5 Typen, die jedes Netzwerktreffen bereichern

Zu meinem Blogbeitrag über die “5 Typen, mit denen Sie sich auf Netzwerktreffen nicht unterhalten wollen” habe ich sehr viel Feedback bekommen. Zum Beispiel hat eine interessante Frau, mit der ich mich nächste Woche zum Austausch treffe, in die Terminbestätigung geschrieben: “Gesprächstypen Nr. 6 sind die Erfolgmenschen, die sich für wirkungsvolle Taten gerne auf einen Kaffee treffen”. Zudem entschuldigen sich jetzt die Leute immer bei mir, wenn sie mehr als fünf Sätze am Stück sagen. Manche versuchen, wenn sie mir begegnen, ihre Hosenbeine über die Tennissocken herunterzuziehen. Ganz viele haben mich gefragt: “Aber wo bleibt denn das Positive? Mit wem sollen wir uns denn nun überhaupt auf  Netzwerktreffen noch unterhalten?” – “Gemach, gemach”, habe ich geantwortet, “das kommt noch.” Und hier ist die Liste:

Fünf Typen, die jedes Netzwerktreffen bereichern:

1. Der Multiplikator

Er ist neuen Ideen und Angeboten gegenüber aufgeschlossen. Er hat ein  gutes Gedächtnis, viel Menschenkenntnis und ein präzises Urteilsvermögen. Wenn er einen Rat gibt, weiß jeder in seinem großen und gut gepflegten Netzwerk: Das hat Hand und Fuß. Daher ist seine Empfehlung schon so gut wie ein Auftrag für den Empfohlenen. Allerdings ist er auch anspruchsvoll.

So erkennen Sie den Multiplikator:

Er ist derjenige, der aufmerksam zuhört und Fragen stellt. Der sich wirklich für sein Gegenüber interessiert. Die Unterhaltung mit ihm fließt wie von selbst – und hinterher werden Sie feststellen, dass Sie viel über sich erzählt, aber wenig von ihm erfahren haben.

Das sollten Sie vermeiden:

Texten Sie den Multiplikator nicht zu. Er wird schon fragen, was er wissen will. Stellt er keine Fragen, wird das seinen Grund haben. Lässt er Sie links liegen, sollten Sie sich einen guten Coach suchen und zudem Ihr Portfolio überarbeiten.

2. Der Auftraggeber

Erfolgreiche Unternehmer mit einem großen Dienstleistungsbudget sind auf Netzwerktreffen sehr gerne gesehen. Während alle anderen zwanghaft Visitenkarten austauschen und versuchen, einander Versicherungsverträge, Vermögensdienstleistungen und IT-Angebote zu verkaufen, lehnt sich der Auftraggeber entspannt zurück. Er kann in Ruhe auswählen – und wenn er gerade Anbieter für ein Projekt sucht, tut er das auch. Ebenso erkennt er Chancen, nach denen er noch gar nicht gesucht hat. Wenn Ihr Angebot ihn fasziniert, haben Sie die Miete für das nächste halbe Jahr so gut wie sicher.

So erkennen Sie den Auftraggeber:

Er ist meistens eine Spur lässiger gekleidet als die anderen. Es sei denn, er kommt direkt aus dem Büro. Dann hat er den teuersten Anzug von allen, ohne protzig zu wirken. Er ist einfach… entspannt. Aber mit der trügerischen Ruhe des wahren Jägers. Hat er ein interessantes Angebot erspäht oder ein interessantes Gegenüber gefunden, bleibt er dran, bis er hat, was er will und weiß, was es zu erfahren gibt. Er hat einen Riecher für seinen Nutzen und für Win-Win-Situationen.

Das sollten Sie vermeiden:

Versuchen Sie niemals, dem Auftraggeber etwas zu verkaufen. Er weiß, was Netzwerken bedeutet und reagiert auf Akquisition in diesem Kontext allergisch. Interessante Angebote will er selbst entdecken. Auf Vertriebler-Maschen fällt er ebensowenig herein wie auf plumpe Selbstbeweihräucherung. Wenn ihn etwas überzeugt, sind es Substanz, Charakter und Souveränität. Er wird eher jemanden beauftragen, der ihn unterhält und amüsiert, als jemanden, der ihn am Abend mit trockenen Umsatzzahlen und Gewinnspannen langweilt.

3. Der Entertainer

Sie wollen sicher sein, dass Sie sich an diesem Abend nicht langweilen? Sie wollen immer im Zentrum des Geschehens sein? Dann halten Sie einfach Ausschau nach dem Entertainer. Er kennt die besten Geschichten, die lustigsten Witze und bezaubert mit seiner Schlagfertigkeit und seiner sympathischen Ausstrahlung.

So erkennen Sie den Entertainer:

Am Gelächter der zahlreichenden Umstehenden.

Das sollten Sie vermeiden:

Versuchen Sie nicht ihn auszustechen. Sie können gegen ihn nur verlieren. Der Entertainer braucht Publikum, keine Dialogpartner.

4. Der Informant

In vielen Bereichen negativ besetzt, in Wirklichkeit eine neutrale Bezeichnung: Der Informant ist die ideale Informationsquelle. Er ist immer up to date. Er hat das relevante Wissen, kennt als erster die neuesten Entwicklungen und verfügt in seinem Bereich – oder sogar in mehreren – über echte Insiderkenntnisse. Er hat die richtigen Kontakte, weiß, wen man fragen kann, wo man was bekommt und wer die besten Leistungen bringt. Seine Informationen gibt er gerne und selbstlos weiter, seine Quellen behält er allerdings meistens für sich.

So erkennen Sie den Informanten:

Er spricht leise, aber deutlich. In der Regel verschleudert er sein Wissen nicht an größere Gruppen, sondern gibt sie unter vier Augen weiter. Gesellt sich jemand dazu, verstummt er zunächst, bis er weiß, ob seine Informationen auf einen Würdigen treffen.

Das sollten Sie vermeiden:

Drängen Sie sich nicht auf. Warten Sie, bis er Zeit findet, sich mit Ihnen zu unterhalten. Fragen Sie präzise und nicht zu ausschweifend, aber insistieren Sie nicht. Was er Ihnen mitteilen will, wird er schon sagen.

5. Der Freak

Auf jedem Netzwerktreffen gibt es mindestens einen Freak. Er kommt im Hawaiihemd, wo die anderen grauen Einheitslook tragen. Er hat einen Ohrring und/oder lange Haare. Selten ist er gründlich rasiert. Was er beruflich macht, wird oft nicht ganz klar. Es könnte ein Hausmeisterjob sein, ein Begleitservice für betuchte Damen – oder auch beides. Nach eigenem Bekunden hat er sich meistens mindestens zwei Jahre als Straßenmusiker durchgeschlagen. Der Freak macht das Treffen bunt und setzt einen interessanten Kontrapunkt zu den ITlern und Rechtsanwälten im Anzug. Die Anekdoten aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz sind mindestens so gut wie die des Entertainers. Im Gegensatz zu diesem kann der Freak aber auch richtig gut zuhören.

So erkennen Sie den Freak:

An den vielen gut aussehenden Frauen, die ihn umlagern. (Was übrigens die anwesenden Anzugträger besonders aufgrund seiner unzulässigen Kleidung und seines schon schütteren Haarwuchses regelmäßig mit Verwunderung erfüllt.)

Das sollten Sie vermeiden:

Eigentlich nichts. Wenn Sie ihn nicht gerade offen beleidigen, können Sie kaum etwas falsch machen. Er hat für alles Verständnis. Seien Sie einfach Sie selbst – ganz entspannt im Hier und Jetzt.

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  12 comments for “5 Typen, die jedes Netzwerktreffen bereichern

  1. 29. Oktober 2009 at 18:50

    Mist – schon wieder nicht dabei.

  2. Kerstin Hoffmann
    29. Oktober 2009 at 20:18

    Welcher Typ wärest du denn gewesen? Soll ich noch einen für dich erfinden? Die Liste ist ja nicht erschöpfend. Welchen hättest du denn gerne? Der Gesellige? Der Sympath? Der Zitierer? Der Aufmerksame? Der Bescheidwisser? Der Dienstbare? – Oder würdest du dich lieber in einer Ergänzung zur Negativliste wiederfinden? ;)

  3. 29. Oktober 2009 at 20:37

    Ich frage mich bei deinen Positv- und Negativlisten auch immer, in welche Kategorie du mich wohl schieben würdest…

    Veröffentliche doch mal eine Liste deiner Kontakte mit deiner Zuordnung zu den Kategorien des jeweiligen Artikels. Ist bestimmt lustig – oder nicht (-;

    Ansonsten mal wieder ein sehr kurzweiliger und lesenswerter Artikel!

  4. Kerstin Hoffmann
    29. Oktober 2009 at 22:10

    Danke für das Feedback. Schön, dass es dir gefällt.

    Ja, das wäre bestimmt sehr lustig mit der Liste, aber nur genau einmal. Dann müsste ich in eine Parallelwelt auswandern, in der es kein Internet gibt, und da braucht dann bestimmt auch niemand PR.

  5. 30. Oktober 2009 at 11:51

    …hallo Frau Hoffmann,

    immer wieder lohnend, hier vorbeizuschauen. Schöne Reihe.

    Beste Grüße, Volker Remy

  6. Kerstin Hoffmann
    30. Oktober 2009 at 11:59

    :)

  7. 30. Oktober 2009 at 12:15

    —>Oder würdest du dich lieber in einer Ergänzung
    —>zur Negativliste wiederfinden?

    Naja, nach meiner Einschätzung habe ich ja aus beiden etwas anzubieten… ;-)

    Aber ich befürchte, das geht uns allen so.

  8. Kerstin Hoffmann
    30. Oktober 2009 at 12:27

    Einfach nicht so ernst nehmen. ;)

  9. 30. Oktober 2009 at 12:51

    Herzlichen Glückwunsch

    Ich finde Sie haben mit beiden Beiträgen den Nagel auf dem Kopf getroffen.

    Sorry für alle, die Nagel heißen.

    Herzliche Grüße
    Wolfgang Uhr

  10. Jeff Smart
    30. Oktober 2009 at 13:48

    Hallo Frau Hoffmann,

    ich habe mir gerade Ihre Artikel “5 Typen, die jedes Netzwerktreffen
    bereichern” durchgelesen, nicht ohne ein gewisses Schmunzeln. Ich war
    bisher nur auf einen einzigen Netzwerktreffen aber dieses hatte es in
    sich. Drei von fünf Ihrer Charactertypen habe ich dort auf jeden Fall
    getroffen.

    Der erfolgreiche Unternehmer. Um genau zu sein: Es war eine ganze Unternehmerfamilie dort. Nun gut, der Sproß dieser Unternehmerfamilie wurde auch auf diesem Treffen ausgezeichnet, was ich aber im Vorfeld nicht wußte. Er trat in seinem unglaublich teurer ausehenden Anzug an mich herran und fragte: “Und Sie sind der Sohn des Laudators?” Und ich: “Äh? Was? Nein, ich bin Student, mehr nicht.” Und er “Aha, aha…”, um sich dann weiteren Gesprächspartner zuzuwenden”

    Den Entertainer gab es ebenfalls. Er war in Person von Jean Pütz anwesend. Ihn traf ich am Buffet und wir sprachen über Spagelsuppe, die ihn irgendwie an seine Kindheit erinnerte.

    Der Freak im postiven Sinne, war auch anwensend. Er war glaube ich Bildhauer, und das mit den Frauen stimmt, die haben ihn umlagert.

    Tja, es gibt schlechteres: Zum Beispiel von jemanden zugetextet zu werden, der auf der Suche nach Mitstreitern für sein Projekt ist, an dem man selbst aber keinerlei Interesse hat.

    Insgesamt war es aber ein schön/schräger Abend. Netzwerktreffen können ganz schön lustig sein, zumindest dann, wenn man im Vorfeld nichts von Ihnen erwartet :D

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