Du bist kein Soziales Netzwerk!

Entfolgen, entfreunden, blocken: Der aktuelle Weniger-ist-mehr-Trend im Web

Entfolgen, entfreunden, blocken: Das machen immer mehr!

Die Datenflut, der wir alle – oder doch zumindest die meisten von uns – ausgesetzt sind, nimmt täglich zu. Wir sind mehr und mehr darauf angewiesen zu selektieren. Und je mehr unsere eigene Medienkompetenz steigt, desto stärker nerven uns diejenigen, die sich nicht an die Regeln des wertschätzenden menschlichen Austauschs halten. Neue Strategien sind gefragt. Zahlen werden wieder kleiner oder steigen zumindest nicht mehr so rasant. Warum das Pendel jetzt zur anderen Seite ausschlägt:

Mal ganz ehrlich: Am Anfang haben wir es doch alle getan. Damals, als wir nichts hatten, außer XING (anfangs noch OpenBC) und vielleicht die ersten vorsichtigen Schritte auf Twitter oder Facebook machten. Wir haben Kontaktanfragen an Wildfremde gesendet, nur weil sie unser Profil besucht hatten. Wir haben Facebook-Freunde hinzugefügt, einfach, weil andere sie schon in ihrer Liste hatten. Wir waren stolz, als wir eine bestimmte Anzahl virtueller Kontakte erreicht hatten. Vielleicht haben wir sogar einmal kurz in Gruppen wie „Kontakte“ hineingeschnuppert, in denen es um nichts anderes ging, als sich gegenseitig zu verknüpfen.

Bis uns dann die aufdringlichen Anfragen der Anderen (Es sind ja immer die Anderen!) zu sehr nervten. Zahlen zählten. Und eigentlich zählen sie bis heute. Wer bei Twitter auch nach längerer Präsenz mit vielen Tweets nicht über eine gewisse Followerzahl hinauskommt, hat entweder eine kleine, feine Zielgruppe – oder sollte sich dringend Gedanken über den Nutzen der eigenen Inhalte machen.

Wir können gar nicht anders als zu selektieren

Fakt ist aber auch: In der zunehmenden Datenflut können wir die vielen Inhalte, Botschaften, Nachrichten, Links, Tweets, Mails nicht mehr so einfach bewältigen. Wir müssen vorsortieren, kanalisieren und eben auch aussortieren. Das führt dazu, dass immer mehr Menschen nicht mehr einfach neue Kontakte sammeln. Und dass uns diejenigen, die wir als Kontaktsammler identifizieren, zunehmend unsympathisch werden. In dem Maße, in dem wir uns alle an die Plattformen und Tools des Social Web gewöhnen, haben wir mehr Aufmerksamkeit für das, was da passiert.

Wir entdecken, wie exakt virtuelles Netzwerken mit dem menschlichen Austausch im realen Leben zu tun hat. Wir erkennen, dass wir unseren gesunden Menschenverstand nicht an der Schwelle zur digitalen Welt abgeben dürfen. Und wir regen uns zunehmend über diejenigen auf, die den ungeschriebenen – und geschriebenen – Regeln wertschätzenden Umgangs miteinander nicht folgen.

„You are not a social network“

Denn wenn eine Plattform im Web von möglichst vielen Teilnehmern profitiert – der Einzelne profitiert davon nicht in gleicher Weise. Der Techblogger Louis Gray hat es hier sehr treffend so ausgedrückt:

„It’s often said „he with the most names wins“, but while that may be true for a social network, it’s not always true for an individual. You are not a social network. You are just one point in that network.“

Das Pendel schlägt zur anderen Seite aus: Wir entfreunden, entfolgen, blocken diejenigen, die uns nerven. Manchmal auch wann sie es gar nicht böse gemeint haben, sondern einfach noch mit ihrer eigenen fehlenden Medien-Erfahrung kämpfen. Denn während die einen, die sich neu ins Web vortasten, noch in der eher unschuldigen Kontaktsammelphase sind, gibt es ja immer noch die anderen. Diejenigen, die einfach nicht kapieren wollen, dass der aggressive „Push“ nicht funkti0niert. Die uns an allen Ecken und Enden mit ihren Reklamebotschaften, Direktnachrichten, gekaperten Eventeinladungen und unbestellten Newslettern nerven.

