Zugegeben, das Wortspiel ist nicht sehr neu – aber so drastisch wie ein Kollege wollte ich dann doch nicht gleich in der Überschrift werden. Dieser Kollege, leitender Angestellter bei einer großen Kommunikationsberatung, für die ich mal gearbeitet habe, und ansonsten ein sehr gebildeter, sich gewählt ausdrückender Mensch… dieser Kollege also hatte ein einfaches Patentrezept gegen Patzer, Peinlichkeiten und Fehler in der PR: “Einfach mal die Fresse halten.” Ich bin mir nicht sicher, ob er das seinen Kunden wörtlich auch so gesagt hat. Aber es ist auf jeden Fall ein Satz, der mir in letzter Zeit oft in den Sinn kommt.
Dann nämlich, wenn Menschen über ihren für alle sichtbaren Twitter-Stream irgendwelche Privatdialoge abwickeln, denen sonst keiner folgen kann.
Wenn Personen auf Facebook meine Postings mit wertlosen Worthülsen kommentieren, nur um auf sich aufmerksam zu machen.
Wenn in einer Mailingliste, in der es ausschließlich um fachliche Themen gehen soll, wieder einmal eine Pressemitteilung zu einem völlig fachfremden Event oder Meinungsbekundungen über Politiker gepostet werden.
Wenn ich, die niemals Rotwein trinkt, in Fangruppen auf XING für irgendeinen Bordeaux eingeladen werde.
Wenn mich nur flüchtig Bekannte zu Ausstellungen in, sagen wir, Bad Vilbel, einladen (Ist bestimmt schön da – aber wo liegt das?).
Wenn berufliche Kontakte mir plötzlich wirre Zusammenstellungen zu irgendwelchen privaten Themen zusenden. (Besonders beliebt dieser Tage: “Schweinegrippe – gibt’s die wirklich?”)
Wenn sich in der Fragerunde nach einem Vortrag jemand als selbst ernannter Co-Referent in irgendwelchen länglichen Ergänzungen zum Thema ergeht, während andere dann auf ihren echten Fragen sitzen bleiben.
Wenn ich schlecht formulierte Pressemitteilungen zu völlig belanglosen Themen sehe. (“Möchten wir Sie zu einer internationalen Pressekonferenz anlässlich der Auslegung neuen Teppichbodens in der Ausweich-Personaltoilette im Dachgeschoss unserer Lagerräume einladen.”)
Wortmüll, Datenschrott, Aufmerksamkeitsfresser: Alles schlechte PR und schädlich für das Image. Niemand würde auf einer Party bleiben, auf der alle pausenlos Belangloses plappern. Gute PR besteht aus hochwertigem Content und sorgfältig ausgewählten, gezielten Informationen.Das ist schon die halbe Miete für erfolgreiche Kommunikation und wertvoller als manch teure Anzeigenkampagne.
Dennoch ertappe ich mich zuweilen selbst dabei, wie ich unreflektiert mehr Output produziere, als nötig wäre. Wenn alle ein bisschen nachdenken, ehe sie den Mund aufmachen oder auf den “Senden”-Button drücken, wären die Datenströme inhaltsreicher, die Mailprogramme weniger überfrachtet.
Neulich habe ich hier im PR-Zen schon einmal zur Netzwerk-Hygiene aufgerufen. Heute beziehe ich mich gezielt auf Output in jeder Form.
Deswegen rege ich in dieser Woche dazu an, einmal wirklich bei jeder digitalen Aussendung und ebenso wie vor mündlichen Beiträgen, Wortmeldungen und Ähnlichem darüber nachzudenken, ob sie in dieser Form, Länge und auf diesem Kanal sinnvoll und notwendig sind.
Müssen das wirklich alle wissen? Ist das Wortspiel tatsächlich so witzig, dass ich es im gesamten Netz verbreiten muss? Ist jenes Ereignis objektiv ein Anlass für eine Pressemitteilung? – Beobachten Sie auch einfach mal, was Sie bei Nachrichten von anderen eher als lästig empfinden. Dann kommen Sie schnell darauf, was Sie selbst lassen könnten… Viel Spaß dabei!
Eine Woche, eine Aktion, maximal eine halbe Stunde täglich (hier ist die Idee des PR-Zen ausführlich erläutert). Wenn Sie sie fünf Arbeitstage lang konsequent durchziehen, werden Sie bereits deutliche Effekte bemerken. Natürlich muss das nicht die aktuelle Woche sein, wenn es gerade nicht passt. Die Beiträge bleiben ja hier stehen. Wichtig: eine Aktion pro Woche, diese aber voll und ganz!













Ich werde auch nur sehr ungern Opfer von Streuverlusten, aber bei einigen Angelegenheiten wäre ich nicht so streng – denn eine private Nutzung vieler der genannten Medien finde ich absolut legitim.
Bei Twitter oder Facebook zum Beispiel nervt mich eher der nölfunddrölfzigste Link zu “Nur so udn nicht anders machen Sie’s richtig: 1.000 Regeln für die superdupererfolgreiche Nutzung von Social Media”, da finde ich einen persönlichen Austausch sogar aufschlussreicher, denn Netzwerken funktioniert ja nicht nur über Kompetenzkompetenz, sondern auch über die Chemie zwischen den Menschen, Sympathien sind da sicher ähnlich entscheidend.
Abgesehen davon wünsche ich mir auch eine rauschfreiere kommunikative Umgebung …
>nölfunddrölfzigste Link zu “Nur so udn nicht anders machen Sie’s richtig: 1.000 Regeln für die
>superdupererfolgreiche Nutzung von Social Media”
Ha! Warte auf übermorgen. Da kommt hier wieder sowas!
Oje, das war nicht persönlich gemeint …
1.000 Tipps, wirklich? Ich bin gespannt.
Nein, nur fünf. Dafür aber Donnerstag nochmal fünf weitere. Ich bin für kurze Listen.
Uups, ich fühle mich auch erwischt, habe ich mich doch gerade heute in meiner Kommunikation bei Twitter ein wenig gehen lassen… ich habe mir sogar Gedanken darüber gemacht, ob ich es nicht übertrieben habe.
Die Frage ist doch: Schaffe ich es, mehrere hundert Follower mit meinen Tweets anzusprechen? Mein Bestreben ist es natürlich (muss es ja auch sein..), hier und da lasse ich mich dann aber eben ein wenig gehen, gerade in kurzen persönlichen Dialogen, die ich trotzdem vor mir selbst rechtfertigen kann.
Dass eine Vielzahl der Follower mit solcherlei Konversation nichts anzufangen weiß, nehme ich dann ungern, aber billigend in Kauf. Aber ich übe ja auch noch!
Oliver
Jeder hat halt seine eigene Strategie, und das ist ja auch nichts Statisches. Wichtig ist aus meiner Sicht, ein gewisses Bewusstsein zu haben und das zu reflektieren, was man tur.