Warum ich Ihnen (nicht) auf Twitter folge

24. Juli 2009

Niemand weiß, wie sich das Microblogging weiter entwickeln wird. Auf jeden Fall ist Twitter* eine sehr spannende Sache, und ich beziehe es längst in Kommunikationskonzepte für Unternehmen mit ein. Nicht für alle ist es geeignet, aber für viel mehr als die meisten annehmen. In den letzten Wochen habe ich einmal mein eigenes Twitter-Verhalten genauer beobachtet und dabei auch auf meine eigenen spontanen und intuitiven Reaktionen geachtet. Folgendes ist dabei herausgekommen:

Wozu ich Twitter hauptsächlich nutze

a. Input: Ich schaue eher sporadisch in die Tweets meines Netzwerkes, die ich über Twhirl abrufe. Vor allem zwischen zwei Projekten, zwischen zwei Terminen oder wenn es in meinem Büro gerade mal etwas ruhiger ist. Interessant finde ich Neuigkeiten von meinen Netzwerkpartnern. Ich finde auch viele sehr interessante Links zu Beiträgen, die mich interessieren. Wieweit mich irgendwelche persönlichen Verlautbarungen (“Fahre U-Bahn”) interessieren, hängt stark von der Person des Twitterers ab und wie sehr ich mich ihr persönlich verbunden fühle. Eher ablehnend reagiere ich auf direkte Produkt- und Firmenwerbung.

b. Output: Meine eigenen Tweets sind zum größten Teil Hinweise auf eigene Blog-Beiträge und Veröffentlichungen. Zu mehr fehlt mir oft die Zeit. Ich gebe zudem so oft wie möglich interessante Links weiter. Mit witzigen Bemerkungen oder Befindlichkeitsäußerungen habe ich weitestgehend aufgehört. Je mehr Leuten ich selbst folge und je lauter daher das Rauschen im Hintergrund wird, desto bewusster versuche ich, mich auf das Wesentliche zu beschränken. Auf das, was meinen Followern wirklich Nutzen und Erkenntnisgewinn bringt.

Wie intensiv ich Twitter nutze

Das Microblogging ist für mich eher so eine Art Zusatz-Kommunikationskanal. Mein Hauptfokus liegt auf meinem Blog und vor allem auf dem realen Netzwerken. Daher betreibe ich es eher ziemlich entspannt nebenbei. Mit anderen Worten: Ich kenne mich mit dem Tool ganz gut aus, schöpfe aber lange nicht alle Möglichkeiten aus. Das ist einfach eine Frage der Zeit und der Effizienz. Zur Zeit habe ich rund 550 Follower und folge meinerseits 330 Leuten. Ich bin in einigen Twitter-Verzeichnissen eingetragen, aber weder bemühe ich mich besonders aktiv um neue Follower noch nutze ich irgendwelche Angebote um das zu forcieren. Zwei bis acht neue Follower kommen im Schnitt täglich von selbst hinzu. Mit den meisten Leuten, die ich für wichtig und entscheidend halte, bin ich längst vernetzt. Allerdings entdecke ich durch andere, die mir neu folgen, auch immer wieder interessante neue Twitterer. Zudem tragen sich zunehmend Menschen, mit denen ich über andere Kanäle bereits vernetzt bin, bei Twitter ein. Ich folge aber längst nicht allen zurück, die mich hinzufügen.

Wem ich zurück folge, wem nicht – und warum

Gelegentlich füge ich interessante Twitter-Accounts zu meiner Follow-Liste hinzu, die ich woanders gefunden habe: in einem Blog, in einem Social-Media-Profil oder in einer Mail-Signatur. Gelegentlich schaue ich mir an, wem andere relevante Personen folgen. Hauptsächlich werde ich auf weitere Twitterer aufmerksam, weil sie mir neu folgen. Damit die relevanten und interessanten Informationen und die Tweets der Menschen, die mir wichtig sind, nicht in zu viel Nichtssagendem oder sogar Twitter-Spam untergehen, verwende ich relativ viel Zeit damit auszuwählen, wem ich zurück folge. Dennoch entscheide ich meistens spontan und intuitiv anhand einiger gestaffelter Kriterien. Das läuft etwa so ab: Ich bekomme eine Mail über einen neuen Follower und sehe

1. den Namen

Reale Personen interessieren mich deutlich mehr als irgendwelche Fantasienamen. Pseudonyme müssen schon sehr interessant oder kreativ erdacht sein, damit sie mein weiteres Interesse wecken. Wenn dort steht “wszgwyz324 is now following your updates on Twitter” lässt mich das eher kalt. Als nächstes sehe ich dann in der Mail

2. die Zahl der Follower

Wenn jemand 1075 Personen folgt, aber nur 228 Follower hat, ist eigentlich schon klar: Hier stimmt was nicht. Fällt in der Regel gleich durchs Raster. Hat jemand dagegen mehr Follower als er selbst folgt, wird er für mich deutlich interessanter. Das muss ja einen Grund haben. Ausnahmen sind übrigens Menschen, die ich persönlich kenne und schätze. Denen folge ich so gut wie immer zurück. Als nächstes fällt mein Blick auf

