Dein Twitter gehört dir nicht!

11. März 2010

Alles meins? Von wegen!

Ich will es gar nicht beschönigen, auch wenn es glimpflich ausgegangen ist. Einmal – ein einziges Mal! – habe ich einen Twitter-Account eines Kunden “abgeschossen”. Ein kurzer falscher Klick, der eine regelwidrige Aktion ausgelöst hat (ich war zu vielen auf einmal gefolgt). Jedenfalls hatte Twitter den Benutzer stillgelegt. Wir haben das geklärt. Wir haben den Account wiederbekommen, mit allen Followern und allen Tweets.

Aber ich habe viel daraus gelernt. Zum Beispiel vorsichtiger zu sein und mir die Regeln und Teilnahmebedingungen in allen sozialen Netzwerken wirklich gründlich durchzulesen. Vor allem ist mir dabei aber so richtig klar geworden: Deine Social-Media-Accounts gehören dir nicht.

Wir alle – oder jedenfalls viele von uns – publizieren fleißig im Netz. Für uns selbst oder als Teil der Kommunikationsstrategie unserer Kunden. Was wir dabei gerne vergessen: Wir veröffentlichen zu großen Teilen auf fremden Plattformen.

Nichts hält ewig

Niemand garantiert uns, dass dieser Content morgen noch dort stehen wird. Dass es das Social Network noch geben wird. Oder dass wir unsere XING- und Facebook-Kontakte auf ewig behalten werden. Und wenn wir – absichtlich oder aus Versehen – gegen irgendeine Regel verstoßen, können all dieser Content und das sorgfältig aufgebaute Netzwerk sofort weg sein. Für immer. Oder der Betreiber entschließt sich, die Teilnahmebestimmungen so zu ändern, dass wir damit nicht mehr einverstanden sind und uns freiwillig verabschieden. Auch dann sind unter Umständen viele Monate der Arbeit und der Investitionen vergeblich.

Es hat ja auch noch einen anderen Aspekt: Viele, die munter Fotos hochladen, anderen Applikationen Zugriff auf ihre Social Media gewähren oder sonstwo etwas posten, haben noch nie wirklich nachgelesen, welche umfassenden Rechte sich viele Betreiber auf das geistige Eigentum der Teilnehmer vorbehalten. Da ist ein Fremd-Werbe-Tweet über den eigenen Account ja noch die harmloseste Variante.

Wo ich die Rahmenbedingungen bestimme

Natürlich wird kaum jemand aus diesem Grund auf die Social Networks verzichten. Aber es lohnt sich schon, über einiges nachzudenken. Beispielsweise zum Thema Blog auf einer fremdgehosteten Plattform wie Blogger.de oder WordPress.com: Für private Zwecke oder zum Ausprobieren ist es eine feine Sache. Doch für ein Firmen- oder Expertenblog lohnt es sich, die Sache auf den eigenen Webspace zu legen. Schon allein aus suchmaschinentechnischen Erwägungen. Aus Imagegründen. Aber eben auch wegen des geistigen Eigentums: Was auf meinem Webspace liegt, gehört mir. Ich kann es verändern, die Rahmenbedingungen festlegen und sichern. Natürlich brauche ich ein professionelles Sicherungskonzept für Website, Blog oder Wiki. Aber das versteht sich wohl ohnehin von selbst.

Einige weitere Überlegungen: Macht es wirklich Sinn, auf offenen Plattformen größere Mengen eigener Inhalte zu veröffentlichen? Ich halte es für viel sinnvoller, das ins eigene Blog oder auf die eigene Website zu schreiben und dann über einen Feed in andere Angebote zu ziehen. (Das bringt übrigens auch mehr Verlinkung und hat somit Auswirkungen etwa auf den Google-Rank.) Statt längere Gedankengänge etwa in Google Buzz oder auf der eigenen Facebook-Page direkt auszubreiten – wozu diese Angebot ja regelrecht einladen -, kann man sie ins Blog schreiben und dann  dorthin verlinken.

Wichtig: Sicherungskonzepte

Nun gut, ich schreibe zum Beispiel auch ein posterous-Blog für kürzere Beiträge oder Aperçus, die nicht hier in den PR-Doktor gehören. Das hat Image- und Vernetzungsgründe, und hat auch viel mit Experimentieren und Spaß an den verschiedenen Medien zu tun. Aber auch da ist es wichtig, die Inhalte regelmäßig zu sichern und anderswo abzuspeichern. Zumindest, wenn sie später noch einmal relevant sein könnten.

Selbstverständlich würde ich niemals alle meine Twitter-Nachrichten archivieren. Oder zum Beispiel habe ich seit zehn Jahren in einem sehr netten Forum viele tausend Diskussionsbeiträge veröffentlicht. Das alles zu speichern und zu sichern, wäre ja wahnsinnig… Alleine die riesigen Datenmengen, die da auf Dauer entstehen. Das lese ich doch nie wieder. Ich schneide ja auch nicht alle Gespräche meines Lebens mit – was für eine Vorstellung, was für eine Überbewertung der eigenen Person und der eigenen Äußerungen wäre das! Aber wahrscheinlich ist es andererseits sinnvoll, etwa die Namen und Kontaktdaten der XING-Kontakte auch offline zu sichern.

Was meinen Sie?

Zumindest aber sollte sich meiner Ansicht nach jeder, der im Netz seine Spuren hinterlässt, immer wieder klar machen, dass ihm erstens seine Accounts nicht gehören und dass zweitens er zweitens wenig Einfluss auf einmal Hochgeladenes hat. Oder? Was meinen Sie dazu?

Disclaimer: Dies ist natürlich keine Rechtsberatung. Der Beitrag beleuchtet oder erklärt keine juristischen Zusammenhänge, sondern stellt meine persönliche Meinung dar. Irrtümer, wie immer, vorbehalten.

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53 Antworten auf Dein Twitter gehört dir nicht!

  1. adocom on 9. Juli 2010 at 10:37

    Ein guter Beitrag.

    Ein anderer Hinweis:
    Wie Unternehmen ihre Kommunikation auf die veränderten Medienumfelder abstimmen können, hat Virtual Identity zusammengefasst, inklusive Whitepaper – Download.

    adocom

  2. Harald F on 20. Juli 2010 at 00:41

    gefällt mir! ;-)

  3. [...] uns letztlich selbst unsere eigenen Accounts und Seiten in Social Networks nie gehören. Wie ich schon einmal schrieb: Niemand garantiert uns, dass dieser Content morgen noch dort stehen wird. Dass es das [...]

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