KI für Corporate Influencer: Strategien, Tools & Praxistipps

Titelfolie KI für Corporate Influencer


Wie viel KI brauchen Corporate Influencer für ihre persönliche Kommunikation, für Postings und Interaktionen? Wie gehen Verantwortliche das im Programm strategisch an? Wie unterstützen sie die Personen gezielt? Welche Tools eignen sich? Und was kann jede:r Einzelne für sich selbst nutzen und entwickeln?

Wo verlaufen andererseits die Grenzen? Welche Vorgehensweisen sind nicht empfehlenswert oder sogar gefährlich – für Beschäftigte und für Arbeitgeber? Und im Gegenzug: Wie wichtig sind Corporate Influencer für GEO, also die Auffindbarkeit sowie das Image der Marke in KI-Tools wie ChatGPT, Claude oder Gemini?

Dieser ausführliche Beitrag bildete zugleich die Basis für meinen Vortrag „KI für Corporate Influencer“ im StrateKI Breakfast Club am 4. November 2026.

„Die KI soll mir den ganzen Aufwand als Corporate Influencer abnehmen. Ich gebe ihr ein paar Stichworte, und am Ende bekomme ich fertige Beiträge, die ich nur noch posten muss!“ Dieser heimliche Wunschtraum, den ich mehr als einmal von Beschäftigten gehört habe, ist unerfüllbar. Denn es wäre ganz und gar kontraproduktiv, wenn er wahr würde. Natürlich ist das den meisten von ihnen auch selbst klar. Bei den Mitarbeiter-Markenbotschaftern geht es ja genau darum, dass echte Menschen aus ihrem Berufsalltag berichten, Fachwissen teilen und sich vor allem mit anderen austauschen.

Abnehmen: nein. Erleichtern: ja. Pflicht: sowieso.

KI kann Corporate Influencern die Kommunikation also nicht abnehmen. Aber sie kann, richtig eingesetzt, sowohl ihnen als auch den Programmverantwortlichen die Arbeit maßgeblicherleichtern. Vermeidbar ist das Thema ohnehin nicht. Es gehört zur Pflicht, sich damit auseinanderzusetzen.

Dazu gehört auch, zu zeigen, was alles nicht an die KI outgesourct werden sollte, weil es gerade hier um Austausch unter echten Menschen geht. KI-Kompetenz zählt heute in der Kommunikation zu den wichtigsten Skills. KI kann und soll helfen. Doch dazu braucht es Wissen und Bewusstsein.

Es geht also nicht allein und nicht einmal primär darum, sich Ideenfindung oder Contentproduktion abnehmen zu lassen. Wer für ein Unternehmen sichtbar ist, prägt das Markenbild mit. Damit wird der Einsatz von KI zugleich zu einer Frage der strategischen Verantwortung, auch für diejenigen, die Corporate-Influencer-Programme konzipieren, umsetzen und begleiten. Im Folgenden betrachte ich das Thema auf drei Ebenen: erstens der strategischen, zweitens der Tool-Ebene und drittens der Ebene der praktischen Anwendung.

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Sloppy LinkedIn?

Man kann LinkedIn lieben oder hassen, oder irgendetwas dazwischen. Aber in der professionellen Kommunikation und im beruflichen Bereich kommt man zumindest zurzeit nicht darum herum. Deswegen spielen sich die Aktivitäten vieler Corporate Influencer vor allem auf dieser Plattform ab. Viele, wenn nicht die meisten Corporate-Influencer-Programme legen hier einen Schwerpunkt.

Dabei sind die Programm-Teilnehmenden, wie alle anderen User, zunehmend mit dem sehr nervigen Phänomen konfrontiert, das wohl fast alle LinkedIn-User beobachten. Ein großer Teil der scheinbar persönlichen Postings in der Timeline wirkt inzwischen KI-generiert: die typischen formelhaften Einstiege („Ich habe einen Fehler gemacht. Und er hat alles verändert.“), gleichförmige Struktur und Dreierlisten, ein generisches Fazit mit einer Pseudo-Engagement-Frage. Und immer wieder: „Es geht nicht um X – es geht um Y“.

Da vergeht vielen schon die Lust am Scrollen und Lesen, erst recht am aktiven Interagieren und Kommentieren. Doch wir haben es ja alle selbst in der Hand, dass die Plattform nicht mehr und mehr zur Slop-Form verkommt. Nicht nur, indem wir die Funktion hinter den drei Punkten an jedem Posting nutzen, um KI-Slop zu melden. Sondern vor allem, indem wir selbst keinen generischen KI-Müll produzieren.

Der Anbieter Originality.ai hat im Juli 2026 rund 5.000 öffentliche LinkedIn-Beiträge mit mindestens 100 Wörtern untersucht und 81,2 Prozent davon als wahrscheinlich KI-generiert eingestuft (Originality.ai, 30.07.2026). Diese Zahl ist mit Vorsicht zu lesen, denn Detektoren liegen auch oft daneben. Eine Auswertung von Pangram vom Juli 2026 kommt auf mehr als 40 Prozent vollständig KI-geschriebener längerer Beiträge, was immer noch viel ist. LinkedIn reagiert darauf: Seit Juli 2026 können Mitglieder Beiträge als „Scheint ein KI-Slop zu sein“ melden, und Beiträge, die die Plattform so einstuft, erhalten nach Angaben von Produktchef Hari Srinivasan rund 40 Prozent weniger Views als noch wenige Wochen zuvor (onlinemarketing.de, 31.07.2026, aktualisiert 24.08.2026). Allerdings weiß niemand so genau, wie gut die Meldungen tatsächlich funktionieren und wie hoch der Anteil irrtümlicher oder sogar missbräuchlicher Meldungen ist.

Was leistet KI für Corporate Influencer, und was leisten sie mit KI?

KI sollte gerade Corporate Influencer vor allem wirkungsvoll unterstützen, aber nie die eigene Stimme ersetzen oder die Contenterstellung übernehmen. Hier sind die aus meiner Sicht wichtigsten Aufgaben und meine Einschätzung dazu.

  • Strategie: Fragen stellen und ordnen

Ein LLM ersetzt keine Workshops zur eigenen Positionierung oder zur persönlichen Contentstrategie. Es kann aber bei der systematischen Erarbeitung helfen und die Ergebnisse sinnvoll ordnen.

  • Ideen: Brainstorming und Anregungen

Fünf Stichworte zu den eigenen Zielen und Themen, und die KI wirft eine komplette Contentstrategie mit allen Inhalten aus: Das ist tatsächlich eher ein Worst-Case-Szenario als ein Wunschtraum. KI kann aber beim Brainstorming und bei der Ideenfindung helfen. Übrigens: Am Ende hilft es manchmal am meisten, einen ausführlichen Prompt zu erarbeiten, um eigene Klarheit zu schaffen. Das Ergebnis der KI kann dann sekundär sein.

Immer dann, wenn KI dabei hilft, Hemmschwellen zu überwinden und ins Tun zu kommen, ist sie sinnvoll eingesetzt.

