PR mit guten Taten: positive Attraktoren und Professionalität

23. Februar 2010

Die Aussage eines Teilnehmers in einem meiner ersten Workshops vor vielen Jahren werde ich nie vergessen:  “… und dann stecken wir ein Drittel unseres Werbe-Etats in Charity. Das mögen die Kunden. Es ist einfach gut für’s Image, deswegen machen wir das.” Unvergesslich nicht, weil sie so ungewöhnlich war oder weil ich PR mit Wohltätigkeit ablehnen würde. Sondern weil es mit einer so abgebrühten Haltung herüberkam, dass es mir kalt den Rücken herunterlief. Aber einmal ganz abgesehen von jeglicher Bewertung halte ich eine solche Vorgehensweise für wenig erfolgversprechend.

Binsenweisheit, stimmt aber: Geld allein macht nicht glücklich.

Gute Taten: prima. Drüber sprechen und schreiben: auch wichtig. Aber nach meiner Erfahrung muss mehr dahinter stecken, damit es tragfähige PR ergibt und das positive Image eines Unternehmens oder Unternehmers nachhaltig fördert: echtes Engagement; Interesse an der Sache; etwas, das wirklich trägt. Das ist nämlich das, was sich letztlich durch alle Kommunikation hindurch überträgt. Mit anderen Worten: Es sind positive Attraktoren, die eine unternehmerische Tätigkeit wirklich voranbringen. Das gilt meiner Erfahrung nach auch für die begleitende Werbung und PR.

Was ist ein positiver Attraktor? Eigentlich ein Begriff aus der Physik. Aber im übertragenen Sinne bedeutet es ein Ziel, eine Ausrichtung, eine Idee – etwas, das der Arbeit mehr Sinn verleiht als die bloße Aussicht auf finanziellen Erfolg. Ein größeres Bild sozusagen. Damit meine ich nicht idealistisches Weltverbesserertum oder reine Selbstlosigkeit.

Es ist ein zentrales Paradoxon, das ich in meiner Arbeit immer wieder bestätigt gefunden habe: Gerade diejenigen, die nicht primär nach Geld streben, sondern wirklich etwas bewegen wollen, sind oft finanziell am erfolgreichsten. Wer von etwas zutiefst überzeugt ist, kann gar nicht anders als gewinnen. Wer damit noch zu einem größeren Bild beiträgt, andere unterstützt und etwas Gutes in der Welt bewirkt, der wird noch viel mehr Erfolg haben. So etwas lässt sich dann eben auch besser “verkaufen” im übertragenen Sinne, also über Werbung und PR vermitteln. Warum auch nicht, wenn es der Sache dient?

Wie können Sie das nun selbst für Ihr Unternehmen nutzen? Zunächst einmal sollten Sie überlegen, welche Idee es eigentlich ist, die Ihr Tun und Ihr unternehmerisches Handeln trägt. Sicherlich ist das nicht einfach nur das Streben nach Geld. Mit welchen Zielen sind Sie einmal angetreten? Was macht Ihnen besonders viel Freude? Worin finden Sie eine besondere Befriedigung? Womit unterstützen Sie andere (Mitarbeiter, Kunden, eine größere Gruppe…)?

Wenn Sie überlegen, etwas von Ihren Einnahmen für wohltätige Zwecke einzusetzen und damit auch zu werben oder beispielsweise Pressearbeit zu machen – dann überlegen Sie sich am besten bereits im Vorfeld, wie Sie das herüberbringen wollen. Dazu hilft es oft schon, sich selbst zu beobachten: Was würden Sie selbst gerne lesen? Die früher sehr beliebte Scheck-Überreichung wird zum Glück von den meisten Zeitungen schon lange nicht mehr abfotografiert. Welchen Neuigkeitswert hat das auch wirklich? Schauen Sie sich solche Bilder an? Und wenn überhaupt: Wieviel Information über das beteiligte Unternehmen bleibt da bei Ihnen hängen? – Aber was ist mit ungewöhnlichen Aktionen? Mit einem Projekt für benachteiligte Jugendliche?  Einem Kunst-Projekt? Oder, ein sehr gutes Beispiel, das gerade in den sozialen Netzwerken für viel Aufsehen sorgt, einer Unternehmung wie “eine million menschen“.

Viele, nein: die meisten meiner Kunden sind ebenfalls getragen von Ideen und Vorhaben, die weit über den Unternehmensgewinn hinausgehen. Einer hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Gründern und Kleinstunternehmern in der Wirtschaftskrise neue Existenzgrundlagen aufzuzeigen. Ein anderer verbessert sehr erfolgreich die Kostensituation in Krankenhäusern, zum Wohle natürlich auch der Patienten. Ein dritter sieht den Sinn der von ihm geleiteten Firma vor allem darin, den Mitarbeitern eine sichere Lebensgrundlage und einen guten Arbeitsplatz zu liefern.

Dabei ist Professionalität nicht nur nicht verboten, sondern sogar wichtig. Es ist nichts Verwerfliches daran, mit einer Sache, die allen etwas bringt, auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Es ist sogar mehr als empfehlenswert. Wer sich in Idealismus ergeht und bald schon scheitert, kann weniger bewegen als derjenige, der auf Dauer viel Geld verdient und auch wieder investiert.

Das Gleiche gilt für die PR: Selbst das beste Vorhaben verbreitet sich nicht wie von selbst, nur weil es idealistisch, moralisch oder sonstwie bewundernswert wäre. Daher ist es geradezu eine Notwendigkeit, es auch entsprechend bekannt zu machen. Es sollte ein professionelles Kommunikationskonzept dahinter stehen, das alle Medien mit einbezieht. Das ist positiv für’s Image. Nützt dem Unternehmen. Und fördert die gute Sache.

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Ein Kommentar zu “ PR mit guten Taten: positive Attraktoren und Professionalität ”

  1. [...] Im vorigen Beitrag habe ich bereits einiges zu PR und guten Taten geschrieben. Das hat bei vielen Lesern die Frage aufgeworfen: Wie machen wir denn nun bekannt, was wir tun? Dazu einige Tipps: [...]

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