Aus dem geheimen PR-Labor: Wieviel Pause verträgt ein Blog, wieviel eine Beraterin?

Für diejenigen, die es interessiert, lege ich im Folgenden einige  Beobachtungen, Auswertungen und die Schlussfolgerungen aus meiner gerade heute beendeten Auszeit detailliert offen. Insgesamt ist das keine spektakuläre Angelegenheit, denn die meisten Selbstständigen machen jedes Jahr Urlaub. Aber vielleicht haben nicht alle die gleichen Möglichkeiten, das zu beobachten und zu messen. Das ist der Grund, warum ich hier etwas ins Detail gehe. – Für diejenigen, für die das nicht so interessant ist, geht es hier morgen wieder mit dem normalen Blog-Betrieb weiter.

Wie Sie wissen, ist dieses Blog von Anfang an auch als Versuchslabor gedacht. Während ich publiziere, Wissen teile und über Trends berichte, beobachte ich zugleich genau, was passiert: Zugriffszahlen, reales Feedback, Reaktionen im erweiterten Netzwerk und eben auch Auswirkungen auf mein unmittelbares Geschäft. So gewinne ich ebenfalls Erkenntnisse für die Kommunikationsstrategien meiner Kunden. In der Regel gilt nämlich: Was ich nicht selbst ausprobiert habe, verkaufe ich auch nicht.

Fragen, die sich fast alle Unternehmer stellen

Denn die Fragestellungen betreffen ja viele Unternehmer und Selbstständige. Von diesen gibt es im Extrem zwei Sorten: Diejenigen, die sorglos auch längere Auszeiten nehmen und danach einfach wieder auf neue Aufträge vertrauen. Und die anderen, die niemals mehr als zwei bis drei Tage wegfahren und selbst dann schon nervös werden: Was ist mit meinen Kunden? Wo bleiben meine Blogleser? Was ist mit meinen Abonnenten, wenn ich drei Wochen lang nichts Neues publiziere? Ich liege da irgendwo in der Mitte, neige aber eher der entspannten Seite zu. Aber so ganz ohne Zweifel verabschiede auch ich mich nicht in einen dreiwöchigen Urlaub.

Denn normalerweise gehen hier täglich viele  Anfragen und Anrufe ein. Bestehende Kunden brauchen ganz dringend Texte oder Termine. Neukunden haben akuten Kommunikations- und Beratungsbedarf. „So ein Büro kann man doch eigentlich nicht einfach mal für ein paar Wochen dichtmachen. Kann ich mir das leisten? Was passiert mit den Anfragen und den Kunden?“ Das sind Fragen, die ich mir jedes Jahr wieder stelle, wenn ich meinen ‚großen‘ Urlaub plane.

Das aktuell beste Modell für mich

Nun habe ich in den vergangenen Jahren schon verschiedene Modelle durchexerziert, von der Teilvertretung bis zum komplett besetzten Büro. Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass wichtige Projekte dann doch immer warten müssen, bis ich zurück bin. Deswegen hat konsequenterweise in meinem Urlaub diesmal wieder alles geruht. (Das mag sich in den nächsten Jahren durchaus ändern, wenn sich immer mehr Kernaufgaben auf mehr Schultern verteilen.)

„Wieviel Pause verträgt eine Beraterin“ ist natürlich nicht auf die Person gemünzt. Urlaub könnte ich monatelang machen, ohne mich zu langweilen. Aber für’s Geschäft gibt es schon Obergrenzen und sinnvolle Zeiten. Und um das herausfinden und auch übertragbar zu machen, beobachte ich eben genau, was sich abzeichnet.

Denn da ich das Blog und weitere Accounts in Social Networks habe, habe ich mehr als nur vage Vermutungen. Ich habe mit der Zeit dadurch regelrechte Evaluierungsinstrumente entwickelt, die immer genauere Prognosen auch für kommende Situtationen erlauben. Ich kann fast exakt meine Präsenz in virtuellen und realen Netzwerken in Relation zur Zahl neuer Kundenanfragen setzen; nicht nur in Urlaubszeiten, sondern auch im täglichen Betrieb, quantitativ und qualitativ.

Relation zwischen Blog und Business

Daher kann ich für das Blog beschreiben, was im realen Geschäft passiert und umgekehrt. Dass in Pausen die Zugriffszahlen in einem Blog heruntergehen oder beispielsweise weniger Twitter-Follower hinzukommen, ist unbestritten. Weniger Zugriffe, weniger Angebotsanfragen, weniger neue Aufträge. Das war auch in dieser Auszeit so. Das ist auch eigentlich gut so, denn nichts wäre schlimmer, als eine große Zahl von Aufträgen, wenn man gerade Pause macht.

Aushalten muss man die Zeit nach dem Urlaub, bis es wieder anläuft, und das ist für Unternehmer manchmal schwierig. Allerdings habe ich in meinem Büro diesmal gar keine Wieder-Anlaufphase gehabt.  Interessanterweise scheinen sich die Dinge zu stabilisieren, wenn man sich einmal etabliert hat. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Erstaunliche Spitzen

Für das Blog gilt: Die Zugriffszahlen haben zwar in den vergangenen rund drei Wochen nie die Spitzenwerte erreicht wie bei Veröffentlichungen mit besonders großer Resonanz. Sie sind aber konstant im guten Mittelfeld geblieben. Erstaunlicherweise gab es in den letzten Tagen vor diesem Beitrag noch einmal einige signifikante Spitzen, die ich mir nicht erklären kann. Denn fast alle Zugriffe kamen zunächst auf die Hauptseiten, nicht auf einen bestimmten einzelnen Beitrag. Woher sie zu mir fanden, konnte ich nicht herausfinden. Es ist eben nicht alles im Detail verifizierbar. Da hat wohl irgendjemand exzessiv für dieses Blog geworben. Wenn das so ist: Vielen Dank!

Anders hat sich das übrigens in meinem Rezensionsblog verhalten, das es noch nicht so lange gibt und das mithin noch nicht so bekannt und vernetzt ist. Hier sind die Zahlen sofort stark abgesunken. Damit kann ich aber leben. Es braucht halt noch seine Zeit.

Was zeigt mir das?

Was zeigt mir das aber für dieses Blog hier? Dass zumindest momentan die Strategie aufzugehen scheint, es aus der Tagesaktualität zu lösen und eher in einer mittleren Frequenz solche Beiträge zu veröffentlichen, die lange Zeit ihre Gültigkeit behalten. An den Aufrufen der vergangenen 20 Tage sehe ich, dass die Besucher sich viele Stücke angeschaut haben, die schon länger online stehen. Je länger nichts Neues erschienen war, desto gleichmäßiger verteilten sich die Zugriffe auf immer mehr Blogposts – während in Zeiten, in denen ich viel publiziere, immer einige Spitzenreiter oben stehen und es immer deutlich weniger Zugriffe auf ältere Beiträge gibt. Ich kann das nur vermuten, aber ich nehme an, dass viele regelmäßige Leser sich jetzt die Zeit genommen haben, einmal tiefer in die Archive einzusteigen.

Auch während meiner Auszeit erreichten mich immer mal wieder Nachrichten (vielmehr: ich fand sie hinterher vor) von neuen Lesern, die mir positives Feedback gaben. Einige schrieben mir explizit, dass sie das Blog wie einen Ratgeber teilweise oder sogar komplett durchgelesen haben. Das freut mich natürlich zum einen sehr. (Vielen Dank dafür einmal an dieser Stelle!) Zum anderen zeigt es, dass es so auch in anderen Blogs funktionieren kann.

Die ersten neuen Anfragen im realen Geschäftsbetrieb kamen bereits gegen Ende meines Urlaubs. Offensichtlich ist es hilfreich, genau definierte Zeiträume zu nennen, so dass auch die anderen planen können. Meinen bestehenden Kunden hatte ich lange vorher mitgeteilt, wann ich nicht verfügbar sein würde. Daher waren alle anstehenden Projekte abgearbeitet. Und obgleich ich keinesfalls die ganze Zeit verreist war und obwohl es eine Möglichkeit gab, mich im Notfall zu kontaktieren, haben alle diese wunderbaren Menschen, die meine Auftraggeber sind, mich fast gänzlich in Ruhe gelassen. Haben sich aber direkt, als ich signalisiert hatte, dass ich zurück bin, auch wieder mit neuen Aufgaben gemeldet.

Besser: Auszeiten langfristig planen

Eher abraten würde ich von plötzlichen, nicht gut vorbereiteten oder nicht kalkulierbaren Auszeiten. Wenn sie sich denn vermeiden lassen. Was ja nicht immer möglich ist, weil nicht alles im Leben planbar ist. Aber selbst für diesen Fall kann ich beruhigen: Ein gut eingeführtes Blog mit einem einigermaßen großen Leserstamm, das gut vernetzt ist, hält das aus. Ebenso wie ein substanzielles, gut vernetztes Unternehmen mit einem soliden Kundenstamm. Auch wenn es eine gewisse Fluktuation hat und daher auch immer wieder neue Kunden und Aufträge braucht.

Differenzierter muss man das natürlich in Aufbauphasen betrachten oder in bestimmten Saisonbranchen. Wer ausgerechnet in der kritischen Zeit verreist, in der ein großer Kunde oder mehrere Auftraggeber ganz dringend Leistungen brauchen, der muss sich über Schwierigkeiten und Ausfälle im eigenen Geschäft nicht wundern.

Das alles gilt natürlich nur für solche Unternehmen, die nicht kontinuierlich Service und Support liefern müssen, in Bereichen, die keine Pausen vertragen. Aber hier wird man ja ohnehin tunlichst auch im ganz normalen Alltag nicht alles auf eine Person setzen, sondern für Doppelbesetzungen und zusätzliche Absicherung sorgen.

