Social ist ein Deal ist ein Deal ist ein Deal

Instagram-Konto löschen? – Zeit für einige grundsätzliche Überlegungen

 

Instagram Kerstin Hoffmann

 

Ein Aufschrei geht (mal wieder) durch das Social Web: Der beliebte Foto-Dienst Instagram hat seine Nutzungsbedingungen verändert. Er räumt sich selbst nun deutlich mehr Rechte ein, mit den Nutzerdaten und -bildern zu werben und zu handeln. „Absurd!“ rufen die Kritiker, ein Akt der Selbstzerstörung sei ein solches Verhalten. Und überhaupt! Auf Facebook verkünden seither unzählige Nutzer, dass sie ihren Instagram-Account löschen wollen oder sogar schon gelöscht haben. Ich meine: Auf Facebook! Dem Instagram gehört. An dessen Nutzungsbedingungen die Instagram-Bedingungen letztlich nur angepasst wurden. Zeit für ein paar Überlegungen zu Daten und Deals!

Ich gebe zu, ich habe auch kurz darüber nachgedacht, meinen Account zu löschen. Und bin dann zu der Einsicht gelangt, dass das Blödsinn ist. Jedenfalls solange ich anderswo im Web unterwegs bin; zum Beispiel auf Facebook. Die Emotionalität, die an solchen Stellen immer wieder hochkocht, ist verständlich. Sie ist typisch nicht nur für das hier genannte Beispiel. Und sie sollte dringend dazu führen, das eigene Verhalten im Web zu reflektieren und sich ein paar Dinge klarzumachen. Die alle nicht neu sind. Die man aber leicht vergisst, wenn man sich dauernd in diesen Medien bewegt und den Fokus auf Austausch und Inhalten hat, nicht darauf, was zugleich mit den eigenen Daten passiert.

Du. Bist. Die. Ware.

Man vergisst ihn also immer wieder, den Spruch, der letztlich für alle Social Networks gilt: „Wenn du für etwas bezahlst, ist es die Ware. Wenn du dafür nichts bezahlst, bist du die Ware.“ Oder, anders gesagt: Mit irgendetwas bezahlen wir immer. Wenn nicht mit Geld, dann eben mit etwas anderem. Mit Aufmerksamkeit. Mit Weiterempfehlungen. Oder eben mit unseren Daten. Selten bis nie bieten Wirtschaftsunternehmen ihre Ware oder ihre Dienstleistungen aus reinem Altruismus kostenfrei an.

Wir müssen uns also überlegen, ob wir zu den Konditionen mitmachen oder nicht. Und wenn wir mitmachen, müssen wir halt die Kröte schlucken und uns auf den Deal einlassen. Oder eben nicht. Man kann ja protestieren. Aber ob es etwas nützt …

Der Deal ist ja beidseitig

Doch der Deal geht ja nicht in eine Richtung: Wir handeln ja ebenfalls nicht altruistisch. Es ist ja nicht so, als ob wir Facebook oder Instagram unsere Daten oder Bilder „spenden“ würden, ohne selbst davon etwas zu haben. Wir profitieren von der Möglichkeit, uns dort auszutauschen und zu präsentieren. Wir bekommen, wenn wir professionell im Web unterwegs sind, hochwertige Links, Aufmerksamkeit, letztlich Werbung. Wir bekommen Speicherplatz, ein Forum, ein virtuelles Wohnzimmer, öffentlichen Plakatplatz …

Der Deal ist also klar. Er gefällt uns nur nicht immer. Und immer, wenn wir daran erinnert werden, dass uns hier ein kommerzielles Unternehmen ein Angebot bereitstellt, schreien wir auf.

Bezahlen will nämlich auch (fast) keiner

Übrigens schreien wir auch auf, wenn wir bezahlen sollen: „Für Facebook zahlen? Niemals!“ – So und ähnlich tönt es immer wieder durch das Netz. Versuche mit breit angelegten Pay-Modellen gehen letztlich meistens schief. Langfristigen Erfolg hat nur das Kostenfreie; und das nur, weil wir die meiste Zeit gar nicht so genau darüber nachdenken wollen, welchen Preis wir zahlen und was da mit unseren Daten geschieht.

Im Unternehmenskontext sieht das anders aus, also immer da, wo direkt Geld fließt. Social Software ist umso geschützter und weniger „ausgebeutet“, je mehr sie kostet. Bezahlen wird aber nur, wer davon einen massiven Vorteil hat. Etwa als Unternehmen, das damit die interne Kommunikation und Kollaboration abwickelt, Daten sichert, Monitoring betreibt – also Geld verdient.