  • Material: Fakten, Quellen, Kontext

KI-Tools sind sehr schnell darin, Fakten zu recherchieren, Quellen zu finden, Zusammenfassungen zu liefern oder Zahlen zu prüfen. Allerdings: KIs halluzinieren auch. Ergebnisse müssen immer sorgfältig geprüft und nachrecherchiert werden.

  • Formulieren: Vorschläge und erste Ideen

Rohfassungen, Kürzungen, Varianten, textliche Unterstützung: Was einzelne Personen brauchen, hängt stark von ihren persönlichen Voraussetzungen und ihrer individuellen Contentstrategie ab. KI liefert Abkürzungen und nimmt, verantwortungsbewusst eingesetzt, Arbeit ab. Letztlich zählt aber immer die eigene Stimme. Kommentare oder Direktnachrichten dagegen sollten grundsätzlich von Menschen stammen.

  • Transkription: Sprechen statt Schreiben

Viele Menschen tun sich mit dem Sprechen leichter als mit dem Schreiben. KI-Tools übernehmen die Transkription. Die gängigen KI-Assistenten lassen sich auch mündlich bedienen. Schon normale Smartphones erlauben das ziemlich fehlerfreie Einsprechen von Ideen und Texten. Natürlich lassen sich auch Online-Meetings und Gespräche aufzeichnen, um die Inhalte später zu verwerten. Hier sind aber Persönlichkeits- und Datenschutzrechte zu berücksichtigen, sobald weitere Personen beteiligt sind: ein weiteres Argument dafür, umfassend rechtlich zu schulen und ein Problembewusstsein zu schaffen.

  • Korrigieren: Rechtschreib-, Tippfehler- und Stilkontrolle

Hier leisten LLM, aber auch kleinere Tools, gute Arbeit. Aber auch hier: Zuerst gilt es, richtig prompten zu lernen. Ansonsten wird womöglich aus der reinen Stilkontrolle ein Umtexten im KI-Stil.

  • Redaktionsplanung: Prozesse optimieren und automatisieren

Themen und Ideen sammeln und ordnen, Redaktionspläne anlegen und pflegen, automatisch mit dem Redaktionskalender synchronisieren, Systematiken erstellen und befolgen: Hier gibt es unzählige Möglichkeiten, die in der Umsetzung der Contentstrategie viel Arbeit abnehmen können. Allerdings erfordert das auch die nötigen Kenntnisse. Womöglich gibt es im Programm selbst gar nicht genügend Kapazitäten, um das auch noch zu schulen.

Dann bleibt es dem Wissen und dem Interesse der Einzelnen überlassen. Gerade dann aber, wenn einzelne Personen eigene individuelle Lösungen entwickeln, braucht es ein Bewusstsein für die Risiken.

So lassen sich beispielsweise in Google Workspace viele Automatisierungen anlegen. Aus Compliance-Gründen ist Google Workspace aber in vielen Unternehmen beruflich und auf Dienstrechnern nicht nutzbar. Dann gilt es, Berufliches und Privates sauber zu trennen und nicht umgekehrt mit privaten Geräten in eine Schattennutzung mit beruflichen Inhalten zu geraten.

  • Auf keinen Fall: automatisiert posten!

Ganz abgesehen davon, dass viele Social-Media-Plattformen nicht autorisierte Automatisierung ohnehin verbieten und mit Profilsperre drohen: Niemals der KI den eigenen Account oder das Posten überlassen.

In dem Moment, in dem KI nicht mehr nur assistiert, sondern den Inhalt dominiert, geht die persönliche Stimme verloren. Gerade in Corporate-Influencer-Programmen ist das kontraproduktiv. Hier zählen echte Einblicke in das Arbeitsleben, Haltung und individuelle Sichtweisen. Eine KI sollte niemals persönliche Erfahrungen oder Überzeugungen ersetzen.

KI-Einsatz kostet Vertrauen

Wie heikel ein sichtbarer KI-Anteil ist, zeigen 13 Experimente von Oliver Schilke und Martin Reimann. Wer KI-Nutzung offenlegte, genoss weniger Vertrauen, als wer schwieg, auch wenn die Offenlegung vorgeschrieben war. Am stärksten sank das Vertrauen aber, wenn Dritte die verschwiegene Nutzung aufdeckten (Organizational Behavior and Human Decision Processes, 2025).

Wie wichtig sind Corporate Influencer für GEO?

Die klassische Google-Suche scheint ein Auslaufmodell zu werden. Immer mehr Menschen fragen ChatGPT, Claude, Gemini oder Perplexity statt oder zusätzlich zu einer Suchmaschine. Und auch die Suchmaschinen selbst bieten mittlerweile KI-generierte Zusammenfassungen an, die Klicks auf weitere Informationsquellen oft überflüssig zu machen scheinen.

LinkedIn gehört zu den meistzitierten Quellen

Wie ein Unternehmen in LLM vorkommt, behandelt die Generative Engine Optimization (GEO). LinkedIn gehört dabei zu den meistzitierten Quellen. Auf welchem Platz genau, hängt von der Studie ab. Bei Peec AI (30 Millionen Quellen, US-Markt, März 2026) liegt LinkedIn auf Platz 3 hinter Reddit und YouTube, bei Semrush (325.000 Prompts, Januar und Februar 2026) auf Platz 2. Die Agentur blinq hat von Januar bis Juni 2026 rund 250.000 Antworten von ChatGPT, Perplexity und Googles KI-Übersichten ausgewertet. Dort kommt LinkedIn mit 7,1 Prozent auf Platz 4, hinter YouTube, Reddit und Wikipedia, aber vor großen Medien wie welt.de und Handelsblatt.

Für Corporate Influencer ist vor allem interessant, wessen LinkedIn-Inhalte zitiert werden. Laut Semrush stammen bei ChatGPT und Googles AI Mode 59 Prozent der zitierten LinkedIn-Inhalte von Einzelpersonen, bei Perplexity dagegen 59 Prozent von Unternehmensseiten. Zitiert werden in erster Linie LinkedIn-Artikel, deutlich seltener kurze Beiträge, und zwar überwiegend solche, die Fachwissen oder praktischen Rat vermitteln. Allerdings hat Semrush die Studie gemeinsam mit LinkedIn erstellt.

Die größte Quellengruppe bleiben trotzdem Websites von Unternehmen: Blogs, Produkt- und Landingpages machen bei blinq rund zwei Drittel aller Quellen aus.

Meiner Erfahrung nach werden die meisten Company Pages erst durch Corporate Influencer sichtbar und relevant. Das dürfte sich nicht nur darauf auswirken, ob ein Unternehmen in KI-Antworten vorkommt, sondern auch darauf, wie es dargestellt wird.

