Warum ich leider nicht ehrenamtlich Ihre PR übernehmen kann

Aufgrund der außergewöhnlich großen, durchweg positiven Resonanz habe ich mich kurzfristig entschlossen, diesen Beitrag, der eigentlich in meinem Notizen-Blog bei posterous erschienen war, hier ins Haupt-Blog zu übernehmen. Ich freue mich auf die weitere Diskussion!

Oft erhalte ich Mails oder Anrufe von Vereinen oder gemeinnützigen Einrichtungen mit der Bitte, sie ehrenamtlich zu unterstützen. Und zwar natürlich mit dem, was mein Beruf ist. Also Kommunikation und PR. Leider muss ich jedesmal ablehnen – je nachdem, wie die Bitte formuliert ist, tut es mir häufig wirklich sehr leid. Weil ich den großen Bedarf und die Not sehe, die dahinter stehen. Natürlich verstehe ich, dass jeder erst einmal sein eigenes Projekt sieht und es für das wichtigste hält. Sehr viele Dinge, die mir auf solche Weise vorgestellt werden, halte ich für uneingeschränkt unterstützenswert. Aber wenn ich alle beantworten und allen nachkommen wollte, könnte ich nicht nur meine Freizeit damit verbringen, sondern auch meine gesamte Arbeitszeit. Was wohl niemand sinnvoll fände.

Deswegen und da sich solche Anfragen in letzter Zeit häufen, möchte ich hier einmal grundsätzlich dazu etwas sagen. Auch weil ich annehme, dass es vielen meiner Kollegen ähnlich geht.

Die meisten solcher Mails beginnen mit einem Lob für mein Blog und meine Veröffentlichungen. Darüber freue ich mich jedes Mal sehr. Manchmal allerdings nicht lange, weil gleich darauf in sehr knappem und regelrecht forderndem Ton das eigentliche Anliegen des mir bis dato meist völlig unbekannten Menschen folgt. Ohne große weitere Erläuterung. Mit etwa der Haltung: „Wenn wir uns schon so großartig und selbstlos engagieren, können wir verlangen, dass du dich da auch einbringst. Wenn nicht, wäre das sehr egoistisch.“ Nun bin ich nicht sehr anfällig für die moralische Keule.

Besonders gelungen finde ich auch Nachrichten von Festangestellten wohltätiger oder kultureller Einrichtungen, die oft in beamtenähnlichen Verhältnissen gut von ihrem Einsatz leben können – und dann von mir oder einer Kollegin sehr weitreichende Leistungen für Gotteslohn oder ein Butterbrot regelrecht einfordern. Weil ja die eigenen Etats so gering sind. Gerne frage ich dann zurück, wieviel Freizeit sie ihrerseits unentgeltlich oder unter Mindestlohn für ihren Arbeitgeber einsetzen. Selten bekomme ich eine Antwort.

Sehr viel mehr berühren mich solche Anfragen, aus denen ich erkennen kann, dass die Betreffenden wirklich dringend PR für ihre gute Sache und für ihr Herzensanliegen brauchen, dem sie sich voll und ganz verschrieben haben. Weil sie ohne Öffentlichkeit ihre Arbeit nicht wirkungsvoll machen können und weil sie dringend Unterstützung brauchen. Was sie allerdings meistens übersehen ist die Tatsache, dass diese Arbeit etwas anderes ist als das, was sie den ganzen Tag im Beruf tun.

Das sind Menschen, die für einen guten Zweck laufen, radeln oder Spenden sammeln. Die im Job im Büro sitzen und sich in ihrer Freizeit für benachteiligte Menschen oder Tiere einsetzen. Sie denken nicht darüber nach, und das kann ich auch verstehen, dass ein PR-Mensch vielleicht ebenfalls in seiner Freizeit etwas anderes machen möchte als das, was er oder sie bereits zwischen zehn und 16 Stunden am Tag tut.

Nun ist es natürlich andererseits auch so, dass es bestimmte Aufgaben gibt, die am besten nur von Profis gemacht werden sollten. Für die es aber dennoch kein Budget gibt. Deswegen gibt es beispielsweise Ärzte, Rechtsanwälte oder eben auch PR-Leute, die einen Teil ihrer Freizeit damit verbringen, ihre beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen.

Ich tue das übrigens auch. Ich habe einige Projekte und Einrichtungen ausgewählt, die ich in meiner Freizeit mit PR, Texten, Beratung und Pressearbeit unterstütze. Weil sie mir oder Menschen, die mir nahestehen, ein Herzensanliegen sind. So berechtigt und wichtig Ihre Arbeit sein mag, so leid es mir oft tut: Bitte haben Sie daher Verständnis dafür, wenn ich das nicht auch noch für Ihren Verein tun kann.

  9 comments for “Warum ich leider nicht ehrenamtlich Ihre PR übernehmen kann

  1. 14. September 2010 at 15:23

    Eben noch musste ich die Bitte eines Arbeitsvermittlers einer Agentur für Arbeit ablehnen, für seinen Kunden, der in unserem Haus keine Weiterbildung machen darf, ein Gratis-JobCoaching durchzuführen.

    JobCoachings gibt es aber bei uns nur für die Teilnehmer von Weiterbildungen. Und man denke nur mal: Gegen Geld!

    Nach Lesen des Artikels fällt mir ein Stein vom Herzen. Es geht nicht nur mir so: Professionalität erfordert manchmal resolutes Nein-Sagen und das ist „ethisch“ in Ordnung.

    Danke Kerstin!

  2. 21. September 2010 at 09:57

    Sehr schöner Beitrag. Gut auf den Punkt gebracht. Auch ich würde gerne viel mehr für andere tun, weiß jedoch auch, dass ich vor irgendwas leben muss. Und das ist nun mal meine Arbeit gegen Bezahlung. Danke für den Artikel!

  3. Frank Herberg
    23. September 2010 at 11:51

    Ja. Und dabei ist es unerheblich, ob Du die Arbeit bereits zehn bis sechszehn Stunden am Tag machst oder nur fünf oder zur Zeit garnicht (wie ich momentan).

    Die Aufforderung „Engagier Dich mal bei uns“, möglichst noch mit einem moralischen Unterton, geht aus meiner Sicht gar nicht. Trotzdem finde ich solche Anfragen prinzipiell legitim – und natürlich macht der Ton auch hier die Musik.

    Dann besteht auch die Möglichkeit, dass einen solch eine Aufgabe auch mal reizt und man sich ehrenamtlich – oder gegen einen Sondertarif – einbringt. Und auch dieses Engagement lässt sich ja bekanntlich marketing-mässig verwursten. „Corporate Citizenship“ wäre ein mir bekanntes Buzzword dazu aus einer bekannten Unternehmensberatung 😉

    Ansonsten würde ich sagen: Der Standardtext zum beantworten solcher Anfragen ist schnell aufgesetzt. Und wer nicht Nein sagen kann ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, der hat in solchen Anfragen nen guten Coach gefunden.

  4. Frank Stachowitz
    1. Oktober 2010 at 15:53

    Sehr geehrte Frau Hoffmann,

    trefflicher als in Ihrem Artikel kann man es kaum formulieren. Auch ich erlebe das in meiner täglichen Arbeit. Der Ton macht sicherlich die Musik, doch das allein reicht eben nicht. Manchmal habe ich das Gefühl wir sind auf einem orientalischen Basar.

  5. 6. Oktober 2010 at 15:22

    Man kann sich von gemeinnützigen Institutionen übrigens auch in Form einer Spendenquittung zahlen lassen. 🙂 Das ist dort dann kostenneutral und hier kostensenkend.

    Nur als Idee …

  6. 6. Oktober 2010 at 15:23

    … „hier steuersenkend“ meinte ich natürlich – nicht „kostensenkend“. 🙂

  7. 6. November 2010 at 20:53

    Ja, das ist sehr gut und klar auf den Punkt gebracht, finde ich. Mir passiert es auch immer mal wieder, dass sich jemand meldet und gecoacht werden will,gerade überhaupt kein Geld hat,aber sehr in der Klemme steckt.

    Ich habe eine ganze Weile gebraucht zu begreifen, dass ich nicht immer als „Retterin“ angesprochen bin.Da hilft nur reinfühlen und von Fall zu Fall entscheiden.

    Richtig sauer machen mich aber Leute, die meinen, dass ich viel zu teuer wäre und damit Minderbetuchte unzulässigerweise ausschließen würde und das wär doch unmoralisch.

    Dazu gab es mal einen Artikel im SEIN Magazin, der mich sehr unterstützt hat. Sinngemäß stand darin, dass es gerade bei der Arbeit von Beraterern, Coaches und Therapeuten eine Unsitte geworden sei anzunehmen, dass diese praktisch für lau arbeiten sollten. Sie könnten doch mal eben und sozial und so.

    Bei Golflehrern,Fahrlehrern o.ä. käme übrigens niemand auf die Idee, sie runterzuhandeln. Und wo steht denn, dass jeder ein hochpreisiges Angebot nutzen soll. Es gibt genügend andere, wobei der Preis nicht unbedingt etwas über die Qualität aussagt.

    Nicht falsch verstehen, ich bin sehr für soziales Engagement. Ich habe ein sechsmonatiges Coachingprojekt für Selbständige/ Freiberuflerinnen laufen, wo ich jeden Monat eine andere Unternehmerin viermal eine Stunde per Coaching unterstütze und das kostenfrei. Weil mir das eine Herzensangelegenheit ist.

    Aber ich möchte mir halt nicht vorschreiben lassen, wo und für wen ich mich in meiner Freizeit engagiere.

  8. 21. Januar 2012 at 15:37

    Ehrenamtliche PR-Aufträge gerne genommen!
    Unterstützt vom PRSH (www-prsh.de) versuchen wir dieses Jahr eine Plattform für ehrenamtliche PR-Arbeit durch PR-Studenten aufzubauen. Es geht dabei nicht darum unseren eigenen Markt zu untergraben, sondern geholfen werden soll nur bei wirklich fehlendem Budget für professionelle PR-Arbeit für zweifelsfrei gemeinnützige Zwecke.
    Interessante Anfragen gerne an info@pr-ehrenamt.de, danke!

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