Bezahlen will also der, dem es nützt. Wer privat ein solches Angebot bezahlt, muss schon einen massiven Vorteil sehen. Und er isoliert sich andererseits damit leider auch oft von denjenigen, die eben diesen Preis nicht bezahlen, sondern sich lieber öffentlich auf kostenlosen Plattformen bewegen.

Impulshandlung und dann: Augen wieder zu

Und immer dann, wenn sich etwas ändert, wird es uns eben wieder bewusst. Wir schreien empört auf. Wir vollziehen Impulshandlungen wie das etwa das Löschen eines einzelnen Accounts. Und so lange wir uns nicht komplett entziehen, machen wir danach wieder die Augen zu.

Komplett entziehen können und wollen die meisten sich aber nicht. Weil sie es sich, etwa aus beruflichen Gründen, nicht leisten können. Oder weil sie den Preis nicht zahlen wollen, künftig aus einem Netzwerk ausgeschlossen zu sein, dass sie sich langfristig aufgebaut haben und das sie schätzen gelernt haben. Das ist ja gerade der Mechanismus: Anfangs sind die Regularien noch anders, leichter akzeptabel. Und wenn sie sich dann ändern, wollen wir nicht mehr zurück, nicht mehr auf das Angebot verzichten. Darauf bauen ja diese Geschäftsmodelle. Aber wir haben letztlich jederzeit die Wahl.

Unternehmerischer Pragmatismus rulez

Erst mitmachen und dann aufschreien und die Bedingungen einseitig ändern wollen: Das geht nun einmal nicht. Der Deal ist allseitig. Und wenn sich die Bedingungen ändern, muss eben jeder selbst entscheiden, ob sie noch akzeptabel sind oder nicht. Wenn nicht, muss er die Konsequenzen ziehen. Das mag bitter sein im Einzelfall, aber es ist pragmatisch. Es ist sachlich. Es ist Geschäft.

Wir begeben uns als Menschen, vielleicht als Privatpersonen, auf die Plattform eines letztlich kommerziellen Anbieters. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Auch wenn wir vielleicht viele Privatpersonen sind, die untereinander anderes im Sinn haben. Bewerten muss das jeder selbst. Und dementsprechend für sich entscheiden.

Was können wir tun?

Nicht die Augen verschließen: Wer sich ins Web begibt, kommt darin zwar nicht um. Aber er vollzieht einen fast unumkehrbaren Schritt. Er hinterlässt digitale Spuren, die so leicht nicht auszulöschen sind. Er lässt sich auf den Deal ein. Das sollte von Anfang an klar sein – und nicht nur dann, wenn gerade eine Hysteriewelle durch das Web geht.

Genau hinsehen: Wer eine Versicherung abschließt, liest die Versicherungsbedingungen. Wer ein komplexes Gerät bedient, schaut sich vorher die Bedienungsanleitung an. Wer sich in Social Networks anmeldet, sollte die Nutzungsbedingungen lesen – und sich dann bewusst entscheiden, ob sie akzeptabel sind oder nicht.

Wachsam bleiben: Das Social Web ist sehr dynamisch. Was als scheinbar völlig „unausgebeutetes“, werbefreies, datengeschütztes Angebot gestartet ist, mag einem Geschäftsmodell folgen, das die Änderung bereits im Blick hat. Das sollte uns von Anfang an bewusst sein, und wir sollten an jedem Punkt, an dem sich etwas ändert, neu entscheiden können. Dazu gehört auch aufzupassen, ob etwas vielleicht doch gegen die Anfangsvereinbarung verstößt. Die vielleicht lautete: „Melde dich hier an. Wir versprechen dir, dass wir nie mit deinen Daten handeln werden.“

Wenn nötig, handeln: Es ist nicht okay, Vorgehensweisen nicht offenzulegen. Änderungen klammheimlich vorzunehmen. Gegen Vereinbarungen zu verstoßen. Und das ganz unabhängig davon, ob Geld fließt oder nicht. Wir müssen uns nicht alles gefallen lassen. Gegen Unlauteres sollten wir vorgehen, nötigenfalls mit der geballten Macht der Crowd. Aber vielleicht heißt Handeln auch: abmelden.

