Textklau & Co: Wo Content Curation aufhört!

Warum Respekt für andere Autoren der Reputation nützt und vor Folgen schützt

Hier ist die Grenze!

In welcher Form Content Curation sinnvoll und ehrenhaft ist, haben wir gestern gesehen. Auf die Grenzen zwischen erlaubtem Zitat und unerlaubtem Plagiat hatte ich schon kurz hingewiesen. Trotz aller Erläuterungen, was Content Curation ist, wird das Konzept von einigen (leider mittlerweile viel zu vielen!) schwarzen Schafen (oft absichtlich) missverstanden. Es mögen auch einige Arglose darunter sein, die sich einfach nicht darüber im Klaren sind, was man mit fremden Inhalten darf – und was nicht. Doch manche sind erstaunlich beratungsresistent. Thomas Hutter hat kürzlich in seinem Blog von seinen Erlebnissen mit dem Betreiber einer österreichischen Plattform erzählt. Darin gibt er einige Tipps zu „Dos“ und „Don’ts“.*

Für alle anderen, nämlich diejenigen, die es richtig machen wollen und dafür noch Informationen brauchen: Hier mit Bezug auf den gestrigen Beitrag nochmal laut und deutlich und zum Mitschreiben, wo die Grenze verläuft und wie Sie sich sinnvollerweise verhalten- auch und gerade zu Ihrem eigenen Schutz und für Ihre eigene Reputation. Damit auch wirklich keine Zweifel bleiben. Denn Textklau ist kein Kompliment an den Autor, wie manche es gerne hinstellen. Es ist keine Petitesse und erst recht kein wertschätzender Beitrag zum Netzwerken, zur gemeinsamen Wissensvermehrung und zum Nutzen aller.

Mein wichtigster Rat in aller Kürze: Ehe Sie fremde Inhalte verwenden, holen Sie sich bitte eine Genehmigung. Egal, ob sie sie im Internet finden oder anderswo. Die Konsequenzen könnten ansonsten unerfreulich werden, und leider oft auch teuer. Viele entnervte Autoren, Journalisten und Blogger sind längst dazu übergegangen, direkt eine Rechnung zu schreiben, wenn jemand ihre Inhalte unerlaubt „zweitverwertet“. Das jedenfalls erzählen mir Kollegen in zunehmendem Maße. Wer wollte es ihnen verdenken? Hier meine Tipps aus Autorensicht, darunter der Link zu den rechtlichen Aspekten der Sache.

An diese Regeln sollten Sie sich halten:

  • kein ungenehmigtes Reblogging. Also keine Übernahme kompletter Blogartikel in die eigene Publikation. Weder mit noch ohne Kennzeichnung. Und schon gar nicht in der Hoffnung, dass es nicht entdeckt wird. Es wird. Meistens jedenfalls. Und mit fortschreitender Technik und Vernetzung im wachsenden Maße.
  • Zitate nur im üblichen und erlaubten Rahmen. Es ist an Ihnen sich zu informieren, was erlaubt ist, ehe Sie zitieren. Unten in diesem Artikel finden Sie aber einen Link dazu.
  • Zitate immer mit Quellenangabe. Alles andere ist unfair, dumm – und mit aktuellen Plagiat-Suchmaschinen im Übrigen auch schnell gefunden. Immer mehr Autoren nutzen solche Angebote!
  • kein Schmücken mit fremden Federn. Zeichnen Sie nur solche Artikel als Ihre aus, die Sie auch wirklich geschrieben haben. Es. Fällt. Auf. Ganz sicher!
  • kein Verkauf fremder Inhalte an eigene Kunden. Kostenlos zugängliche Präsentation herunterladen, „um-branden“ (genau: anderes „Brandzeichen“ wie beim geklauten Vieh!) und dann als eigene Geistesleistung an den Kunden weitergeben? Pfui! Irgendwann kommt es doch heraus! Und dann wird es richtig peinlich. Und teuer. Unfair ist es zudem. Nur etwas für ganz kleine, arme Würstchen!
  • keine Übernahme fremder Inhalte in anderen Worten. Einige besonders Schlaue haben sich angewöhnt, komplette Artikel und Ratgeber sorgfältig umzuformulieren und als ihre eigenen auszugeben. Dabei übernehmen sie doch alles – den Aufbau, die Dramaturgie, die Aussage des Textes. Seien Sie versichert: Der Autor merkt das. Auch wenn er Ihnen rechtlich nicht beikommen kann, wird sich das unter Umständen schnell herumsprechen. Fachleute einer Branche sind meist ein kleiner Kreis.
  • kein ungenehmigtes Hochladen fremder E-Books, Whitepaper, PDFs auf eigenen Webspace. Der Autor hat sich die Arbeit gemacht. Ihm stehen auch der Traffic und die Suchmaschinen-Vorteile zu. Verlinken Sie zum Download auf seiner Website.
  • … und wenn wir schon mal dabei sind, und auch wenn es hier um Texte geht: Natürlich sollten Sie auch Bilder und Fotos nicht ungenehmigt nutzen, es sei denn, sie wären dazu freigegeben, etwa per Creative-Commons-Lizenz.
  • Lieber einmal zu viel fragen als einmal zu wenig. Wenn Sie sich nicht ganz im Klaren darüber sind, ob Sie eine Grenze überschreiten, ob der Autor einverstanden ist oder ob ein Zitat im tolerierten Rahmen liegt, nehmen Sie doch einfach vorher Kontakt zum Urheber auf. Dann sind Sie auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Wenn Sie diese einfachen Tipps beachten, die sich ja im Grunde schon aus dem gesunden Menschenverstand ergeben, steht Ihrem fruchtbaren Austausch mit anderen Autoren nichts mehr im Wege. Inklusive erlaubter Zitate untereinander, erwünschter Links und hilfreichem Netzwerken. Viel Erfolg dabei!