Um unsere eigene Arbeitsfähigkeit zu behalten und um nicht dauernd genervt zu werden, sortieren wir so rigoros aus wie wir können. Denn wir haben erkannt: Unter zu viel unsortierter Quantität leidet die Qualität.

Kritische Massen – nach oben oder nach unten?

Nun haben diejenigen, die schon seit den Anfägen des Social Web dabei sind, leicht reden. Sie haben vierstellige Followerzahlen bei Twitter. Ihr „Freundeskreis“ bei Facebook umfasst, je nach ihren selbstgesetzten Maßstäben, die Zahl, die sie als sinnvoll und angenehm empfinden. Und wer bereits eine stattliche Anzahl von XING-Kontakten hat, braucht sich um neue nicht zu bemühen – sondern muss eher genau hinschauen, wen er oder sie wirklich noch annehmen will. Da ist die Frage der kritischen Masse eher die nach „zu viel, um es noch zu bewältigen“ als nach „zu wenig, um wahrgenommen zu werden“.

Nun sind die Vorgehensweisen, Strategien und persönlichen Vorlieben im Social Web sehr unterschiedlich – so unterschiedlich wie im richtigen Leben. Problematisch wird es für den Einzelnen immer dort, wo verschiedene Parallelwelten sich überschneiden: private Profile mit professionellen. Zurückhaltung mit exzessiver Vertriebsmentalität; sorgfältig selektierte Zirkel mit Kontaktsammler-Mentalität.

Im Web müssen viele noch üben

Im richtigen Leben gelingt uns die Abgrenzung meistens gut. Im Social Web sind viele noch nicht so geübt. Auch geht dort alles viel schneller, einfacher und, im wahrsten Sinne des Wortes, grenzüberschreitender.

Deswegen können wir gar nicht anders als jetzt zu handeln; Spätestens, wenn in der ganzen Datenflut das Wichtige untergeht und wir mehr Genervtsein als Nutzen empfinden. Noch einmal Louis Gray:

„There’s no harm in letting people go. It’s your right to unfollow and unsubscribe. It’s their right to bring you value and deliver you a good experience so you don’t disconnect. But if you’re finding your streams a mess, take a deep breath and do something about it.“

Ich bin übrigens selbst zwar vorsichtiger mit dem Annehmen neuer Kontakte geworden. Damit ich jemanden „rausschmeiße“, muss der oder die Betreffende sich allerdings schon einiges leisten. Wie handhaben Sie das? Ich freue mich über Kommentare!

Wollten Sie schon lange mal mehr Ordnung in Ihre Social Accounts bringen? In der kommenden Woche, am Mittwoch, veröffentliche ich den „großen Social-Media-Check“ mit Strategietipps.


Dr. Kerstin HoffmannDie Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Kommunikations- und Social-Media-Strategien, Public Relations, Corporate Blogs, Marketing und Text. Sie gibt Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Kerstin Hoffmann mit ihrem Team für Ihr Unternehmen tun kann? Hier geht es zum Beratungsangebot. »

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  38 comments for “Du bist kein Soziales Netzwerk!

  1. 9. Januar 2013 at 08:43

    Ich miste regelmäßig aus bzw. lehne z.B. viele Kontaktanfragen von vornherein ab, wenn ich keine Schnittmenge erkennen kann. Ich habe dazu mal vor ner Weile was gebloggt:

    http://www.torstenmaue.com/kontaktanfrage-abgelehnt/

    Allerdings setze ich bereits seit Beginn meiner Existenz im Social Web auf Klasse statt Masse.

    Zudem kontrolliere ich auch regelmäßig mit wem ich verknüpft bin und schmeiße auch schon mal wen aus meinen Kontakten raus, wenn ich zu der Personen keinen Kontakt mehr ansonsten habe.

  2. Kerstin
    9. Januar 2013 at 09:38

    Genauso mache ich es seit einiger Zeit auch.
    Ohne Konzentration auf das Wesentliche verliert man sich zu sehr.
    Kann damit nicht mehr erfolgreich arbeiten.
    Daher sich ‚trennen‘ und öfters offline sein.
    So steigert die Produktivität, der Erfolg und die Zufriedenheit.
    Danke für den Beitrag.

  3. Wiebke Borgers
    9. Januar 2013 at 09:54

    Vielen Dank! Ihr Beitrag spiegelt mein Empfinden absolut wider. Ich kann und will nicht in jedem Netzwerk aktiv sein, habe nur eine bestimmte Zeit zur Pflege meiner Netze und Kontakte, und ich verbinde mich nur mit Leuten, zu denen ich einen konkreten Bezug habe. Und jetzt liege ich damit sogar im Trend, wie schön 😉 – sehr wohltuend insgesamt.

  4. 9. Januar 2013 at 09:54

    Diesen Trend habe ich auch schon (und auch bei mir selbst) festgestellt. Ehrlich gesagt, finde ich es fast ein wenig schön, dass es nicht nur mir so geht: ich möchte die Menschen in meinem Netzwerk kennen.

    Aus beruflichen Gründen habe ich schon früh begonnen, genau hinzuschauen, wer da aus dem Netz nach mir ruft. Eine freundliche Rückfrage – ob mir derjenige auf die Sprünge helfen kann, woher wir uns kennen und aus welchem Grund er sich denn vernetzen möchte – sortiert die Kontaktsammler meist schon aus.

    Das ist aber nur die eine Seite: wer, warum und wie viele? Viel mehr beschäftigt mich die Masse an Informationen, die auf verschiedenen ONLINE-Wegen bei mir ankommen. Und noch viel mehr: die Informationen, die in der Menge untergehen! So hat mir neulich ein Klient berichtet, dass er nur durch eine Statusänderung auf Facebook von der Hochzeit seines besten Freundes (!!) erfahren hat. Und das wiederum auch nur zufällig, weil ein weiterer Freund ihn darauf aufmerksam gemacht hat.

    Davon mag man jetzt halten, was man will und anscheinend wussten nur die Eltern und Geschwister von der Feier… nur: es gibt sicher Infos, die man freudig seinem Netzwerk mitteilt und die einfach in der Masse untergehen. So wie früher OFFLINE an den riesigen Uni-Pinnwänden mit Hunderten von Zetteln, Postern, Ankündigungen und Angeboten. Je mehr Menschen dort ihre Zettel aufhängen, OFFLINE oder heute ONLINE, desto unübersichtlicher wird das Ganze! Und genauso wenig, wie ich früher ständig die Pinnwände durchforstet habe, kann und will ich das heute ONLINE machen.

    Diese Gedanken begleiten meinen Jahresbeginn, daher finde ich Ihren Artikel mal wieder sehr passend, liebe Frau Hoffmann! Ich bin gespannt auf die Fortsetzung, denn noch bin ich nicht zu einer Entscheidung gelangt, was sich ggf. ändern wird in meiner ONLINE-Welt…

    Herzliche Grüße
    Juli Scheld

  5. 9. Januar 2013 at 09:55

    Vielleicht sollte man sich auch mal die Frage stellen warum so viele Menschen einen Sinn in einem großen Netzwerk z.B. auf Xing sehen ?
    Da sagen einem zahlreiche „Experten“ das die Reichweite der Nachrichten erhöht wird und damit auch die Chance auf einen neuen Auftrag.
    Da war das Wort „Chance“ – das suchen viele und sind dafür bereit alles und jeden bei Xing zu akzeptieren (ich muss auch mal wieder ausmisten).

    Meine Erfahrung: Es ist nicht die Masse, sondern die Klasse der Kontakte die mir einen Mehrwert bietet oder Aufträge verschafft.

    In der Praxis haben aber sowohl der Scharfschütze als auch der Schrottflintennutzer recht – schlussendlich ist jeder anders und der Erfolg bleibt einem selbst überlassen in der Kommunikation mit seinem Netzwerk.

    Gruss Klaus

  6. 9. Januar 2013 at 10:02

    Ein guter Artikel, der vielleicht auch zur Abkehr vom „ich hab die meisten“-Denken führt. Natürlich kann es für jede und jeden, die oder der ihre Präsenz durch Werbung zu Geld machen wollen, eine hohe Folliwer-Zahl wichtig sein. Aber sonst? Ich habe es, wie Torsten Maue, auch schon immer lieber ’ne Nummer kleiner gehalten, auch wenn die Zahl der Leute, denen ich „folge“, recht hoch ist. Aber es muß eben nicht jedem gefolgt werden, der schon viele Follower hat, wenn seine Texte für mich nicht wichtig sind.

  7. Thomas Schreiter
    9. Januar 2013 at 10:04

    Ausgezeichnete Einschätzung der aktuellen Situation.
    Kerstin bringt es (wieder einmal) auf den Punkt.
    Ich persönlich sehe in sozialen Netzwerken die kritische Schwelle bei 200 Kontakten. Alles was darüber liegt, wird unübersichtlich…aber dieser Schwellenwert wird bei jedem Nutzer etwas anders aussehen.

  8. 9. Januar 2013 at 10:09

    Liebe Kerstin,

    danke für den interessanten Beitrag!

    Konzentration auf das Wichtigste ist ein wichtiges Thema. Wenn man sich verzettelt in Aktivitäten oder in der Pflege zahlreicher, aber sinnloser Kontakte, wird das keinen Erfolg bringen.

    Wobei jeder Mensch natürlich seinen Erfolg anhand seiner Ziele individuell definiert:
    – Privat: Will ich Aufmerksamkeit? Will ich beliebt sein? Und neue Freunde gewinnen?
    – Unternehmerisch: Will ich neue Kunden, Mitarbeiter oder Projekte gewinnen? Will ich neue Märkte erobern?
    – Strategisch: Welche Kontakte helfen mir dabei? Und welche Menschen mag ich einfach so: als Freund oder Freundin, weil ich sie persönlich kenne und die Beziehung schätze?

    Jede Motivation für Social-Media-Engagement ist anders. Und so gibt es natürlich auch Ziel-Konflikte: zwischen den eigenen Zielen und den Zielen anderer Menschen.

    Sicherlich ist auch entscheidend, über welche Stufe wir sprechen. Ein Anfänger wird erst einmal alle Kontakt sammeln. Ein Profi selektiert, weil er seine Entscheidungskriterien entsprechend seiner Zielsetzung und seinen Erfahrungen gefunden hat. Er hat die Medienkompetenz um zu erkennen, wie er mutig und konsequent sein Profil stärkt. Er braucht nicht mehr jeden Kontakt, legt aber Wert auf ausgewählte Kontakte.

    Ich halte es für wichtig, dass jeder seinen eigenen Weg findet, seine digitale Identität zu gestalten. Fokussieren, Aufräumen und Entfreunden zählen für mich dazu. Schließlich ist Zeit ein endlicher Lebensfaktor.

    PS: Auch für Führungskräfte ergeben sich damit neue Herausforderungen: http://www.hilker-consulting.de/leadership2-0/

  9. 9. Januar 2013 at 10:12

    Guten Morgen,
    ich bin eben auch dabei meine Wege in den sozialen Netzen zu überdenken. Was will ich denn eigentlich erreichen. Bei Twitter komme ich schon lange nicht mehr hinterher, Facebook ist eher privat und Google+ ist und bleibt meine Lieblingsplattform. Aber für alle gilt, den ganzen Nachrichten kann man kaum noch folgen. Hier muss für mich dringend eine Fokussierung stattfinden. Aber zuerst zurück zur Grundlage – wozu mache ich das.
    Für die immer wieder schönen Denkanstöße vielen Dank Frau Hoffmann.

    Gruß
    Wolfram

  10. 9. Januar 2013 at 10:44

    Liebe Kerstin,
    darüber werde ich einmal nachdenken. Bedanken möchte ich mich für den Satz „Damals, als wir nichts hatten, außer XING“. Das aus Deiner Feder/Tastatur – lässt mich heute den ganzen Tag lächeln/breit grinsen.
    Beste Grüße
    Caroline

  11. 9. Januar 2013 at 10:58

    Dem Wunsch des Senders nach Selektion steht sein eigenes Streben nach Reichweite und die potentielle Chance auf Neukunde oder zumindest -Leser durch Kontaktbestätigung im Weg. Alles andere kann das nachträgliche, differenzierte Filtern, Blocken oder wieder Entfernen, z.B. Ausblenden in den Neuigkeiten bei Unrelevanz oder nicht erwünschten Einladungen lösen. Für mich gibt es daher generell keinen Grund, eine Kontaktanfrage vorab abzulehnen und mich grundsätzlich über Vernetzung zu freuen (ausser es ist definitiv Spam).

    Viel hilft Viel. In irgend einem derz. angesagten SN Netzwerkqualität erstreben: Nicht wirklich, oder?;-)

    Ausser bei StayFriends…

  12. 9. Januar 2013 at 11:02

    Liebe Kerstin,

    ich muss Dir vehement in einem Punkt widersprechen: „Wir haben Kontaktanfragen an Wildfremde gesendet, nur weil sie unser Profil besucht hatten.“

    Das haben wir nie getan. Sonst wären wir nicht anders als die Spammer, über die wir uns (ich mich) heute aufrege. 🙂

    Beste Grüße
    Mike

  13. 9. Januar 2013 at 11:17

    Grundsätzlich alles richtig. Zu bedenken gebe ich dabei, dass es in die „Fachschaft“ adressiert ist, denn eigentlich taucht nur dort das Problem auf. Der „normale“ Mensch hat gar nicht die Zeit, so viel im Web zu toben, wie wir es häufig tun, entscheidet sich vielleicht nur für ein oder zwei Netzwerke. Jugendliche jonglieren schnell mal mehr als 500 Kontakte souverän, ohne sich überfordert zu fühlen, oft intuitiv. Wenn jemand klagt, sind es oft die Profis… 😉

  14. 9. Januar 2013 at 11:29

    Du sprichst mir aus der Seele, ich arbeite gerade an eine These „Wachstum durch Downsizing“. Es wird eine spannende Aufgabe werden, die Bilanz zwischen qualitativ und quantitativ zu finden. Intuitive Ballistik wird immer wichtiger…

  15. 9. Januar 2013 at 11:29

    @cdv!: Ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass auch der „normale“ Mensch mit der Informationsflut kämpft. Ich habe allein in den letzten zwei Wochen vier Menschen gesprochen, die sich gerade (z.T. rigoros) aus der Onlinewelt zurückziehen. Allen gemein ist das Gefühl,
    – nicht mehr hinterherzukommen
    – zu viel Zeit online zu verbringen
    und darüber ihr reales Leben (interessante Wortwahl ;-)) zu vernachlässigen. Ich beobachte diesen „Trend“ sowohl im Privaten als auch bei Menschen, die sich geschäftlich im Netz bewegen…

  16. 9. Januar 2013 at 12:59

    Genau wegen dieser Informationsflut benutze ich inzwischen am liebsten g+ mit genau getunten Kreiseinstellungen- und verzeihe am meisten bei Twitter, einfach wegen der Schnelligkeit und Kürze, habe aber auch dort eine Leseliste, in der die mir wirklich wichtigen Kontakte sind. Es ist vielleicht berufsabhängig, aber je „offener“ das berufliche Umfeld, desto wichtiger ist ein über den eigenen Markt hinausgehendes Netzwerk- und ohne Twitter wäre ich nie auf Kerstin gestoßen!!!

  17. 9. Januar 2013 at 13:38

    Wer einmal bei Facebook ausgesperrt wurde und ohne hinterlegte Sicherheitsfrage sich den Weg zurück in sein Profil über das Wiedererkennen von „Freunden“ auf Fotos erkämpft hat, der reduziert das Maß an Kontakten auf überschaubare und bekannte Größen…

  18. 9. Januar 2013 at 14:24

    Interessant finde ich, wie schwer es fällt, Kontakte tatsächlich zu entfreunden (oder wie immer das in den verschiedenen Netzwerken heißt). Es kommt einem so schrecklich unhöflich vor. Aber bei Kontakten, die nur aus reinem Kalkül geknüpft wurden – und zwar so, dass alle Beteiligten sich darüber im Klaren sind -, sollte es eigentlich auch möglich sein, sie aus reinem Kalkül wieder zu lösen. Trotzdem muss anscheinend ein gewisser Leidensdruck da sein, damit man aktiv wird. Besser also, man wählt seine Kontakte von vornherein mit Bedacht – so halte ich es.

    Auf Deinen angekündigten Social-Media-Check bin ich jedenfalls schon gespannt!

    Viele Grüße
    Annika

  19. 9. Januar 2013 at 15:54

    Ich miste alle drei bis sechs Monate meine Accounts aus. In XING und LinkedIn handhabe ich das so:

    Kontakte, die komplett inaktiv sind, fliegen raus.
    Kontakte, deren Herkunft ich beim besten Willen nicht rekonstruieren kann, dürfen entfreundet werden.

    In der Zwischenzeit kontaktiere ich in der Tat wenige Menschen neu (Sättigungsgrad). In der Regel nur solche, die ich auch wirklich persönlich kennen gelernt habe. Das war früher anders.

    Und Fremde – gar Spammer – kommen gar nicht mehr rein. „Damals“ war ich soooo dankbar für neue Kontakte.

    Aber das war natürlich eine gaaaanz andere Zeit. Damals vor sechs Jahren.

  20. Jens Best
    9. Januar 2013 at 19:44

    Pauschal kann ich dem Post nicht so zustimmen. Es hängt doch sehr vom Social Network Tool und dessen Hauptfunktionen für mich ab.

    Asmallworld hat für mich immer eine andere soziale Funktion als OpenBC/Xing gehabt. Bei Xing habe ich die „Verschlagwortung“ meiner Kontakte immer geschätzt, weil ich so auch bei einer großen Menge von Kontakten immer einfach und nach persönlicher Ordnung sortieren konnte.
    Facebook ist vor mich ein sehr offenes wenig zweckgebundenes oder sortiertes Network. Ich könnte auf Facebook auch verzichten, wenn es gelänge diese lockere, serendipity-artige Verbindungsart (und die Gruppen-/Event-Funktion) in ein Xing-artigeres SN zu überführen (vielleicht sollte ich endlich mal LinkedIn näher anschauen.)
    Foursquare war für mich ein Hype, aber obwohl ich dort seit bestimmt 2,5 Jahren nichts mehr mache (habe die App nicht mal mehr auf meinen Smartphones) kommen immer noch Kontaktanfragen.
    Twitter ist für mich ein personen-bezogener RSS-Feed-artiger Newsservice mit discuss-Option. Deswegen bin ich da ziemlich breit aufgestellt (sowohl follower als auch following).
    Mein Schatz ist immer noch mein persönlich über die Jahre gepflegter RSS-Feed, der zwar nicht primär socialnetwork-artig ist, aber viel soziale Interaktion (online und offline) bei mir auslöst.

    Soviel mal zu einer schnellen Übersicht, mit der ich versuchen wollte das pauschale follow/unfollow-Gespräch ein wenig auszudifferenzieren. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit den digitalen Möglichkeiten zu mehr Personen als es Dunbar (150) oder Lorenz (1000) eine „engere“ Beziehung führen können als ohne diese. Wir sind mehr „connected“, müssen aber lernen, wie wir mit diesen „intimate but weak ties“ soziokulturell umgehen.

    Deinen spannenden Punkt mit den Überschneidungen der verschiedenen Rollen, die eine Person spielt, finde ich da viel interessanter. Sicher ist dies keine „neue“ Diskussion, das Stichwort wäre hier dann sicherlich Authentizität, aber es wäre sicher an der Zeit, diesen Aspekt erneut zu beleuchten, ohne ihn gleich mit zuviel Euphorie zu loben oder mit typisch deutscher Abneigung madig zu reden. Auf jeden Fall danke für einen weiteren anregenden Blogpost, Kerstin, äh, ich meine Dr. Hoffmann. 😉

  21. Dirk
    10. Januar 2013 at 11:28

    In diesem Artikel steckt sicher viel Wahrheit und das Aussortieren ist ein guter Neujahrsvorsatz 🙂
    Ein Aspekt, der in Zukunft immer wichtiger wird, wurde aber meiner Meinung nach zu wenig bnerücksichtigt: Die Vorfilterung von Inhalten durch Algorithmen. FB macht es mit dem Edge Rank vor: Im Newsfeed tauchen eben nicht mehr alle Meldungen auf, sondern die, die FB für relevant hält, weil sie von Kontakten stammen, mit welchen ich oft interagiere.

    In eine ähnliche Richtung geht Twitter mit der Anzeige der „Top Tweets“ in der Suche, die nach Nutzerinteresse geranked werden. Müssen wir also selbst mühsam Kontakten aussortieren oder lesen wir von „Maschinen“ nach Relevanz gefilterte Inhalte? Beides hat Vor- und Nachteile.

  22. 10. Januar 2013 at 11:34

    Vielen Dank für den lesenswerten Beitrag.

    Gegenwart und Zukunft von social media.
    Viele denken zur Zeit darüber nach und erkennen, dass auch hier weniger meist mehr ist..

    Empfehlen möchte ich zu dem Thema auch

    „2013: Das Web zurückerobern“ von Johnny Haeusler, Spreeblick http://www.spreeblick.com/2012/12/28/2013-das-web-zuruck-erobern/

    Sowohl der Beitrag, als auch die intensive Diskussion sind äußerst lesenswert und aufschlussreich.

    Persönlich habe ich die social media-Kanäle gefunden, die ich mag.
    Ich nutze weder Xing noch facebook, sondern setze auf vernetzte Kommunikation von Blogs + twitter + echtem Leben.

  23. 10. Januar 2013 at 14:45

    Recht hast du, Kerstin. Zum Glück war ich von Anfang an sehr restriktiv mit Xing-Kontakten und Facebook-Freunden. Und Leute mit vierstelligen „Freundes“zahlen waren mir schon immer suspekt. Allerdings gehörte ich auch nie zu den ganz frühen Social-Media-Vögeln. Für mich persönlich passt meine kleine Strategie mit begrenztem Zeiteinsatz bisher ganz gut, aber sie bringt natürlich auch nicht DIE Sichtbarkeit.

  24. 10. Januar 2013 at 14:49

    Corinna, ich habe vierstellige Kontaktzahlen, bei XING wie bei Facebook. Das hat sich ganz von selbst angesammelt, und es wäre gar nicht sinnvoll, das zu beschränken. Bin ich dir suspekt? 😉

    Aber Qualität ist wichtiger als die absoluten Zahlen. Habe ich auch heute nochmal ausgeführt:
    http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2013/01/10/schwache-bindung-bringt-gewinn/

  25. 10. Januar 2013 at 15:45

    Zum Glück bin ich beruflich nicht auf soziale Netzwerke angewiesen, um z.B. Aufträge zu ergattern. Privat betreibe ich dagegen einen Blog, der inzwischen eine überschaubare Anzahl an regelmäßigen Lesern hat. Das finde ich schön und ich bin gar nicht daran interessiert, tausende Leser zu haben.
    Weil ich aber nicht weiß, wie sich alles weiter entwickelt, habe ich gerade eine Testphase mit sozialen Netzwerken gestartet. Wahrscheinlich werde ich dann in einem oder zwei aktiv bleiben und den Rest wieder löschen.

  26. 10. Januar 2013 at 16:21

    Hallo Frau Hoffmann,

    vielen Dank für Ihren Beitrag!

    Ähnliche Gedanken gehen mir auch seit einigen Monaten durch den Kopf und dich dachte schon das ich mit 52 Jahren langsam wirklich alt werde. 🙂

    Daher beruhigt es mich doch ein wenig das ich anscheinend nicht der Einzige bin der langsam nicht mehr mitmachen möchte bei diesem „Spiel“.

    Keine Frage Social Networks können sinnvoll und zweckführend sein!!

