„Ich leite es weiter und zeige meine Begeisterung”

10. August 2012

Interview mit Mirko Lange, Geschäftsführer der Münchner Agentur talkabout

Mirko Lange, talkabout

Du kannst (fast) alles verschenken, was du weißt – wenn du das verkaufst, was du kannst!“ Das ist die These meines Buchs Prinzip kostenlos. Seit Jahren beobachte ich viele Menschen, die das erfolgreich verwirklichen. Für das Buch habe ich insgesamt acht bekannte Wissens-Teiler selbst zu Wort kommen lassen. Für diese Praxisbeispiele habe ich die Form des Interviews gewählt. Die Befragten beschreiben, was sie antreibt, was bei ihnen gut funktioniert und auf welche Weise sie so erfolgreich geworden sind. Sie berichten von ihrer Positionierung, von persönlichen Erfahrungen, vom Umgang mit Wettbewerbern und Netzwerkpartnern. Die ungekürzten Fassungen dieser Interviews erscheinen nach und nach hier im PR-Doktor. Hier ist das dritte, in dem Mirko Lange von seinen Erfahrungen berichtet.*

Herr Lange, Sie sind im deutschen Social Web sehr bekannt; auch und gerade deswegen, weil großzügig hochwertiges Wissen an Ihr Netzwerk verteilen. Warum machen Sie das? Was bringt es Ihnen?

Die Idee entstand vor zwei Jahren, einfach nur, weil ich mir persönlich ein Bild machen wollte. Twitter ist ziemlich unübersichtlich, wenn es darum geht, gute und relevante Twitterer zu finden. Vor zwei Jahren war das für deutsche Accounts nahezu unmöglich. Und für mich war schnell klar, dass ich das öffentlich machen werde. Einerseits entsteht so ein „Crowdsourcing-Effekt“ – also Leute wollen auch dabei sein und melden sich selbst – andererseits bringt das schlichtweg Links und Traffic auf die talkabout.de-Domain. Und dadurch steigern wir unsere Bekanntheit, den Page-Rank auf Google und unser Image. Aber ich würde es auch dann machen, wenn diese Effekte nicht so gut sind. Ich möchte, dass die Menschen draußen einen Mehrwert bekommen, dass sie spüren, dass sie etwas Gutes bekommen. Damit sollen sie „die Marke“ talkabout verbinden.

Wo ziehen Sie die Grenze zur kostenpflichtigen Leistung?

Es gibt für mich zwei Faktoren. Erstens: Ist es „nur“ eine Idee, oder ist es ein Produkt, das richtig Arbeit macht? Ideen, Perspektiven, Sichtweisen kann man langfristig sowieso nicht schützen. Alles, was gedacht werden kann, wird auch gedacht werden. Man gewinnt fast nichts, wenn man es für sich behält. Im Gegenteil – hier kommt es sogar darauf an, dass man seine Idee möglichst schnell und breit publik macht, dass man vielleicht als Urheber der Idee irgendwann anerkannt ist. Zudem interessieren mich die Reaktionen. Das Social Web ist auch so etwas wie ein „Test-Lab“ – ich kann Ideen und Gedanken vorher „ausprobieren“, bevor ich sie dann einem Kunden erzähle oder in einen Vortrag einbaue.

Das Wichtigste ist aber: „Wissen“ wegzugeben, ist heute kein Risiko mehr. Denn es gibt ohnehin schon viel mehr Wissen auf der Welt, als wir jemals verarbeiten können. Wissen hilft auch vielfach nichts mehr. Man muss es können. Und deswegen habe ich auch nur bedingt Angst, dass ich mir mein Geschäft kaputt mache. Manche werden sich mein Wissen aneignen, aber „können“ tun sie es deswegen noch lange nicht.

Richtige Arbeitswerkzeuge, zum Beispiel Checklisten, teile ich aber nicht. Die würden zu oft einfach als „nette Beigabe“ übernommen werden – um nicht zu sagen „geklaut“. Da mache ich anderen einfach nur die Arbeit leichter, ohne dass eine Debatte in Gang käme.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass Ihr Twitter-Follower oder Facebook-Freund hinter einem Link, den Sie posten, auch tatsächlich Substanz findet?

