„Hilfe, mein Wikipedia-Eintrag ist falsch!“ Klaus Eck sagt, was Sie tun können

„Der Wikipedia-Eintrag zu meiner Person beschädigt mein Image! Bitte sorgen Sie dafür, dass er vollkommen umgeschrieben wird, und zwar kurzfristig!“ – Solche und ähnliche Anfragen bekomme ich tatsächlich. Nun weiß jeder, der sich einmal etwas gründlicher mit Wikipedia befasst hat, dass man einen Artikel nicht so einfach ändert. Erstens kann das nicht jeder: Bis zu einem gut eingeführten Autoren-Account ist es ein weiter Weg. Zweitens empfiehlt sich eine solche radikale Vorgehensweise auch nicht, weil sie das Image schwerer beschädigen kann als der eigentliche Eintrag. Und drittens ist der Artikel oft bereits nach kurzer Zeit wieder „zurück korrigiert“. Was also tun: Resignieren? Prozessieren? Oder ganz anders agieren? – Dazu habe ich den deutschen Experten für Online-Reputation gefragt, PR-Blogger und Fachbuchautor Klaus Eck.

Klaus, wenn du eine solche Anfrage wie die oben beschriebene erhältst, was antwortest du dann?

Ich rate erst einmal eindringlich davon ab, schnell und umfassend einzugreifen. Das ist nämlich schwierig, meistens sogar unmöglich. Wer als Berater oder Agentur verspricht, dass er einen Wikipedia-Eintrag dauerhaft und komplett ändert und dass dieser dann auch so bleibt, handelt unseriös. Wenn überhaupt, empfehle ich ein behutsameres Vorgehen.

Heißt das, du übernimmst und schreibst an dem Eintrag mit?

Nein. Ich erstelle und ändere keine Wikipedia-Einträge gegen Honorar. Das würde dem Prinzip und den Statuten der Plattform vermutlich sogar widersprechen. Zum einen würde ich damit meine Reputation riskieren. Zum anderen würde sich das Unternehmen damit dem Vorwurf der verdeckten PR aussetzen, wenn es herauskäme. Das wäre also alles andere als sinnvoll. Zudem könnte ich guten Gewissens kein Geld nehmen für etwas, dessen langfristiger Erfolg äußerst zweifelhaft wäre.

Was tun, wenn immer wieder die gleichen falschen Informationen auftauchen, obgleich man es schon mehrfach korrigiert hat?

Wenn überhaupt, dann kann man offen kommunizieren und – idealerweise unter Klarnamen – plausibel machen, welche Fakten man ändert und warum. Es ist ja durchaus sinnvoll und nachvollziehbar, dass das aus dem Unternehmen heraus geschieht, denn dort ist das Detailwissen vorhanden. Das darf dann aber nur sehr sachlich geschehen, ohne jeden werblichen Hintergedanken, sondern im öffentlichen Interesse.

Wenn aber ein Gegner – das kann ein 17-jähriger Schüler ebenso sein wie ein ehemaliger Mitarbeiter – wirklich Übles will, dann kann man oft wenig ausrichten. Im Zweifel hat der andere mehr Zeit und Ausdauer, die Korrekturen immer wieder rückgängig zu machen oder sogar den Eintrag aus Protest noch negativer zu gestalten.

Natürlich kann man aber aktiv den Kontakt zu Administratoren und Autoren suchen. In ganz Deutschland gibt es Wikipedia-Stammtische, die man besuchen kann, um sich zu vernetzen. So baut man Glaubwürdigkeit auf. Dazu braucht man aber keine Agentur. Ich kenne einen Fall, da hat jemand es über einen solchen Kontakt geschafft, dass ein Autor den sachlich nicht richtigen Text selbst korrigiert hat. Den versorgt der Betreffende jetzt weiter regelmäßig mit Informationen. So etwas wird aber wahrscheinlich eher die Ausnahme sein. Daher empfehle ich, da nicht zu viel Zeit und Aufwand hineinzustecken. Besser ist es, in eigene Medien zu investieren.

Ich rate meinen Kunden, die über eine negative Fundstelle im Netz unglücklich sind, lieber viel guten eigenen Content zu erzeugen und dafür zu sorgen, dass dieser in den Suchmaschinen nach vorne kommt. Wie siehst du das?

Ganz genau so. Ich würde immer eher auf eine eigene Plattform setzen, statt auf eine fremde, wo man die Inhalte kaum beeinflussen kann. Ein Corporate Blog kostet ebenfalls viel Zeit und Geld. Aber es ist ein idealer Weg, um ein gutes Image zu erzeugen – und als zusätzlichen Effekt auch negative Suchergebnisse nach hinten zu schieben. Aber das muss man natürlich auch richtig anfassen und konzeptionell gut aufsetzen. Man sollte nicht nur über das eigene Unternehmen schreiben, sondern über Branchenthemen. So profiliert man sich als Experte für den eigenen Bereich und sorgt dafür, dass man von anderen wahrgenommen und verlinkt wird. Man sollte eigene Multiplikatoren aktivieren, um das weiter zu verbreiten und zu unterstützen.

Was mich Kunden häufig fragen: „Aber wenn ein Wikipedia-Eintrag offenkundig falsch ist und man das beweisen kann? Dann ist das doch Verleumdung, und man kann dagegen vorgehen!“

Kann man. Muss man sich aber gut überlegen. Es gibt ja das Beispiel eines Bundestagsabgeordneten, der Wikimedia verklagt hat. Das hat mehr Widerstand als Zustimmung ausgelöst, ganz unabhängig davon, ob er im Recht war. Seinem Image war das nicht zuträglich. Im Web gibt es weder Gerechtigkeit noch Objektivität. Im Zweifel setzen sich diejenigen durch, die am besten vernetzt sind und den meisten Einfluss haben. Das sehen wir gerade in den U.S.A., wo Verschwörungstheoretiker sehr viel Zuspruch und Aufmerksamkeit erfahren.

Umgekehrt wird ein Text oft mit dem Urheber gleichgesetzt. Wer sich auf eine Ebene mit den Gegnern begibt, der hat meist schon verloren. Ironische oder sarkastische Reaktionen werden schlicht nicht verstanden. Gerade in schwierigen Situationen ist es daher sehr wichtig, sachlich zu bleiben.

Heißt das, im Zweifel sollte jemand den offenkundig fehlerhaften Artikel über sich selbst einfach akzeptieren?

Ganz genau. Und lieber auf eigene Medien setzen, sowie auf andere Plattformen, etwa indem er eine Facebook-Fanpage aufbaut.

Wer kann überhaupt Wikipedia-Einträge ändern und in welchem Umfang?

Jeder, der sich als Autor registriert. Aber nicht sofort in großem Umfang. Es geht darum, nachhaltig und regelmäßig beizutragen. Wer nur einen oder zwei Einträge schreibt, und dann auch noch ausschließlich über das eigene Unternehmen, setzt sich schnell dem Verdacht aus, nur im eigenen Interesse zu handeln. Je besser jemand vernetzt ist, je glaubhafter und unabhängiger er sich als fachkundiger Autor zu einem Thema profiliert, desto mehr Anerkennung erfährt er auch.

Zu deinem Namen gibt es bisher keinen Wikipedia-Eintrag. Lediglich die Artikel zu den Stichwörtern „Online-Reputationsmanagement“ und „Selbstmarketing“ verweisen auf deine Bücher. Legst du keinen Wert darauf, als Person zu erscheinen? Oder bist du sogar froh, dass du nicht genannt bist?

Ich habe bisher keine Notwendigkeit gesehen, das aktiv zu betreiben. Ich würde mich aber freuen, wenn ein Wikipedia-Autor Lust hätte, etwas über mich zu schreiben.

Das kann ja jetzt leicht passieren, weil das hier viele lesen werden. Was wäre denn, wenn dir der Eintrag nicht gefällt?

Damit wüsste ich schon umzugehen. Ich würde zum Beispiel eine Twitter-Meldung schreiben, dass ich mich freue, wenn andere zu dem Eintrag etwas beisteuern. Ich denke schon, dass sich einige unter meinen Followern finden, die mir hinreichend wohlgesonnen sind.

Wer sollte an einem eigenen Wikipedia-Eintrag interessiert sein?

Politiker auf jeden Fall. Wer als Politiker nicht in Wikipedia steht, ist nicht wichtig. Aber auch öffentliche Einrichtungen oder Standorte. Je neutraler die Institution, desto geringer die Gefahr, dass etwas Negatives erscheint. Auch hier funktioniert das am besten, wenn man anderen signalisiert, dass man einen Eintrag begrüßen würde. Wenn man das oft und intensiv genug tut, dann erscheint auch irgendwann einer.

Wer sollte lieber stillhalten und nicht an einem Eintrag interessiert sein?

Alle diejenigen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen wollen.

Foto: (c) Klaus Eck

  17 comments for “„Hilfe, mein Wikipedia-Eintrag ist falsch!“ Klaus Eck sagt, was Sie tun können

  1. 2. Februar 2011 at 09:16

    Das scheint ein virulentes Problem zu sein; auf der letzten Wikipedia-Academy habe ich einen inhaltlich ähnlichen Vortrag gehalten, aber aus Sicht des Wikipedia-Administrators. Erstaunlich wie sehr meine Ratschläge denjigen in diesem Post gleichen. Ja, es ist möglich den eigenen Artikel zu ändern, aber meist aufwendig und oft risikobehaftet – das beste was man für sich selbst und für Wikipedia machen kann: ausführliche und neutrale Informationen ins Netz stellen und auf diese Hinweisen. Und was auch hilft: Fotos oder andere Materialen unter eine freie Lizenz stellen, so dass sie von dritten weiterverwendet werden können.

  2. 2. Februar 2011 at 09:40

    Dass “jeder, der sich als Autor registriert, Wikipedia-Einträge ändern kann” ist (leider) nicht so. Das zeigen die vielen Troll-Edits von anonymen Störern mit ständig wechselnden IP, welche ernsthaften Wikipedia-Autoren und -Administratoren das Leben schwer machen.

    Da war bei Klaus Eck wohl der Wunsch der Vater des Gedankens…

    … ansonsten stimme ich ihm Hundertprozentig zu.

  3. 2. Februar 2011 at 11:03

    @Jürg Das ist natürlich völlig richtig. Ich bin mehr von “sollte” statt “könnte” ausgegangen. Daher ist meine Antwort an dieser Stelle missverständlich.

    Unregistrierte Beiträge sind auf Wikipedia ohne Ende möglich. Aus Unternehmensperspektive aber in der Regel eher kontraproduktiv. Deshalb empfehle ich Unternehmen, die selbst Änderungen vornehmen wollen, es dann wenigstens mit offenen Visier und Ihrem echten Namen zu machen.

    Die Troll-Edit-Wars sind wirklich ein großes Problem. In manchen Fällen rate ich bei manchen Kunden daher sogar von einem Wikipedia-Eintrag oder einer -Korrektur ab, weil es eher kontraproduktiv werden könnten. Manchmal bieten sich eigene Corporate Blogs als guter Ausweg an.

  4. 2. Februar 2011 at 14:10

    Interessanter Beitrag um die Dynamik in Wikipedia – und im Web 2.0 – wieder ein Stück besser zu verstehen.

    An einer Stelle ist Klaus Eck aus meiner Sicht aber in eine Falle getappt: Nach seiner Logik wird die vorherrschende Meinung durch die höchste Vernetzung und den meisten Einfluss geschaffen. Die sogenannte Verschwörungstheorie ist aber gerade die REAKTION darauf. Wenn es “im Web weder Gerechtigkeit noch Objektivität gibt”, gilt das vermutlich auch ausserhalb. Weil das aber mit einem Gefühl der Unsicherheit verbunden ist, wollen wir lieber an eine ‘objektive Information’ glauben. Ein Mittel um diese zu stabilisieren, ist, davon abweichendes unglaubwürdig zu machen.

  5. 21. Juni 2011 at 19:53

    Wir haben seitens der Karlshochschule auch einen veralteten Eintrag bei Wikipedia. Früher trug die Hochschule den Namen “Merkur Internationale Fachhochschule”, so auch der Titel des alten Eintrags. Lustiger Weise ist es so, wenn man die Spracheinstellung bei Facebook ändert, wird die aktuelle de-Verlinkung “Karlshochschule International University” in der persönlichen Info automatisch zur en-Verlinkung “Merkur …”. Alles aus Wikipedia gespeist (einmal DE-Version und einmal EN-Version) Das ist natürlich verwirrend und für die Studierenden bei uns nicht gerade optimal. Wir haben seitens des Marketings schon alles Mögliche versucht, um den alten Eintrag zu beseitigen, aber das hält nur vorübergehend stand. Dann müssen wir wohl mit der alten Vergangenheit leben. Und wir sehen: “Das Netz vergisst nichts.”

  6. Alexander Schestag
    5. Dezember 2011 at 11:10

    Hier wird doch einiges vermischt. Einmal geht es um Wikipedia-Einträge von Personen, dann wieder von Unternehmen. Bei Letzterem gilt ganz klar: Unternehmen sollten von sich aus erst gar keinen Wikipedia-Eintrag erstellen. Unternehmen sollten in der Wikipedia gar nicht auftauchen, es sei denn, sie haben so große Relevanz, daß ein Artikel mit enzyklopädischer Bedeutung geschrieben werden kann. Das ist allerdings lediglich bei lange existierenden Unternehmen sinnvoll. Alles andere ist Werbung, und die hat in einer Enzyklopädie nichts verloren. Bei “Wer sollte lieber stillhalten und nicht an einem Eintrag interessiert sein?” fehlt somit auch “Unternehmen, es sei denn, ihre Relevanz ist groß und rechtfertigt einen Eintrag mit enzyklopädischer Bedeutung”. Denn der größte Image-Schaden, den ein Unternehmen auf Wikipedia erleiden kann, ist ein Eintrag, der eindeutig als Werbung identifiziert werden kann. Passiert das, kann der Artikel so positiv sein, wie er will, das Unternehmen ist bei den Usern der Wikipedia ein für alle Mal untendurch.

  7. Geraldine
    12. August 2012 at 14:58

    Für das CRM würde ich das Reputationsrisiko als marginal bewerten, da Wikipedia dabei als Informationskanal kaum Gewicht zukommt. In den IR erscheinen solche Risiken schon schwerwiegender.

  8. Dirk Schiff
    25. Dezember 2012 at 11:01

    Um so einen Eintrag zu bekommen werden alle möglichen Mittel eingesetzt

  9. 13. August 2013 at 14:14

    Ja, ein heikles Thema, Wir haben das aktuell auch mal mit unserem eigenen Unternehmenseintrag bei uns im Blog diskutiert. Und auch gleich einen ersten Lösungsvorschlag erarbeitet (Richtlinie für die Arbeit von Firmenvertretern).

    Freuen uns über Feedback auf http://blog.yasni.de/fakten/auf-wikipedia-wird-munter-gestritten-und-editiert/097124.

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