Alles auf Anfang: 5 Schritte, um erfolgreich ins Web 2.0 zu starten

people_stairsGestern habe ich in der Industrie- und Handelskammer in Duisburg eine Veranstaltung moderiert. Sechs Referenten zu sechs Web-2.0-Themen. Hochspannende Informationen, aber es wurde zugleich einmal mehr klar, wie sehr die Schere klafft: Einige der Teilnehmer waren schon sehr tief im Thema und stellten Detailfragen. Andere hatten gerade erst von dem Thema gehört. Fünf Kernaussagen zogen sich wie ein roter Faden durch alle Vorträge:

  • Es ist wichtig authentisch zu bleiben und die Wahrheit zu sagen. Web 2.0 ist weder Werbe- noch PR-Kanal und hat ganz eigene Gesetze.
  • Miteinander und Kooperation müssen im Vordergrund stehen. Wer vorschnell Streit anfängt oder juristisch vorgeht, statt zuerst den Dialog zu suchen, hat meistens schon verloren.
  • Das Internet vergisst nicht. Daher ist es wichtig, sich genau zu überlegen, was man veröffentlicht, wo und in welcher Form.
  • Nicht alles macht für jedes Unternehmen Sinn. Für eine schlüssige Web-2.0-Strategie, die inhaltlich einwandfrei ist und sich auf rechtlich sicherem Boden bewegt, braucht es Fachwissen und Konzepte.
  • Erst zuhören, lesen und informieren – dann selbst aktiv veröffentlichen!

In der Nachbereitung fiel mir schlagartig auf, dass ich hier sehr viel über Social Media, Netzwerkstrategien und einzelne Technologien schreibe. Aber fast jeder dieser Beiträge setzt zumindest ein gewisses Grundwissen und erste Erfahrungen voraus. Nun halte ich ja öfter Web-2.0-Vorträge vor Unternehmern, die zum ersten Mal damit konfrontiert sind. Aber ich habe noch nie hier im Blog zusammengefasst, wie man eigentlich sinnvoll ganz von vorne beginnt, ins Web 2.0 – also in Social Media (kurze Definition hier) – einzusteigen. Wie kann das also aussehen?

Warum wollen Sie denn ins Web 2.0?

Die Beweggründe für Unternehmen können vielfältig sein. Vielleicht kommt der erste Kontakt aus Neugier. Vielleicht haben sie auch gehört, dass Social-Media-Strategien langfristig aus keiner Unternehmens-PR mehr wegzudenken sind. Aus folgenden drei Hauptgründen ist es sinnvoll einmal näher hinzuschauen:

  • Entscheidungshilfe: Erst wer die Medien kennt, kann beurteilen, welche davon dem Unternehmen etwas bringen – und welche nicht.
  • Informationsquelle:  Wissen Sie, was über Ihr Unternehmen wo überall im Internet steht? Selbst wenn Sie aktiv nicht veröffentlichen, ist ein gutes Monitoring wichtig.
  • Einfluss: Über Ihr Unternehmen wird gesprochen, egal, ob Sie sich aktiv daran beteiligen oder nicht. Wenn Sie es tun, haben Sie die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen.

Wo fangen Sie nun an ?

5 Schritte, um erfolgreich ins Web 2.0 zu starten

Gesetzt den Fall, Sie wollen Social Media in Zukunft für Ihr Unternehmen nutzen, haben sich aber noch nie mit dem Thema Web 2.0 auseinandergesetzt. Oder Sie haben gerade mal einen XING-Account, wussten aber gar nicht, dass das zu Social Media gehört. Das Thema ist schier überwältigend. Wo und wie finden Sie denn überhaupt einen Anfang?

1. Verschaffen Sie sich einen Überblick.

Suchen Sie sich einige Angebote und Websites heraus, die Sie spontan besonders ansprechen, und klicken Sie sich einfach einmal eine Weile durch. XING, LinkedIn und Facebook bieten sich da an, Twitter, Blogs und das eine oder andere Forum zu einem Thema, das Sie interessiert. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um sich mit Feedreadern wie dem Google-Reader auseinanderzusetzen und ein paar RSS-Feeds zu abonnieren. Den ersten finden Sie gleich oben in der Navigationsleiste dieses Blog unter „Abonnieren“. Erarbeiten Sie sich so nach und nach einen guten Überblick. Seien Sie auch aufmerksam für die Nuancen: In manchen Netzwerken treten Sie als reale, einzelne Person auf, in anderen sollten Sie als ‚Corpus‘ Unternehmen kommunizieren.

