Corporate Blog: Was ist das überhaupt?

PR-Doktor-Serie zur Theorie und Praxis von Unternehmens-Blogs, Teil 2

Lesen Sie Blogs? – Beim Online-Marketing-Guru David Meerman Scott habe ich folgende Äußerung gefunden: „Bei Vorträgen bitte ich immer die Zuschauer, die Hand zu heben, wenn sie Blogs lesen. Ich bin immer wieder überrascht, dass nur etwa 20 bis 30 Prozent der Marketing- und PR-Leute Blogs lesen.“* Gut, die Fachleute sollten es besser wissen. – Aber wenn ich hier in Deutschland meine Workshop-Teilnehmer beziehungsweise meine Zuhörer bei Vorträgen frage, sieht der Prozentsatz meist noch deutlich niedriger aus. Nur: Blogs heißen eben heute oft gar nicht mehr “Blogs”. Sie werden oft gar nicht mehr als solche wahrgenommen.

Was einmal als Online-Tagebuch digitaler Avantgardisten gestartet ist, hat sich zu einer Vielfalt von Magazinen, dynamischen Websites und anderen Publikationsformen entwickelt. Letztlich sind Online-Magazine wie Spiegel oder Focus  oder die Internet-Ausgabe Ihrer Tageszeitung auch nichts anderes als große Blogs, hinter denen aber eben professionelle Redakteure stehen.

Manche Einzel-Anbieter bauen Präsenzen im Netz auf, die es durchaus mit Verlagspublikationen aufnehmen können. Etliche Firmen sind deswegen so erfolgreich mi ihrem Blog, weil sie daraus ein umfangreiches Magazin zu ihrem Spezialthema gemacht haben. Viele Firmen-Websites, Foren oder Plattformen von Interessengruppen basieren vielfach auf der Blogsoftware WordPress (oder anderen solchen Angeboten). Viele regelmäßige Leser dieser Angebote würden daher schlicht verneinen, dass sie regelmäßig ein Blog lesen.

Was ist denn überhaupt ein Blog?

Deswegen ist die Frage: “Was ist eigentlich ein Corporate Blog?” gar nicht so abwegig. Denn wenn Sie überlegen, für Ihr Unternehmen eines zu starten, muss es noch lange nicht so heißen. Oft vermischen sich heute die Formen: Pressebereich, Newsroom, aktuelle Produktinformationen – alles das kann Teil eines Corporate Blog im weitesten Sinne sein. Für diese Serie fasse ich den Begriff Corporate Blog bewusst besonders weit – wie Sie auch in den folgenden Beiträgen sehen werden.

Im funktionalen Sinne, so wie ich es hier und im Weiteren verwende, ist ein Corporate Blog ein redaktioneller Bereich mit kontinuierlich aktualisierten Inhalten. Meistens steht der neueste Beitrag oben. In der Regel erzeugt ein Blog einen RSS-Feed, den man abonnieren kann. Multimediale Inhalte wie Filme, Fotos, Audiobeiträge können eingebunden sein. Die meisten Blogs – aber lange nicht alle – bieten eine Kommentarfunktion an.

Ansonsten entscheidet der Blogger selbst, was und wie er schreibt: Meinung, Bericht, Sachinformationen, kurze Meldungen, Mischformen – generelle formale Vorgaben existieren nicht. Aber natürlich sollten Sie sich für Ihr Unternehmensblog eigene Regeln schaffen – und Ihren Lesern auch sagen, was sie erwartet. Das ist eine Frage der guten Planung und der Konzeption, mit der wir uns in weiteren Folgen auseinandersetzen wollen.

Sie entscheiden!

Mit Blog-Software können Sie so ziemlich alles realisieren: vom gelegentlich aktualisierten kleinen Newsbereich auf der Startseite Ihrer Website bis zum aufwändig realisierten Branchen-Magazin. Oder, anders herum formuliert: Heute gehört in jede Unternehmens-Präsenz im Web zumindest ein kleiner Bereich mit aktuellen Inhalten. Dieser ist – wie auch umfangreichere Lösungen – mit Blog-Software wie WordPress oder anderen modernen Content-Management-Systemen leicht umzusetzen. Mit anderen Worten: Sie entscheiden, was für Ihr Unternehmen ein Corporate Blog ist.

Vielleicht haben Sie bereits einen Eindruck davon gewonnen, wie flexibel Sie unter dem Oberbegriff “Corporate Blog” Ihre eigene Präsenz gestalten und ausbauen können?

In der nächsten Folge am kommenden Mittwoch geht es um Beispiele für Corporate Blogs aus ganz unterschiedlichen Bereichen. 

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Über diese Serie:

Blogs waren gestern? Corporate Blogs sind gerade erst so richtig im Kommen! Sie heißen nur nicht immer so. Oft treten sie als Online-Magazine auf, als News oder als zentrale Veröffentlichungs-Plattform eines Unternehmens … Doch der Begriff Corporate Blog setzt sich auch in der professionellen Kommunikation immer mehr als etwas durch, das für viele Firmen unverzichtbar ist: nicht zuletzt deswegen, weil hochwertige Inhalte die beste Möglichkeit sind, in Suchmaschinen nach vorne zu kommen sowie Kunden und Fans an sich zu binden. Beides ist eng mit der Vernetzung im Social Web verknüpft. Gerade deswegen ist der Informationsbedarf auch bei professionellen Kommunikationsleuten hoch; erst recht aber im Mittelstand und bei kleineren Firmen, die keine eigene Kommunikationsabteilung haben – und auch keine spezialisierten Mitarbeiter für diesen Bereich. In dieser Serie beleuchte ich das Thema von vielen verschiedenen Seiten, liefere Hintergrund und gebe praktische Tipps für die Umsetzung.

Bereits erschienen:

Corporate Blog: Gut geplant, erfolgreich realisiert

Viele Leser haben bereits Fragen eingereicht, die sie besonders interessieren. Haben Sie auch eine? Dann schreiben Sie sie bitte hier in die Kommentare. Ich werde sie in einem späteren Beitrag aufgreifen.



Dr. Kerstin HoffmannDie Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in in digitalen Strategien, Public Relations und Corporate Blogging. Sie gibt Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Ihr Blog “PR-Doktor” ist laut Ebuzzing eines der führenden deutschen Blogs über digitale Kommunikation. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Kerstin Hoffmann mit ihrem Team für Ihr Unternehmen tun kann? Hier geht es zum Beratungsangebot. »

kontakt(at)kerstin-hoffmann.de | Kontaktformular »


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 *Sinngemäß übersetzt von der Autorin: “I always ask the audience I present to, via a show of hands, ‘How many people read blogs?’ I’m continually surprised that only about 20 to 30 percent of marketing and PR people read blogs.” Aus: Meerman Scott, David: The New rules of Marketing and PR, John Wiley & Sons; 3. Auflage 2011), S. 59.

  16 comments for “Corporate Blog: Was ist das überhaupt?

  1. 18. Juli 2012 at 11:27

    Danke für deinen informativen Beitrag, Kerstin!
    Hier ist noch eine interessante Infografik zum Thema: http://www.9pt.de/blog/blogs-trotz-social-media-wichtig

  2. Meike Leopold
    20. Juli 2012 at 10:15

    Hallo Kerstin, danke für den interessanten Beitrag. Machst du auch die Erfahrung, dass das Thema SEO in letzter Zeit etwas überhand nimmt, wenn es um Blogs geht. Viele scheinen sich nicht so recht damit auseinandersetzen zu wollen, dass erst guter Content da sein muss und dann das SEO kommt. Bzw. dass man authentische Inhalte nicht beliebig Richtung SEO “verbiegen” kann. Viele Grüße aus Minga, Meike

  3. 20. Juli 2012 at 10:28

    Danke, Meike! Interessante Frage. Nein, das ist eigentlich gar nicht meine Erfahrung. Aber wahrscheinlich liegt das daran, dass ich für derlei Ansinnen einfach gar nicht offen bin. ;) SEO ist natürlich wichtig, aber aus meiner Sicht vor allem darin, dass man ein Blog technisch gut aufsetzt und einige formale Grundregeln beachtet, etwa was die URLs betrifft (darauf werde ich in einem späteren Beitrag auch nochmal eingehen). Was das Schreiben angeht, bin ich einfach davon überzeugt, dass man Google-technisch am besten dasteht, wenn man für Menschen schreibt, und dass man damit auch am ehesten eine optimale Keyworddichte erreicht; weil Google ja versucht, so zu suchen und zu “denken” wie ein echter Leser. Deswegen kommt man mit anderen Ansätzen bei mir einfach nicht durch!

  4. Thoralf Obst
    23. Juli 2012 at 10:56

    Unternehmens-Blogs liegen sicher im Trend. Man wird abwarten müssen, ob das Thema wieder einschläft oder ob es zum Standard wird. Bei einigen Blogs ist schon jetzt abzusehen, dass sie eher eine andere Form der News-Rubrik sind. Zumal wenn keine Kommentare zugelassen sind oder diese nicht freigeschaltet werden, stellt sich die Sinn-Frage.

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