Grammatik? Ja bitte!

21. Januar 2010

Warum korrekte Sprache über den Erfolg von Werbung und PR entscheidet

Gastbeitrag von Ines Balcik

Sprache ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Kommunikation, darüber bestehen kaum Zweifel. Wenn es um Sprache geht, ist auch die Sprachlehre nicht weit. Besser bekannt ist sie unter dem Begriff Grammatik – eines der Wörter, die bei den meisten Menschen weniger angenehme Empfindungen hervorrufen. Allzu oft weckt Grammatik unschöne Erinnerungen an die Schulzeit und das Pauken von Regeln, die Schülern überflüssig scheinen. Dabei galt Grammatik in der Antike als Kunst, und zwar bezeichnete sie allgemein die Kunst des Lesens und Schreibens.

Auch wenn wir heute bei Grammatik fast ausschließlich an die Lehre vom regelhaften Bau einer Sprache denken, sollten wir die Kunst darüber nicht vergessen. Für die Kunst der sprachlichen Kommunikation ist Grammatik nur ein Baustein, aber einer, der Gewicht hat. Denn Grammatik ist mehr als die Lehre von Wörtern und Wortarten mit Deklination und Konjugation.

Grammatik ist vor allem die Lehre von den Regeln, nach denen aus Wörtern Sätze gebildet werden und aus Sätzen Texte. Diese Sätze und Texte müssen sinnvoll sein und zwar insofern, dass unsere Kommunikationspartner verstehen, was wir ihnen mitteilen wollen. Unter diesem Aspekt ist Grammatik ein sehr nützliches Hilfsmittel, das mehr Aufmerksamkeit verdient. Mit ihrer Hilfe wird sogar das Setzen von Kommas ganz leicht!

Ein guter Text lebt nicht allein von seiner genialen Botschaft. Zum Inhalt passen muss die sprachliche Form. Grammatik- oder Rechtschreibfehler in Pressemitteilungen oder Werbetexten mögen bewusst als ironische Stilmittel eingesetzt werden – das setzt aber voraus, dass jeder die Regeln kennt und den bewussten Bruch erkennt. Unfreiwillige Fehler dagegen sorgen nicht nur für Schadenfreude, sondern führen schlimmstenfalls zu einem Imageverlust für ein Unternehmen und in seiner Folge zu wirtschaftlichen Schäden.

Sprache ändert sich im Lauf der Zeit und auch die Grammatik bleibt nicht vom Wandel verschont. Wie konservativ oder progressiv Sie bei Ihrem Sprachgebrauch sein wollen, entscheiden Sie selbst. Ich vergleiche das gerne mit dem Kleidungsstil: Die Kleidung sollte der Situation angemessen sein und sowohl zu Ihnen als auch zu Ihren Ansprechpartnern passen. Auch wenn die Regeln heute längst nicht mehr so streng sind wie vor Jahrzehnten, werden Sie zum Bewerbungsgespräch nicht in abgerissener Kleidung gehen, zu einem wichtigen Treffen nicht in Badeshorts.

Ein ungepflegter Text mag einen guten Kern haben, aber wer sieht schon gerne hinter die Fassade, wenn der erste Eindruck abschreckend ist? Pflegen Sie Ihre Sprache ebenso wie Ihr eigenes Erscheinungsbild und das Ihres Unternehmens.

Ines BalcikInes Balcik ist Werbelektorin, Redakteurin und Sprachexpertin. Gemeinsam mit zwei weiteren Autoren hat sie gerade Die große Grammatik DEUTSCH im renommierten Pons-Verlag herausgebracht.

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6 Antworten auf Grammatik? Ja bitte!

  1. [...] Grammatik? Ja bitte! | PR-Doktor. Das Kommunikationsblog http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2010/01/21/grammatik-ja-bitte-warum-korrekte-sprache-uber-den-erfolg-von-werbung-und-pr-entscheidet – view page – cached Warum korrekte Sprache über den Erfolg von Werbung und PR entscheidet Gastbeitrag von Ines Balcik Sprache ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Kom…, Warum korrekte Sprache über den Erfolg von Werbung und PR entscheidet Gastbeitrag von Ines Balcik Sprache ist ein sehr wichtiger Bestandteil der [...]

  2. Roland C. Müller am 21. Januar 2010 um 12:01

    Vielen Dank für diese Reflexion über Grammatik! Herder sprach ja in seiner Schrift “Vom Ursprung der Sprache” von dem “Reichtum von Bestimmungen” in einer Sprache. Neben der Grammatik (und der Vermeidung der Rechtschreibfehler) finde ich eben auch immer die richtige Wortwahl bzw. die Wortvielfalt in Texten wichtig.
    Gruß
    Roland Müller

  3. Daria Schmitt am 26. Januar 2010 um 14:22

    Vielen Dank für diesen Beitrag!
    Ich vergleiche gern Grammatik mit Statik: Niemand käme auf die Idee, ein Haus ohne vorherige statische Berechnung zu bauen, aber seltsamer Weise möchten viele Sprachlernende um die Grammatik einen möglichst großen Bogen schlagen. Schön, dass es in der “floskelverseuchten” Werbewelt auch noch löbliche Ausnahmen gibt.
    Mit grammatikfreundlichen Grüßen

    Daria Schmitt

  4. Bernd Klaus Ac hter am 27. Januar 2010 um 15:10

    Aus einer PR-Abteilung bzw. einer PR-Agentur sollten nur grammatikalisch richtig formulierte Texte ohne Rechtschreibfehler und – wenn möglich – ohne Beistrichfehler rausgehen. Daß dem nicht so ist, lehrt mich meine Erfahrung als Herausgeber von drei Fachzeitschriften in Österreich. Egal, ob große oder kleine Agentur, egal, ob renommierte Agentur oder Newcomer: die Qualität der Texte ist in Sachen Grammatik, Rechtschreibung und Beistrichsetzung katastrophal. Dazu kommen semantische Fehler, die Konstruktion von Superlativen oder die Konstruktion von Adjektiven und Adverbien.
    Aktuell wird die Situation immer schlimmer. Viele der aufgrund der Wirtschaftskrise aus Agenturen entlassenen PR-Mitarbeiter machen sich nun selbständig und verseuchen den Markt mit schlechten Texten. Es wird schon einen Grund gehabt haben, warum man in der Agentur eventuell nur in der dritten Reihe tätig war und nicht vorgelassen wurde. Und, es wird auch einen Grund gehabt haben, warum man die Wirtschaftskrise nicht in der PR-Agentur oder PR-Abteilung überlebt hat.
    Leid tun mir hier die Kunden.

  5. [...] Januar 2010 · Hinterlasse einen Kommentar Grammatik? Ja bitte! – Warum korrekte Sprache über den Erfolg von Werbung und PR entscheidet In einem Gastbeitrag erklärt Ines Balcik die Bedeutung des richtigen Sprachgebrauchs im [...]

  6. Ines Balcik am 12. Februar 2010 um 14:44

    Vielen Dank für die freundlichen Kommentare!

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