Für die sozialen Netzwerke, etwa Facebook, muss ich übrigens nüchtern feststellen: Es hat mich wohl keiner massiv vermisst. Als ich wieder anfing zu posten, kamen wieder Antworten. Engere Freunde immerhin begrüßten mich zurück. So einfach ist das. Wie im richtigen Leben: Man sollte sich selbst schlicht nicht zu wichtig nehmen!

Wie sind denn Ihre Erfahrungen mit solchen Pausen – real und virtuell?

Foto: vissago auf flickr.com

  3 comments for “Aus dem geheimen PR-Labor: Wieviel Pause verträgt ein Blog, wieviel eine Beraterin?

  1. 1. September 2010 at 13:02

    Hallo Frau Hoffmann,

    willkommen zurück. 🙂

    Danke für Ihr interessantes Fazit zur (Blog)Pause. Ich hatte jetzt im August auf meinen drei Seiten Newsletter-Pause. Zwei davon sind Blogs, und die lasse ich nicht so lange brachliegen. Das Schöne am CMS ist ja, dass man wunderbar Beiträge auch voreinstellen und timen kann – insofern mache ich bei einer längeren Abwesenheit einfach Vorarbeit: letzten Dezember beispielsweise habe ich bei unternehmenskick einen Monat lang Pause gemacht, aber einen Adventskalender vorab eingestellt, so dass bis Weihnachten konsequent Beiträge erschienen.

    Ansonsten lasse ich bei unseren Blogs nur mal einige Tage ohne Beitrag verstreichen. Und wenn ich gerade keinen eigenen Beitrag schreibe, mache ich einen Hinweis auf Beiträge in anderen Blogs, die mir gut gefallen. Die Arbeit für unsere Leser steht also nicht über einen längeren Zeitraum völlig still.

    Das ist weniger Kalkül, sondern bei mir auch die Lesersicht. Zwar nehme ich es keineswegs krumm, wenn ein Blog einige Wochen lang stillsteht (sofern es eine Vorankündigung gibt!), aber ich bin schon immer sehr enttäuscht, wenn ein Blog, das ich gerne verfolge und darum auch täglich nach Neuem schaue, länger Pause macht.

    Ah, da fällt mir noch ein Teilthema ein: Unsere Blogroll, also die Blogs, die wir bei uns empfehlen, miste ich schon auch alle paar Monate aus. Wenn ein Blog plötzlich überhaupt keine Beiträge mehr einstellt, und das über mehrere Wochen (und wenn es keine Begründung dafür gibt), dann nehme ich die Blogempfehlung raus.

    Ein Blog lebt halt schon von der Kontinuität. Sonst ist es kein Blog. 😉

    Viele Grüße
    Gitte Härter

  2. 12. November 2010 at 22:40

    Interessantes Blogpost, das ich zum Anlass genommen habe, um mir das Userverhalten bei mir auch mal anzusehen. Was die Zugriffszahlen angeht, habe ich viele Parallelen entdeckt. Als ich mit dem Bloggen begann, haben sich zwei Wochen Blogpause immer sofort auf die Zugriffszahlen ausgewirkt. Heute ist das bei mir nicht mehr so, allerdings gilt das nicht für die Zugriffe via RSS. Dort hängen die Zugriffe auch heute noch ganz starkt davon ab, ob ein Blogpost erscheint oder nicht. Dafür brauche ich noch nicht mal zwei Wochen verreisen, da reichen auch schon ein oder zwei Tage.

    Gibt es keine neuen Blogposts, werden vor allem die drei Topbeiträge gelesen, die ich auf der Startseite aufgelistet habe. Diese Auflistung beeinflusst ganz eindeutig das Verhalten der User. Interessant ist auch, dass sich bei längerer Blogpause einige Beiträge immer wieder durchsetzen und dadurch enorme Zugriffszahlen erreichen, obwohl sie teilweise schon recht alt sind.

    Unabhängig von den eigenen Blogaktivitäten werden auch die Beiträge immer aufgerufen, die bei Google gut gerankt sind. Eine weitere Quelle für regelmäßige Besuche ist auch Wikipedia. Wer von dort kommt, interessiert sich nicht dafür, ob ich gerade Urlaub mache oder fleißg schreibe.

    Was die Aufträge angeht, gibt es eher weniger Gemeinsamkeiten. Auftragsanfragen sind bei mir nicht sehr stark an die Blogaktivitäten gebunden, ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass Deine Arbeit tagesaktueller ist als meine. Seminaranfragen erfolgen in der Regel mittel- und langfristig, Beratungsanfragen erfolgen auch selten unter Zeitdruck. Wie das bei einem zweiwöchigen Urlaub ist, kann ich nicht einschätzen, seit Deinem Blogpost hatte ich nicht das Vergnügen. 🙁

    Danke für Deinen Beitrag, der mich dazu gebracht hat, mir die eigene Situation mal genauer anzusehen und mich erkennen hat lassen, dass mein Blog einen zweiwöchigen Urlaub wohl durchaus verkraften kann. Ich übrigens auch. 🙂

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