Großer Durchbruch mit einer Pressemitteilung? Bitte träumen Sie weiter!

Zeitungshut negativManchmal frage ich mich ernsthaft, wie manche Leute auf bestimmte Ideen kommen. Zum Beispiel die Idee, dass eine einzige Pressemitteilung den großen wirtschaftlichen Durchbruch bringt. Berühmtheit. Nie gekannten Kunden-Andrang. Ist nämlich gar nicht so. Komisch, oder?

Hier braucht sich wieder niemand persönlich exponiert zu fühlen, denn solche Anfragen erhalte ich mittlerweile immer häufiger, und sie lauten stets fast wortgleich: „Unsere Firma gibt es schon länger, aber so richtig viele kennen unser Angebot noch nicht.“ Und dann folgt, in einer Gewichtigkeit, mit der in der Wissenschaft oder in der Politik ein größerer Paradigmenwechsel angekündigt wird, der Satz: „Wir wollen es jetzt mit einer Pressemitteilung versuchen. Dazu bitten wir Sie um ein Angebot.“

Ja, Sie haben richtig gelesen: eine Pressemitteilung. Nicht „Pressearbeit“. Nicht „neue Ausrichtung in der PR-Strategie“. Nein, um jetzt den großen Durchbruch zu erlangen, soll ein einzelner Pressetext versandt werden. An einen großen Verteiler neuigkeitshungriger Journalisten. Die sich schon den ganzen Tag gefragt haben, wie sie nur ihr Blatt vorkriegen. Und denen dazu noch eine richtig solide Unternehmensmitteilung von mittlerem Neuigkeitswert („… sind wir bereits seit zwei Jahren am Markt und bieten unseren Kunden …“) gerade genau gefehlt hat.

Ich lerne aber auch nicht dazu. Ich versuche es immer wieder. Ausführlich und geduldig erkläre ich (da fällt mir ein: vielleicht sollte ich mal einen Textbaustein dazu abspeichern) jedes Mal auf’s Neue, dass es mit einer Pressemitteilung nicht getan sei. Dass es ein Kommunikationskonzept brauche. Dass Pressearbeit am Anfang am aufwändigsten ist, Kontinuität braucht, sich aber selten kurzfristig in mehr Umsatz niederschlage. Und dass gute Pressearbeit viel mehr aus viel Hintergrund-Wirken besteht als man so gemeinhin wahrnehme. Leider mit wenig Erfolg. Die meisten melden sich nie wieder. Aber einige antworten dann, so hätten sie sich die Nordsee ja nicht vorgestellt, und ich hätte wohl unrealistische Vorstellungen von Aufwand und Ertrag. Und überhaupt hätten sie nach einem Eiswürfel gefragt und jetzt wolle ich ihnen wohl gleich einen Kühlschrank verkaufen. Und sie würden das jetzt anders machen, mit einem Dienstleister, der sie versteht. So!

Nur zu! Wir alle müssen unsere Erfahrungen machen, und ich arbeite ja auch erst seit 25 Jahren in dem Job. – Ich hoffe dann trotzdem immer um ihretwillen, dass sie nicht an jemanden geraten, der ihnen den Eiswürfel zum Preis eines halben Kühlschranks verkauft (um jetzt mal im Bild zu bleiben) und erst wenn er geschmolzen ist, merken sie, dass sich der erwünschte Ruhm nicht eingestellt hat, nicht mal flüchtig.

Ich bin nämlich sogar froh, wenn ich einfach mal eine Pressemitteilung schreiben kann. Mache ich gerne. Aber dann muss ich sehen, dass das Drumherum stimmt. Sonst mache ich es nicht. Punkt.

Was denken sich denn die Leute, wenn sie einen Bericht über ein Unternehmen in einer großen Wirtschaftszeitung lesen? Dass sich der Geschäftsführer mal so überlegt hat: „Och, irgendwie sind die Damen in unserer Telefonzentrale auch nicht so richtig mit Anfragen ausgelastet. Schicke ich doch mal eine Pressemitteilung an einen Verteiler. Adressen stehen ja im Internet. Da wird schon jemand einen doppelseitigen Bericht über uns bringen. Und ab dann fluppt die Sache wieder!“ – ? Ist nämlich gar nicht so. Komisch, oder?

Dabei kann man so viel richtig machen in der Pressearbeit. Man muss halt nur wissen, wie. Und man braucht ein bisschen Durchhaltevermögen. Dann ist Pressearbeit ein großartiges Werkzeug im Kommunikationsmix. Mehr dazu im morgigen Beitrag.

_____
Die Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät Unternehmen in klassischer PR & Social Web.
Kontakt: Tel. 02151 970785; kontakt(at)kerstin-hoffmann.de; www.kerstin-hoffmann.de

  8 comments for “Großer Durchbruch mit einer Pressemitteilung? Bitte träumen Sie weiter!

  1. 16. November 2011 at 14:55

    Echt? Das geht nicht? Das ist womöglich komplizierter? Oder sogar langwierig? Dann ist das nichts für uns! 😉

  2. 16. November 2011 at 15:08

    Ja, da müssen Sie jetzt ganz stark sein: Es ist wirklich so.

  3. Nico Schubert
    16. November 2011 at 21:12

    Hallo Kerstin,

    ich sehe sehr viele Parallelen in meiner Arbeit zu deiner. Ich habe auch häufig die Erfahrung gemacht, wenn man einen Kunden ein neues Layout bzw. Programmierungsdienstleistung verkaufen möchte, dass man häufig mit einer kleinen Änderung angeblich alles reißen könnte.

    Natürlich muss man hier zwar den Kunden verstehen, er möchte einfach wenig Geld ausgeben und das bestmögliche rausholen.

    Aber ich habe für meine persönlichen Zwecke entschieden, dass ich bei solchen Antworten meist keine Rückantwort mehr verfasse. Kunden die eine solche Einstellung haben, sind schwer zu überzeugen und möchten nicht bei ihren Glück geholfen werden. Es gibt nun mal Leute, die möchten nichts neues. Man ärgert sich ständig nur rum und bekommt dadurch graue Haare, es gibt so viele andere Kunden, die deine Arbeit zu schätzen wissen.

    Dennoch ein super Beitrag, der sicherlich mit ein wenig Frust entstanden ist. Mach weiter so…

    Grüße Nico

  4. 16. November 2011 at 21:44

    Danke. 🙂 Morgen geht es übrigens schon weiter, und zwar mit ganz frustfreien Tipps für die Pressearbeit.

  5. 17. November 2011 at 09:09

    Hier ist der zweite Teil: „Pressearbeit kann so großartig sein! Die 7 wichtigsten Punkte, damit sie erfolgreich wird“ http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2011/11/17/pressearbeit-kann-so-grosartig-sein/

  6. 21. November 2011 at 12:29

    Guten Tag Frau Hoffmann,

    in Ihrem Fachbereich ist es wie in anderen Gebieten auch: „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Doch weder im Bereich Gesundheit oder Persönlichkeitsveränderung, noch in anderen Bereichen sieht der Mensch dieser Wahrheit gerne ins Gesicht. Wann immer irgend wo eine schnelle, nebenwirkungsfreie, garantiert wirksame Lösung angepriesen wird, sind die hoffnungsvollen Suchenden zur Stelle und probieren die Neuigkeit sofort aus, um wenige Wochen später bei der nächsten Sensation zu landen.
    Doch Institutionen, die solche „Wundermittel“ vertreiben, nutzen dazu auch mehr als nur eine Pressemitteilung, wissen also selbst, dass einmal auch hier keinmal ist!

    Liebe Grüsse

    Angela Braun

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *