Corporate Blog: Die geheime Feuerwehr-Flotte

>5 Fälle, in denen Ihre redaktionelle Plattform ungeahnte Kräfte entwickelt

Feuerwehrzufahrt auch für das Blog freihalten!

PR-Doktor-Serie zur Theorie und Praxis von Unternehmens-Blogs, Teil 7

Oft ist das Wesentliche auf den ersten Blick unsichtbar – oder zumindest ein Teil desselben. Dass ein Corporate Blog Ihren Nutzern jede Menge Nutzen und Ihnen hochwertige Empfehlungen, treue Leser und neue Kunden bringen kann, ist offensichtlich. Was es sonst noch alles leistet, haben wir uns bereits angeschaut. Heute möchte ich auf etwas eingehen, was sich nicht jedem auf den ersten Blick erschließt: Den herausragenden Nutzen einer solchen Plattform für dessen Besitzer im Krisen- oder Problemfall. Ihr Website-Besucher sieht tollen Service und hochwertige Inhalte. Sie sehen dahinter, bildlich gesprochen, eine ganze Garage voller Feuerwehr-Fahrzeuge, die bereitstehen, falls mal etwas schiefgeht oder anbrennt. Wenn sie es nicht brauchen: Umso besser, das Blog erfüllt ja auch so eine Vielzahl von Funktionen. Aber schauen wir uns einmal an, zu welchen Formen Ihre redaktionelle Web-Präsenz auflaufen kann, wenn einer der folgenden Fälle eintritt:

Fall 1: Jemand schreibt Übles über Sie und Ihr Unternehmen

Was tun Sie im Fall einer Verleumdung oder, noch schlimmer, einer übelwollenden Veröffentlichung, deren Kern nicht einmal ganz unwahr ist? Klar: Sie nehmen Kontakt mit dem Betreffenden auf. Das sollte immer der erste Weg sein. Mit juristischen Mitteln sollte man immer vorsichtig sein, selbst wenn man sich im Recht fühlt, denn das kann manchmal die Eskalation eher fördern. Berühmtester Fall: der Streisand-Effekt. Manchmal lässt sich dennoch der Rechtsweg nicht vermeiden. Aber vor allem eines können Sie jetzt tun: Mit eigenem Output dafür sorgen, dass der üble Content wenigstens in Suchmaschinen nach hinten gerät – und zumindest nicht als erstes hochploppt, wenn jemand nach Ihrem Firmennamen googlet. Mit einem bereits bestehenden Blog, das suchmaschinentechnisch bereits gut dasteht, ist das relativ einfach. Um jetzt erst eine eigene Präsenz aufzubauen, wäre es zu spät.

Und: Ja, ich weiß, dass sich das auch solche Menschen und Firmen zunutze machen können, gegen die berechtigte Bedenken und Anschuldigungen veröffentlicht werden. Aber, glauben Sie mir: Die wissen das sowieso schon. Deswegen rate ich auch dringend dazu, sich bei berechtigten Vorwürfen nicht einfach auf solche Verdrängungsmechanismen zu verlassen, sondern sich offen und ehrlich damit auseinanderzusetzen. Womit wir zum zweiten Punkt kommen:

Fall 2: Sie müssen Krisen-PR machen

Jedes Unternehmen sollte darauf vorbereitet sein. Die meisten brauchen aber diesen Notfallplan zum Glück nie. Doch wenn der Krisenfall eintritt, ist ein eigenes Blog buchstäblich Gold wert. Es kann dazu dienen, die Öffentlichkeit zu informieren. Sie haben eine eigene Plattform, um Stellung zu beziehen. Sie überlassen die Informationshoheit nicht anderen. Auch Ihre Shareholder und Stakeholder finden auf den ersten Blick weitere Informationen. Und wenn Sie bereits ein gut eingeführtes Blog haben, gehört auch ein Netzwerk dazu, das im Worst Case zu Ihnen hält, weil es Ihre Qualitäten kennt.

Fall 3: Sie erleben einen Sh…

Ach ja, eigentlich wollte ich dieses Sh…-Wort ja vorerst nicht mehr in den Mund beziehungsweise in die Tasten nehmen. Aber, nun gut, manchmal tritt eben dieser Sonderfall einer Kommunikationskrise, der Shitstorm, wirklich ein. Dann brauchen Sie eine eigene zentrale Plattform im Web, auf der Sie das Sagen haben. Siehe auch der vorige Punkt. Alles andere wird dann schon lange nicht mehr so heiß gelesen, wie es getippt wurde.

Fall 4: Ihr Wikipedia-Eintrag stimmt nicht

Das kann eben passieren: Ihr Unternehmen ist in Wikipedia erwähnt. Aber was da steht, empfinden Sie als rufschädigend. Eventuell ist es sogar tatsächlich sachlich falsch. Die schlechte Nachricht: Wenn jemand anders den längeren Atem hat, ist es in manchen Fällen unmöglich, das dauerhaft zu ändern. Daher ist es, wie Klaus Eck im Interview bereits vor einiger Zeit betonte, sinnvoller, sich auf eigene Plattformen zu konzentrieren. Diese Inhalte müssen aber eben auch findbar sein, und da bietet ein Blog die idealen Möglichkeiten. Und schon schaut auch der Geschäftsführer wieder entspannter, statt den Kommunikationschef jede Woche einzubestellen, weil er das mit Wikipedia immer noch nicht gefixt hat. Hoffentlich jedenfalls!

Fall 5 bis …: Es kann ja auch etwas Erfreuliches sein!

Im Gegensatz zur regulären Feuerwehr steht Ihre Kommunikations-Feuerwehrflotte übrigens auch bei erfreulichen Anlässen sofort uneingeschränkt zur Verfügung, zum Beispiel:

  • wenn Sie einen wichtigen Preis oder einen Wettbewerb gewonnen haben.
  • wenn ein neues Produkt zu präsentieren ist.
  • wenn plötzlich größere Mengen guter Nachrichten zu kommunizieren sind.
  • wenn Sie sich in letzter Minute zur Teilnahme an einer Messe oder Veranstaltung entschließen – und nicht mehr die Zeit bleibt, klassische Werbemedien zu produzieren.
  • wenn Sie einen grandiosen Vortrags-Erfolg gefeiert haben und für das dankbare Publikum schnell noch eine Landing Page bereitstellen wollen.

Kurz: Anwendungsmöglichkeiten sind viele denkbar. Ihre Feuerwehr-Flotte steht bereit. Ob Sie sie auffahren lassen, entscheiden Sie allein – und zwar in kürzester Reaktionszeit!

 


Über diese Serie:

Blogs waren gestern? Corporate Blogs sind gerade erst so richtig im Kommen! Sie heißen nur nicht immer so. Oft treten sie als Online-Magazine auf, als News oder als zentrale Veröffentlichungs-Plattform eines Unternehmens … Doch der Begriff Corporate Blog setzt sich auch in der professionellen Kommunikation immer mehr als etwas durch, das für viele Firmen unverzichtbar ist: nicht zuletzt deswegen, weil hochwertige Inhalte die beste Möglichkeit sind, in Suchmaschinen nach vorne zu kommen sowie Kunden und Fans an sich zu binden. Beides ist eng mit der Vernetzung im Social Web verknüpft. Gerade deswegen ist der Informationsbedarf auch bei professionellen Kommunikationsleuten hoch; erst recht aber im Mittelstand und bei kleineren Firmen, die keine eigene Kommunikationsabteilung haben – und auch keine spezialisierten Mitarbeiter für diesen Bereich. In dieser Serie beleuchte ich das Thema von vielen verschiedenen Seiten, liefere Hintergrund und gebe praktische Tipps für die Umsetzung.

Bereits erschienen:

1. Corporate Blog: Gut geplant, erfolgreich realisiert
2. Corporate Blog: Was ist das überhaupt?
3. Corporate Blog: Beispiele, Beispiele, Beispiele …
4. „Chef, wir brauchen ein Corporate Blog!“
5. Corporate Blog: Was kann es und was bringt es?
6. Corporate Blog: Zu Risiken und Nebenwirkungen

Viele Leser haben bereits Fragen eingereicht, die sie besonders interessieren. Haben Sie auch eine? Dann schreiben Sie sie bitte hier in die Kommentare. Ich werde sie in einem späteren Beitrag aufgreifen.



Dr. Kerstin HoffmannDie Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in digitalen Strategien, Public Relations und Corporate Blogging. Sie gibt Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Ihr Blog “PR-Doktor” ist laut Ebuzzing eines der führenden deutschen Blogs über digitale Kommunikation. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Kerstin Hoffmann mit ihrem Team für Ihr Unternehmen tun kann? Hier geht es zum Beratungsangebot. »

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