Online-Workshop ‘Neue Website’, Folge 8 Barrierefreiheit: Was bedeutet das?

Gastbeitrag von Alexander Schestag

In einem Wörterbuch für Leichte Sprache wird das Wort „Barrierefreiheit“ mit „ohne Hindernisse“ übersetzt. Meist wird dabei in erster Linie an Menschen im Rollstuhl oder mit anderen Gehbehinderungen gedacht, für die Treppen eine Barriere darstellen. Aber auch hier wird oft schon vergessen, dass Barrierefreiheit wesentlich mehr ist, als gut zugängliche Gebäude zu bauen.

Barrierefreiheit beinhaltet die Teilhabe aller Menschen an allen Aspekten des Lebens. Das bedeutet einerseits, dass auch alle Behinderungen berücksichtigt werden müssen, also auch Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen, mit Lernschwierigkeiten oder einer beliebigen anderen Behinderung. Darüber hinaus heißt es, dass allen Menschen die Möglichkeit gegeben wird, vollständig und ohne Hindernisse alles das zu tun, was Menschen ohne Behinderung auch tun können. Also z. B. eine Schule zu besuchen, einen Beruf auszuüben, kulturelle Angebote wahrzunehmen, sich in Vereinen zu engagieren und vor allem selbstbestimmt leben und den Alltag so gestalten zu können, wie sie das gern möchten.

Dies beinhaltet selbstverständlich auch die gleichberechtigte Teilhabe im Internet. In einem barrierefreien Internet muss es allen Menschen unabhängig von einer Behinderung möglich sein, zu chatten, zu mailen, sich auf Webseiten zu informieren oder einzukaufen und soziale Netzwerke zu nutzen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Warum überhaupt Barrierefreiheit?

Wenn Sie einige einfache Richtlinien schon bei der Erstellung Ihres Online-Angebots beachten, können Sie die Zugänglichkeit vieler Websites mit einfachen Mitteln und ohne wesentliche Mehrkosten zumindest stark verbessern. Dennoch sind natürlich unter Umständen wesentlich aufwendigere Maßnahmen wie das Erstellen von Audiodeskriptionen oder von Videos mit Gebärdensprache erforderlich, um Ihre Website komplett barrierefrei zu machen. Dies erfordert einiges an Aufwand und belastet auch das Budget unter Umständen stärker. Daher stellt sich natürlich die Frage, ob der Aufwand gerechtfertigt ist. Meiner Meinung nach sprechen einige grundlegende Argumente dafür, es zumindest in Erwägung zu ziehen.

  • Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht: Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen sieht es als zwingend an, dass auch Websites privatrechtlicher Organisationen wie Unternehmen barrierefrei zu gestalten sind. Deutschland hat diese UN-Konvention ratifiziert und sich damit verpflichtet, ihre Maßgaben nach und nach in nationales Recht umzuwandeln. Es ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen, dass daraus auch für Unternehmen in absehbarer Zeit eine gesetzliche Pflicht erwächst, ihre Online-Angebote barrierefrei zu gestalten. Öffentliche Einrichtungen und kommunale Verwaltungen sind bereits überwiegend gesetzlich dazu verpflichtet.
  • Barrierefreiheit erhöht Ihre Reichweite: Wenn Ihre Website für mehr Menschen zugänglich ist, erhöht das natürlich die Reichweite Ihres Angebots und tut möglicherweise dem Umsatz gut. Wie stark dieser Effekt ist und welche Investitionen er rechtfertigt, ist im Einzelfall zu prüfen. Ein Angebot für Flash-Spiele wird davon natürlich weniger profitieren als etwa der Online-Shop eines Sanitätshauses.
  • Barrierefreie Angebote dienen der Imagepflege und sorgen für Empfehlungen: Es schadet dem Image Ihres Online-Angebots sicherlich nicht, wenn Sie sagen können, dass Ihr Angebot oder Ihr Shop barrierefrei ist. Mitunter sorgt das für Empfehlungen, da Sie sich für diese Zielgruppe positiv von Ihren Mitbewerbern abheben. Auch hier gilt, dass im Einzelfall zu prüfen ist, welche Investition das rechtfertigt. Wenn Sie Produkte anbieten, für die Menschen mit Behinderungen eine wichtige Zielgruppe darstellen, ist ein barrierefreies Online-Angebot natürlich Pflicht.
  • Barrierefreiheit nützt nicht nur Menschen mit Behinderungen: Wenn Ihre Website einfach zu bedienen ist und eine klare Struktur hat, wenn Ihre Texte gut zu lesen sind und mit den semantisch richtigen HTML-Tags ausgezeichnet sind, ist das nicht nur für Menschen mit Behinderungen von Vorteil. Jeder Besucher freut sich über eine klar strukturierte Website mit angenehmen Kontrasten und guter Lesbarkeit. Sogar bei Suchmaschinen profitieren Sie von Barrierefreiheit, da beispielsweise semantisch korrekte Auszeichnungen auch Suchmaschinen die Suche nach relevanten Inhalten erleichtern.