3. das Foto

Ein sympathisches, aussagekräftiges Foto kann schon einmal ein paar hundert ‘fehlende’ Follower kompensieren. Es führt auf jeden Fall dazu, dass ich mirdas Profil einmal anschaue – und dann erst über “Follow” oder ignorieren entscheide. Bin ich einmal auf dem Profil angelangt, schaue ich auf

4. die aktuellsten Beiträge

Was in den letzten drei bis fünf Tweets steht, entscheidet meistens über “Hopp” oder “Topp”. Ein schneller Blick sagt sofort “interessante Informationen” oder “belangloses Gesülze”. Oft klicke ich einen oder zwei Links an, um zu sehen, ob dort Spannendes wartet. Finde ich auf den ersten Blick nichts, was mich anspricht, bin ich gleich wieder weg. Dabei müssen die Tweets noch nicht einmal langweilig oder nichtssagend sein. Entscheidend ist, ob sich dort Dinge finden, die beruflich für mich relevant sind oder sonstwie meine Interessen bedienen.

Wen ich hinauswerfe

Ist jemand einmal in meiner Follow-Liste, dann bleibt er dort nicht unbedingt für immer. Gelegentlich werfe ich auch Twitterer wieder heraus. Das braucht niemand persönlich zu nehmen. Es sind nicht immer Qualitätskriterien, die entscheiden, sondern größtenteils: Wie relevant ist das Geschriebene für meine Interessen?

Schneller draußen als drinnen sind solche Twitterer, die Unflätiges von sich geben, Twitter-Spam posten oder mit ellenlang Nichtssagendem nerven. Plumpe Werbebotschaften sind ebenfalls ein Hinauswurf-Kriterium. Ebenso wie irreführende Links, die Information oder Mehrwert versprechen und dann auf Zweifelhaftem oder auf Eigenwerbung landen.

Ebenfalls fliegt sofort aus meiner Follow-Liste – und zugleich auch aus allen anderen Vernetzungen, etwa bei XING oder Facebook -, wer mir nicht bestellte Newsletter oder sogar Massenmails mit offenem Verteiler schickt. Rigoros und kommentarlos.

Wen ich blocke

Selten greife ich zum Blocken eines Followers. Das heißt: Er kann mir nicht mehr folgen und meine Tweets nicht abonnieren. Was nicht heißt, dass er sie nicht sehen könnte. Er braucht ja nur auf meine öffentliche Twitter-Seite zu gehen. Aber ich tauche jedenfalls nicht mehr in seiner Follow-Liste auf und er kann mich nicht erneut hinzufügen. Dazu gehören Spammer und Nerver, Follower mit eindeutig pornografischen oder verhetzenden Inhalten und dergleichen.

Ebenfalls geblockt werden Twitterer, die sich offensichtlich nicht an die Netiquette halten. Beispielsweise habe ich in letzter Zeit alle paar Tage eine Mail erhalten “XY is now following you on Twitter”, immer mit derselben Person. Da hat mich absichtlich jemand wiederholt von seiner Follow-Liste genommen um mir erneut folgen zu können, offensichtlich in der Hoffnung, dass ich irgendwann doch zurück folge. “Man merkt die Absicht und ist verstimmt”, um mit Karlsson vom Dach zu sprechen. Keine kluge Strategie. Kein guter Netzwerker.

Was ich daraus folgere

Was ich herausgefunden habe, zeigt mir einmal mehr, wie sehr auch professionelles Netzwerkverhalten spontan und intuitiv gesteuert ist. Es belegt einmal mehr, dass auch Online-Verhalten sich an ungeschriebenen zwischenmenschlichen Gesetzen orientiert. – Beobachten Sie doch einfach mal bei sich selbst genau, was Sie anzieht und was Sie abstößt. Was Sie nervt und was Sie als unterstützend empfinden. Ob Sie sich online genauso verhalten, wie Sie es von anderen erwarten – ob bei Twitter oder auf anderen Plattformen.

* Wenn Sie Twitter noch nicht oder nicht gut kennen, empfehle ich das sehr informative Blog zum Buch “Mit 140 Zeichen” von Nicole Simon.

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2 Antworten auf Warum ich Ihnen (nicht) auf Twitter folge

  1. Martin Herget on 7. September 2009 at 21:00

    Danke für den interessanten Beitrag zum Thema Folgen. Ich bevorzuge es auch den Mensch, der hinter dem Tweet steht zu sehen.

    Lieben Gruß aus Wien
    Martin Herget

  2. [...] Sehr interessant, wenn auch nicht unbedingt gleicher Meinung wie ich fand ich zudem den Blog von Kerstin Hoffmann unter http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2009/07/24/warum-ich-ihnen-nicht-auf-twitter-folge/ [...]

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