Ich kann nur aus Sicht der Autoren sprechen, nicht aus rechtlicher Sicht. Das darf ich auch gar nicht. Aber die Rechtsanwältin Anja Neubauer hat hier im PR-Doktor bereits vor längerer Zeit im Interview die rechtliche Seite detailliert beschrieben und viele Fragen beantwortet. Hier geht es zum Beitrag: Zitieren, verlinken, Bilder veröffentlichen: Was ist erlaubt? Wo drohen Strafen?


Dr. Kerstin HoffmannDie Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in digitalen Strategien, Public Relations und Corporate Blogging. Sie gibt Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Ihr Blog “PR-Doktor” ist laut Ebuzzing eines der führenden deutschen Blogs über digitale Kommunikation. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Kerstin Hoffmann mit ihrem Team für Ihr Unternehmen tun kann? Hier geht es zum Beratungsangebot. »

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*Noch ein Hinweis in eigener Sache, gerade wegen des brisanten Themas: Dieser Blogbeitrag weist Übereinstimmungen mit dem verlinkten Artikel von Thomas Hutter auf. Das liegt unter anderem daran, dass wir uns zu dem Thema ausgetauscht haben, bevor wir unsere jeweiligen Artikel fertigstellten. Dieser Beitrag hier ist mit Thomas Hutter abgestimmt.

  9 comments for “Textklau & Co: Wo Content Curation aufhört!

  1. 18. Oktober 2012 at 12:12

    Den Denkanstoß, den man durch einen Artikel bekommt, so zu erarbeiten, dass es ein eigenes geistiges Werk wird, bedeutet auch entsprechend Arbeit und Zeitaufwand mit Zusatzrecherche. Immer noch hält sich das Gerücht mit Bloggen schnell Geld zu verdienen. Möglicherweise ist das ein Grund ganze Textpassagen zu übernehmen. Dumm ist es allemal.

    Wenn der Gedankengeber verlinkt wird, sind das auch saubere Backlinks. Von daher lohnt sich die Quellenangabe sogar.

  2. 18. Oktober 2012 at 12:32

    Ich denke dieses „gedankenlose“ Kopieren von ganzen Textpassagen hängt auch damit zusammen, dass sich eisern das Gerücht hält mit Bloggen lässt sich leicht Geld verdienen. Nur ist es auch hier wie im richtigen Leben, Geldverdienen artet immer in „Arbeit“ aus. Für einen Blogger bedeutet das einen Grundgedanken eines Artikels übernehmen und Zusatzrecherche zu betreiben, um ggf. etwas Ergänzendes zu finden. Manchmal dann nicht mehr einfach, wie dieser Beitrag ja zeigt 🙂

    Im Übrigen ist ein sauber gesetzter Link mit einem guten Ankertext auch für die eigene Seite ein Vorteil.

  3. 22. Oktober 2012 at 16:14

    Amen.

    [Verlink ich gleich bei mir]

  4. 22. Oktober 2012 at 17:41

    Danke.

    Getwittert und gleich auch verxingt 🙂

    Grüße
    Silke Bicker

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