Eigen-PR: Behandeln Sie sich selbst als Kunden!

10+ Tipps, wie Sie Ihre eigene PR-Strategie auf Dauer durchhalten

Eigen-PR auf Dauer durchhalten: Das richtige Timing hilft!

PR ist eine feine Sache, wenn man es komplett an eine Agentur outsourcen kann, oder? Festgelegtes Budget, keine Arbeit damit, schnell messbare Erfolge! – Ja, Pustekuchen: Erfolgreiche PR in Zeiten hochwertiger Contentstrategien ist immer eine Aufgabe, die sehr nah an der Unternehmensleitung und mit deren Input stattfinden muss, um gut zu sein. Dabei ist es ganz gleich, ob Ihre Firma eine eigene PR-Abteilung hat oder ob Sie als einzelner Berater zugleich überwiegend selbst für Ihre Unternehmenskommunikation und die Führung externer Dienstleister verantwortlich sind. Doch sobald die eigene Arbeitsbelastung steigt, fällt meist die Eigen-PR als erstes hinten herunter. Geht das auch anders?

Ich kenne das selbst: Ab September beginnt hier in meinem Büro die ganz heiße Jahres-End-Phase, und bis etwa Anfang Dezember könnte ich eigentlich komplett durcharbeiten. Da muss ich mir irgendwie die Zeit freischaufeln, für andere Aktivitäten, etwa Blogbeiträge, Newsletter und persönliches Netzwerken. Gar nicht so einfach, aber absolut erforderlich.

Ich weiß nicht, wie oft ich das schon von Auftraggebern gehört habe, die sich vorgenommen haben, selbst zu bloggen, intensiver zu netzwerken, aktiv mehr zu ihrer eigenen PR beizutragen: „Am liebsten würde ich das sofort umsetzen. Aber gerade habe ich so viel für meine Kunden zu tun. Mal schauen, wann ich dazu komme. Sobald ich etwas Luft habe, fange ich sofort an.“ Diese Form der „Zeitplanung“ wäre fatal für Ihre PR- und Contentstrateige, denn auf diese Weise kommen Sie nie wirklich in die Umsetzung. Und selbst wenn Sie einmal dabei sind, ist es ziemlich sicher, dass Sie alles stehen und liegen lassen, sobald Ihre Aufträge drängen. Klar: Es gibt immer einmal Zeiten, in denen ein dringendes Projekt Ihre ganze Aufmerksamkeit fordern wird; in denen Sie alles andere hintenanstellen müssen. Aber wenn Sie nicht aufpassen, wird das zur Gewohnheit und zum Dauerzustand. Oder, ganz ehrlich: Ist es das vielleicht bereits?

„Parabelflüge“ vermeiden, Anfragen zum Fließen bringen

Natürlich bringen die Kundenaufträge das Geld herein. Aber diese Aufträge sollen ja auch kontinuierlich fließen. Viele Firmen befinden sich in beständigen Parabelflügen zwischen zu viel und zu wenigen Kundenanfragen. Das lässt sich mit Kontinuität ändern, aber eine konsequente PR-Strategie braucht Durchhaltevermögen. Dazu gehören die konsequente Bestückung und Pflege Ihrer eigenen Plattformen und Kanäle. Nicht nur über Wochen, nicht nur über Monate, sondern über Jahre.

Mein Rat: Betrachten Sie sich selbst als Kunden und behandeln Sie Ihre eigenen Projekte so, als würden Sie für jemand anderen gegen Honorar arbeiten. Sehen Sie es einmal aus einem anderen Blickwinkel: Wenn Ihre volle Arbeitszeit – und gegebenenfalls die Ihrer Mitarbeiter – bereits mit bestehenden Projekten ausgelastet ist, können Sie ja auch keine weiteren Aufträge annehmen. Was tun Sie also? Entweder Sie machen Überstunden, was Sie auch nicht ewig durchhalten. Oder Sie lehnen den Auftrag ab, beziehungsweise vertrösten den Interessenten auf später. Oder Sie kaufen zusätzliche Kapazitäten ein, engagieren weitere Mitarbeiter, vergeben Einzelleistungen extern. Genau so sollten Sie auch vorgehen, wenn es darum geht, sich die Zeit für Ihr eigenes Wissens-Projekt freizuhalten.

„Ja, aber …“

„Ja, aber …“, sagen meine Kunden dann. „Was tun, wenn ein jemand mit einem großen Auftrag winkt oder wenn es vielleicht finanziell gerade etwas knapp ist?“ Gerade dann lohnt es sich, am Ball zu bleiben. Denn obgleich die eigene Contentstrategie sich nicht immer eins zu eins in „Investition = Gewinn“ umrechnen lässt, so kann ich aus allen Erfahrungen und Beobachtungen sagen, dass sie sich mittel- bis langfristig mehr als rentiert, und zwar zusätzlich zu dem und gerade wegen des nicht pekuniär zu beziffernden Wertes, den Sie für Ihr Netzwerk und letztlich für sich selbst schaffen.

Natürlich sollten Sie dabei die Zyklen in Ihrem jeweiligen Geschäft berücksichtigen. Beginnen Sie nicht gerade in der arbeitsintensivsten Zeit des Jahres mit Ihrem Eigen-PR-Projekt. Nutzen Sie vielmehr bereits in der Zeitplanung solche Phasen, die nicht so arbeitsintensiv sind wie andere. „Ach …“, höre ich da gleich wieder meine Kunden klagen, „bei uns ist aber das ganze Jahr gleich arbeitsintensiv. Es bleibt nie Zeit für etwas anderes.“ – Nun, dann ist die Sache ja desto klarer: Wenn Sie eine konsequente Contentstrategie aufbauen wollen, dann müssen Sie Budgets dafür festlegen und die entsprechende Zeit plus gegebenenfalls die Mittel für externe Unterstützung dafür veranschlagen.

Mit dem finanziellen Budget ist es einfacher als mit der Zeit. Das können Sie betriebswirtschaftlich einplanen wie Ihr Werbebudget und andere Ausgaben. Für das Zeitbudget ist es, wie beschrieben, in den meisten Fällen nicht ganz so einfach. Hier sind einige Tipps, wie es besser klappt.

So schaffen Sie es, Ihre eigene PR-Strategie im Unternehmensalltag umzusetzen und auf Dauer durchzuhalten:

1. Planen Sie realistisch: Zugegeben, das ist leichter gesagt als getan. Aber eine solide Planung beugt Stress und Enttäuschungen vor. Deswegen sollten Sie sich genau überlegen, welchen Aufwand Sie tatsächlich auf Dauer durchhalten können.

2. Planen Sie langfristig: „Auf Dauer“ heißt das Stichwort. Was nützt es, wenn Sie in einer ruhigen Phase ein Blog starten, das Sie dann in stressigen Zeiten nicht mehr bestücken können? Oder wenn Sie viele Vortragstermine annehmen, so dass kaum noch Luft für die eigentliche Arbeit bleibt?

3. Reservieren Sie sich feste Termine: Bestimmte Zeiten am Tag und in der Woche für Ihre Contentstrategie freizuhalten, kann sehr hilfreich sein. Tragen Sie sie in Ihren Terminkalender ein und behandeln Sie sie wie Kundentermine, die nur im Notfall verschoben oder abgesagt werden dürfen.

4. Planen Sie externe Unterstützung mit ein: Von Ihren finanziellen Gegebenheiten hängt es (auch) ab, welche Aufgaben Sie selbst übernehmen und welche Sie besser an Dienstleister vergeben. Diese externe Unterstützung muss nicht nur budgetiert werden. Sie gehört auch in die Zeitpläne mit hinein. Denn sie entscheidet mit darüber, was realisierbar ist und tatsächlich umgesetzt werden kann.

5. Machen Sie Zeitpläne: Was soll wann fertig werden? Was passt wo in das Arbeitsjahr? Wer muss was tun, damit tatsächlich alles zur richtigen Zeit erscheint? Für welche anderen Veranstaltungen und Publikationen bieten Sie zu welchem Zeitpunkt am besten Themen an, damit diese berücksichtigt werden?

6. Schreiben Sie Themenpläne: Wissen ist nicht immer zeitlos. Bestimmte Themen kommen bei Ihrer Zielgruppe zu bestimmten Zeiten besonders gut an – und nützen damit auch Ihnen am meisten. Wenn Sie ein bestimmtes Beratungsthema zu einer bestimmten Zeit im Jahr besonders gut verkaufen können, denken Sie daran, rechtzeitig vorher dazu zu publizieren.

7. Entwerfen Sie mehrere Szenarien: Da langfristige Planungen oft schwierig und Unternehmensentwicklungen nicht genau vorhersagbar sind, könnten Sie mehrere mögliche Szenarien mit unterschiedliche hohem, skalierbarem Aufwand planen.

8. Bauen Sie langsam auf: Gehen Sie sich nicht selbst in die Überforderungsfalle. Auch wenn Ihre Planungen das gesamte Szenario umfassen, beginnen Sie lieber mit einem Modul daraus. Sammeln Sie Erfahrungen, und nehmen Sie dann erst das nächste hinzu.

9. Kündigen Sie nur an, was Sie auch durchhalten können: Ein Blog oder einen Newsletter anzukündigen, kann durchaus ein wenig heilsamen Druck aufbauen, mit dem Sie sich dazu zwingen, die Sache auch tatsächlich zu realisieren. Aber übertreiben Sie es nicht, sonst haben Sie am Ende viel Druck, wenige Ergebnisse, eigene Frustration – und Ihr Netzwerk reagiert enttäuscht.

10. Gleichen Sie Erfahrungen ab: Ihre Pläne sollten Hand und Fuß haben, aber sind nicht für die Ewigkeit in Stein gemeißelt. Überprüfen Sie sie regelmäßig und korrigieren Sie gegebenenfalls. So wird Ihre Strategie mit der Zeit immer besser.


Dr. Kerstin HoffmannDie Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Kommunikations- und Social-Media-Strategien, Public Relations, Corporate Blogs, Marketing und Text. Sie gibt Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Kerstin Hoffmann mit ihrem Team für Ihr Unternehmen tun kann? Hier geht es zum Beratungsangebot. »

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Die Tipps aus dem vorliegenden Beitrag basieren auf einem Abschnitt des Buchs „Prinzip kostenlos“ von Kerstin Hoffmann.

  7 comments for “Eigen-PR: Behandeln Sie sich selbst als Kunden!

  1. 21. September 2013 at 23:10

    Hallo Frau Hoffmann,

    danke für die guten Tipps, die ich fast alle unterstreichen kann. Ich nehme mir von Zeit zu Zeit immer mal eine Woche, in der ich mich selbst als Kundin sehe und meine Strategie, Werbemittel und Akquise-Methoden auf Herz und Nieren überprüfe. Demnächst wird meine Homepage mit meinem noch …wordpress.com-Blog zusammenziehen, daher ist es diesmal fast ein ganzer Monat, der für die Eigen-PR in die Zeitinvestition fließen wird. Allerdings zuzüglich der Arbeit mit den normalen Kunden. Dazu ist es hilfreich, sich ein anderes Zeitkontigent zu setzen: z. B. statt acht Stunden Werktag mit den zahlenden Kunden mal nur fünf Stunden anzusetzen und die restlichen drei Stunden + für „Kunde Ich“ zu verwenden.

    Ein gutes Konzept mit passender To-do-Liste erstellen und das eigene Projekt so zügig wie möglich durchziehen, das macht sehr viel Sinn und kostet nicht so viele Nerven wie andersrum!

    Ein gutes Wochenende
    Silke Bicker

  2. 7. Oktober 2013 at 21:20

    Hallo Frau Dr. Hoffmann,

    tolles Reframing, sich selbst als Kunden zu sehen. Das öffnet den oft bei Zeitmangel vorhandenen Tunnelblick, holt aus der Problemtrance, hilft neue, kreative Sichtweisen zu gebären, fördert Marketing-Liebe und begünstigt Kairos. Danke schön für den wichtigen Impuls!

  3. 10. Oktober 2013 at 23:56

    Wow! Ich bin echt beeindruckt von der Qualität des Blogs und den Beiträgen. Ich blogge seit 2009 und bin jetzt bei ca. 600 Posts. Inzwischen schreiben aber auch meine Mitarbeiter immer mal wieder Beiträge neben meinen eigenen. Wenn man erstmal angefangen hat, fallen einem immer wieder weitere Dinge ein, über die man noch schreiben kann. Aber, genau wie Sie sagen, man muss sich wirklich dafür die Zeit nehmen und es braucht einen langen Atem, d.h. dran bleiben zählt. Dann entsteht im Laufe der Zeit ein Long-Tail an Keywords, der viele Besucher auf die Seite bringt.
    Herzlichen Dank! Ich werde mir gleich Ihr Buch bei Amazon bestellen und noch ein paar Beiträge mehr hier lesen.

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