Was bedeutet Barrierefreiheit im Web?

Wenn man von Barrierefreiheit im Web spricht, erntet man nicht selten nur erstaunte Blicke. Viele Menschen gehen offenbar davon aus, dass Websites automatisch für alle Menschen gleich zugänglich sind. Leider ist das in den allermeisten Fällen nicht so. Zwar kommen beispielsweise Rollstuhlfahrer auf allen Websites oft problemlos klar. Aber selbst das ist nicht immer der Fall, etwa wenn sehr hoch querschnittgelähmte Menschen mit motorischen Schwierigkeiten an einer zu komplizierten Menüführung scheitern. Menschen mit anderen Behinderungen – wie Sehbehinderte, gehörlose Menschen oder Menschen mit Lernschwierigkeiten – stoßen oft noch auf wesentlich größere Probleme.

Aus diesem Grund hat das World Wide Web Consortium (W3C) Richtlinien für barrierefreie Websites herausgegeben, die sogenannten Web Content Accessibility Guidelines (WCAG). In diesen Richtlinien wird beschrieben, welche Maßnahmen nötig sind, um Websites barrierefrei zu gestalten.

Die WCAG unterteilen Barrierefreiheit in die vier Komponenten wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust.

Wahrnehmbar bedeutet, dass alle Inhalte in verschiedenen Formen dargestellt werden müssen, um sie für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen zugänglich zu machen. So müssen für alle Nicht-Text-Inhalte Text-Alternativen vorgesehen werden. Es ist darauf zu achten, dass Informationen unabhängig von der Darstellung zugänglich sind.

Unter bedienbar fassen die WCAG Richtlinien, die es allen Menschen ermöglichen, eine Weboberfläche auch mit ihrer Behinderung zu bedienen. Beispiele sind etwa die durchgängige Bedienbarkeit mit der Tastatur für Menschen, die Probleme haben, eine Maus zu bedienen; oder die Vermeidung von Elementen, die bei Epileptikern Anfälle auslösen können.

Das Kriterium verständlich zielt nicht nur auf die Verständlichkeit von Texten und anderen Inhalten ab, sondern auch von Benutzeroberflächen.

Zudem sollten Websites robust sein. Das bedeutet, dass sie möglichst optimal kompatibel mit allen Benutzeragenten – also Browsern – sein und möglichst alle Technologien unterstützen sollten, die Menschen mit Behinderungen im Web helfen.

Drei Stufen der Barrierefreiheit

Neben diesen vier Kriterien unterteilen die WCAG Barrierefreiheit in die drei Stufen A, AA und AAA. Dabei gilt, dass die Anforderungen an den Abbau von Barrieren umso höher sind, je höher die Stufe ist. Streng genommen gilt: Komplett barrierefrei ist eine Website nur, wenn sie erfolgreich auf die Erfüllung der Kriterien nach WCAG 2.0 AAA getestet werden kann. Dennoch ermöglichen es die drei Stufen einem Seitenbetreiber , dass seine Website zumindest einige Kriterien der WCAG erfüllt, wenn sie beispielsweise erfolgreich auf die Erfüllung der Kriterien nach WCAG 2.0 A getestet werden konnte. Ob man dann von „barrierefrei nach WCAG 2.0 A“ sprechen darf, gilt jedoch unter Experten als umstritten.

