Wenn man Leute fragt, was das Kostbarste in ihrem Leben ist, werden die meisten nicht als erstes ihr Haus, ihre Yacht oder ihren ererbten Schmuck nennen. Den meisten sind die Menschen in ihrem engsten Umfeld am kostbarsten: Kernfamilie, Verwandte, Freunde. Aus meiner Sicht ist jeder Mensch einmalig und kostbar, und so gehe ich auch mit jedem einzelnen Kontakt in meinem Netzwerk um: individuell, sorgfältig und behutsam.
Viele verwechseln ihre Einträge in Online-Netzwerken – so genannten Social Media – mit Netzwerken. Netzwerken ist weit mehr. Social Media können es allenfalls erleichtern und unterstützen. Sie sind ein guter Weg, um leicht und schnell mögliche Netzwerkpartner zu finden und anzusprechen. Aber auch die Kontakte aus solchen Social Media sollten nach den gleichen Grundsätzen gepflegt werden wie Kontakte, die aus dem realen Leben entstanden sind.
Folgende Grundsätze können dabei helfen:
- Wertschätzend kommunizieren und auf Kontaktanfragen antworten. Wer sich im Internet darstellt, sollte auch damit rechnen, dass andere auf ihn zugehen. Manche antworten auf Anfragen von Unbekannten ungefähr so: “Vielen Dank, aber ich vernetze mich nur mit Menschen, die ich persönlich kenne.” Welche Strategie jeder hat, ist ihm selbst überlassen. Eine Entschuldigung für Unhöflichkeit ist sie nie.
- Eigenen Output selektieren. Einige betrachten Social Media wie XING oder LinkedIn als Adressbuch, andere als Verzeichnis ihrer persönlichen Bekannten und direkten Kollegen, wieder andere als sich selbst aktualisierenden, kostenlosen Verteiler. Egal,welches Ihre Strategie ist: Überlegen Sie genau, wem Sie welche Informationen zukommen lassen und was für jeden einzelnen hilfreich ist. Selbst bei Tausenden von Kontakten ist das Gießkannen-Prinzip nicht angebracht. Plattformen wie XING haben komfortable Funktionen mit Tags (Schlagworten), die bei der Auswahl in jedem Einzelfall helfen.
- Kontakte sorgfältig pflegen. Gerade bei Netzwerk-Profis mit vielen tausend Kontakten werden Sie erleben, dass diese auf Anfragen sehr persönlich und individuell antworten – oft sogar mit einer Mail oder einem Anruf. Wenn es für beide Seiten lohnt, werden sie oft bereit sein, sich mit Ihnen persönlich zu treffen, den Dialog auszubauen oder fortzusetzen. Wie schaffen sie das? Mit Wertschätzung für das Kontaktnetz und für jeden einzelnen und vor allem, indem sie effizient netzwerken. Ausformuliert oder implizit haben sie gewisse Grundsätze dazu, was sich lohnt und was nicht. Dabei haben sie immer den Nutzen beider Seiten im Blick. Daher brauchen sie von solchen Menschen auf keinen Datenmüll zu befürchten. Denn:
- Netzwerken ist keine Akquise. Dass jemand Ihnen seine Kontaktdaten freigibt, heißt nicht, dass er Ihnen die Lizenz zum Werben erteilt. Wenn jemand mir eine Kontaktanfrage schickt und dann als nächste Nachricht seine Dienste anpreist oder mich ungefragt mit Newslettern bombardiert – ist er gleich wieder raus.
Kürzlich habe ich den Begriff “Social Spam” gelesen. Das trifft genau das, was viele in Netzwerken tun – statt zu netzwerken. Wenn mich jemand in seine Kontakte nimmt, erwarte ich, dass er sich überlegt, was interessant für mich ist. Dass er mich nicht bloß kontaktiert hat, um mich als Adressaten für Reklame zu missbrauchen. Dass er den Kontakt wertschätzt und sorgfältig pflegt. – Ich habe auch keine Zeit, jeden meiner Kontakte jede Woche persönlich anzurufen oder anzumailen. Aber wenn ich ihnen nichts mitzuteilen habe, lasse ich sie wenigstens in Ruhe.
Ich will gar nicht ausschließen, dass schon einmal jemand eine Termineinladung bekommt, die er nicht gebrauchen kann. Aber er kann zumindest davon ausgehen, dass ich mir überlegt habe, warum ich sie ihm schicke. Ich hoffe, dass er es mir mitteilt, wenn ich falsch lag.
Mittlerweile bin ich rigoros: Wer mir ungefragt einen Newsletter schickt oder – wie kürzlich passiert – sogar irgendwelche Massenmails mit offenem Verteiler, fliegt direkt und kommentarlos aus meinen Kontakten.
Man kann gut unterscheiden, wer aus Unwissen handelt und wer aus purem Eigennutz. Wer mich über Netzwerke mit Reklame zutextet, bekommt eine freundliche, aber bestimmte Antwort, dass ich das nicht wünsche. Beim zweiten Mal ist er auch raus.
Wer mich fortgesetzt zu Terminen einlädt, die erkennbar nichts mit mir und meinen Interessen zu tun haben, signalisiert mir: “Ich wertschätze dich nicht als Person. Für mich bist du nur eine Nummer in meiner Liste.” Zack, raus damit.
Ich investiere viel Zeit in mein Netzwerk. Es ist das Kostbarste, was ich habe. Privat und für meinen Beruf.
Wie sehen Sie das? Wie gehen Sie mit Kontakten um? Wie rigoros sind Sie mit “Social Spammern”?













Sehr schön auf den Punkt gebracht – ich sehe das genau wie Sie. Netzwerke funktionieren, wenn die Beteiligten davon profitieren. Im Einzelfall spielt sich das meist zwischen zwei Personen ab.
Networking ist auch eine Investition von Zeit. Z.B. darin, für einen Kontakt relevante Informationen zu liefern. Das geht nicht in Form von Massenmails.
Freundliche Grüße
Markus Selders
Hallo Frau Dr. Hoffmann,
Sie sprechen auch mir aus dem Herzen.
Netzwerke – seien sie virtuell oder persönlich oder beides – funktionieren nur, wenn eine Win-Win-Situation gegeben ist, wie es auf Neudeutsch heißt.
Was für mich aber nicht bedeutet, dass ich erst dann ‘auf Suche nach Kontakten’ gehe, wenn ich einen aktuellen Handlungsbedarf habe, sondern ich vielmehr im Einzelfall auf bestehende Kontakte zurückgreife, die vielleicht auch schon länger lose bestehen und nicht regelmäßig gepflegt wurden.
Dann frage ich aber natürlich individuell und persönlich nach.
‘Social Spammer’ und Massenmail-Versender fliegen auch bei mir rigoros raus. Hier sehe ich in der virtuellen Welt einen Vorteil zu den Postwurfsendungen. Ich muss nicht wegwerfen, ich kann im Vorfeld schon selektieren.
Herzliche Grüße
Thomas Schuster