Kosten und Nutzen abwägen: Das kann jeder nur selbst tun – abwägen, was er einsetzt und was er herausbekommt. Dabei geht es eben, wie gesagt, nicht nur um Geld, sondern um vieles andere. Alles hat seinen Preis, aber ich muss entscheiden, ob ich ihn zahlen will. Auf Facebook beispielsweise entscheiden sich die meisten, diesen Preis zu zahlen. Instagram andererseits mag vielen nicht derart wichtig sein, dass sie mit so vielen Daten für ihre Präsenz dort bezahlen.

Sorgsam mit den eigenen Daten umgehen: Überlegen Sie genau, wie viel Sie wirklich preisgeben wollen. Und ob es Ihnen die Sache wirklich wert ist, sich quasi öffentlich mit Ihrem Privatleben zu präsentieren. Auch in scheinbar geschützten Bereichen. Verlassen Sie sich nicht auf diesen Schutz.

Ich zum Beispiel komme privat im Web praktisch nicht vor. Der Preis ist mir zu hoch. Aber persönlich kommuniziere ich dort sehr viel, vor allem eben mit beruflicher Ausrichtung. Die ständige Sichtbarkeit ist für mich immer noch ein vergleichsweise hoher Preis. Das ist mir ununterbrochen bewusst. Aber ich zahle ihn unter anderem deswegen, weil er meine Existenz sichert. Und weil es mir Spaß macht. Aber ich überlege an jeder einzelnen Stelle, bei jeder Information, bei jeder persönlichen Äußerung, ob ich sie wirklich preisgeben will. Und ich habe zahlreiche Angebote gebucht, die ich bezahle. Trotzdem bleibe ich auch dort wachsam!

Und wie gehen Sie damit um? Bitte schreiben Sie einen Kommentar.


Dr. Kerstin HoffmannDie Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in digitalen Strategien, Public Relations und Corporate Blogging. Sie gibt Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Ihr Blog “PR-Doktor” ist laut Ebuzzing eines der führenden deutschen Blogs über digitale Kommunikation. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Kerstin Hoffmann mit ihrem Team für Ihr Unternehmen tun kann? Hier geht es zum Beratungsangebot. »

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  34 comments for “Social ist ein Deal ist ein Deal ist ein Deal

  1. 18. Dezember 2012 at 13:06

    Bin ich also tatsächlich der Einzigste, der für Facebook und Co zahlen würde? Kann ich mir nicht vorstellen. Und es wäre ein leichtes diese Payment-Option zu implementieren. machen Sie aber nicht. Nicht weil so wenig zahlen würden, sondern weil das Geschäft mit Daten und Werbung skalierbarer erscheint.

    Was ich aber bei all der Besonnenheit fatal finde ist eine Haltung zu entwickeln, bei der ich mich selbst als Ware akzeptiere. Das einzige was noch zu bleiben scheint als Kunde ist meine protestierende Stimme. Die werde ich ganz bestimmt nicht freiwillig leise machen.

  2. 18. Dezember 2012 at 13:11

    Also gerade den Ansatz „Bezahlen, dafür besserer Rechte“ finde ich spannend.

    Und „Bezahlen will nämlich auch keiner“ kann ich nicht nachvollziehen. ist das mit Fakten belegbar? Oder eher ein Bauchgefühl?

  3. 18. Dezember 2012 at 13:14

    Richtig. Bei Facebook gab es anfangs übrigens auch Geschrei, als Sponsored Stories eingeführt wurden. Inzwischen kümmert sich keiner mehr darum. Deswegen ärgert es mich, wenn Artikel zu dem Instagram-Thema dann nur titeln „…verkauft jetzt Eure Fotos und ihr kriegt nix dafür“. Solche reißerischen Verkürzungen sind es dann, die zu den beschriebenen Reaktionen führen.

    Herr, schmeiß Medienkompetenz vom Himmel!

    P.S. Dein Artikel kommt jetzt in meine Social Bookmarks! (kleiner insider) ;-D

  4. 18. Dezember 2012 at 13:16

    Huhu,

    ich bin gaaaanz oft Deiner Meinung. Hier nicht ganz. Denn die Anpassung ist keine Anpassung an Facebook, sondern tatsächlich der Anfang der Monetarisierung (die mir erst Mal auch recht ist). In den AGBs nimmt sich Instagram (über die werbliche Nutzung wie bei Facebook hinaus) das Recht, das Bild des Nutzers auch zu verkaufen. Das ist neu. Nicht wie bei Facebook. Und frech. Und … das macht man nicht. Twitter, Facebook oder Google nehmen sich in den AGBs auch nicht das Recht heraus, Beiträge der Nutzer zu monetarisieren. Aus gutem Grund – denn das macht man nicht. Das geht nicht. Das wäre frech. Und falsch.

    Ich nutze Instagram sehr gerne. Mag die Bilder, die Funktionen und vor allem: die Einfachheit und die Netzwerkgedanken hinter Instagram. Man kann anders zu Geld kommen (und die Nutzer würden zahlen). Durch die bezahlte App, bezahlte Filter, Zusatzfunktionen (funktioniert bei Hipstamatic etc. ja auch), Hosting, zusätzliche Dienste im Web (Print, Galerie, Schnittstellen, CMS-Plugins etc.), Werbung und einiges mehr (wenn man nur kurz drüber nachdenkt).

    Nein, so was wie Instagram geht halt einfach einen Schritt weiter wie Facebook. Und das macht man nicht. Das ist frech. Das ist falsch.

  5. 18. Dezember 2012 at 13:27

    @Thomas. Beobachtung und Empirie. – Dass keiner bezahlen will, stimmt ja so auch nicht. Das ist nur die Zwischenüberschrift. In den beiden Absätzen drunter steht, wie es gemeint ist.

  6. 18. Dezember 2012 at 14:01

    @Kersin. Mir ist schon klar, dass die Zwischenüberschrift mehr der Aufmerksamkeit dient, denn dem Inhalt.

    Aber ich bin mir wirklich nicht sicher, ob dieses „alles muss kostenlos sein“ wirklich bei der Mehrheit verankert ist. Oder wo eine Schwelle wäre. 1€, 5€, 10€ pro Monat?

    Und wie Patrick oben schreibt, glaube ich auch eher, dass die Monetarisierung über Werbung und Handel mit Daten deutlich einträglicher ist.

  7. 18. Dezember 2012 at 14:06

    Der Artikel spricht mir aus der Seele -Danke dafür. Ich amüsiere mich mittlerweile über all die User, die gnadenlos alles veröffentlichen, was ihnen unter die Tastatur kommt, und die sich dann zum Shit-Storm vereinigend, über veränderte Nutzerbedingungen aufregen. Diese stellen im Übrigen ja nur klar, was eigentlich jedem klar sein sollte, der ein öffentliches Netzwerk nutzt.

  8. 18. Dezember 2012 at 14:09

    Ich pers. glaube durch die ganzen Filter sind 99% der Fotos unbrauchbar, Katzen, foodporn, oder einfach gar nicht einsetzbar! Daher sehe ich dem ganzen gelassen entgegen.

  9. Pingback: Die Instagram-Sau
  10. René Lingnau
    18. Dezember 2012 at 15:24

    Die einseitige plötzliche Änderung ist ein großes Problem. Als stiege ich in eine Bahn, das Angebot ist: for free bis Berlin, aber ab der Hälfte der Strecke soll ich dann doch plötzlich zahlen. „Sie können ja aussteigen!“ käme in dieser fiktiven Situation sicher zynisch rüber. Man kann eben auch nicht so einfach aussteigen aus einem Netzwerk, das man sich aufgebaut hat. Und wenn der Entry war „for free“, dann kann nicht mittendrin plötzlich der Kurs geändert werden. Bzw. trifft das auf alle grundlegenden Änderungen zu, die auch noch rückwirkend für alle gelten sollen. Also nicht nur für die, die initial den AGB neu zustimmen müssen. Bei solchen Änderungen ist doch nur logisch, dass es da zu (mMn) berechtigten Beschwerden kommt. Zumal es (in den Berichten, die ich bislang gelesen habe) ja auch gar keine Alternative wie bspw. einen Premium-Account geben soll. „Friss oder leck mich…“, ugs. formuliert. Und obwohl ich gundsätzlich sehr sehr übereinstimme mit der dringenden Aufforderung nach Selbstreflexion gerade in Social Media, so finde ich es nicht weniger berechtigt, wenn man AGB-Änderungen auf ihre gesetzlichen Passecken prüft. Und wenn es ein gesellschaftliches Problem mit AGB von Plattformen gibt, die gesellschaftlich relevant genutzt werden, dann sind diese AGB nicht mehr nur Sache des Anbieters, sondern unser aller.

  11. 18. Dezember 2012 at 15:37

    Hallo Frau Dr. Hoffmann,

    ich stimme Ihnen grundsätzlich zu, dass Social Media aus dem von Ihnen beschriebenen Deal besteht. Auch ist es richtig und logisch, dass Provider das Recht haben müssen über öffentliche Inhalte verfügen zu können bzw. wie auch bei Pinterest anderen Nutzern das Recht einzuräumen die Bildinhalte zu verwenden und modifizieren, um nicht selber in die Haftungsfalle zu laufen!

