. Und da gibt es einiges an Regeln.

Bei Zitaten in wissenschaftlichen Texten unterscheidet man in der Regel zwischen Wissens- und Informations- oder Datenquellen. Wissensquellen sind im Normalfall solche Texte, die den Stand der Forschung wiedergeben – also Zeitschriftenartikel oder Bücher, die wissenschaftlichen Standards entsprechen.

Informations- oder Datenquellen sind dagegen vielfältiger. Das können sein:

  • Statistiken
  • Interviews
  • Broschüren
  • Publikationen von Behörden

Und eben auch: Äußerungen in Social Media.

Klar, solche Quellen kann ich verwenden. Ich muss nur vorher abwägen, wie relevant und auch wie verlässlich das ist. Zitiere ich in einem anderen als einem wissenschaftlichen Zusammenhang, ist das Ganze etwas lockerer zu sehen. Aber korrekt und nachvollziehbar, das müssen alle Zitate immer sein.

Und so geht’s: Zitieren aus Social Media

Wenn klar ist, dass diese Äußerung oder Information, die ich auf Twitter oder in einem Blog gefunden habe, in meinen Text soll, muss ich eines vor allem sicherstellen: Leute, die den Text lesen, müssen das Zitat prüfen können. Dafür muss ich die Fundstelle angeben. Einfach nur „Twitter.de“ reicht nicht. Zudem muss deutlich werden, wer es geschrieben hat. Die Fragen dazu lauten:

  1. Wer hat das gesagt, was ich hier zitieren will?
  2. Wo hat er das gesagt?
  3. Wann hat er es gesagt?
  4. Wie lautet die Adresse, an der die Aussage zu finden ist?
  5. Wann habe ich den Beitrag zuletzt gesehen?

Zitate aus Blogs

Hier kann ich meist sehen, wer den Text verfasst hat, denn die meisten Blogs sind entweder „inhabergeführt“ oder nennen die Urheberin. Zum Beitrag „Working out loud“ kann das dann im Literaturverzeichnis so aussehen:

Lohrmann, Christiane [Blogeintrag] (2018):Working Out Loud im Unternehmen: Die neue Art, zu arbeiten?, [Blog Zukunft Personal der spring Messe Management GmbH], veröffentlicht am 9.11.2018, online unter: https://blog.zukunft-personal.com/de/2018/11/09/working-out-loud-im-unternehmen-die-neue-art-zu-arbeiten/ (Zugriff:  27.9.2019)

Lydia Prexl schlägt in ihrem Buch „Mit digitalen Quellen arbeiten“ die Ergänzung um das Format bei Zitaten aus Social Media vor (Prexl, 2016, S. 196).

Der Kurzbeleg im Text:(Lohmann, [Blogeintrag], 2018); auch die Angabe eines Kurztitels richtet sich nach dem Zitationsstil.

Heutzutage wird in Blogs nicht mehr so sehr viel kommentiert – aber es kommt vor. Wenn ich das zitieren will, kann das so aussehen:

Maike Clausnitzer, [Blogkommentar] (2019): Das ist eine spannende Interpretation!, zu: Baller, Heike: Meine Gedanken zur berühmten See-Szene mit Colin Firth [Blogeintrag],[Blog Kölner Leselust], veröffentlicht am 29.5.2019, 13:04 h, online unter: https://www.koelner-leselust.de/meine-gedanken-zur-beruehmten-see-szene-mit-colin-firth/ (Zugriff: 27.9.2019)

Zitate aus Twitter

Um die URL eines Tweets zu bekommen, kann ich ihn anklicken. Dann öffnet er sich als eigenes Fenster bei Twitter. Oder ich kann ihn über das Symbol mit dem Pfeil unterhalb des Tweets – ganz rechts – kopieren. Diese konkrete URL ist unerlässlich. Da es bei Twitter keine Titel gibt, empfiehlt es sich, die ersten Worte des Tweets ins Literaturverzeichnis mit aufzunehmen.

So kann das aussehen:

Potsdam-Institut [Twitter] (2019): Vorschläge machen für die bessere Welt …, [Twitter-Account des Potsdam-Instituts für Klimaforschung], veröffentlicht am 25.9.2019 um 10: 36 h, online unter: https://twitter.com/PIK_Klima/status/1176777389113774085?s=20, (Zugriff: 27.9.2019)

Auch bei Twitter wird kommentiert – auch hier gibt es die Möglichkeit den einzelnen Kommentar mit seiner URL über das Symbol ganz rechts unter dem Kommentar eindeutig identifizierbar zu machen:

EcoBus, [Twitter] (2019): Vielleicht können wir ja auch mal …, [Twitter-Account des Ridesharing-Systems Ecobus], veröffentlicht am 25.9.2019, 12:50 h,  online unter: https://twitter.com/ecobus_jetzt/status/1176811231191228416?s=20(Zugriff: 27.9.2019)

Die Urheber der beiden Beispiele sind nun keine Einzelpersonen. In der Regel werden gerade größere Social-Media-Accounts von einer Gruppe zuständiger Leute betreut.

