Wie zitiere ich korrekt aus Social Media?

Grundlegender Leitfaden mit Fragen, Anleitung und Beispielen

Sach- und Fachbuch-Autoren und Wissenschaftler haben neuerdings das gleiche Problem: Wie gehen sie mit Quellen und Zitaten um, die aus Facebook, Twitter und anderen Angeboten im Social Web stammen? Die selbst noch relativ jungen Regeln für ‘herkömmliche’ Online-Quellen kann man nicht eins zu eins übertragen. Neue verbindliche Regeln für Social-Media-Zitate gibt es noch nicht. Aus Blogbeiträgen wie diesem heraus kann man verlinken. Aber was ist mit Büchern, gedruckten Werken, Zeitschriftenartikeln und auch E-Books? Wie sehr diese Frage der Klärung bedarf, ergab kürzlich eine Diskussion auf Facebook.

Daher will ich es für alle, die das brauchen und wissen müssen, einmal grundsätzlich und fundiert klären. Meine Kollegin Heike Baller ist spezialisiert auf Fragen des Zitierens und Bibliographierens. Hier liefert sie einen ausführlichen Leitfaden zur Frage: “Wie zitiere ich korrekt aus Social Media?” – Liebe Autorinnen und Autorinnen, bitte bedienen Sie sich:

Längst ist es ganz normal, in wissenschaftlichen Publikationen Online-Dokumente zu zitieren. Passend zu den einzelnen Zitationsstilen (APA, Harvard & Co) gibt es dazu auch Richtlinien. Bei Online-Dokumenten handelt es sich um Texte, Bilder und andere Medien, die im Internet veröffentlicht und dort – mehr oder weniger zuverlässig – abgerufen werden können. Aber wie sieht es aus, wenn aus Diskussionen in Social Media zitiert werden soll? Diese Frage entspann sich anhand einer Diskussion, die Kerstin Hoffmann auf Facebook initiiert hatte und aus der die Autorin Karin Janner in einem Buchbeitrag zitieren wollte.

Verbindliche Regeln gibt es dafür noch nicht. Vielleicht auch, weil laut dem Datenreport 2013 „Nutzung von Social Media und onlinebasierten Anwendungen in der Wissenschaft“ Social-Media-Anwendungen unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für berufliche Zwecke eher wenig genutzt werden? Doch das löst das Problem nicht für die Fälle, in denen es vorkommt, weder für wissenschaftliche noch für andere Autoren. Daher hier einige Tipps, Regeln und Vorschläge für die korrekte Handhabung.

Fragen und Antwortbeispiele für das korrekte Zitieren

Analog zu den Zitationsvorgaben für andere Online-Dokumente empfehle ich folgende Fragen:

1. Wer hat das gesagt, was ich hier zitieren will?

2. Wo hat er das gesagt?

3. Wann hat er es gesagt?

4. Wie lautet die Adresse, an der die Aussage zu finden ist?

5. Wann habe ich den Beitrag zuletzt gesehen?

Wie lauten nun die Antworten? Bei dem Beispiel, das der Auslöser für diesen Beitrag war, sieht das Ganze also so aus:

1. Thilo Specht hat etwas geäußert

2. In einem Diskussionsfaden von Kerstin Hoffmann

3. Am 20.2.2014

4. https://www.facebook.com/kerstin.hoffmann/posts/10202710676183587?comment_id=7532564&offset=0&total_comments=31

5. 04.03.2014

Die vollständige Referenz im Literaturverzeichnis sähe also wie folgt aus:

Specht, Thilo: Für mich sind es Plattformen, die folgendes erfüllen müssen, in: Hoffmann, Kerstin: Was genau macht eigentlich ein soziales Netzwerk/Social Media aus?, am 20.2.2014, online unter: https://www.facebook.com/kerstin.hoffmann/posts/10202710676183587?comment_id=7532564&offset=0&total_comments=31 , letzter Zugriff: 4.3.2014.

Je nach Zitationsstil (APA, Harvard, MLA, DGPS u. a .) können sich Einzelheiten wie Fett- oder Kursivsetzung unterscheiden – aber die wesentlichen Informationen sind überall die gleichen. In diesem Falle ist die Sache noch recht einfach, denn die Diskussion ist von Kerstin Hoffmann auf “öffentlich” gestellt worden. Das bedeutet, jeder kann die Quelle öffnen, auch jemand, der nicht einmal bei Facebook angemeldet ist. Aber sehr häufig sind Diskussionen bei Facebook, Google+ oder XING auf eingeloggte Mitglieder beschränkt oder sogar nur auf diejenigen Personen, die mit dem Urheber der Diskussion in irgendeiner Weise verknüpft sind. Was ist dann?

Problem: Eingeschränkter Zugang bei Social Media

Wissenschaftlichkeit bedeutet Nachprüfbarkeit, und das gilt auch für das korrekte Zitieren in Fach- und Sachbüchern. Jede Leserin eines Beitrags/Buchs/Artikels muss nachvollziehen können, wie eine Aussage zustande kommt und wie die Belege dafür aussehen. Wenn nun also die Nachprüfbarkeit in einigen Social Media per se eingeschränkt ist, wird es schwierig. Facebook-Seiten sind meist öffentlich (liegt ja im Sinn der Sache) – was da passiert, können alle nachlesen.

Aber Diskussionen, die auf Profilen bei Facebook stattfinden, sind nur dann öffentlich, wenn das bei der Diskussionseröffnung so eingestellt wird. Dann gibt es noch Gruppen bei Facebook, deren Inhalt nur innerhalb gesehen werden können – innerhalb von Facebook und teilweise, bei geschlossenen Gruppen, ist der Inhalt sogar nur für Gruppenmitglieder sichtbar. Ähnliches gilt für Gruppen bei XING und Diskussionen bei Google+. Aus solchen Diskussionen heraus zu zitieren, ist wesentlich aufwändiger, da hier gegebenenfalls das Einverständnis der Urheberinnen und Urheber – des Zitats, und auch des Diskussionsursprungs – eingeholt werden muss.

Beim dokumentierenden Screenshot ist im Zweifelsfalle das Verpixeln von Namen und Bildern nötig, die mit hineingeraten, aber nicht zitiert werden (wollen und/oder sollen). Die oben genannten Informationen müssen Sie auf jeden Fall angeben. Sie müssen aber auch für alle Leserinnen und Leser selbst nachzulesen sein – eben überprüfbar. Um die Nachprüfbarkeit auch bei zugangsbeschränkten Belegen zu ermöglichen empfiehlt es sich, einen Screenshot anzufertigen und diesen beispielsweise im Anhang zu platzieren. Dabei sollte der Screenshot wirklich alle relevanten Informationen, also vor allem die URL mit erfassen. Die kleinen Ausschnitte, die zum Beispiel zur Dokumentation in Blogbeiträgen wie im oben erwähnten verwendet werden, reichen für einen wissenschaftlich relevanten Beleg nicht aus.

URL (rot unterstrichen), Diskussionsbeginn und Anfang des zu zitierenden Beitrags (roter Rahmen) passen hier sogar zusammen auf ein Bild. Besser ist es natürlich, wenn der gesamte relevante Text erfasst ist.

 

Zitieren aus Blogs

Aus Blogs zu zitieren ist wesentlich einfacher – hier werden in der Regel Ross und Reiter genannt, besonders, wenn es sich um Beiträge des Blogbetreibers handelt. Wenn allerdings ein Kommentar nur mit Vornamen oder einem “Nickname” (Pseudonym) gekennzeichnet ist, wird es wieder aufwändig. Denn der Urheber eines Zitats sollte eindeutig zu erkennen sein. Manchmal gibt es die Möglichkeit, über den verlinkten Namen auf eine Website zu gelangen und man bekommt so die Möglichkeit, den Namen zu entschlüsseln. Dieser Weg sollte dann aber auch dokumentiert werden – und da gelten die gleichen Fragen wie oben:

Beispiel: Antworten für den Blogbeitrag „Ein Bericht von außen – Mein Kind bei der Ergotherapie“:

  1. Andrea Behnke – Link von Name „Andrea“ auf Website: http://www.andreabehnke.de/
  2. Blog „Handlungsplan“ von Silke Jäger
  3. 5.12.2011
  4. http://www.handlungsplan.net/ein-bericht-von-aussen-mein-kind-bei-der-ergotherapie/
  5. 5.3.2014

Der vollständige Nachweis im Literaturverzeichnis lautet hier also:

Behnke, Andrea: Checkliste für „eine gute Ergotherapeutin“, in: Jäger, Silke: Handlungsplan, am 5.12.2011, online unter: http://www.handlungsplan.net/ein-bericht-von-aussen-mein-kind-bei-der-ergotherapie/ , letzter Zugriff: 5.3.2014

Ist dagegen kein spezifischer Link zu der betreffenden Seite ersichtlich, ist es sinnvoll, eine Mail an den Bloginhaber zu schreiben mit der Frage, ob zu wissenschaftlichem Zweck ein Kontakt hergestellt werden kann. In der Regel bekommen die Bloginhaber ja eine Mailadresse, die nicht veröffentlicht wird. Wichtig: Urheberrecht und Datenschutz sind in allen Fällen – Facebook, Xing, Twitter, Google+, Blogs – zu beachten.

Warum sind „Letzter Zugriff“ und Screenshot so wichtig?

Zum Schluss noch die Erklärung dazu, warum die Notiz „letzter Zugriff“ und auch ein Screenshot so wichtig sind: Das Internet ist dynamisch, also ständigen Veränderungen unterworfen. Das, was gestern oder letztes Jahr noch an einer Stelle beziehungsweise unter einer Adresse zu finden war, ist heute oder übermorgen weg oder verändert. Selbst auf PDFs ist da kein Verlass. Ich handhabe es beispielsweise selbst so, dass ich meine Liste mit Lesungsthemen bei der Kölner Leselust jedes Jahr ein oder zwei Mal aktualisiere und die alten herausnehme – wegen der Übersichtlichkeit. Damit Sie auf Dauer belegen können, dass an einer Stelle im Netz genau das gestanden hat, was Sie da zitieren, brauchen Sie einen Beweis.

Ich denke, dass Screenshots in den Anhängen mancher wissenschaftlichen Arbeit Standard werden, wenn sie es nicht schon sind (das ist fachabhängig). Ich empfehle, ggfs. auch mehrere Screenshots – gut verschlagwortet und datiert – in den eigenen Unterlagen aufzubewahren, um etwa einen Diskussionsverlauf in voller Länge nachweisen zu können. Und wer weiß, vielleicht taucht das Thema ja später noch mal auf …


Heike BallerDie Autorin: Heike Baller, M. A. ist seit 1995 als freiberufliche Rechercheurin tätig, bloggt seit 2011 auf Profi-Wissen.de zu Internet-Recherche und Online-Bibliothekskatalogen, sucht Hintergrundinformationen und Literaturangaben im Netz sowie offline.

Ihr Fachwissen vermittelt sie auch in Workshops und Seminaren.

 


 

  21 comments for “Wie zitiere ich korrekt aus Social Media?

  1. viola voß
    7. März 2014 at 08:42

    Neben Blogs und Facebook könnte man noch den Punkt “Zitieren von Tweets” ergänzen. Zwar gibt es für jeden Tweet eine eindeutige URL, aber es gibt auch die Unterscheidung zwischen öffentlich sichtbaren und geschützten Accounts.

  2. 7. März 2014 at 12:19

    Für das Aufheben derartiger Screenshots empfehle ich schlicht Zotero.

  3. 7. März 2014 at 13:03

    Super Beitrag und sehr nützlich auch für meine baldige Master-Thesis.

    Ergänzend kann ich bei “Warum letzer Zugriff” noch hinzufügen, auch ist es auf Facebook z.B. möglich Beiträge nachträglich zu ändern. Wenn hier also ein Posting später komplett “Sinn verfremdet” wird, ist ein Screenshot bzw. Versionierung von Vorteil. Ebenfalls kann ein Tweet/Post natürlich auch gelöscht werden.

  4. 7. März 2014 at 15:50

    Hallo Lars,
    das mit dem Bearbeiten von Posts ist ein wichtiger Hinweis! Danke.
    Heike Baller

  5. 8. März 2014 at 02:06

    Ich sehe für den Fall, dass eine wissenschaftlich korrekte Zitierweise zwingend erforderlich ist (etwa für wissenschafltiche Artike) das Zitieren aus nicht offen zugänglichen Quellen strenger. M. E. muss die Originalquelle, aus der ein Zitat stammt, öffentlich zugänglich und nachprüfbar sein. Ein Screenshot reicht nicht. Ebenso ist zwingend der Autor zu nennen. Wenn der Kommentar oder Tweet, aus dem das Zitat stammt, nicht öffentlich zugänglich ist und/oder der Autor nicht genannt werden will oder darf, verbietet sich daher m. E. ein Zitat und eine Quellenangabe. Eine solche Angabe würde ich in einer wissenschaftlichen Arbeit ankreiden und anmahnen, dass die Quelle, das Zitat nicht verwendet werden dürfen, da die unmittelbare Prüfbarkeit der Quelle nicht gegeben ist. Bei Zitaten aus öffentlich zugänglichen URLs ist das in der Regel anders, auch wenn die irgendwann verschwinden können, da sie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in der Regel noch unmittelbar nachprüfbar sind.