Neben den WCAG haben einige Länder eigene Standards entwickelt. In Deutschland gibt es die sogenannte Barrierefreie Informationstechnologie-Verordnung (BITV). Diese Verordnung ist jedoch nur für Bundesbehörden – und aufgrund einiger Landesbehindertengleichstellungsgesetze auch für einige Landes- und kommunale Behörden – vorgesehen. Für eine Unternehmenswebsite sollten Sie sich an die WCAG halten.

Welche Behinderungen sollten Sie berücksichtigen?

Wie oben bereits angedeutet, sind alle Behinderungen zu berücksichtigen. Die folgenden Beispiele erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Darüber hinaus müssen neben Websites auch andere im Netz vorhandene Dokumente wie PDF-Dokumente Kriterien der Zugänglichkeit erfüllen, die nicht in den WCAG festgelegt sind und auf die ich an dieser Stelle nicht näher eingehen will, da dies zu weit führen würde.

  • Blinde Menschen sind in der Regel mit sogenannten Screenreadern im Netz unterwegs oder benutzen eine Braillezeile. Sreenreader lesen den Bildschirminhalt vor, während eine Braillezeile diesen in Blindenschrift übersetzt. Daher müssen die Texte auf Websites in einer Form vorliegen, die es ermöglicht, dass sie von diesen Hilfsmitteln möglichst fehlerfrei in Sprache oder Blindenschrift übertragen werden können. Bilder müssen mit aussagekräftigen Texten beschrieben werden. Videos brauchen eine Audio-Deskription, also eine Beschreibung des zu sehenden Bildes.
  • Aber nicht nur blinde Menschen, sondern auch Menschen mit anderen Sehbehinderungen stoßen im Web häufig auf Barrieren. So müssen zum Beispiel die Schrift und die gesamte Darstellung einer Webseite skalierbar sein, um sie vergrößern zu können, was oft nicht der Fall ist. Es muss ein ausreichender Farb-Kontrast vorhanden sein, und für Menschen mit Farbfehlsichtigkeiten müssen die Farben deutlich unterscheidbar sein. Die Bedeutung eines Textes sollte nicht nur durch farbliche Markierungen klar werden.
  • Menschen mit motorischen Behinderungen müssen, wie oben bereits angedeutet, unabhängig von möglichen Hilfsmitteln eine möglichst einfache Navigation vorfinden. Schaltflächen müssen groß genug sein, damit sie auch von Menschen problemlos angeklickt werden können, die Probleme mit der Steuerung der Maus haben, etwa weil sie stark zittern.
  • Gehörlose oder hochgradig schwerhörige Menschen stoßen im Netz ebenfalls häufig auf Barrieren. Sie benötigen insbesondere Untertitel oder noch besser eine Übersetzung in Gebärdensprache für alle Tondokumente. Aber auch normale Fließtexte sollten optimalerweise für gehörlose Menschen zusätzlich in Gebärdensprache übersetzt werden, da einige gehörlose Menschen mit der Grammatik der geschriebenen Lautsprache Probleme haben und lautsprachliche Texte daher unter Umständen nicht verstehen. Dies ist jedoch eine Forderung, die sich so in keiner Richtlinie findet, sondern nur von Betroffenen und Gebärdensprachdolmetschern gelegentlich geäußert wird.
  • Websites sollten für Menschen mit Lernschwierigkeiten in Leichter Sprache verfasst werden. Leichte Sprache ist eine Form der Sprache, die bestimmte Kriterien erfüllt, um leicht verständlich zu sein. So wird zum Beispiel auf Fremdwörter oder allzu schwierige Wörter verzichtet, und es müssen möglichst kurze Sätze gebildet werden. Aussagen müssen zudem mit Bildern illustriert werden. Ob ein Text in Leichter Sprache verständlich ist, muss zudem unbedingt von Menschen aus der Zielgruppe geprüft werden.
  • Menschen, die Texte nicht oder nur mit Schwierigkeiten lesen können, etwa weil sie eine Leseschwäche oder nicht richtig lesen gelernt haben, kann ebenfalls durch erläuternde Bilder geholfen werden. Das hilft zudem nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch Menschen, für die die Sprache einer Website eine Fremdsprache ist, und auch Kindern, die noch nicht so gut lesen können.
  • Zum Glück findet man mittlerweile kaum noch Websites, auf denen sich blinkende und flackernde Elemente befinden, wie es in den neunziger Jahren teilweise üblich war. Abgesehen davon, dass solche Elemente für alle Besucher eher unangenehm sind, stellen sie für Menschen, die unter Epilepsie leiden, eine große Gefahr dar, da sie einen Anfall auslösen können. Deswegen sind sie zu vermeiden.

Es geht auch schon mit weniger Aufwand!

Sicher wird Ihnen aufgefallen sein, dass viele der genannten Maßnahmen sehr aufwendig erscheinen. Das ist ohne Frage richtig. Für viele Maßnahmen wie die Bereitstellung von Texten in Leichter Sprache oder von Videos mit Übersetzungen von Audiodaten in Gebärdensprache muss ein hoher technischer Aufwand betrieben werden. Aber das bedeutet nicht, dass Sie nicht auch mit etwas weniger Aufwand schon dafür sorgen können, dass Ihre Websites möglichst wenige Barrieren enthalten.

Der Abbau von Barrieren auf Websites beginnt schon damit, bei der Erstellung einer Website typische Fehler zu vermeiden und einige Grundregeln zu beachten, die sehr leicht umzusetzen sind:

  • Achten Sie auf die korrekte semantische Auszeichnung Ihres HTML-Codes. Vermeiden Sie es, Bedeutung über CSS-Formatierungen herzustellen: Auf vielen Websites werden HTML-Tags nicht semantisch korrekt verwendet. Semantik bedeutet in diesem Fall, dass ein bestimmter HTML-Tag eine bestimmte Bedeutung oder Funktion hat. So steht der Tag <h1> für eine Überschrift erster Ordnung. Wie ein Text auf einer Website ausgezeichnet ist, wirkt sich unter Umständen sehr stark darauf aus, wie er von einem Screenreader vorgelesen wird. Ein als Überschrift erster Ordnung ausgezeichneter Text wird anders vorgelesen als ein als Absatz ausgezeichneter Text. Wenn Sie nun auf einer Website eine Überschrift erster Ordnung nur optisch mit CSS gestalten, anstatt sie im HTML-Code korrekt auszuzeichnen, so kann sich das auf die Verständlichkeit Ihres Textes für Screenreader-Benutzer auswirken. Dies gilt auch für andere Tags. Zu semantisch nicht korrekten Auszeichnungen gehört das legendäre Tabellenlayout vieler Websites. Zwar ist es möglich, Websites mit Tabellenlayout barrierefrei zu gestalten, aber dennoch sollten Tabellen nicht als Gestaltungselement verwendet werden, da die Bedienung von Websites mit Tabellenlayout für Screenreader-Benutzer erschwert ist.“
  • Setzen Sie keine Frames ein: Websites, die mit Frames gestaltet sind, sind zwar nicht grundsätzlich nicht barrierefrei. Aber Frames erschweren Menschen, die Screenreader benutzen, die Bedienung der jeweiligen Website. Frames gelten ohnehin als veraltete Technologie, die in HTML5 abgeschafft wird, weil sie nicht ausreichend barrierefrei ist.
  • Achten Sie auf validen Code: Die große Mehrzahl der Websites ist nicht valide. Validität bedeutet, dass die HTML-Dokumente syntaktisch korrekt verwendet werden. So werden, je nach verwendetem Standard, beispielsweise offene Tags auch wieder geschlossen. Syntaktische Fehler im HTML-Code können sich auf die Barrierefreiheit auswirken, indem sie beispielsweise Screenreader durcheinander bringen.
  • Achten Sie auf die Skalierbarkeit Ihrer Websites: Viele Websites sind, wenn auch manchmal nur auf einigen Browsern, nur mangelhaft oder gar nicht skalierbar. Achten Sie daher darauf, dass Ihre Schrift ausreichend vergrößert werden kann. Das Layout sollte auch mit vergrößerter Schrift benutzbar sein.
  • Benutzen Sie unbedingt das alt-Attribut für Bilder: Für die Auszeichnung von Bildern gibt es in dem entsprechenden HTML-Tag ein Attribut alt, in dem man das Bild beschreiben kann. Dieses Attribut sollten Sie unbedingt nutzen, um auch Screenreader-Benutzern Informationen über Ihre Bilder zu liefern. Wenn Sie Menüpunkte als Grafiken gestalten, sorgen Sie dafür, dass das Menü gleichzeitig als Text zur Verfügung steht.
  • Achten Sie auf einen ausreichenden Kontrast und angenehme Farbkombinationen: Leider wird es auf vielen Websites auch Lesern ohne Sehschwäche schwer gemacht, Texte zu lesen. Viele Farbkombinationen tun einfach in den Augen weh, oder der Kontrast ist so schlecht, dass Texte nicht mehr lesbar sind. Menschen, die schlecht sehen, haben damit natürlich noch größere Probleme. Achten Sie daher auf einen ausreichenden Kontrast und angenehme Farbkombinationen, die auch für Menschen mit Farbfehlsichtigkeiten wie Rot-Grün-Blindheit geeignet sind. Vermeiden Sie flackernde oder grelle Farben, da diese epileptische Anfälle auslösen können.
  • Sorgen Sie für eine leichte und übersichtliche Bedienbarkeit Ihrer Website: Ihre Website sollte einfach bedienbar und klar strukturiert sein. Dies nützt nicht nur Menschen, die aufgrund einer Behinderung Probleme mit der Bedienung von Websites haben, sondern allen Ihren Besuchern, weil sich alle leichter zurechtfinden.
  • Schreiben Sie leicht verständliche Texte: Texte in Leichter Sprache zu verfassen, ist ziemlich schwer und aufwendig. Aber Sie können auch so etwas für die Verständlichkeit Ihrer Website tun, indem Sie versuchen, Ihre Texte möglichst verständlich abzufassen, auch wenn es nicht immer leicht ist. Gehen Sie beim Schreiben möglichst nicht von Ihrem Wissensstand aus, sondern überlegen Sie sich, wie Sie das, was Sie sagen wollen, jemandem, der von Ihrem Thema wenig oder keine Ahnung hat, sagen würden.
  • Vermeiden Sie den Einsatz allenfalls mangelhaft barrierefreier Technologien für wichtige Inhalte: Immer wieder begegnen mir Websites, die komplett in Flash gestaltet sind. Diese Websites sind schön anzusehen, aber für Menschen, die Screenreader benutzen, hochproblematisch. Zwar hat sich die Barrierefreiheit von Flash in den letzten Jahren verbessert, aber es gibt immer noch große Hürden.  Daher sollten Sie für wichtige Inhalte zumindest zugängliche Alternativen anbieten. JavaScript und AJAX stellten lange Zeit ebenfalls ein großes Problem dar, werden aber durch einen zukünftigen Standard, die Web Accessibility Initiative – Accessible Rich Internet Applications (WAI-ARIA), bald zugänglicher. Für Java-Applets gibt es die Java Accessibility API (JAAPI).

Auf jeden Fall gilt: Eine Website von Anfang an barrierefrei zu erstellen, ist einfacher und auch kostengünstiger, als eine bereits bestehende barrierefrei zu machen. Achten Sie daher schon bei der Auftragsvergabe für eine neue Website darauf, dass der Dienstleister auch Erfahrung mit der Erstellung barrierefreier Websites hat und dass dieser Aspekt mit in das Angebot einfließt. Denn Barrierefreiheit nützt allen Besuchern und damit auch Ihnen selbst!

Alexander Schestag: Ich habe bereits im Jahr 1995 meine erste Website für das psychologische Institut der Universität Bonn erstellt. Nach Abschluss meines Psychologiestudiums habe ich mich an der Universität Heidelberg vor allem mit Psychologie des Internet befasst und mich parallel dazu im Jahr 2003 als Webdienstleister selbständig gemacht. Seit dem Jahr 2005 bin ich voll selbständig und bin mittlerweile auf die Themen Barrierefreiheit, Facebook-Beratung sowie Datenschutz und Privatsphäre in sozialen Netzwerken spezialisiert. Website: http://www.deinweb.org

 

 

 

 

Nächste Folge:
9. Aufbau: Die Struktur folgt Ihren Zielen (erscheint am Dienstag, 17. Mai 2011)