    Dies Inhalte allerdings zu verkaufen zu können, also ein Recht der direkten Monetarisierung zu haben, geht in meinem finanzmathematischen Verständnis einen Schritt weiter UND einen Schritt ZU WEIT! Insofern finde ich Ihren Beitrag ziemlich verfehlt, obwohl der Inhalt zum Social Deal noch nicht oft genug gesagt wurde. My2Cts.

    Grüsse aus Wien an den Niederrhein

    Ihr
    Michael Rajiv SHAH

  12. Gabriel
    18. Dezember 2012 at 16:40

    Danke für die Sätze! Das musste mal gesagt werden. Um einen anderen Blogger zu dem Thema zu zitieren „Das Internet gibt wesentlich mehr, als es euch nimmt. Wovon die meisten aber genug übrig haben: Empörung und Halbwissen.“ https://twitter.com/caschy/status/281014791999475712

  13. bang1000
    18. Dezember 2012 at 18:00

    lies doch mal das hier: http://goo.gl/dGNyo

    und dann nochmal nachdenken – und dann nochmal was schreiben.
    es sind nicht nur blumen, essen, fingernageldesign und füsse im sand – das ist noch was anderes und das wird in der übersrungshandlung von „das kommentiere ich jetzt mal“ gerne übersehen.

  14. Greenstreet
    18. Dezember 2012 at 22:15

    Es geht in den neuen Bedingungen bei Instagram nicht um Werbung, behavioural targeting oder was auch immer die Meister der Ad-Netze sich als nächstes einfallen lassen, um die Werbung an die Nutzer zu bringen.

    Es geht hier darum, dass meine Inhalte monetarisiert werden sollen, ohne dass ich beeinflussen kann, welche Inhalte das sind, oder dass ich dafür entschädigt werde.

    Und an dieser Stelle steige ich aus dem Deal aus. Ich kann auch verstehen, dass darum ein so großes Bohei veranstaltet wird.

  15. Jens Best
    18. Dezember 2012 at 23:00

    Ich gebe zu ich war durch die provokant PR-neoliberale Überschrift „Social ist ein Deal“ erst negativ angezogen, gestehe aber das mir die Klarheit des Artikels wie auch die vielen guten Kommentare aus allen Richtungen gefallen.

    Ich bin was Fotos anbetrifft seit 2004 meist zufriedener Kunde bei flickr. Dort zahle ich meine €17-19 pro Jahr und dafür kann ich uploaden, sharen, sortieren uvm. – Ich kann auch meine Fotos unter herkömmliches einfaches Copyrights stellen oder unter die nun 10 Jahre alte Weiterentwicklung Creative Commons. Sowohl wurden meine Fotos schon unter diesen freien Nutzungslizenz von anderen benutzt als dass ich auch Fotos (als Amateur) zur gewerblichen Nutzung verkauft habe. Seit kurzem gibt’s auch eine brauchbare mobile App und ich hoffe, dass mit Frau Mayer an der Spitze Yahoo auch irgendwann die riesige Flickr-Community mobil mehr Freude bringen wird.

    Warum erzähle ich das? Weil flickr zeigt, dass sharing & caring eben auch geht MIT der Achtung der Urheber- und Nutzungsrechte. Klar ist ein wesentlicher Teil davon die Refinanzierung durch die Pro-Accounts, aber 4,6cent am Tag ist es mir dann doch wert mich an eine Plattform zu binden, die mir nicht morgen mit der dreisten Änderung der Nutzungsrechte-Aneignung in den Rücken fällt. Mich auf halber Strecke mit einer Forderung nach einem indirekten Ticket überfällt oder eben durch den sozialen Druck einen Kompromiss eingehen lässt, der einfach jenseits aller guten Sitten ist.

    Twitter, Facebook, Instagram sind alles kommerzielle Sites, die in der steigenden Verzweiflung nach einem Geschäftsmodell immer dreister mit dem Schlachtvieh „Nutzer“ umgehen werden. Das erschreckende daran wird sein, dass es viele nicht stören wird (so wie auch niemanden stört, dass mit dem Listenprivileg die deutschen Verlage und Adresshändler seit Jahrzehnten mit persönlichen Daten Milliarden verdienen (und die schenken einem dafür nicht mal eine social-irgendwas-plattform).