Äh, was denn sonst? „Substanz“ ist zwar relativ, aber trotzdem unabdingbar. Da gibt es überhaupt keine Frage. Ich glaube nicht, dass jeder Link und jeder Content, den ich poste, immer und für jeden einen Mehrwert bietet – aber immer für einige. Warum sollte ich etwas Belangloses posten?

Wenn Sie selbst auf einen Link klicken, zu dem jemand vollmundig Mehrwert angekündigt hat, und dahinter liegt eine Werbebotschaft oder der Gehalt ist mehr als dünn: Wie wirkt das auf Sie? Wie reagieren Sie? Welche Auswirkung hat das auf Ihre Meinung, die Sie von dem Betreffenden haben?

Diese Menschen sind eigentlich sofort unten durch bei mir. Oder sagen wir: Spätestens nach dem dritten Mal. Auch da gibt es überhaupt keine Frage. Okay, nicht, wenn es mal einer von 10 Posts ist. Vielleicht wären einer von fünf auch noch okay. Aber alles was öfter ist, würde sogar dazu führen, dass ich die Leute entfolge oder „entfreunde“. Belangloses gibt es genug auf der Welt. Das gilt allerdings nicht für Menschen, die mir persönlich etwas bedeuten. Da sind auch scheinbar belanglose Dinge interessant.

Umgekehrt: Wie kommt es bei Ihnen an, wenn Sie hinter einem Link oder einem Hinweis etwas wirklich Hochwertiges finden – vielleicht sogar mehr, als Sie erwartet haben?

Ich leite es weiter und zeige meine Begeisterung.

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Kerstin Hoffmann Prinzip kostenlosDie Kurzfassung dieses Interviews** ist erschienen in Prinzip kostenlos, dem neuen Buch von Kerstin Hoffmann. Der Ratgeber zeigt, wie Unternehmen, Berater und Dienstleister neue Kunden gewinnen, ihre Bekanntheit steigern und ihre Umsätze erhöhen, indem sie ihr Wissen verschenken. Er führt die Leser von der Theorie und Psychologie des Teilens bis zur erfolgreichen Realisierung ihrer ganz eigenen Strategie. Dazu gehören auch technische Details für die eigene Wissensplattform sowie Anleitungen für die Vernetzung in Social Networks.

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Hoffmann, Kerstin: Prinzip kostenlos. Wissen verschenken – Aufmerksamkeit steigern – Kunden gewinnen. 1. Auflage. Mai 2012. 24,90 Euro 248 Seiten, Hardcover. ISBN-13: 978-3-527-50671-2. Erschienen im Verlag Wiley-VCH, Weinheim*

 

*Für das Buch habe ich alle Interviews einheitlich in der Sie-Form geführt, auch mit Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich mich duze.
**talkabout hat das Interview ebenfalls bereits gebloggt.

 

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3 Antworten auf „Ich leite es weiter und zeige meine Begeisterung”

  1. Axel Kopp am 28. August 2012 um 11:21

    Richtig gutes Interview! Eine Sache würde mich allerdings interessieren: warum siezt du ihn? In der Social Media Szene ist man doch per Du und ich könnte wetten, dass ihr euch auch im Interview geduzt habt.

  2. Kerstin Hoffmann am 28. August 2012 um 11:34

    Da sprichst du eine interessante Frage an, deren Antwort ich mir für das Buch nicht leicht gemacht habe. Da gab es bei den Interviewpartnern “Dus” und “Sies”, und ich habe mich dann für das Buch für die einheitliche Sie-Form entschieden. Siehe auch die Anmerkung unten in diesem Beitrag.

    Gerade heute habe ich aber darüber nochmal nachgedacht. Denn ich lese im Moment “Kundenservice im Social Web’, und Andreas H. Bock mischt das, so wie er es in der Realität handhabt. Würde ich vielleicht nächstes Mal auch so machen – aber wie ich es jetzt gemacht habe, ist für mich nach wie vor auch okay.

  3. Axel Kopp am 30. August 2012 um 10:05

    Danke für die Antwort! Als Freund der Einheitlichkeit finde ich deine Siezen-Lösung mit der Angabe, dass du manche Interviewpartner geduzt hast, sehr gut. Muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die obige Sternchen-Anmerkung völlig übersehen habe. Ups.

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