  6. 11. März 2014 at 14:37

    Und wie ist das mit eBooks, die keine Seitenzahlen enthalten? Macht es da Sinn, die Position anzugeben?

  7. 11. März 2014 at 15:33

    Oh ja, das ist eine schwierige Frage. Bei LOTSE http://lotse.sub.uni-hamburg.de/toolbox/00035270.pdf heißt es, dass die Kapitel- gefolgt von der Absatzzählung verwendet werden kann. Wenn es einen Anker gibt, kann er am Ende der URL mittel # angehängt werden. Das Problem ist, dass es so unterschiedliche Publikationsformen im Netz gibt … Da ist es mit der Einheitlichkeit beim Zitieren schwierig.

  8. viola voß
    11. März 2014 at 16:07

    Ich kenne für eBooks auch das Verfahren, mit der Prozentzahl zu arbeiten, mit der bei einigen Readern die Position der Stelle innerhalb des Werkes angegeben wird. Damit ist zumindest eine ungefähre Angabe für das spätere Wiederauffinden im eBook möglich.

  9. 11. März 2014 at 16:35

    Das ist ja eine spannende Methode. Aufmeinem E-Book-Reader habe ich dazu nichts gefunden – ist das auf bestimmte Publikationsformen beschränkt?

  10. viola voß
    12. März 2014 at 15:50

    Ich kenne die Prozent-Angaben von eBooks im epub-Format. Da man bei solchen Büchern ja die Schriftgröße anpassen kann, wäre die Angabe von festen Seitenzahlen ja unsinnig, da bei jeder Größenstufe anders.
    Vielleicht hat jemand der hier Mitlesenden ein Reader-Modell mit Prozent-Angabe?
    [Ich habe gar keinen. :)]

  11. 12. März 2014 at 15:59

    Ich habe einen. Oder eigentlich zwei: iPad mit Kindle-App und Kindle Paperwhite. Beide haben in der Tat Prozentangaben.

  12. kristin
    16. März 2014 at 18:44

    Hallo, ich hätte noch eine andere Frage zu diesem Thema.

    In meiner Abschlussarbeit möchte ich gerne auch Kommentare aus einer von mir durchgeführten Umfrage auf einer sozialen Plattform verwenden.

    Da es sich um eine “Diskussion handelt” kann ich nicht jeden Autor einzeln nennen, das würde den Rahmen sprengen. Wenn ich die Autoren unkenntlich mache und nur die Beiträge stehen lasse, geht das? Ohne dass ich dann jeden einzeln nennen muss?

    Liebe Grüße

    Kristin

  13. 17. März 2014 at 10:07

    Guten Morgen, Kristin,

    ist die Diskussion öffentlich einsehbar? Sonst wird es nämlich schwierig, wie Alex Schestag weiter oben schon angemerkt hat.

    Wichtig sind auf jeden Fall die URL und der letzte Zugriff – das bleibt immer gleich.

    Und Zitate müssen einzelnen Autoren/Autorinnen zugeordnet werden können – da geht kein Weg dran vorbei. Ich denke, dass da alle genannt werden müssen. Also: Mit Bedacht auswählen, was wirklich relevant ist, um die Übersichtlichkeit zu gewährleisten.

    Evtl. geht Folgendens:
    Den Teil der Diskussion, der relevant ist (am besten ein zusammenhängendes Stück) vollständig zitieren, also wirklich wie er da steht und dann in Fuß- oder Endnote URL und letzter Zugriff angeben. Im einleitenden Satz vor dem ausführlichen Zitat dann ein Hinweis auf die Diskussionsteilnehmerinnen.

    Im Lit.verzeichnis dann den Hinweis auf die von der Autorin initiierte Umfrage:
    Meiner/Müller/Schulze, Kristin: Umfrage (Datum!) zu Thema xy auf Plattform abc, URL hastuwasgesehen.de, letzter Zugriff.
    Wie gesagt – das geht nur, wenn der Prüfer da auch hinkann, um das zu überprüfen.

    Herzliche Grüße
    Heike Baller

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