    Wikipedia, indenti.ca und auch das viel gescholtene Diaspora – ich denke wir werden in nicht allzu ferner Zukunft über die offenen zivilgesellschaftlichen Alternativen zu Facebook, Twitter und Instagram nachdenken müssen. bis dahin freue ich mich bei einer zuverlässigen Foto-Plattform zu sein (die zwar weil US auch manchmal rumzickt, ich erinnere an die Filterzensur aus 2007, aber mir wenigstens nicht morgen zu mir nichts dir nichts die Nutzerrechte-Pistole auf die Brust setzt.

  16. Alexander Schestag
    18. Dezember 2012 at 23:22

    Wieso ist „…verkauft jetzt Eure Fotos und ihr kriegt nix dafür” eine reißerische Verkürzung, und warum spricht das für mangelnde Medienkompetenz? Es trifft es doch auf den Punkt. Instagram macht jetzt die Bilder, die dort bisher hochgeladen wurden, zu Geld, indem sie quasi an Firmen „vermietet“ werden, ohne dass die Urheber der Bilder, also die User, dafür entschädigt werden. Ich frage mich, ob eine solche Klausel zumindest für bisher hochgeladene Bilder nicht im Sinne von § 305c BGB unwirksam ist, weil sie überraschend kommt. Eine derartige kommerzielle Nutzung der eigenen Werke durch Dritte war bisher nicht vorgesehen, und auch wenn es manch einer für „Medienkompetenz“ halten mag, dass man mit so einer Änderung auf Dauer rechnen musste, so halte ich es doch für sehr fraglich, ob die User damit rechnen mussten. Hierzu würde mich mal die Meinung eines Juristen interessieren.

    Nein, der Aufschrei hat nichts, aber auch rein gar nichts mit mangelnder Medienkompetenz zu tun, sondern damit, dass User sich nicht alles gefallen lassen. Und das ist auch richtig so. Ich übertrage dieses Beispiel mal ins Offline-Leben. Das wäre so, als würde man einem Maler einen Ausstellungsraum zur Verfügung stellen und ihm irgendwann, nachdem er seine Bilder schon aufgehängt hat, mitteilen, dass seine Bilder nun abfotografiert und an Firmen für Werbung weitergegeben werden, ohne dass der Maler dafür entschädigt wird. Der wird auch nichts anderes tun, als sich sofort einen anderen Ausstellungsraum zu suchen. Und das ist richtig so.

    M. E. ist das, was Facebook – denn nichts anderes ist Instagram mittlerweile – da gemacht hat, hochgradig perfide. Man wartet, bis genügend Material hochgeladen ist, und monetarisiert das hochgeladene Material dann durch einen Zwang, Bildrechte an Dritte abzugeben. Hier ist, wie Greenstreet richtig schreibt, eindeutig eine Grenze überschritten worden. Was anderes wäre es gewesen, wenn diese Klausel von Anfang an in den AGB gestanden hätte. Dann hätte man sagen können, dass jeder damit hätte rechnen müssen. Aber so nicht. Sicher, Social Media ist oft genug ein Deal. Aber viele Deals sind auch ethisch nicht korrekt oder gar unrechtmäßig. Leider ist gegenüber solchen ethisch nicht korrekten oder gar unrechtmäßigen Deals ein Gewöhnungseffekt eingetreten. Das heißt aber nicht, dass man Leuten, die in diesem Fall mal gegen den Gewöhnungseffekt handeln, mangelnde Medienkompetenz unterstellen darf.

  17. 18. Dezember 2012 at 23:47

    Alex, ich würde einfach erstmal die Quellen und die Richtigstellung von Instagram lesen, anstatt zu wiederholen, was offensichtlich aus Sekundärquellen stammt. (Ich denke, das war es auch, was Annette mit Medienkompetenz meinte: sich ein umfassendes eigenes Bild verschaffen, als in eine allgemeine Anklagewelle einzustimmen.) Und mich dann entscheiden, ob ich es weiter mitmache. Wenn ich das richtig sehe, bist du ja nach wie vor auch auf Facebook. – Auch im Social Web wird viele nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Aber ob man mitisst, kann man ja selbst entscheiden.

    Nur um das klarzustellen: Ich will hier weder einen Anbieter verteidigen noch anprangern. Aber ich finde schon, dass sich jeder klarmachen sollte, auf welches Spiel er sich einlässt.