Es hängt vom Kontext des Zitats ab, ob die Einzelperson hinter dem zitierten Tweet wichtig ist.

Die Belege im Fließtext:

(Potsdam-Institut, [Twitter], 2019)

(Ecobus, [Twitter], 2019)

Blogs und Twitter sind in der Regel ohne Zugangsbeschränkung; anders sieht es beispielsweise bei XING, Facebook, Instagram und LinkedIn aus: Hier muss man Mitglied sein, um Inhalte lesen zu können. Das macht Beiträge dort weniger attraktiv fürs Zitieren. Bei Facebook gibt es allerdings auch öffentliche Postings, weil einzelne Posts auf „öffentlich“ geschaltet werden.

Zitate aus öffentlich zugänglichen Posts von Facebook

Wenn es öffentlich gestellte Beiträge einzelner Personen sind, kann das so aussehen:

Hoffmann, Kerstin [Facebook], (2014): Was genau macht eigentlich ein soziales Netzwerk/Social Media aus?, [Facebook-Account von Dr. Kerstin Hoffmann], veröffentlicht  am 20.2.2014, online unter: https://www.facebook.com/kerstin.hoffmann/posts/10202710676183587?comment_id=7532564&offset=0&total_comments=31(letzter Zugriff: 27.9.2019)

Für den Fließtext:

(Hoffmann, [Facebook], 2014)

Kommentare darunter sehen so aus:

Specht, Thilo [Facebook] (2014): Für mich sind es Plattformen, in: Hoffmann, Kerstin: Was genau macht eigentlich ein soziales Netzwerk/Social Media aus?, veröffentlicht am 22.2.2014 um 9:18 h, online unter: https://www.facebook.com/kerstin.hoffmann/posts/10202710676183587?comment_id=7532564&offset=0&total_comments=31 (letzter Zugriff: 27.9.2019)

Für den Fließtext:

Specht, [Facebook], 2014)

Die so genannten „Seiten“ von Institutionen oder Unternehmen kann man auch nur durchsuchen, wenn man bei Facebook angemeldet ist. Wie bei Xing, LinkedIn und Instagram spricht dieser Umstand entschieden gegen das Zitieren solcher Quellen – sie können von anderen nicht überprüft werden. Sollte es absolut unerlässlich sein, diese Aussage zu zitieren, muss ich die Erlaubnis dazu einholen und kann es als „persönliche Kommunikation“ vermerken. Diese Lösung stellt Lydia Prexl in ihrem Buch vor. Diese Art des Zitats ist aber nur „im Notfall“ anzuwenden (Prexl, 2016, S. 195f).

Youtube zitieren

Inzwischen kann man Youtube als Suchmaschine bezeichnen – viele Nutzer*innen suchen gezielt hier nach Informationen. Das können Anleitungen sein, wie denn nun die Kaffeemaschine in der Ferienwohnung funktioniert, Nachhilfe in Schulfächern oder Diskussionsbeiträge zu wirklich allen denkbaren Themen. Die Bandbreite ist enorm. Auch für die Literaturrecherche gibt es Tipps:

Duke University Medical Center Library & Archives [Youtube] (2012): 5 Tips for Searching PubMed, [Youtube-Kanal von Duke University Medical Center Library & Archives], veröffentlicht am 9.7.2012, online unter https://www.youtube.com/watch?v=6wWeeCBBlk4 (Zugriff: 27.9.2019).

Der Kurzbeleg:

(Duke University Medical Center Library & Archives,[Youtube], 2012)

Zitate aus Foren

Es gibt offene und geschlossene Foren. Aus offenen zu zitieren, ist einfach, aus geschlossenen schwierig, in zweierlei Sinne des Wortes:

  • Die Leserin kann das Zitat nicht selbst überprüfen
  • Die Urheberin will ggf. nicht zitiert werden – geschlossene Foren sind eine Art Schutzraum

Deshalb gilt bei geschlossenen Foren, was ich oben zu XING, Facebook und Co gesagt habe: nur im äußersten Notfall und „erlaubt“.