Für das Image der Marke sorgen andere

Ob eine Marke erwähnt wird, ist allerdings nicht allein ausschlaggebend. Mindestens ebenso wichtig ist, in welchem Licht sie erscheint. Eine Analyse aus dem Juni 2026 (Zatuchin/arXiv [Preprint]) von rund 167.000 Quellenangaben zu 128 Marken in 13 Sprachen ergab, dass 85,7 Prozent der Zitate auf Seiten verweisen, die nicht der Marke gehören. Das Bild eines Unternehmens in KI-Antworten entsteht also überwiegend aus dem, was andere über es schreiben. Und laut einer Auswertung von Ahrefs zu 75.000 Marken hängt die Präsenz in Googles KI-Übersichten am stärksten damit zusammen, wie oft eine Marke im Netz erwähnt wird (Ahrefs, aktualisiert April 2026), wobei es sich um eine Korrelation handelt, nicht um einen Beweis.

Corporate Influencer, die fachlich fundiert, unter eigenem Namen und an frei zugänglichen Orten schreiben, tragen genau zu solchen Erwähnungen bei. Ich halte das für einen der stärksten Gründe, warum sie für das Image der Marke in KI-Antworten künftig noch weiter an Bedeutung gewinnen werden.

Nicht nur auf LinkedIn setzen

Inhalte gelangen auf zwei Wegen in KI-Antworten. Entweder sucht das System während der Antwort im Netz und fasst gefundene Seiten zusammen. Dann zählt, ob es zu einem Thema eine gut geschriebene, frei abrufbare Seite gibt, die einer Person zugeordnet ist, etwa ein Fachartikel, ein Gastbeitrag oder ein Blog. Oder das Modell hat aus seinen Trainingsdaten gelernt, wer mit welchem Thema und welcher Organisation zusammengehört. Wer an vielen Orten als „Expertin für Lieferkettenrecht bei X“ auftaucht, wird bei entsprechenden Fragen eher genannt.

Ein Teil von LinkedIn ist allerdings nur nach Anmeldung vollständig zugänglich, und zitiert werden hauptsächlich frei abrufbare Artikel. Das spricht nicht gegen Corporate Influencer, wohl aber gegen die reine Fokussierung auf kurze Feed-Beiträge und auf LinkedIn allein.

Außerdem stellt es ein Klumpenrisiko dar, sich nur auf eine einzige Plattform zu verlassen, auf der andere die Regeln machen. Auch in der persönlichen Kommunikation sollte multimedial und vernetzt gedacht werden: Unternehmensblog, Newsletter, Podcasts … Es gibt viele Medien, in denen Corporate Influencer sich als Fachleute präsentieren und zugleich zu Sichtbarkeit und Image der Marke beitragen können.

Strategien

Was Corporate Influencer sich wünschen

Wenn ich in den Programmen, die ich begleite, nach Workshop-Wünschen frage, liegt das Thema KI immer weit vorne. Die Erwartungen daran sind allerdings sehr unterschiedlich. Einige wollen die Möglichkeiten von Sprachmodellen wie ChatGPT, Claude oder Gemini im Detail kennenlernen. Das Generieren von Bildern mit den geeigneten Prompts spielt ebenfalls eine große Rolle. Viele haben schon Vorkenntnisse oder sind ohnehin im Hauptberuf damit befasst. Andere brauchen überhaupt erst einmal eine grundlegende Einführung.

Manche sind auch skeptisch bis ablehnend und wollen vor allem die Risiken kennenlernen. Wieder andere erwarten Wunder und hoffen sogar, dass KI ihnen in Zukunft auf Knopfdruck nahezu die ganze Arbeit des Ideenfindens und Schreibens abnimmt – siehe oben.

Was Programmverantwortliche bedenken sollten

KI-Kompetenz ist ja nicht allein ein Skill für Corporate Influencer. Sie gehört längst zum Arbeitsalltag und überhaupt zum Leben vieler Menschen. Wie weit die Einzelnen KI im Corporate-Influencer-Programm nutzen können, hängt allerdings auch davon ab, ob sie überhaupt einen Rechnerarbeitsplatz oder ein Diensthandy haben.

Allein deswegen gehören KI-Schulungen meiner Ansicht nach in jedes Corporate-Influencer-Programm. Mit einem oder zwei Workshops ist es aber nicht getan, so gründlich sie auch sein mögen. Es braucht immer einen Kanal für Fragen sowie regelmäßige Treffen. Das gilt ja ebenfalls nicht nur für das KI-Thema, und dazu habe ich an anderer Stelle schon ausführlich und viel publiziert.

Jedenfalls sollte die KI-Nutzung bereits bei der strategischen Erarbeitung des Programms mitgedacht werden. Das schließt eine gründliche Analyse der Möglichkeiten, der Risiken sowie der Voraussetzungen bei den unterschiedlichen Beteiligten-Gruppen ein.

KI in der Programmplanung

Die Auseinandersetzung mit KI ist also für niemanden optional, und sie ist auch gar nicht vermeidbar. Wer sich in sozialen Netzwerken bewegt, muss nicht nur selbst verschiedene Tools anwenden können. Entscheidend ist die Fähigkeit, KI-generierte Inhalte zu erkennen, einzuordnen und kritisch zu reflektieren. Das betrifft auch und gerade Corporate Influencer, weil sie auf Plattformen aktiv sind, auf denen KI-basierte Inhalte Alltag sind.

Ein Ziel von Corporate-Influencer-Programmen sollte darin bestehen, KI-Kompetenz verständlich zu vermitteln, um sie strategisch zu verankern. Schulungen auf technisches Toolwissen zu beschränken, reicht dafür nicht.

Die KI-Kompetenzpflicht und ihre Folgen

Artikel 4 der EU-Verordnung über künstliche Intelligenz (KI-VO) gilt seit dem 2. Februar 2025 und verpflichtet Unternehmen, nach besten Kräften für die KI-Kompetenz ihres Personals zu sorgen. Im Sommer 2026 hat der sogenannte Digital Omnibus diese Pflicht entschärft (Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit dem 27. Juli 2026 https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2026/1744/oj/deu). Seitdem müssen Unternehmen Maßnahmen treffen, die die Entwicklung von KI-Kompetenz fördern, ein bestimmtes Niveau einzelner Personen müssen sie aber nicht mehr garantieren (AI Act Explorer https://artificialintelligenceact.eu/ai-act-explorer/digital-omnibus/).

Die Pflicht betrifft weiterhin alle Unternehmen, die KI-Systeme anbieten oder in eigener Verantwortung einsetzen, unabhängig von Größe oder Branche. Stellt das Unternehmen KI-Werkzeuge für das Programm bereit oder ist ihr Einsatz dort vorgesehen, fallen womöglich auch die Corporate-Influencer-Aktivitäten darunter, selbst wenn KI im übrigen Tätigkeitsbereich keine Rolle spielt. Angenehmer Nebeneffekt: Die Schulung, die ohnehin sinnvoll ist, lässt sich so als Beitrag zu einer gesetzlichen Pflicht begründen.