  18. 19. Dezember 2012 at 00:01

    … und danke für die vielen differenzierten und interessanten Kommentare! Es sind etliche bedenkenswerte weitere Gesichtspunkte hinzugekommen. Das Thema ist ja viel zu komplex, als dass man es in einem Blogbeitrag ausloten könnte. Aber es lohnt aus meiner Sicht auf jeden Fall der weiteren Betrachtung und Beobachtung, schon deswegen, um selbst weiter eigenverantwortlich mit und in diesen Medien unterwegs zu sein. Und wachsam zu bleiben gegenüber unguten Entwicklungen.

  19. Jens Best
    19. Dezember 2012 at 00:09

    @Kerstin Es gibt eine „Richtigstellung“ von Instagram? Hat da die Krisen-PR einen geschickten Text aufgesetzt, der von der offensichtlichen Absicht ablenken soll?

    Ich finde dein „Aber ob man mitisst, kann man selbst entscheiden“ ein wenig perfide. Der durchschnittliche Nutzer kann eben NICHT selbst entscheiden, ob er/sie mitisst oder nicht. Das ist ja gerade der perfide Punkt an einer Geschäftsmethode, die soziale Interaktion mit kommerziellen Interessen verknüpft. Der Einzelne kann sehr schwer aus diesem kommerzialisierten sozialen Raum hinausgehen, weil viele Aspekte des Zusammenlebens dort stattfinden.

    Es stellt sich also langsam die dringliche Frage, ob nicht politisch die Förderung nicht-kommerzieller Alternativen wie identi.ca oder Diaspora gefördert werden müssen. Die Kommerzialiserung sowohl der privaten wie auch der öffentlichen sozialen Sphäre im Web ist eine große Gefahr für unser kulturelles Selbstverständnis.

  20. 19. Dezember 2012 at 00:16

    Das sagt Instagram aktuell:
    http://blog.instagram.com/post/38252135408/thank-you-and-were-listening

    Aber, wie gesagt, es geht mir in diesem Beitrag nicht primär um Instagram.

    Meine Meinung ist, dass es wichtiger ist, Medienkompetenz zu fördern und Klarheit zu schaffen als zu sagen, die Leute seien ja größtenteils nicht intelligent oder gebildet genug, das zu durchschauen, und deswegen müssten wir staatlich regulieren. Solche Aussagen, die anderen ihre Urteilsfähigkeit in Verträgen – und wir sprechen hier letztlich von Nutzungsverträgen – absprechen, halte ich für eine sehr gefährliche Denke.

  21. Alexander Schestag
    19. Dezember 2012 at 00:24

    Ich habe nichts aus Sekundärquellen wiederholt. Ich habe mich einzig und allein an die Formulierung in den überarbeiteten Original-TOS gehalten: „… you agree that a business or other entity may pay us to display your username, likeness, photos (along with any associated metadata), and/or actions you take, in connection with paid or sponsored content or promotions, without any compensation to you.“. „photos“ ist nun mal im Zusammenhang mit Instagram mehrdeutig, „paid or sponsored content“ ebenso. Man darf sich nicht wundern, wenn man Gegenwind bekommt, wenn man das so vage formuliert. Das, was du „Richtigstellung“ nennst, ist für mich ein hektisches Zurückrudern. Jetzt auf einmal soll es nur noch das „profile photo“ sein, und es gibt natürlich gar keine Pläne, die Bilder, die die User als Content hochgeladen haben, dafür zu verwenden. Man wird sich schon fragen dürfen, warum vorher generell von „photos“ die Rede war und man nicht gleich eindeutig von „profile photo“ sprach. Und warum man sich jetzt immer noch ein Hintertürchen offenhält, wenn man sagt „The language we proposed also raised question about whether your photos can be part of an advertisement. We do not have plans for anything like this“. Das heißt nämlich nur, dass Bilder, die man hochgeladen hat, nicht für eine Werbeanzeige verwendet werden können, aber nicht, dass die hochgeladenen Fotos nicht für die genannte Promotion verwendet werden dürfen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Und ich oute mich hier eindeutig als Schelm und unterstelle Absicht, die halt aufgeflogen ist. Man darf gespannt sein, was die überarbeitete Version sagt.

  22. Jens Best
    19. Dezember 2012 at 00:32

    @Kerstin

    Ich verwehre mich an aller Deutlichkeit gegen diese geschickte PR-Methode, zu unterstellen, ich würde jemanden für „nicht intelligent oder gebildet genug halten“ oder gar „die Urteilsfähigkeit in Verträgen absprechen“ – DAS IST SCHLICHTWEG EINE DREISTE UNTERSTELLUNG. Nichts davon habe ich gesagt.

    Der Einzelne ist aufgrund – und nichts anderes habe ich in meinem letzten Kommentar gesagt – der „sozialen Stickiness“ gehemmter in seiner/ihrer Entscheidung eine Plattform zu verlassen.
    Es geht also darum, dass kommerzielle Plattformen Millionen Menschen erst angelockt haben und jetzt peu a peu die Umgebung an die Profitsteigerung und die Interessen der wahren Kunden ( = Werbepartner) anpassen. Sei es das aktuelle Instragram-Desaster oder die Veränderungen in den Facebook-Fanpages, die mittlerweile die Steuerung kritischer Stimmen durch den Fanpage-Betreiber optimiert hat. Es gibt viele weitere Beispiele.

    All das zeigt, wie wir es zulassen, dass öffentliche und private Räume, Räume, deren Beeinflussung durch Kommerz freizuhalten sind, dem Kapital überlassen werden. Das ist nicht nur ein Problem des Web, wird aber hier extrem deutlich.
    Es stellt sich akut die Frage, ob wir ein Shoppingmall-Internet oder ein freies offenes Internet haben wollen.
    Das hat mit Medienkompetenz nur in zweiter Linie zu tun, in erster Linie stellt sich hier die Frage, ob die Balance der Kräfte in unserer Gesellschaft, also zwischen Wirtschaft-Staat-Zivilgesellschaft nicht zu gunsten des Profits stark verrutscht sind. DAS ist die eigentliche Herausforderung, die sich an solch kleinen Momenten wie dem dreisten Instagram stellt – Medienkompetenz gibt darauf keine Antwort.

  23. 19. Dezember 2012 at 08:05

    Jens, dann tut es mir leid. Bei mir ist es so angekommen.

  24. 19. Dezember 2012 at 11:35

    @Andreas Schestag

    Das mit § 305c BGB lässt sich durchaus hören. Ähnlich hatte das LG Berlin kürzlich auch bezüglich der Nutzungsbedingungen von Facebook entschieden (siehe http://www.rechtzweinull.de/archives/199-Urteil-des-LG-Berlin-Facebook-Nutzungsbedingungen-und-Datenschutzerklaerung-teilweise-rechtswidrig.html )

    Zu der urheber- bzw. datenschutzrechtlichen Bewertung der Instagram Geschichte, die im Netz wild durcheinander geworfen wird, habe ich in meinem heutigen Beitrag unter http://www.rechtzweinull.de/archives/652-Bewertung-der-Aenderungen-der-Instagram-AGB-aus-urheber-und-datenschutzrechtlicher-Sicht-Ein-Skandal-oder-doch-nicht-!.html einiges augeführt.

  25. Jens Best
    19. Dezember 2012 at 12:01

    @Kerstin

    Kommentar zu „bei mir so angekommen“ aus dem letzten Reply: Es hilft, das zu lesen, was geschrieben ist, nicht das, was man gerne lesen möchte.

    Trotzdem danke für einen guten Artikel, der eine spannende Diskussion eröffnete.
    Mein Resümeé: Medienkompetenz ist kein Allheilmittel, wenn die Dominanz kommerzialisierter sozialer Dienste die Fähigkeiten sich offen und frei im Netz zu bewegen unmöglich macht. Es muss die grundlegende Frage gestellt und Antworten gefunden werden, ob wir als Gesellschaft diesen wichtigen neuen Interaktionsraum der Dominanz des Kapitals überlassen. Sprich: Das Web sollte uns anregen über unsere aktuelle gesamtgesellschaftliche Realität nachzudenken anstatt das ihm die kranken Regeln einer neoliberal verseuchten Welt übergeworfen werden.

  26. 19. Dezember 2012 at 12:19

    Danke für die Belehrung zu meinem Leseverhalten. (Dass das Missverständnis auch in der Formulierung und damit beim Sender begründet liegen könnte, hast du vermutlich nicht in Betracht gezogen.)

    Vor allem aber, und jetzt ernst gemeint, danke für das Lob zum Artikel und für deine Diskussionsbeiträge. Ich finde deine Ansätze bedenkenswert, und ich finde auch, dass wir alle „dranbleiben“ müssen. Von staatlicher Regulierung und Subvention halte ich jedoch nichts.

  27. Alexander Schestag
    19. Dezember 2012 at 21:22

    @Carsten Ulbricht Offensichtlich haben noch andere erhebliche rechtliche Bedenken bezüglich der Änderungen. S. http://www.golem.de/news/instagram-niemand-hat-die-absicht-nutzerfotos-zu-verkaufen-1212-96456.html

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