2. Werden Sie aktiv und probieren Sie aus.

Von allen möglichen Wegen ist einer der gefährlichste: Veröffentlichen, bevor Sie genau wissen, was Sie tun und in welchem Umfeld. Ein Werkzeugkasten macht noch keinen guten Handwerker. Dennoch sind neue Medien am besten erfahrbar und erlebbar, indem Sie ausprobieren. Deswegen: statt eines Firmenblogs könnten Sie unter Pseudonym ein privates Blog bei einem kostenlosen Anbieter wie Blogger, Blogspot oder WordPress anlegen. Selbst wenn Sie später nicht selbst für Ihr Unternehmen bloggen wollen, sollten Sie wissen, wie es funktioniert. Jeder gute Regisseur kann auch selbst eine Kamera halten. Schreiben Sie in Hobbyforen. Legen Sie sich einen privaten Twitter-Account zu. Machen Sie sich mit den Funktionen von XING und Facebook vertraut. Aber auch hier gilt: erst lesen, dann schreiben.

3. Entwickeln Sie eine Strategie.

Ihre Social-Media-Strategie muss in die gesamte Unternehmenskommunikation passen, damit Sie Ihre Zielgruppen mit den richtigen Botschaften erreichen. Social-Media-Strategien folgen darüber hinaus ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Denn es geht ja nicht alleine darum, Wirkungen zu erzielen. Es gilt auch, unerwünschte Effekte zu vermeiden. Im Web 2.0 kann jeder mitmachen, die Reaktionszeiten sind sehr kurz, auch Schädliches verbreitet sich viral. Selbst große Unternehmen haben mit kleinen, aber entscheidenden Fehlern schon dauerhaften Schaden für ihre Reputation angerichtet. Erfolgreiche Werbung und PR kommt von Fachleuten, ebenso wie funktionierende Netzwerkstrategien. Um einen gewissen Anteil an externer Beratung werden Sie auch hier nicht herumkommen.

4. Setzen Sie um und bleiben Sie dran.

Noch einmal: Wichtiger als die eigenen Veröffentlichungen ist ein gescheites und konsequentes Monitoring. Geben Sie Ihr Unternehmen und Ihren eigenen Namen regelmäßig in Suchmaschinen ein. Nutzen Sie Angebote wie Google Alerts. Beauftragen Sie gegebenenfalls einen Fachmann mit der Kontrolle. Ebenso entscheidend ist es aber, wenn Sie einmal mit dem Veröffentlichen angefangen haben, auch dranzubleiben. Ein Blog, das nicht mehr aktualisiert wird, schadet der Reputation ebenso wie eine überholte Terminseite auf Ihrer statischen Website oder ein Newsletter, der nicht wie angekündigt erscheint.Wenn Sie sich einmal einen Zuhörer-/ Leserkreis erarbeitet haben, dürfen Sie ihn nicht enttäuschen.

5. Vergessen Sie die Klassik nicht.

Bei aller Begeisterung für die neuen Möglichkeiten sollten Sie die klassischen Wege und die Kernkompetenzen der PR, des Reputationsmanagements und des Netzwerkens nicht aus den Augen verlieren. Das beginnt dabei, dass Sie Ihre Blogbeiträge vernünftig Korrektur lesen lassen und hört mit sozial verträglichem, nicht-nervendem Verhalten auch über Ihre Online-Kanäle noch lange nicht auf. Ein kostenloses Presseportal ist eine schöne Sache. Aber wenn Sie als Firma im näheren Umkreis aktiv sind, kann Ihnen die Papierausgabe Ihrer Lokalzeitung unter Umständen viel mehr bringen. Web 2.0 bietet mehr Möglichkeiten als je zuvor. Aber Sie sollten mit Ihren Ressourcen haushalten, nicht jeden Hype sofort mitmachen und immer wissen, was Sie tun – und warum.

(Foto: http://www.flickr.com/photos/feuilllu/ / CC BY-NC 2.0)

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