„Menschen merken sich, wer sie inspiriert hat“

Interview mit dem Blogger, Autor und Kommunikationsberater Klaus Eck

Du kannst (fast) alles verschenken, was du weißt – wenn du das verkaufst, was du kannst!“ Das ist die These meines Buchs Prinzip kostenlos. Seit Jahren beobachte ich viele Menschen, die das erfolgreich verwirklichen. Für das Buch habe ich insgesamt acht bekannte Wissens-Teiler selbst zu Wort kommen lassen. Für diese Praxisbeispiele habe ich die Form des Interviews gewählt. Die Befragten beschreiben, was sie antreibt, was bei ihnen gut funktioniert und auf welche Weise sie so erfolgreich geworden sind. Sie berichten von ihrer Positionierung, von persönlichen Erfahrungen, vom Umgang mit Wettbewerbern und Netzwerkpartnern. Die ungekürzten Fassungen dieser Interviews erscheinen nach und nach hier im PR-Doktor. Hier ist das zweite, in dem mein Kollege Klaus Eck von seinen Erfahrungen berichtet.*

Frage: Herr Eck, Ihr „PR-Blogger“ ist für die Kommunikationsbranche sozusagen die Mutter aller Fachblogs. Wie sind Sie auf die Idee gekommen zu bloggen?

Klaus Eck: Meine ersten Blogerfahrungen habe ich schon sehr früh gemacht. Mitte der 90-er Jahre bin ich auf die Frankfurter Buchmesse gereist, habe dort mit einer der ersten Digitalkameras Fotos gemacht und über die Messe berichtet. Daraus entstanden Artikel, die sofort bei der Fachzeitschrift Buchmarkt publiziert worden sind. Damals nannten wir das Cyberjournalismus, heute würde man es als Bloggen bezeichnen. 1999 habe ich dann anfangs anonym gebloggt, später auf unterschiedlichen Plattformen experimentiert, bevor ich den PR-Blogger gegründet habe. Dabei habe ich sehr früh auf das Konzept Reputation und Selbstvermarktung durch Content gesetzt.

Wie hat sich das für Sie beruflich ausgezahlt?

Klaus Eck: Mit den Ergebnissen bin ich sehr zufrieden. Anfangs bin ich sicherlich durch meine Bloginhalte in Fachkreisen bekannter geworden, später kamen meine Bücher „Corporate Blogs“ und „Karrierefalle Internet“ dazu. Ich konnte meine Texte für meine persönliche Positionierung im Online Reputation Management nutzen und dadurch mein Unternehmen Eck Kommunikation auf- und ausbauen. Wir beraten vor allem große Markenunternehmen. Aufgrund unserer Unternehmensentwicklung habe ich mich immer mehr auf die eigentliche Beratung konzentriert. Deswegen kann ich selbst nicht mehr so aktiv wie früher im Blog schreiben. Daraus habe ich die Konsequenz gezogen, Autoren zu gewinnen, darunter Mitarbeiter von Eck Kommunikation sowie Kooperationspartner.

Haben Sie nie Bedenken gehabt, so viel hochwertiges Wissen im Netz zu teilen? Hat das jemals jemand ausgenutzt?

Klaus Eck: Wir leben in der Sharing Economy, wenn man so will. Dabei geht es nicht mehr darum, sein Know-how zu verstecken, sondern es mit anderen zu teilen. Das ist ein sehr gutes Investment in die Zukunft. Denn Menschen merken sich sehr wohl, wer sie inspiriert oder ihnen geholfen hat. Je mehr ich von meinem Wissen preisgebe, desto stärker positioniere ich mich darüber online wie offline. Letztlich kann ich ohnehin immer nur einen Bruchteil davon abgeben.

Sie sind seit so vielen Jahren auf allen wichtigen Kanälen aktiv. Wird Ihnen das nie zu viel?

Klaus Eck: Natürlich sollte jeder seine persönliche Grenzen kennen und nicht immer auf allen Hochzeiten tanzen. Wenn ich keine Lust mehr auf einen Kanal habe, verabschiede ich mich von diesem wieder. Ich probiere viele aus, um meine Kunden besser beraten zu können. Ohne eine persönliche Erfahrung kann ich nicht wirklich glaubwürdig über eine Social-Media-Strategie sprechen. Meine begrenzte Zeit verteile ich immer auf die für mich wichtigsten Kanäle und gebe mit der Zeit an meine Mitarbeiter ab. Vom Gedanken, alles selbst zu machen, habe ich mich lange verabschiedet. Aber ein Gefühl dafür möchte ich weiterhin aufrechterhalten.

Sie beraten auch Consumer-Marken. Sich selbst müssen Sie aber als Berater für Unternehmen – also B2B – vermarkten. Wo sehen Sie da die wesentlichen Unterschiede?

Klaus Eck: Es gibt zwar einige Unterschiede in der jeweiligen Ansprache, aber für jede Marke benötige ich die Öffentlichkeit, eine klare Positionierung und gute Ideen. Letztlich geht es immer um eine punktgenau Ansprache der Adressaten. Dazu sind Blogs, Twitter, Facebook, Google Plus und andere Kanäle geeignet. Nur muss ich jeweils deren Stellenwert unterschiedlich gewichten, wenn ich damit erfolgreich sein will.

Wo klicken Sie im Social Web sofort weg? Und welche Art von Beiträgen, welchen Content lesen Sie am liebsten?

Klaus Eck: Reine Unterhaltung reizt mich wenig, kostet vor allem viel zu viel Zeit. Daher verzichte ich bislang auf Social Games auf Facebook und Co. Diskussionen um ihrer selbst willen, nach dem Motto „Wer ist der beste oder größte?“ – darauf kann ich gerne verzichten. Stattdessen bevorzuge ich fachliche Inhalte, die direkt mit meiner Arbeit in Social Media zu tun haben.

Klaus Eck betreibt bereits seit 2004 den „PR-Blogger“, eines der erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Fachblogs in der Online-Kommunikation. Er ist der Experte für Online-Reputation in Deutschland. Zu diesem Thema hat er bereits mehrere Fachbücher geschrieben. Klaus Eck leitet die Beratungsagentur Eck Kommunikation in München. http://www.pr-blogger.de

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Kerstin Hoffmann Prinzip kostenlosDie Kurzfassung dieses Interviews** ist erschienen in Prinzip kostenlos, dem neuen Buch von Kerstin Hoffmann. Der Ratgeber zeigt, wie Unternehmen, Berater und Dienstleister neue Kunden gewinnen, ihre Bekanntheit steigern und ihre Umsätze erhöhen, indem sie ihr Wissen verschenken. Er führt die Leser von der Theorie und Psychologie des Teilens bis zur erfolgreichen Realisierung ihrer ganz eigenen Strategie. Dazu gehören auch technische Details für die eigene Wissensplattform sowie Anleitungen für die Vernetzung in Social Networks.

Hoffmann, Kerstin: Prinzip kostenlos. Wissen verschenken – Aufmerksamkeit steigern – Kunden gewinnen. 1. Auflage. Mai 2012. 24,90 Euro 248 Seiten, Hardcover. ISBN-13: 978-3-527-50671-2. Erschienen im Verlag Wiley-VCH, Weinheim*

 

*Für das Buch habe ich alle Interviews einheitlich in der Sie-Form geführt, auch mit Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich mich duze.
**Klaus Eck hat das Interview unter dem Titel „Sharing: Das Prinzip kostenlos“ ebenfalls bereits gebloggt.

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