Fünf Publikations-Strategien für säumige Blogger

Wie es in Zukunft mit regelmäßigen, termingerechten Beiträgen klappt

Die Zeit drängt, der (selbst-) gesetzte Termin ist womöglich längst überschritten, der Redaktionsplan mal wieder Makulatur – denn ein neuer Blogbeitrag ist nicht in Sicht. Viele Blogger, gerade Selbstständige und Mittelständler, laufen ständig mit einem latenten Magendrücken und schlechtem Gewissen herum. Wollen Sie sich diesen selbst erzeugten Druck wirklich auf Dauer weiter antun? Entwickeln Sie doch lieber für sich eine Strategie, mit der Sie in Zukunft regelmäßig und viel leichter publizieren. Hier sind fünf Vorschläge für Sie.

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Weiterhin ständiger Zeitdruck – oder lieber endlich eine wirksame Strategie, die zu Ihnen passt? Wählen Sie selbst!

Anspruch versus Wirklichkeit

Eigentlich ist es ja ganz einfach: Ein Corporate Blog – egal, ob von einem Team, dem Chef selbst oder einem Freiberufler geschrieben – braucht ein vernünftiges Konzept, einen Themenplan und einen Redaktionsplan. Man muss festlegen, wie häufig, wann und in welchem Umfang Beiträge erscheinen wollen. Schon ist die Sache geritzt.

Alles schön und gut, aber man muss es auch wirklich durchhalten. Tatsächlich klaffen Anspruch und Wirklichkeit bei den meisten Blogs weit auseinander, auch – falls Sie das tröstet – bei dem einen oder anderen großen Corporate Blog. Es kommen Kundentermine oder zu lösende Probleme dazwischen. Dauernd ruft jemand an. Die Ideen bleiben aus. Man lässt sich allzu gern von vermeintlich Wichtigerem vom Bloggen abhalten, eben weil es gar nicht so einfach ist, immer neue Ideen in immer neue gute Beiträge umzusetzen.

Menschen, die auf Monitore starren …

Das führt aber leider dazu, dass überall auf der Welt Menschen, die durch eigenen Entschluss oder Jobbeschreibung bloggen müssen (bzw. wollen) vor Monitoren sitzen, die halbe Zeit einen mehr oder weniger unterschwelligen Druck im Magen (oder sonstwo) mit sich herumtragen, weil sie wieder nicht die erforderliche Zahl, Länge oder Qualität an Beiträgen publiziert haben. Mischformen, miteinander kombinieren. Doch nichts ist schlimmer für die Blogger-Motivation, als dauernd ein schlechtes Gewissen sich selbst und anderen gegenüber zu haben.Solidarische Zusammenschlüsse wie die Iron Blogger (eine tolle Sache, wie ich finde!), können vielen Bloggern wirklich helfen. Sie können aber bei manchen auch das Gegenteil bewirken, indem sie den gefühlten Druck noch erhöhen.

Mit den folgenden Strategien schlagen Sie dem eigenen Schweinehund ein Schnippchen. Welche davon am besten zu Ihnen passt, vielleicht auch eine Mischform aus mehreren, müssen Sie allerdings selbst herausfinden!

Hinweis: Die vorgestellten Strategien beziehen sich natürlich nicht auf schriftliches Bloggen, sondern auf alle Formen – etwa Podcasts, Videoskripte, Fotostories, Illustrationen, Infografiken …

1. Die Verabredung-mit-mir-selbst-Strategie

Mittwoch nachmittags ist es bei Ihnen im Büro sowieso ruhig? Morgens sind Sie eh eine Stunde früher da, weil Sie Ihre Stimmbänder beim ersten Kaffee erst einmal aufwachen lassen wollen, ehe Sie mit jemandem reden? Dann sind das ideale Zeiten, die Sie sich selbst fest in den Kalender eintragen können, um sie zum Bloggen zu nutzen.

Aber auch und gerade, wenn es bei Ihnen immer hoch hergeht, kann es sinnvoll sein, sich feste Termine in der Woche zum Bloggen einzutragen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und Sie werden vielleicht erstaunt sein, wie leicht mit der Routine das regelmäßige Bloggen wird. Mag es anfangs so ein, dass Sie ganze Termine verbringen, einfach weiter auf den Monitor zu starren, dann sollen Sie das auch akzeptieren. Irgendwann – wahrscheinlich nach gar nicht so langer Zeit – kommt der Moment, an dem sich der Schalter von selbst umlegt und Sie zum mit sich selbst verabredeten Zeitpunkt kreativ sein können. Das ist ein unschätzbarer Vorteil für Menschen, die regelmäßig Inhalte produzieren müssen.

2. Die Stehsatz-Strategie

Jede (Zeitungs-) Redaktion hat einen sogenannten Stehsatz: Das sind zeitlose Artikel, die auf Vorrat geschrieben und nach Bedarf veröffentlicht werden. Besonders für Tageszeitungen ist dies naturgemäß immer dann rettend, wenn ein fest eingeplanter Beitrag wegfällt. Aber auch für ein Blog kann es hilfreich sein, wenn auf den nächsten Erscheinungsterminen bereits fertige Artikel liegen. Das klappt natürlich nicht für alle Blogs und jeden Themenbereich, ist aber doch zumindest für die meisten denkbar, die nicht ausschließlich auf sehr aktueller Berichterstattung basieren.

Ab und an einmal einige Stunden am Stück investiert, wenn es gerade leicht fällt und gut passt, und schon entsteht ein nennenswerter Stehsatz. Die Erfahrung lehrt: Liegen einmal Texte vor, ist der empfundene Druck lange nicht mehr so groß. Plötzlich fallen einem dauernd neue Beiträge ein, und selbst wenn nicht, ist das lange nicht mehr so tragisch. Diese Strategie ist also ein gutes Mittel gegen den ständigen latenten Magendruck. Sie funktioniert besonders gut in Kombination mit einer der folgenden Strategien.

3. Die Lückenfüll-Strategie

Wie oft sitzen Sie irgendwo herum und warten? Sei es privat beim Arzt, auf einer Dienstreise am Gate auf dem Flughafen, in einem Zug? Wer aufmerksam dafür ist, wo sich scheinbarer „Leerlauf“ zur Ideenfindung und Texterstellung nutzen lässt, kann sich auch hier eine Routine angewöhnen. Dazu gehört das entsprechende Werkzeug: Ein handlicher Tabletcomputer in der Jackentasche oder ein Notizbuch – je nach persönlichen Vorlieben. Manche tippen ganze Texte in ihr Smartphone. Ich habe sowieso bei den allermeisten Gelegenheiten mein iPad dabei, weil mir ein kleineres Tablet eben zu klein ist.

Ich würde persönlich auch immer digitale Notizen bevorzugen, weil ich sie dann nicht noch einmal abtippen muss. Notizbuch-Apps wie Evernote bieten sich dafür an. Deutlich schlanker, was die Funktionen betrifft, ist für Android-basierte Geräte beispielsweise Google Keep als App, die ihre Inhalte selbst mit dem Google-Account synchronisiert.

Aber auch bei dieser Strategie gilt: Entscheidend ist nicht das Werkzeug. Es kommt darauf an, die Aufmerksamkeit für Gelegenheiten zu schärfen und eine Gewohnheit zu etablieren, die irgendwann zum Selbstläufer wird.

4. Die Inspirations-Strategie

„Mir fällt einfach wieder nichts ein!“ – In solche verzweifelten Situationen gerät fast jeder Blogger einmal. Da hilft es, sich selbst und anderen zuzuhören: Äußert ein Kunde eine Frage, die Sie fachkundig beantworten können? Machen Sie gleich einen Blogbeitrag daraus, der – etwas verallgemeinert – für eine ganze Zielgruppe gilt. Haben Sie eine Idee für eine Problemlösung? Sofort aufschreiben! Inspiriert Sie etwas, das Sie irgendwo lesen oder hören, vielleicht ein aktuelles Ereignis, zu einer eigenen Meinung? Machen Sie einen Artikel oder einen Podcast daraus.

Wichtig für diese Strategie: Sobald Sie eine Inspiration haben, sollten Sie nicht nur eine Notiz machen, sondern sich so schnell wie möglich an den ganzen Artikel setzen. Vielleicht sogar in der allernächsten „Warte-Lücke“, die zu füllen ist?!

5. Die Häppchen-Strategie

Ich habe sehr häufig Ideen für Blogbeiträge, die mir so einleuchtend erscheinen, dass ich sie nicht einmal aufschreibe. Fehler! Oft ist das bereits in Ansätzen durchdachte Beitragskonzept nach ein paar Tagen wieder vergessen. Deswegen bin ich dazu übergegangen, immer dann, wenn mir eine Idee zu einem meiner (oder der von mir betreuten Kunden-) Blogs kommt, sofort einen Beitrag mit dem Arbeitstitel als Überschrift dazu anzulegen und zu speichern. Diese Beiträge ergänze ich dann stückwiese oder in einem Rutsch, je nachdem, wie viel Zeit gerade ist.

Vorsicht: Auch wenn Überschrift und Idee klar sind, besser immer einige Stichworte und Zwischenüberschriften mit notieren. Ansonsten wissen Sie womöglich bei einer Vielzahl von Ideen nach einer Weile nicht mehr, was denn der ganz besondere springende Punkt war, den Sie herausarbeiten wollten.

Bei unvollständigen Beiträgen, die nach und nach entstehen, muss man natürlich besonders gut aufpassen, dass man sie nicht versehentlich schon freischaltet. Arbeiten mehrere Blogger in einem Backend bedarf es zusätzlicher Sicherungsmechanismen.

Mein Tipp: Probieren Sie alle diese Strategien einmal aus und geben Sie nicht gleich auf. Vielleicht erweist sich die eine oder andere mit etwas Übung als Ihre neue Erfolgsstrategie gegen den ständigen Druck und für mehr Leichtigkeit beim Bloggen. Viel Erfolg und viel Spaß damit!


Dr. Kerstin HoffmannDie Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Kommunikations- und Social-Media-Strategien, Public Relations, Corporate Blogs, Marketing und Text. Sie gibt Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Kerstin Hoffmann mit ihrem Team für Ihr Unternehmen tun kann? Hier geht es zum Beratungsangebot. »

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  5 comments for “Fünf Publikations-Strategien für säumige Blogger

  1. Ruth Roettges
    24. Juni 2014 at 09:45

    Herzlichen Dank für diesen wirklich ermunternden Beitrag. Es stimmt alles, ich weiß es, erlebe es ständig und kenne sogar die Strategien – rein gedanklich versteht sich. Nun steht es hier schwarz auf weiß. Quasi als Bestätigung, dass es sooo einfach sein kann, den eigenen Blog am Leben zu halten. Das zeigt mir sehr klar, woran es bei mir klemmt: Ideen unbedingt sofort aufschreiben, sonst werden sie flüchtig und landen im Orbit, statt auf meinem Blog.
    Super, Kerstin, das bringt mich bestimmt weiter.
    Viele Grüße
    Ruth

  2. Ingrid
    24. Juni 2014 at 17:55

    Danke für den gehaltvollen Beitrag, ich habe mich widererkannt, das schlechte Gewissen trage ich mit mir rum, anstatt aus den Ideen einfach einen Artikel zu schreiben. Danke für die Motivation. 🙂 Wunderbar deine Klarheit.

  3. 25. Juni 2014 at 16:02

    Ich hätte noch eine:

    Die „Serien-Strategie“

    Denken sie sich eine oder mehrere regelmäßge (oder unregelmäßige) Serien als Themen-Container aus.

    Also
    – Tipps
    – Kurzinterviews
    – Definitionen
    – Links zu News der Woche

    Hat man erst einmal so ein „Format“, fällt es leichter, es zu füllen.

    Als ich mal ein Gadgetblog machte, ga es jeden Freitag um 16 Uhr ein „Webgame am Freitag“. Fand ich unter der Woche eins, setze ich das auf deisen Slot, fand ich keins recherchierte ich am Donnerstag eins (und fand meist drei -> 3 Wochen Conent). oder ich rief eine „Uhrenwoche“ aus und stellte täglich eine abgedrehte Armbanduhr vor. Das war natürlich auch super vorzurecherchieren und an fand… genau… meist mehrere.

    Eine Varinate hiervon: ein zu länglich geratener Artikel lässt sich auch als 3-er Serie posten. Und querverlinken. das ist dann auch noch SEO.

    Wer hat noch Tricks? 😉

  4. Kerstin Trott
    7. September 2014 at 12:59

    Menschen, die auf Monitore starren … Vielen Dank für diese witzigen und wirklich hilfreichen Hinweise. Sooooo funny!

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