Bisher erschienen:
Kostenloser Blog-Workshop “Neue Website”: Stellen Sie vorab Ihre Fragen, bitte!
1. Einleitung: So wird Ihre Website ein Erfolg
2. Strategie: Erst das Ziel, dann die Fahrkarte
3. Vorarbeit: Zeitplan und Entscheidungswege
4. Entscheidung: Website, Blog – oder beides?
5. CMS: Wie kommen Ihre Inhalte ins Netz?
6. Webhosting: Wo wohnt Ihre Homepage?
7. Design: Eine gute Website wie ein gutes Buch
8. Barrierefreiheit: Was bedeutet das?


Planen Sie die Website Ihres Unternehmens neu aufzubauen, anders zu gestalten oder textlich zu überarbeiten? Oder wollen Sie Ihre statische Website dynamischer machen und an das Social Web anbinden? Dann ist diese Serie für Sie interessant.
In Form eines Workshops – mit Fachbeiträgen und Checklisten – behandle ich viele verschiedene Aspekte, die für eine gute und funktionale Website essenziell sind. Fachleute aus verschiedenen Spezialgebieten tragen in Gastbeiträgen Insider-Tipps und wertvolles Wissen bei. – Der Workshop ist kostenfrei abrufbar, als offen hier im Blog publizierte Serie. Sie müssen sich nicht anmelden und sind an keine Zeiten gebunden. Bereits Veröffentlichtes bleibt online. Sie können also jederzeit von Anfang an einsteigen. Wenn Sie automatisch von diesen (und anderen) Beiträgen erfahren wollen, können Sie


Die Meinung der Gastautoren muss nicht mit der Meinung der Blog-Betreiberin übereinstimmen.

  7 comments for “Online-Workshop ‘Neue Website’, Folge 8 Barrierefreiheit: Was bedeutet das?

  1. Tanja Handl
    10. Mai 2011 at 13:26

    Wirklich gute Tipps, die alle Aspekte der Barrierefreiheit behandeln und auf ein sehr wichtiges Thema aufmerksam machen. Oft ist es allerdings ein weiter Weg zur Zugänglichkeit von Inhalten für alle – das beginnt schon bei der richtigen Beschreibung von Bildern. Auf jeden Fall ein Text, der auch uns zu denken gibt.

    Liebe Grüße, Tanja

  2. 16. Mai 2011 at 08:17

    Moin,

    noch eine kleine Ergänzung zu Menschen mit motorischen Behinderungen:
    Die Website sollte so gestaltet sein, das man sie „durchtabben“ kann, d.h. mit der Tabtaste von Link zu Link springen kann. Das funktioniert im Firefox und im Internet Explorer ohne Probleme.

    Außerdem sollten am Anfang und am Ende jeder Seite Skiplinks angebracht sein, mit denen wichtige Bereiche angesprungen werden können, bzw. vom Ende der Seite wieder zurückgesprungen werden kann. 😉

    Gruß
    Klaus

  3. 8. Juni 2011 at 00:29

    @Tanja Wenn der Text zum Nachdenken anregt, bin ich schon mal zufrieden. 🙂

    @Klaus Ja, das ist richtig und ist im Prinzip mit dem Punkt „Sorgen Sie für eine leichte und übersichtliche Bedienbarkeit Ihrer Website“ unter anderem gemeint. Manches mußte ich halt kürzer fassen. Kerstin hat eh schon gut gekürzt. 😉

  4. Tanja Handl
    8. Juni 2011 at 09:19

    @ Klaus: Du hast das bei dir toll umgesetzt, da können wir uns bei unserem Blog noch ein Scheibchen abschneiden.

    @ Alexander: Das freut mich. 🙂 In erster Linie geht es in meinen Augen auch darum, sich das Thema bewusst zu machen. Ist man nicht direkt damit konfrontiert, achtet man oft einfach gar nicht darauf.

  5. 8. Juni 2011 at 10:57

    @ Klaus: Du hast das bei dir toll umgesetzt, da können wir uns bei unserem Blog noch ein Scheibchen abschneiden.

    danke! 🙂

    @Alexander okay, manchmal muss gekürzt werden, sonst könnte man uferlos schreiben. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *