Online-Workshop ‘Neue Website’, Folge 16 Budget: Nicht an den falschen Stellen sparen

6. Juli 2011

Gastbeitrag von Christian Henner-Fehr

Wer wenig Geld hat, hat oft das Nachsehen, wenn es um Werbung und PR geht. Auch hier finden sich Lösungen - aber bitte an den richtigen Stellen!

Wenn Sie die bisherigen Beiträge des Online-Workshops „Neue Website“ verfolgt haben, dann wissen Sie bereits, worauf es bei der Erstellung einer Website ankommt. Was soll ich Ihnen also noch erzählen, zumal ich selbst über keine eigene Website verfüge und beim Start meines Blogs noch nicht einmal wusste, welche Ziele ich erreichen möchte? Nur eines wusste ich aber damals: Ich wollte kein Geld für meine Web-Aktivitäten ausgeben.

Keine Website, keine Ahnung und kein Geld. Das waren vor knapp fünf Jahren die Voraussetzungen für meinen Start ins Internet und damit war ich nicht alleine. Viele Nonprofit-Organisationen, darunter viele Kultureinrichtungen, aber auch Kleinunternehmen wie ich eines war und bin, begannen so wie ich bei null.

Heute ist das etwas anders, ich habe nach wie vor „nur“ ein Blog, aber über meine Ziele weiß ich mittlerweile recht gut Bescheid und ganz ohne Kosten geht es nun auch nicht mehr ab. Aber was ist, wenn ich kein oder nur ein kleines Budget für die Erstellung meiner Website habe, so wie das bei vielen Nonprofit-Organisationen immer wieder der Fall ist?

„Für die meisten Unternehmen ist die eigene Website heute das zentrale Kommunikations- und Kontaktmedium“, hat Kerstin Hoffmann zum Auftakt ihres Online-Workshops geschrieben. Was aber möchte ich überhaupt über meine Website kommunizieren und von wem möchte ich kontaktiert werden? Zwar hat, wer über wenig Geld verfügt, meist auch wenig Zeit, aber ein paar Gedanken sollte man sich schon über die Ziele der zukünftigen Website machen. In so einem Fall ist es recht hilfreich, auf Vorlagen zurückgreifen zu können und strukturiert vorzugehen. Der Projektmanagement-Experte Stefan Hagen hat schon vor längerer Zeit eine solche für die 30 Minuten Projektplanung erstellt. Weniger Planung ist unseriös und führt langfristig zu Ergebnissen, die Sie vermutlich teurer zu stehen kommen als die investierte Zeit in die Planung Ihrer Website.

Mögliche Ziele:

  • Über die eigenen Aktivitäten informieren
  • Über die Institution/den Verein/das Unternehmen informieren
  • Veranstaltungen ankündigen
  • Dienstleistungen und/oder Produkte anbieten
  • Dialog mit Zielgruppen

Blog oder Website? Diese Frage werden Sie sich vermutlich irgendwann stellen und dann auch beantworten müssen. „Zu einem seriösen, gut aufgestellten Unternehmen gehört eine Website, die hochwertig und professionell herüberkommt“, hat Kerstin Hoffmann in Folge 4 ihres Online-Workshops („Entscheidung: Website, Blog – oder beides?“) geschrieben und damit zugleich den Rahmen für Ihre Entscheidung abgesteckt.

Ob Sie sich für eine statische Website oder ein dynamisches Blog entscheiden, hängt von vielen Faktoren ab. Haben Sie viele Inhalte und arbeiten Sie auch mit multimedialen Formaten wie Foto und Video, spricht einiges für ein Blog. Dient Ihre Seite vor allem als Visitenkarte, tut es auch eine statische Seite, auf der die wichtigsten Informationen über Sie abrufbar sind.

Klar ist aber, dass Sie auf alle Fälle ein Content Management System (CMS) verwenden sollten. Oliver Steinke hat sich in Folge 5 des Workshops („CMS: Wie kommen Ihre Inhalte ins Netz?“) ausführlich mit möglichen Entscheidungskriterien beschäftigt. Wer nur über ein kleines Budget verfügt, kommt an den verschiedenen Open Source Lösungen wie TYPO3, Joomla oder WordPress nicht vorbei, da diese kostenlos zur Verfügung stehen. Ob Sie sich dabei für eine Website oder ein Blog entschieden haben, spielt dabei keine Rolle, die genannten Lösungen lassen sich für statische und dynamische Seiten verwenden.

Zwar haben Sie nun für die Software nichts zahlen müssen, Kosten verursachen kann dann aber die Einrichtung der Software. Dies vor allem dann, wenn Sie keine Ahnung von solchen Dingen haben. In diesem Fall kommt dann noch eine zusätzliche Variante ins Spiel, nämlich die webgehostete Lösung. Sie bietet sich auch dann an, wenn Sie sich mit der Technik gar nicht beschäftigen wollen.

Wenig Geld? Ball flach halten!

Je weniger Vorstellungen und je weniger Zeit und Geld Sie haben, desto mehr spricht dafür, dass Sie zu Beginn den Ball flach halten. Registrieren Sie sich bei WordPress.com und richten Sie sich ein Blog ein. Ob Sie dort eine kostenlose Subdomain (zum Beispiel: http://nameihrereinrichtung.wordpress.com) oder eine eigene (kostenpflichtige) Domain (zum Beispiel: http://www.nameihrereinrichtung.de) verwenden, bleibt Ihnen überlassen. Im nächsten Schritt müssen Sie sich für eine der rund 100 Layoutvorlagen entscheiden. Entspricht keine Ihren Vorstellungen, sollten Sie sich für eine servergehostete Variante entscheiden, damit Sie mehr Freiheiten bei der Auswahl Ihres Layouts haben.

Die Blogsoftware eignet sich einerseits für einen kontinuierlichen Nachrichtenstrom (dafür ist sie eigentlich gedacht), aber andererseits lassen sich damit natürlich auch eher statische Seiten entwickeln, auf denen man über sich und sein Produktportfolio informiert (siehe die Seite der Künstlerin Nathalie Pelet). Wenn es Ihre Ressourcen zulassen, spricht natürlich nichts dagegen, dass Sie sich gleich für ein Doppelpack von Website und Blog entscheiden. Der Aufwand in der Installation ist kaum größer und auch die Kostenfrage fällt nicht entscheidend ins Gewicht.

Wichtig ist, dass Sie flexibel sind und nicht allzu viel Zeit und Geld investiert haben, um so auf sich wandelnde Bedürfnisse und Wünsche reagieren zu können. Je spezieller die sind, desto mehr Freiräume benötigen Sie, auch im Hinblick auf das Design. Geht es darum, eine bereits existierende CI auf eine Website zu übertragen, kommen Sie nicht darum herum, eine eigene Seite aufzusetzen und sich das entsprechende Layout erstellen zu lassen (so Sie das nicht selbst können). Eine webgehostete Lösung kommt da nicht mehr in Frage.

Ähnlich verhält es sich auch mit den Themen Barrierefreiheit (Folge 8 des Workshops) oder SEO (Folge 10). Je größer Ihre Ansprüche, desto individueller und damit teurer die Lösung. Stehen Ihnen die benötigten Ressourcen nicht zur Verfügung, müssen Sie an dieser Stelle eben Abstriche machen.

Verzicht muss nicht auf Dauer sein

Aber dieser Verzicht muss ja nicht auf Dauer sein. Im Laufe der Zeit werden Sie herausfinden, was Ihnen wichtig ist und in welche Richtung Sie Ihre Website oder Ihr Blog entwickeln wollen. Viele Online-Aktivitäten begannen auf einem webgehosteten Blog, dessen Inhalte dann eines Tages auf eine eigene Seite umzogen, wo Blog und statische Inhalte nebeneinander Platz fanden.

Das beste Beispiel ist die Seite, auf der Sie sich gerade befinden. Was ursprünglich mal hier als Experiment begann, ist heute eine weithin sichtbare und professionell betriebene Präsenz. Aber bedenken Sie: nicht jeder kann es sich leisten, mit einem Experiment zu beginnen. Wenn der Webauftritt ein wichtiger Bestandteil Ihrer Kommunikation ist und Sie über sie Startphase schon hinaus sind, dann sollten Sie bei der Entwicklung Ihrer Webpräsenz nicht am falschen Platz sparen.

christian henner-fehrChristian Henner-Fehr lebt und arbeitet als Kulturberater in Wien. Er ist Mitbegründer der stARTconference, betreibt seit 2006 das Kulturmanagement Blog und twittert als @kulturmanager.

 

 

 


Nächste Folge:
17. Social Web: Links und Spuren zu Ihrer Website (erscheint am Mittwoch, 13. Juli 2011)

Bisher erschienen:
Kostenloser Blog-Workshop “Neue Website”: Stellen Sie vorab Ihre Fragen, bitte!
1. Einleitung: So wird Ihre Website ein Erfolg
2. Strategie: Erst das Ziel, dann die Fahrkarte
3. Vorarbeit: Zeitplan und Entscheidungswege
4. Entscheidung: Website, Blog – oder beides?
5. CMS: Wie kommen Ihre Inhalte ins Netz?
6. Webhosting: Wo wohnt Ihre Homepage?
7. Design: Eine gute Website wie ein gutes Buch
8. Barrierefreiheit: Was bedeutet das?
9. Aufbau: Die Struktur folgt Ihren Zielen
10. SEO: Für Suchmaschinen optimieren
11. Webtexte: Für die richtigen Leser schreiben
12. Recht: Was dürfen Sie, was ist gefährlich?
13. Webshop: Verkaufen im Internet
14. Businessfotografie: Gute Bilder entscheiden
15. Videos: Mit Filmen für Ihr Unternehmen werben
16. Budget: Nicht an den falschen Stellen sparen

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Planen Sie die Website Ihres Unternehmens neu aufzubauen, anders zu gestalten oder textlich zu überarbeiten? Oder wollen Sie Ihre statische Website dynamischer machen und an das Social Web anbinden? Dann ist diese Serie für Sie interessant.
In Form eines Workshops – mit Fachbeiträgen und Checklisten – behandle ich viele verschiedene Aspekte, die für eine gute und funktionale Website essenziell sind. Fachleute aus verschiedenen Spezialgebieten tragen in Gastbeiträgen Insider-Tipps und wertvolles Wissen bei. – Der Workshop ist kostenfrei abrufbar, als offen hier im Blog publizierte Serie. Sie müssen sich nicht anmelden und sind an keine Zeiten gebunden. Bereits Veröffentlichtes bleibt online. Sie können also jederzeit von Anfang an einsteigen. Wenn Sie automatisch von diesen (und anderen) Beiträgen erfahren wollen, können Sie

Die Meinung der Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Blog-Betreiberin übereinstimmen.

 

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6 Antworten auf Online-Workshop ‘Neue Website’, Folge 16 Budget: Nicht an den falschen Stellen sparen

  1. Jasmina on 6. Juli 2011 at 12:43

    Hallo Christian,

    super Artikel – jedoch möchte ich folgendes hinzufügen: ob Institution oder Kleinunternehmer hin oder her, würde ich nicht unbedingt empfehlen, einen Blog (bzw. Webseite) über wordpress.com zu registrieren. Eine Domain inkl. Hosting ist pro Jahr locker ab 20 Euro zu erhalten. Der entscheidende Vorteil liegt jedoch darin, dass man keine wordpress.com -Adresse angeben muss (auf Visitenkarten etc.), denn ich finde, auch für Kleinunternehmer etc. sieht das irgendwie nicht sehr professionell aus..und kann auch einige Problematiken nach sich ziehen – beispielsweise im Rahmen des Website Trackings. (Auch wenn es sicher “Gegenbeispiele” gibt und ich damit niemandem auf den Fuß treten will.)
    Die andere Überlegung ist – was ist, wenn es nach einiger Zeit steil bergauf geht? Dann liegen tolle Texte auf einer wordpress.com Subdomain, der “Name” ist bei Usern evtl. bereits gebrandet und ein Umstieg auf eine eigene Domain gestaltet sich nicht nur organisatorisch, sondern auch im Bereich “Branding” m.E. ziemlich schwierig.
    Aus meiner Erfahrung heraus möchte ich auch behaupten, dass die Installation einer eigenen WordPress-Plattform auf einer eigenen Domain auch nicht wirklich viel schwieriger ist, als das Einrichten einer wordpress.com Subdomain.

    Viele Grüße
    Jasmina

  2. Gunter Hellmann on 6. Juli 2011 at 12:56

    Hallo Herr Henner-Fehr,

    ein sehr guter Artikel, der manchem Starter die richtige Richtung gibt.
    Da ich selbst Webseiten erstelle, stellt sich die Frage der Kosten erst einmal für mich nicht. Nur die Zeit (die ja auch wertvoll ist) muss ich ebenso investieren. Die Grundinstallation (ich verwende mittlerweile nur noch Joomla) erledige ich schnell, aber die Inhalte dann zu formulieren, da sollte man schon Zeit und wenn möglich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Wie Sie schon schreiben, je nach finanzieller Lage. Ich versuche da immer mit dem Kunden eine für beide machbare Lösung zu finden. Doch, wie Sie schon sagen: Ein CMS sollte es auf jeden Fall sein.

    Gunter Hellmann
    Hellmann – Webconsulting

  3. Kerstin Hoffmann on 6. Juli 2011 at 12:59

    Hallo Jasmina! Guter Punkt. Zu diesem Thema habe ich übrigens vor einiger Zeit auch mal kurz etwas geschrieben: http://www.pr-doktor-tipps.de/2011/01/31/warum-es-sinnvoll-sein-kann-blogs-auf-eigenem-webspace-zu-hosten/

  4. Christian Henner-Fehr on 6. Juli 2011 at 13:38

    @Jasmina: danke für Kommentar und Lob! :-) Deine Punkte sind natürlich alle richtig und müssen berücksichtigt werden. Entscheidend ist die Frage, wo man selbst die Prioritäten setzt. Ich überlege mir als Betreiber eines wp.com-Blogs immer wieder mal, zu wechseln und habe auch bereits passende Domains reserviert. Aber im Endeffekt ist es mir dann doch nicht so wichtig und so bleibe ich weiter dort und freue mich, dass ich mich nicht um die Technik kümmern muss.

    Das Thema Branding ist interessant und zugleich vielschichtig. Ich werde z.B. vor allem über meinen Namen und den Begriff Kulturmanagement gefunden. Beim Namen habe ich den Vorteil, dass es ihn nur einmal gibt und beim Begriff Kulturmanagement habe ich versucht, in den Suchmaschinen auffindbar zu sein. Da spielt die Domain nicht mehr so eine wichtige Rolle. Mit einem anderen Namen kann die sache aber ganz anders aussehen.

    @GunterHellmann: danke! :-) Ja, ein CMS sollte es schon sein. Welches es dann ist, muss jeder selbst bzw. der hinzugezogene Experte wissen.

  5. Jasmina on 14. Juli 2011 at 11:45

    Hallo Kerstin,
    Hallo Christian,

    ich bin froh, dass ich mich bspw. bei Onlinelupe[.]de für eine eigene Domain entschieden habe – gerade da dieser Blog sehr gut ankommt und die Resonanz recht schnell ziemlich groß war, kann ich nun “frei planen”, was als nächstes passiert – damit meine ich bspw. zusätzliche Bereiche im Blog, die ich mit einer wp.com-Basis in dieser Form gar nicht realisieren könnte. Was das technische betrifft, war ich da zu Beginn auch noch sehr unbedarft, habe aber mit der Zeit einiges dazu gelernt. Aus meiner Sicht einer der absoluten Pluspunkte für eine wp.com-Domain – die riesige Community dahinter.

    Viele Grüße
    Jasmina

  6. Christian Henner-Fehr on 14. Juli 2011 at 13:48

    Du bist so ein Beispiel, wo die “selbständige” Lösung sinnvoll ist und wo am Ende auch alles passt. Stell Dir vor, Du kennst Dich mit den Plugins nicht aus, dann gibt es Probleme mit dem Server und nach kurzer Zeit hast Du den Spaß an der Sache verloren.

    Ich will gar nicht behaupten, dass wp.com die bessere Lösung ist. Für mich sind die Startvoraussetzungen entscheidend und darauf aufbauend würde ich eine Entscheidung treffen, ob es dan com oder org wird, spielt gar keine Rolle. Der entscheidende Faktor sind letzten Endes wir selbst und nicht so sehr die Software. :-)

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