Deepfakes und Desinformation erkennen und einordnen

Mit dem Einsatz von KI steigt auch die Zahl gefälschter Inhalte. Deepfakes und Fake News stellen schon jetzt eines der großen Probleme unserer Informationsgesellschaft dar, und das wird sich in Zukunft noch dramatisch verstärken. Momentan sehen wir gerade erst den Anfang dessen, was möglich sein wird. Corporate Influencer mit einer gewissen Sichtbarkeit können zum Ziel oder zum unwissentlichen Verstärker solcher Inhalte werden. Denn mit ihrer persönlichen Präsenz wirkt das, was sie teilen, besonders glaubwürdig. Programme müssen darauf vorbereitet sein, durch technische Schulungen und indem sie sensibilisieren.

Programmverantwortliche sollten …

  • Grundlagentrainings zu Bild- und Quellenprüfung einplanen und Tools vorstellen, die bei der Verifikation helfen.
  • gemeinsam Szenarien entwickeln, in denen manipulierte Inhalte analysiert werden.
  • kontinuierliche Unterstützung und Sparring sicherstellen.

KI in der persönlichen Kommunikations- und Contentstrategie

Viele Corporate Influencer möchten sichtbar werden, wissen aber nicht, wie sie Inhalte entwickeln oder strukturieren sollen. Zudem ist ihre Zeit begrenzt. Hier kann KI unterstützen. LLM liefern, richtig eingesetzt, Inspiration, helfen beim Finden des Einstiegs oder geben Feedback zu bestehenden Texten. Das kann die Hemmschwelle senken und Zeit sparen. Doch dazu braucht es Kenntnisse im Umgang mit solchen Tools.

Das Programm sollte hier unterschiedliche Voraussetzungen berücksichtigen und jeweils passende Unterstützung anbieten.

Die persönliche Ausrichtung zuerst

Die Contenterstellung kommt jedoch erst auf einer sehr operativen Ebene. Am Anfang steht immer die grundlegende strategische Erarbeitung: Welche Ziele habe ich? Auf welche Unternehmensziele will ich einzahlen? Was ist mein Kernthema, für das ich sichtbar sein will, meine Autorität? Dazu habe ich hier einen ausführlichen Ratgeber geschrieben.

Es gehört zu den Kernaufgaben eines Corporate-Influencer-Programms, die Beteiligten zu befähigen, ihre persönliche Kommunikations- und Contentstrategie zu entwickeln und umzusetzen. Nur wenn die grundlegende Ausrichtung steht, lassen sich Tools auch verantwortungsbewusst nutzen. Workshops und Coachings, in denen die Corporate Influencer ihre ganz persönlichen Kommunikations- und Contentstrategien erarbeiten, sollten fester Bestandteil eines Programms sein.

Kennzahlen und Ziele klarstellen

Wenn Corporate Influencer vor allem an der Zahl ihrer Beiträge gemessen werden und der Erfolg der Postings wiederum rein an Zahlen wie Impressions, dann liegt es nahe, dass möglichst viele Beiträge produziert werden, die einem Massengeschmack entsprechen – also beispielsweise KI-generierte Texte mit Selfies. Liegt das Ziel jedoch darin, nachhaltig Vertrauen, Image und Fachautorität aufzubauen, und zwar bei den richtigen Zielgruppen, dann verbietet sich KI-produzierte Massenware von selbst. Das gilt es nicht nur im Konzept festzuhalten, sondern auch den Beteiligten nachvollziehbar zu vermitteln.

Verbote, Freigaben, Rechtliches

Da Corporate Influencer in den meisten Programmen auf freiwilliger Basis in ihren persönlichen Profilen agieren, kann man ihnen in der Umsetzung – anders als bei der KI-Nutzung in ihren beruflichen Kernaufgaben – wenig vorschreiben und wenig verbieten. Sehr wohl sollte es aber Leitlinien geben, denen sich alle verpflichtet fühlen.

Rechtliche Fragen rund um KI-Nutzung sollten zwar allen Mitarbeitenden bewusst sein. Doch ein Corporate-Influencer-Programm braucht darüber hinaus eine eigene rechtliche Begleitung. Das betrifft auch andere Aspekte, etwa Schleichwerbung. Vor allem in Sachen Kennzeichnung benötigen die Betreffenden die richtigen Informationen, gerade zu Beginn engmaschige Unterstützung sowie regelmäßige Auffrischung.

Trennung von beruflicher und privater Nutzung

Zudem gilt es, aber auch das ist kein reines Corporate-Influencer-Thema, Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Informationen in ein KI-Tool gegeben werden dürfen. Wer mit einem privaten KI-Abo interne Unternehmensinhalte bearbeitet, handelt problematisch.

Auch hier muss die Grenze zwischen Vertraulichem und Unkritischem klargestellt werden. Es kann nicht die Aufgabe der einzelnen Beteiligten sein, sich dazu selbst zu informieren. Das muss das Programm mit leisten.

Plattformkompetenz herstellen

Die meisten Corporate-Influencer-Programme setzen einen Schwerpunkt auf LinkedIn, wo auch die Mehrheit der Teilnehmenden aktiv ist. Es muss bereits in der Konzeption verankert sein, dass das Programm hier Plattformkompetenz schult, regelmäßig aktuelle Informationen bereitstellt und eben auch KI-spezifisches Wissen vermittelt.

Beispiel: Die LinkedIn-Nutzervereinbarung untersagt es, mit Bots oder anderen nicht autorisierten automatisierten Methoden Beiträge zu erstellen, zu kommentieren, zu liken, zu teilen oder Nachrichten zu versenden. Schlimmstenfalls droht Profilsperre: ein großer Verlust, denn ein sorgfältig aufgebautes Profil mit wertvollen Inhalten sowie einem gut gepflegten Netzwerk stellt einen erheblichen Wert dar.

Not-to-dos: Grenzen und Risiken

Einige Vorgehensweisen sind nicht empfehlenswert, manche sogar gefährlich, und die Risiken sind für Beschäftigte und Arbeitgeber oft unterschiedlich gelagert. Dies sollte bereits in der strategischen Erarbeitung berücksichtigt werden.

  • Synthetische Stimme oder Avatar einer beschäftigten Person (oder eines Social CEO)
    • Risiko für Beschäftigte: Kontrollverlust über Stimme und Gesicht, auch über das Ausscheiden hinaus
    • Risiko für den Arbeitgeber: Verletzung von Persönlichkeitsrechten
  • Zentrale KI-Textfabrik mit veröffentlichungsfertigen Beiträgen
    • Risiko für Beschäftigte: Haftung für Aussagen, die man nicht selbst erarbeitet hat
    • Risiko für den Arbeitgeber: Das Programm verliert seinen Sinn.
  • Automatisierte Beiträge, Kommentare oder Nachrichten
    • Risiko für Beschäftigte: Sperrung des Kontos samt Netzwerk
    • Risiko für den Arbeitgeber: Im Programm aufgebaute Werte gehen verloren.
  • Postingfrequenz als Zielvorgabe, Reichweite als Leitkennzahl
    • Risiko für Beschäftigte: Druck zu Beiträgen ohne Substanz
    • Risiko für den Arbeitgeber: Gleichförmigkeit, Zweifel an der Freiwilligkeit
  • Erfundene Erlebnisse oder ungeprüfte Zahlen und Zitate verbreiten
    • Risiko für Beschäftigte: eine nachweisbare Unwahrheit unter dem eigenen Namen, bei Rechts- oder Finanzaussagen auch Haftung
    • Risiko für den Arbeitgeber: Gefahr für die Glaubwürdigkeit insgesamt
  • Interne oder Kundendaten in nicht freigegebene Werkzeuge geben
    • Risiko für Beschäftigte: arbeitsrechtliche Folgen
    • Risiko für den Arbeitgeber: Datenschutzverstoß mit Bußgeldrisiko

Tools

Welche Angebote eignen sich für Corporate Influencer?

KI-Tools sollen Corporate Influencer in dem unterstützen, was sie tun. Aus den meisten von ihnen werden dadurch keine professionellen Creator. Genau das ist aber gewünscht. Persönliche Inhalte sollen eben keine abgestimmte, perfekte Markenkommunikation sein.

Die Profile gehören den Corporate Influencern selbst, und was sie dort veröffentlichen, entscheiden sie. Stellt das Unternehmen ein Werkzeug bereit, regelt es deshalb die Nutzungsbedingungen, nicht aber, was die Einzelnen damit machen. Für eigene Werkzeuge gilt, was für alle Beschäftigten gilt: Vertrauliches und Internes gehört nicht hinein. Umgekehrt ist unbedingt zu prüfen, ob private oder vertrauliche Inhalte aus der Nutzung von Dritten eingesehen werden können.

Im Folgenden gehe ich auf verschiedene Tools ein. Bitte beachten: Angebot und Funktionen verändern sich schnell. Daher habe ich versucht, anhand der konkreten Angebote idealtypische Anwendungsfälle zu beschreiben.

Wenn der Arbeitgeber ein Tool stellt

Gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag, und ist das Training auf den Eingaben vertraglich abgeschaltet? Nur dann lassen sich darin auch interne Informationen bearbeiten, etwa um vorab zu klären, was davon veröffentlicht werden darf. Private und kostenlose Tarife bieten das meist nicht und sind damit für alles ungeeignet, was Kunden-, Beschäftigten- oder Vertragsdaten berührt.

Kann der Arbeitgeber Nutzungsdaten oder Inhalte einsehen? In manchen Tools können Administratoren Verläufe exportieren oder Inhalte sehen. Das sollten die Beteiligten wissen, bevor sie darin Entwürfe für ihr persönliches Profil bearbeiten.

Darf das Werkzeug für das eigene Profil genutzt werden? Manche Lizenzbedingungen und internen Richtlinien erlauben nur die dienstliche Nutzung. Das muss geklärt sein, ebenso, dass die Ergebnisse den Beteiligten gehören und sie frei darüber verfügen.

Was bleibt beim Wechsel oder Ausscheiden? Stilprofile, Prompt-Sammlungen, Wissensbasen und Designs liegen im Firmenkonto, das Profil aber gehört der Person. Was sie für ihr Profil aufbaut, sollte sich deshalb exportieren lassen. Bei Canva etwa können Admins die Designs eines Mitglieds vor dessen Entfernung aus dem Team auf ein anderes Teammitglied übertragen (Canva-Hilfe), sie bleiben also beim Unternehmen.

Wenn jemand ein selbst bezahltes/privat gebuchtes Tool nutzt

Was passiert mit den Eingaben? In vielen privaten und kostenlosen Tarifen dienen sie dem Training, sofern man das nicht in den Einstellungen abschaltet. Deshalb gehört nichts hinein, was aus dem Unternehmen stammt und nicht veröffentlicht ist. Auch dies gilt allerdings für alle Beschäftigten, nicht nur für Corporate Influencer.

Vom Arbeitgeber gestellte Tools vs. eigene Abos

  • Vom Arbeitgeber gestellt
    • Vorteile: kostenlos für die Anwendenden, in der Regel mit Auftragsverarbeitung und deshalb auch für die Vorbereitung mit internen Informationen geeignet, Schulung und Unterstützung inklusive
    • Nachteile: Die Inhalte liegen im Firmenkonto, Administratoren können sie je nach Tarif einsehen, beim Ausscheiden sind sie weg, und die Nutzung für das eigene Profil muss erlaubt sein.
  • Eigenes Abo
    • Vorteile: Alles gehört der betreffenden Person selbst und bleibt auch nach einem Jobwechsel, freie Wahl des Werkzeugs, kein Einblick des Arbeitgebers
    • Nachteile: eigene Kosten, Training auf Eingaben je nach Tarif, nichts Internes oder Vertrauliches darf hinein.

Welche Tools für welche Aufgaben?

Ob ein Unternehmen im Programm Werkzeuge bereitstellt, bestimmen dessen Entscheider. Ob die Beteiligten sie nutzen, entscheiden sie. Die folgenden Kategorien beschreiben deshalb ein mögliches Angebot. Die Produktnamen und Funktionen geben den Stand vom November 2026 wieder.

  • Allgemeiner KI-Assistent mit Unternehmenslizenz (ChatGPT Business oder Enterprise, Claude Team oder Enterprise, Microsoft 365 Copilot, Gemini in Google Workspace)
    • Nutzen: Sparring, Recherche, Rohfassungen, Faktenprüfung, auf Wunsch ein Projektordner pro Person
    • Vorher zu klären: Auftragsverarbeitung, Training auf Eingaben, Mitbestimmung, Nutzung für das eigene Profil, Einsicht durch Administratoren, Export beim Ausscheiden
  • Wissensbasis mit KI-Zugriff (Projektfunktion des Assistenten, NotebookLM, SharePoint mit Copilot)
    • Nutzen: geprüfte Fakten, Zahlen und Hintergründe, auf die alle zugreifen können, wenn sie möchten
    • Vorher zu klären: wer sie pflegt und was davon veröffentlicht werden darf
  • Design-Werkzeug mit KI-Funktionen (zum Beispiel Canva Business oder Enterprise, Adobe Express)
    • Nutzen: Grafiken, Karussells und Vorlagen, auf Wunsch im Corporate Design über ein Brand Kit
    • Vorher zu klären: dass Vorlagen und Brand Kit ein Angebot bleiben, Nutzungsrechte an Bildern und Grafikelementen auch für private Profile, Verbleib der Designs beim Ausscheiden
  • Transkription (Teams, Zoom, eigenständige Dienste)
    • Nutzen: sprechen statt schreiben, Verwertung von ohnehin entstandenen Inhalten
    • Vorher zu klären: Verarbeitungsort, Einwilligung bei Gesprächen mit Dritten

Spezialisierte Tools

Mittlerweile liefern die großen LLM wie Claude oder ChatGPT die meisten Funktionen mit, die auch kleine Tools anbieten. Oft reicht für bestimmte Aufgaben jedoch ein spezialisiertes Tool und hilft bei der Fokussierung. Wer vor allem sprachliche Sicherheit sucht, ist mit einem Korrekturwerkzeug oft besser bedient als mit einem Sprachmodell, das gleich den ganzen Text umschreibt. Beispiele:

  • DeepL Write: stilistische und sprachliche Überarbeitung
  • LanguageTool: Rechtschreibung und Grammatik
  • Grammarly: Rechtschreibung und Stil, vor allem im Englischen; das Unternehmen heißt seit Oktober 2025 Superhuman, das Produkt weiterhin Grammarly.
  • Notion AI: Ideensammlung und Strukturierung, wenn das Team ohnehin mit Notion arbeitet

Wichtig ist, dass Programme diese Tools nicht nur empfehlen, sondern vorstellen, ausprobieren lassen und, wenn das Unternehmen Lizenzen bereitstellt, beim Einstieg begleiten. Dabei gilt es, unterschiedliche Erfahrungsstände sowie Medienzugänge zu berücksichtigen.

KI-generierte Bilder

Dass geeignete Bilder fehlen, stellt eines der größten Probleme in der Contenterstellung von Corporate Influencern dar. Postings ohne Bild erreichen auf LinkedIn oft weniger Menschen. Fotos zum Thema hat man nicht immer. Und die meisten Beschäftigten sind eben keine professionellen Gestalter oder Designer.

Doch Corporate Influencer wollen ja echte Einblicke liefern und keine synthetischen Inhalte mit KI-generierten Schmuckbildern. Deswegen sollte der Fokus im Programm immer darauf liegen, Bildideen zu vermitteln, die zu den Einzelnen passen. Dazu gehören etwa Tipps, wie man einen guten Vorrat an Fotos schafft, oder Workshops für gelungene Handyfotos. Gerade für Corporate Influencer gilt also: Das eigene Bild toppt jede noch so gute Gestaltung mit KI-Unterstützung.

Denn ganz abgesehen von der Kennzeichnungspflicht für Deepfakes und den Nachteilen von KI-Content auch im Algorithmus: Generierte Bilder, die vortäuschen, echte Fotos zu sein, werden auf LinkedIn meiner Beobachtung nach zunehmend unpopulär. Menschen reagieren genervt auf synthetische Inhalte.

Soll man Corporate Influencern einen Canva-Zugang geben?

Canva ist die derzeit wohl bekannteste webbasierte Grafikdesign-Plattform zur Erstellung visueller Inhalte mit KI-Unterstützung. Doch nicht immer ergibt es Sinn, allen Beteiligten einen Canva-Zugang zu gewähren. Gerade für Menschen, die bisher wenig Übung im Gestalten haben, können die vielen Möglichkeiten auch überfordernd sein. Die Ergebnisse sind, vorsichtig formuliert, nicht immer sehr brauchbar.

Was ist mit geprompteten Bildern, etwa bei Gemini?

Gemini Nano Banana ist (aktuell als Nano Banana 2) mit Tageslimit kostenlos nutzbar. Aber die Ergebnisse hängen auch hier stark von der Erfahrung der Nutzenden im Prompten ab. Schulung und Begleitung sind unerlässlich.

Deshalb ist es oft sinnvoll, Gestaltungsvorlagen etwa für Infografiken oder Zitatkacheln bereitzustellen. In welchem Umfang eine solche Unterstützung stattfindet, richtet sich nach den Ressourcen im Programm. In einer so bildgeprägten Welt sollte hier aber ein Schwerpunkt liegen.

… und was mit Video-Tools?

Manche Unternehmen stellen ihren Mitarbeitenden Zugänge zu Tools zur Verfügung, mit denen sich Videos generieren und betexten lassen. Ich halte solche Anwendungen eher für Spezialfälle, die sich nur für Einzelne eignen. Deswegen sollte man das auch immer nur im Einzelfall betrachten.

Viel wichtiger: Nutzungsrechte, Datenschutz und Kennzeichnungspflicht

Wenn also klar ist, dass KI eher unterstützen soll, als aus Corporate Influencern professionelle Creator zu machen, bedeutet das auch: Am wichtigsten ist es zu vermitteln, welche Folgen sich aus der Nutzung der jeweiligen Tools ergeben. Dazu gehört insbesondere die Kennzeichnungspflicht, aber auch das Wissen darum, was es bedeutet, eigene Fotos dort hochzuladen.

Praxistipps

Wie baut man KI-Kompetenz ins Programm ein?

Gute Corporate-Influencer-Programme werden nicht einfach für die Teilnehmenden entwickelt, sondern entwickeln sich mit ihnen weiter. Deswegen sollten zunächst immer der Bedarf ermittelt, die Vorstellungen abgeglichen und auch der Wissensstand der Einzelnen abgefragt werden. Idealerweise lassen sich die verschiedenen Personen in Gruppen einteilen, die gemäß ihren individuellen Voraussetzungen gefördert und in der Folge weiter begleitet werden. Die Ausprägung kann je nach Unternehmen, Programm und Beteiligten sehr unterschiedlich aussehen.

  • Einsteigende mit wenig oder gar keiner KI-Erfahrung
    • Ausgangslage: Sie haben KI bisher kaum oder gar nicht genutzt, manchmal auch, weil sie keinen Rechnerarbeitsplatz oder kein Diensthandy haben. Oft ist auch eine gewisse Unsicherheit dabei.
    • Förderung: Grundlagen-Workshop in kleiner Gruppe, gemeinsames Ausprobieren an eigenen Themen, eine feste Ansprechperson und, wenn möglich, ein Buddy aus der Gruppe der Erfahrenen
  • Gelegentlich Nutzende
    • Ausgangslage: Sie nutzen ChatGPT & Co. ab und zu, vielleicht privat, etwa zum Formulieren oder für die Recherche, kennen aber Grenzen und Risiken kaum. Manche von ihnen haben noch keine realistische Vorstellung, wie sie KI am besten als Corporate Influencer einsetzen.
    • Förderung: Erwartungen klären, Schreib- und Prompting-Werkstätten, Übungen zu Recherche und Faktenprüfung sowie die Grundlagen zu Kennzeichnung und Datenschutz
  • Erfahrene
    • Ausgangslage: Sie arbeiten oft schon im Hauptberuf mit KI und haben eigene Abläufe und Werkzeuge entwickelt.
    • Förderung: Austausch auf Augenhöhe, Vertiefung etwa zu Bildgenerierung oder Redaktionsplanung, Sensibilisierung für die Risiken eigener Lösungen und für die Trennung von beruflicher und privater Nutzung. Viele übernehmen gern selbst eine Rolle, etwa als Buddy oder mit einem Impuls im Meet-up.
  • Skeptische
    • Ausgangslage: Sie wollen KI nicht oder nur wenig nutzen und interessieren sich vor allem für die Risiken.
    • Förderung: Diese Haltung respektieren und keinen Druck aufbauen. Im Mittelpunkt stehen das Erkennen und Einordnen von KI-Inhalten, Deepfakes und Desinformation sowie die Unterstützung beim Schreiben ganz ohne KI.

Noch einmal: Rechtliche Begleitung und Informationen zu Risiken und Besonderheiten gehören immer dazu, egal, wie erfahren die Betreffenden jeweils sind.

Typische Formate für die KI-Vermittlung

Folgende Bausteine decken ab, was ein Programm für die KI-Befähigung anbieten kann. Die Teilnahme ist freiwillig. Ob die Termine in der Arbeitszeit liegen oder außerhalb, sollte von Anfang an geklärt sein. Die meisten Bausteine dienen natürlich nicht nur dem Umgang mit KI, sondern sind insgesamt Teil des Programms.

  • KI-Onboarding: einmalig. Wird wiederholt, wenn neue Corporate Influencer hinzukommen.
  • Laufender Community-Kanal: dauerhaft, etwa in Teams oder Slack, für Fragen, Fundstücke und Feedbackwünsche.
  • Meet-ups: alle zwei Wochen, 30 Minuten (Wer schreibt woran, wo hakt es, welches Material fehlt? …)
  • Offene Sprechstunde: regelmäßig.
  • Buddy-Tandem: selbst organisiert, flexibel für gegenseitiges Feedback.
  • Kreativ-Workshops, Schreib- und Prompting-Werkstätten: regelmäßig nach Bedarf und Ressourcen.

KI im Programm-Management nutzen

Nicht nur die Teilnehmenden profitieren von KI, sondern auch die Organisation selbst. Hier gibt es vielfältige Möglichkeiten. Programmverantwortliche können KI-Tools beispielsweise nutzen, um Inhalte zu strukturieren, Feedback auszuwerten oder Lernpfade individuell anzupassen. Das kann Zeit sparen und die Qualität verbessern. Wichtig ist auch hier: KI ersetzt nicht die persönliche Begleitung, sie ergänzt sie. Sie darf nicht zur Massenabfertigung führen, sondern sollte individualisierte Angebote ermöglichen.

Aber: Niemand kann heute glaubwürdig vertreten, man könne in der Kommunikation ebenso wie im Programm-Management auf den Einsatz von KI ganz verzichten.

Anwendungsbeispiele:

  • Feedback aus Workshops oder Umfragen automatisch strukturieren lassen (Vorsicht bei namentlicher Erfassung: Persönlichkeitsrechte und Datenschutz!)
  • Transkripte von Video- oder Sprechtrainings erstellen
  • Inhalte für Trainingsmodule gezielt anpassen, je nach Erfahrungsstand
  • Themenanregungen und Anlässe sammeln, die die Teilnehmenden aufgreifen können, aber nicht müssen

Weitere Praxistipps für Programmverantwortliche

Eine KI-Leitlinie nach dem Ampelsystem

Lange Richtlinien liest kaum jemand, und im Alltag helfen sie selten weiter. Wie wäre es mit einer Leitlinie nach dem Ampelsystem, möglichst auf einer oder maximal zwei Seiten?

Grün bedeutet unbedenklich, Gelb sinnvoll, aber nur mit Prüfung oder Kennzeichnung, Rot heißt: lieber nicht.

Weil die Corporate Influencer freiwillig in ihren eigenen Profilen posten, liefert eine solche Ampel vor allem Orientierung. Verbindlich ist sie dort, wo es um Informationen aus dem Unternehmen geht. Sie kann zum Beispiel diese Bereiche umfassen:

  • Daten: Grün sind veröffentlichte Inhalte, eigene Ideen und Fachwissen. Gelb sind interne, aber unkritische Informationen, und zwar nur in einem vom Arbeitgeber freigegebenen Tool. Rot sind Kunden-, Beschäftigten-, Vertrags- und Finanzdaten sowie alles, was noch nicht veröffentlicht ist.
  • Arbeitsschritte: Grün sind Sparring, Ideensammlung und Korrektur. Gelb sind Recherche, bei der jede Zahl und jede Quelle geprüft wird, und Rohfassungen, die man gründlich selbst überarbeitet. Rot sind automatisiertes Posten und Kommentieren durch Bots oder KI-Agenten sowie der automatisierte Versand von Nachrichten.
  • Bilder: Grün sind eigene Fotos. Gelb sind KI-gestützte Grafiken und Bearbeitungen, je nach Fall mit Kennzeichnung. Rot sind fotorealistische KI-Bilder, die echte Situationen oder Personen vortäuschen.

Die Vorher-nachher-Übung

Für diese Übung im Workshop bringt jede Person einen eigenen Beitrag mit, der gut angekommen ist, und lässt ihn von einer KI überarbeiten, etwa mit dem schlichten Auftrag „Mach diesen Text besser“.

Dann werden beide Fassungen nebeneinandergelegt und gemeinsam besprochen: Was ist verloren gegangen? Welche typischen Muster sind dazugekommen, etwa formelhafte Einstiege oder das unvermeidliche „Es geht nicht um X – es geht um Y“? Die Teilnehmenden merken dabei meist sehr schnell selbst, was ihre eigene Stimme ausmacht. Und sie lernen nebenbei, KI-generierte Inhalte bei anderen zu erkennen.

Wie sehr KI Texte einander angleicht, zeigt eine Studie von Anil Doshi und Oliver Hauser. Rund 300 Teilnehmende schrieben darin kurze Geschichten von acht Sätzen, teils ohne KI, teils mit einer oder bis zu fünf Ideen von ChatGPT als Ausgangspunkt. 600 Personen bewerteten die Geschichten anschließend. Wer bis zu fünf KI-Ideen nutzen konnte, schrieb Geschichten, die um 8,1 Prozent origineller bewertet wurden. Am meisten profitierten dabei die weniger kreativen Teilnehmenden. Zugleich ähnelten sich die Geschichten mit KI-Unterstützung untereinander stärker als die ohne, um 10,7 Prozent bei einer KI-Idee und um 8,9 Prozent bei bis zu fünf (Doshi & Hauser, Science Advances 2024; Mitteilung der University of Exeter). Für die einzelne Person kann KI also ein Gewinn sein, für die Vielfalt insgesamt eher nicht. Die Studie bezieht sich zwar auf Kurzgeschichten und nicht auf LinkedIn-Beiträge. Doch das Muster dürften viele aus ihrer Timeline kennen.

Ein KI-FAQ aus allen Rückfragen

Im Community-Kanal, in den Sprechstunden und in den Workshops kommen oft wiederholt ähnliche Fragen: Darf ich das Tool aus dem Unternehmen auch für mein Profil nutzen? Muss ich dieses Bild kennzeichnen?

Es lohnt sich, diese Fragen von Anfang an zu sammeln und daraus ein FAQ für das Programm anzulegen, das alle jederzeit einsehen können. Dabei kann wiederum KI helfen: Sie kann die Fragen aus Chatverläufen und Protokollen herausziehen, Ähnliches zusammenfassen und nach Themen ordnen. Die Antworten erarbeiten und prüfen allerdings die Programmverantwortlichen, bei rechtlichen Fragen gemeinsam mit der Rechtsabteilung. Die Fragen sollten ohne Namen erfasst werden, und interne Chatverläufe gehören nur in ein freigegebenes Tool.

Ein solches FAQ entlastet die Sprechstunden und hilft neuen Corporate Influencern beim Einstieg. Außerdem sehen die Programmverantwortlichen daran, wo noch Schulungsbedarf besteht.

Weitere Praxistipps für die Corporate Influencer

Sich von der KI interviewen lassen

Viele geben der KI ein paar Stichworte und bekommen einen fertigen Text zurück, der dann eben auch so klingt. Es geht aber auch andersherum: Corporate Influencer lassen sich von der KI befragen. Ein möglicher Prompt: „Ich möchte über [Erlebnis, Projekt, Thema] schreiben. Stell mir nacheinander Fragen dazu, immer nur eine. Schreib noch keinen Text.“ Die KI fragt dann zum Beispiel nach, was genau passiert ist, was überrascht hat oder was andere daraus lernen können.

Die Antworten, gern auch eingesprochen, sind das Rohmaterial in der eigenen Sprache, aus dem der Beitrag entsteht. Das funktioniert mit jedem Sprachmodell. Und oft zeigt sich dabei, was oben schon beschrieben ist: Die eigene Klarheit, die beim Beantworten der Fragen entsteht, ist am Ende wichtiger als das, was die KI liefert.

Die eigene KI-Erfahrung im Job zum Thema machen

Viele Beschäftigte probieren gerade aus, wie KI ihre Arbeit verändert, ob in der Buchhaltung, im Vertrieb, in der Entwicklung oder in der Pflege. Was funktioniert, was nicht, was hat überrascht? Solche Erfahrungen aus dem eigenen Arbeitsalltag sind für viele Corporate Influencer ein gutes Thema, weil sie konkret und aktuell sind und zugleich fachliche Kompetenz zeigen. Ein Beispiel liefert die DATEV: Ein Botschafter berichtet, dass ein externer Teilnehmer nach einem seiner „KI-Impulse“ auf das Unternehmen aufmerksam wurde, sich beworben hat und heute dort arbeitet (DATEV, Stimmen aus der Botschafter-Community). Das Programm sollte allerdings vorab klären, was über interne KI-Projekte öffentlich gesagt werden darf.

Aus Vorhandenem schöpfen

Viele Corporate Influencer haben mehr Material, als sie denken: einen Vortrag, den sie gehalten haben, einen Fachartikel, ein Webinar oder ihre Notizen von einer Konferenz. Die KI kann solches Material durchgehen und Ansatzpunkte für einzelne Beiträge vorschlagen, etwa mit der Frage: „Welche Gedanken aus diesem Vortrag könnten für [Zielgruppe] jeweils interessant sein?“

Schreiben sollte man die Beiträge dann selbst. So kann aus einem einzigen Vortrag ein Themenvorrat für mehrere Wochen entstehen, und die Beiträge haben Substanz, weil die Gedanken ja schon durchdacht sind. Voraussetzung ist allerdings, dass das Material veröffentlicht oder freigegeben ist. Interne Präsentationen gehören nicht in ein privates Tool.

KI für Bildideen statt für die Bildgenerierung

Dass eigene Fotos für Corporate Influencer besser geeignet sind als KI-generierte Bilder, steht weiter oben schon. Oft liegt das Problem aber woanders: Man weiß einfach nicht, was man zu einem bestimmten Thema fotografieren soll. Hier kann KI helfen, und zwar beim Finden von Ideen. Ein möglicher Prompt: „Ich schreibe über [Thema]. Ich arbeite in [Umfeld] und habe ein Smartphone. Schlag mir zehn Fotomotive vor, die ich in meinem Arbeitsalltag selbst aufnehmen kann, ohne Personen und ohne Vertrauliches im Bild.“ Nicht jeder Vorschlag passt. Aber meist ist etwas dabei, worauf man selbst nicht gekommen wäre, etwa der eigene Schreibtisch von oben oder ein Whiteboard nach einem Workshop, sofern nichts Vertrauliches darauf steht. Das ergänzt die Workshops für Handyfotos und den Fotovorrat, die ich weiter oben empfohlen habe.

Die eigene LinkedIn-Statistik auswerten lassen

LinkedIn bietet auch für persönliche Profile sowie für einzelne Beiträge Statistiken an. Lädt man solche Informationen in ein KI-Tool – im Zweifel reicht ein Screenshot –, kann man gezielt fragen: Welche meiner Themen erreichen die Menschen, für die ich laut meiner Contentstrategie spreche? Welche Beiträge hatten wenig Reichweite, aber viele Kommentare? Gibt es Formate oder Wochentage, die besser funktionieren?

So lässt sich die persönliche Contentstrategie anhand der eigenen Zahlen überprüfen, und zwar nicht nur nach Reichweite, sondern auch danach, ob die richtigen Zielgruppen erreicht werden (siehe „Kennzahlen und Ziele klarstellen“). Die Daten betreffen nur das eigene Profil. Solange darauf keine Namen einzelner Personen zu sehen sind, etwa von Profilbesuchern oder Kommentierenden, können sie also auch in ein privates Tool.

Fazit

KI gehört für uns alle längst zum Alltag. Das betrifft die gesamte Kommunikation. Am Thema KI kommt auch kein Corporate-Influencer-Programm vorbei. Die Beteiligten nutzen KI ohnehin, im Job wie privat, und sie bewegen sich auf Plattformen, auf denen KI-generierte Inhalte zu finden sind. Programmverantwortliche sollten dies deshalb von Anfang an in der Konzeption berücksichtigen, mit Schulungen, die den unterschiedlichen Voraussetzungen gerecht werden, und mit regelmäßiger Begleitung, auch in rechtlichen Fragen.

Was die Corporate Influencer in ihren eigenen Profilen daraus machen, entscheiden sie selbst. Empfehlenswert: KI vor allem nutzen, um ins Tun zu kommen, Prozesse zu vereinfachen, Ideen zu sortieren oder Material zu prüfen. Problematisch wird es dort, wo die KI die eigene Stimme ersetzt.

Hinzu kommt ein Aspekt, der in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird: Wie KI-Systeme ein Unternehmen darstellen, hängt stark davon ab, was andere darüber schreiben. Corporate Influencer, die fachlich fundiert und unter eigenem Namen publizieren, tragen dazu bei.

Bitte beachten

Alle Informationen, Aussagen und Quellen in diesem Beitrag habe ich nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Es handelt sich um allgemeine Aussagen, nicht um konkrete Ratschläge. Keine Haftung für die Übernahme und Anwendung der Tipps. Irrtümer vorbehalten. Stand: 4. November 2026

Dr. Kerstin Hoffmann