Aber auch bei offenen Foren kann ich Schwierigkeiten bei der Zuordnung von Beiträgen bekommen, denn viele Foristi schreiben unter Pseudonym. Bei Fachforen kann ich die detaillierten Profile nur als registriertes Mitglied einsehen. Meine Einstellung, dass der Klarname zwingend erforderlich sei, wird von anderen nicht geteilt. So schreibt Lydia Prexl in ihrem Buch „Mit digitalen Quellen arbeiten“, dass einige Zitationsstile in ihren Manuals auch das Pseudonym oder den Benutzernamen von Twitterern oder Foristi akzeptieren. (Prexl, 2015, S. 194). Das sollte man dann also vorher klären.

Bei Foren gibt es die Unterscheidung von Thread (das bezeichnet eine vollständige Diskussion im Forum) und Post (das ist ein einzelner Diskussionsbeitrag). Bei langen Threads ist es sinnvoll, den einzelnen Beitrag nachzuweisen. Es gibt hier allerdings keine einzelne URL für den einzelnen Post:

Riothamus, [Onlineforum] (2018): In den Sagas kommen mitunter … in: VendelPanzer: Ethnische Minderheiten bei den Wikingern?, [Geschichtsforum.de], veröffentlicht am 7.8.2018, online unter: https://www.geschichtsforum.de/thema/ethnische-minderheiten-bei-den-wikingern.54229/(Zugriff 27.9.2019)

Im Fließtext:

(Riothamus, [Onlineforum], 2018)

Fazit

Zitate aus Social Media erfordern dieselben Angaben wie andere Zitate auch; die Vielfalt der unterschiedlichen Zitierregeln ist groß. Wenn ich mich für einen Stil entschieden habe, muss ich auch dabeibleiben. Eine Binsenweisheit, aber gerade, wenn die Regeln für Online-Zitate nicht direkt einsehbar sind, ist sie umso wichtiger. Für wissenschaftliche Arbeiten an Universitäten usw. empfehle ich gerade wegen solcher Zweifelsfälle, eine Literaturverwaltungssoftware zu nutzen. Da kann ich den Stil auswählen und muss mir dann um Sonderfälle keine Gedanken mehr machen.

Digitale Aussagen können geändert werden – deshalb mein Tipp: Machen Sie einen Screenshot von der Seite mit der zitierten Aussage, und sei es nur für die eigene Sicherheit. Im Zweifelsfalle können Sie so nachweisen, dass diese Aussage an dieser Stelle einmal gestanden hat. Nicht alle Blogbetreiber zeigen ihre Bearbeitungen von Beiträgen an. Manche Menschen bei Twitter löschen Tweets. Selbst, wenn „bearbeitet“ unter einem Forumsbeitrag steht, können Sie andernfalls nicht nachweisen, dass vorher exakt das dort gestanden hat, was Sie zitiert haben.

Neben meiner eigenen Erfahrung mit dem Thema haben mir folgende Bücher weitergeholfen:

  • Lydia Prexl (Quellen) (20162): Mit digitalen Quellen arbeiten. Richtig zitieren aus Datenbanken, E-Books, Youtube und Co, Ferdinand Schöningh, Paderborn, ISBN: 978382524027
  • Thomas Träger (Zitieren) (2016): Zitieren 2.0. Elektronische Quellen und Projektmaterialien korrekt zitieren, Verlag Fran Vahlen, München, ISBN: 97783800651344 (dieses Buch habe ich übrigens rezensiert)

Die Autorin: Heike Baller arbeitet seit 1995 als freiberufliche Rechercheurin.

Seit 2013 gibt sie ihr Wissen rund um Recherche und Literaturrecherche in Seminaren und Workshops weiter, unter anderem an der Universität zu Köln.

Kontaktdaten finden Sie auf Ihrer Website.

Heike Baller im Social Web: Twitter, LinkedIn, XING.


Hinweis von Dr. Kerstin Hoffmann: Gastbeiträge müssen nicht meine Meinung wiedergeben. Die Autorin ist für ihre Aussagen selbst verantwortlich.

Dr. Kerstin Hoffmann

Hier im PR-Doktor teile ich mein Wissen und meine Erfahrung aus mehr als 20 Jahren in der Unternehmenskommunikation. – Ich bin Vortragsrednerin und berate Unternehmen in Kommunikationsstrategien, Content-Marketing und Social Media. Zudem habe ich mich auf Markenbotschafter-Strategien innerhalb der integrierten Kommunikation spezialisiert. Ich schreibe Bücher und lehre an einer deutschen Universität.

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Dr. Kerstin Hoffmann
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