    Ich persönlich nutze WKW überhaupt nicht mehr, bei Stayfriends bin ich vom Gold-Account wieder auf einen normalen Account zurückgegangen. Hier habe ich aber wirklich auf privater Ebene den einen oder anderen meiner Klassenkameraden oder Jugendfreund wiedergefunden und es ist teilweise auch wieder ein Face to Face Kontakt entstanden.

    Bei XING stelle ich grade fest das ich dort inzwischen geschäftlich auch deutlich weniger aktiv bin als noch vor einem Jahr. Da bin ich aber noch nicht sicher ob das so bleibt. Fakt ist das sich beruflich in der gesamten Zeit meiner Xing-Mitgliedschaft nichts geschäftlich wirklich interessantes ergeben hat. Aber das mag natürlich auch an mir selbst liegen.

    Twitter ist einen Plattform mit der ich mich aus welchen Gründen auch immer nie wirklich anfreunden konnte.

    Facebook ist die Plattform, die ich sowohl Privat als auch über eine eigene Facebook Fanseite geschäftlich nutze und die mir zumindest zur Zeit am meisten bringt.

    Wie gesagt, beruhigt es mich doch ein Wenig das ich nicht der Einzige bin der seine Social-Media Aktivitäten zur Zeit in Frage stellt.

  27. 10. Januar 2013 at 19:01

    … deshalb plädiere ich auch für das eigene, feine Soziale Netzwerk 😉

  28. 12. Januar 2013 at 15:06

    Meine Methode bei XING ist schon seit Jahren, keine Kontaktanfragen von Leuten mit vierstelliger Kontakteanzahl zu beantworten. So einen habe ich auch schon mal rausgeschmissen. Mich hat auch die Verzerrung bei der Zahl der Kontakte 2. Grades gestört. Bei Facebook sind mir solche noch nicht begegnet.

  29. 12. Januar 2013 at 15:12

    Diese „Methode“ halte ich allerdings auch für verzerrend. Als Influencer, Speaker, Trainer und/oder (digital) gut vernetzter Mensch ist man schnell bei einer vierstelligen Zahl von Kontakten. Das muss nicht unbedingt etwas Negatives heißen. Signifikant ist aber, dass echte Influencer und Netzwerker mit hohen Kontaktzahlen selbst relativ selten Kontaktanfragen heraussenden, und dann in der Regel nur an Leute, die sie wirklich kennen. Ist zumindest meine Beobachtung.
    Siehe auch den Folgebeitrag: http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2013/01/10/schwache-bindung-bringt-gewinn/

  30. 12. Januar 2013 at 15:55

    Stimmt, ich versende sehr selten Kontaktanfragen, nämlich idR in dem Fall, wenn man irgendwie persönlich per Mail, Telefon oder von Angesicht zu Angesicht in Kontakt steht. Im Gegenzug erhalte ich leider sehr viele Kontaktanfragen, bestätige diese aber kaum. Ich kenne die Leute ja nicht.

  31. 12. Januar 2013 at 19:47

    Ich denke „back to the roots“ könnte die Lösung sein: 100 bis 150 Personen, das war die Anzahl der Höhlenmenschen in einer Sippe – damit kann der Mensch noch umgehen. Lustigerweise ist das auch häufig die Anzahl an Personen, die der „Normalnutzer“ bei Facebook hat 🙂

  32. 12. Januar 2013 at 20:11

    Das ist aber ganz sicher nicht die Zahl, über die man größere Gruppen erreicht und Meinung bildet.

  33. 16. Januar 2013 at 12:02

    Es soll schon Menschen geben die eigentlich gar nicht mehr existieren, weil sie via Google nicht gefunden werden und bei Facebook keine Freunde haben. Beim Blick in den Spiegel reden die mit einem völlig Fremden. Es gibt jetzt immer mehr sog. „Optimierer“, die helfen eine Idendität und eine Positionierung zu generieren. Der Weg in die „Offline“ Welt wird immer schwieriger :-)!

  34. 23. Januar 2013 at 21:21

    Ich verstehe absolut die Ansichten – Ich peröhnlich nutze soziale Netzwerke nur mehr im Zusammenhang mit beruflichen Aktivitäten

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