“XING funktioniert bei mir nicht!”

28. April 2009

xing-logo… ist eine Aussage, die ich gerade kürzlich wieder gehört habe – und die mich immer wieder aufs Neue verwundert. Menschen tragen sich auf Netzwerk-Plattformen ein und warten, dass jetzt von selbst etwas passiert. Nach einer Weile wundern sie sich. Warum geschieht weiter nichts? Warum kommen keine Anfragen? Warum gehen die Umsätze nicht hoch?

Dabei ist die oben genannte Aussage nach meiner Ansicht ungefähr so sinnvoll wie: “Mein Telefon bringt mir keine Aufträge.” Social Media – also Netzwerke im Internet, von denen XING in Deutschland zu den bekanntesten gehört – sind Tools, Werkzeuge, die für verschiedene Zwecke genutzt werden können. Aber: Netzwerken, auch über XING, ist kein schneller Weg zu irgendwelchen Zielen. Wer im realen Leben nicht netzwerkt und den Austausch mit anderen pflegt, der wird höchstwahrscheinlich auch mit Networking-Plattformen im Internet nicht glücklich werden. Einige Tipps:

Die Frage “Was bringt mir XING?” ist schlicht nicht zielführend. Um einen alten Spruch abzuwandeln: “Frage nicht, was dein Netzwerk für dich tun kann. Frage dich, was du für dein Netzwerk tun kannst.”

Bringen Sie andere zusammen. Ich nutze XING, um Menschen einander vorzustellen, die für einander nützlich und hilfreich sein könnten. Ich denke dabei in erster Linie darüber nach, was dem Betreffenden am meisten hilft und nicht darüber, was es mir bringt.

Was ich in meinem Netzwerk nicht tue: Offensichtlich akquirieren. Allerdings ist das ein Balanceakt. Denn die anderen sollen ja schon erfahren, was ich anbiete und wie sie davon profitieren können. Ich versuche daher, eine gesunde Mischung zu finden.

Was beim Netzwerken nicht funktioniert: Verdeckte Vorhaben. Bitten Sie nicht jemanden um Feedback, dem Sie in Wirklichkeit etwas verkaufen wollen. Fragen Sie nicht nach Unterstützung bei der Bewerbung, wenn Sie in Wirklichkeit hoffen, dass derjenige Ihnen einen Job gibt.

Nehmen Sie nicht mehr Zeit in Anspruch, als Sie erbeten haben. Wenn Sie einen Termin für ein halbstündiges Gespräch haben, gehen Sie spätestens nach 35 Minuten

Was Sie immer tun können: Nach weiteren Ratgebern fragen. Fast jeder empfiehlt gerne andere, und wenn er Ihnen nicht weiterhelfen kann, weiß er vielleicht jemanden, der das kann.

Interessieren Sie sich für andere Menschen? Wenn Ihnen das XING-Treffen oder das Telefonat mit einem Netzwerkpartner eine lästige Pflicht ist, dann sollten Sie in der Zeit lieber Kaltakquise machen – oder sich gleich Ihren Hobbys widmen.

Nicht aufopfern: Netzwerken hat nichts mit Helfersyndrom, kostenlosen Dienstleistungen und ständiger Unterstützung anderer zu tun. Es ist ein gesundes Geben und Nehmen.

Das zentrale Paradoxon des Netzwerkens: Je selbstloser es geschieht, desto mehr nützt es einem selbst.

  • del.icio.us
  • FriendFeed
  • MisterWong.DE
  • StumbleUpon
  • Reddit
  • Diigo
  • Tumblr
  • RSS
  • Netvibes

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

Der Klick als sozialer Kitt
Du bist kein Soziales Netzwerk!
Social ist ein Deal ist ein Deal ist ein Deal

Schlagwörter: , , , ,

7 Antworten auf “XING funktioniert bei mir nicht!”

  1. christoph am 28. April 2009 um 09:31

    …wobei es natürlich einigen Nutzen über die Akquise hinaus gibt. Zum Beispiel ist XING einfach eine praktische Kontakte-Datenbank, die man von überall aufrufen kann. Ein großes Adressbuch, das auch die Verbindungen von Kontakten untereinander zeigt, wer bei welcher Firma arbeitet, ob man gemeinsame Bekannte hat…

    Die “Vorstellen”-Funktion nutze ich dagegen nie und lehne sogar manchmal anderer Leute Vorstellung ab. Ich will per definitionem keine Kontakte nur “übers Internet” kennenlernen. Ich brauche zuerst “im richtigen Leben” einen Beweis, daß sie was können und sympathisch sind. Darauf aufbauend kann man sich dann auf XING vernetzen.

  2. Kerstin Hoffmann am 28. April 2009 um 09:34

    Mit dem ersten hast du vollkommen Recht. Auf verschiedene XING-Funktionen werde ich in einem weiteren Beitrag noch eingehen.

  3. connymaniac am 29. April 2009 um 09:31

    Der Artikel spricht mir aus der Seele. Das sind genau die Leute, die auf eine Party gehen, den ganzen Abend an einem Drink nuckelnd in der Ecke stehen und dann sagen “Das war ein ganz lahmes Event, da geh’ ich nicht mehr hin”.

    Interaktionsversager, die nicht verstehen, dass man auf Andere zugehen muss, um wahrgenommen zu werden und Ihr Unvermögen hinter “Da mag mich keiner…” verstecken.

    Ich liebe networken, egal ob on- oder offline. Ich stelle (z.B. auf XING) Leute einander vor, schicke Leute via einen Bekannten in L.A. (z.B. über Skype) in London zu einem Vorstellungstermin, habe schon (z.B. über XING) auf mein Profil hin Jobangebote bekommen, gratuliere (über alle möglichen Kanäle) zum Geburtstag und freue mich immer wieder, die Leute auch live kennenzulernen bzw. wiederzusehen.

    Dabei weiß ich aber, daß in den meisten Fällen ich “anfangen” muß. Aber irgendwann läuft’s dafür dann auch fast “von selbst”.

  4. Kerstin Hoffmann am 29. April 2009 um 11:05

    Sehr schön, danke für den Beitrag! :)

  5. Christian Henner-Fehr am 3. Mai 2009 um 19:42

    Ein “Fehler”, den ich in Netzwerken wie Xing häufig beobachte: Menschen, die sich dort registrieren, suchen vor allem Anschluss an ihresgleichen. Dabei gilt im Sinne von Innovation (und wahrscheinlich auch, was die Aufträge angeht): entferntere Relationen im Netzwerk bringen mehr Optionen, Informationen oder Chancen als nahe.

    Oder glaubt wirklich jemand, wenn wir bei den Aufträgen bleiben, dass z.B. Künstler andere Künstler berauftragen? Oder eine PR-Agentur die andere?

  6. Kerstin Hoffmann am 5. Mai 2009 um 10:45

    Das sehe ich ein bisschen anders. Natürlich macht es besonders Sinn, sich mit Menschen zu vernetzen, die eine ähnliche Zielgruppe aber ein anderes Portfolio haben. Aber in letzter Zeit bekomme ich öfter mal Aufträge von “Mitbewerbern”, die gerade eine Auftragsspitze haben – und vergebe umgekehrt auch welche, wenn ich mit meinen Inhouse-Kapazitäten nicht auskomme. Insofern ist aus meiner Sicht beides wichtig.

  7. David am 14. Mai 2009 um 14:14

    Danke für den schönen Beitrag.
    Dahinter steckt ja auch ein grundsätzliches Problem: Geschäftsleute setzen ein Profil auf oder schalten irgendwo in einer Zeitung eine Anzeige und warten darauf, dass die Kunden einem die Tür einrennen. Die Leute müssen meiner Meinung nach mal merken, dass es so einfach nicht mehr funktioniert. In jeder Branche gibt es mittlerweile eine so starke Konkurrenz, dass es das PR- und Marketing-”Allheilmittel” einfach nicht mehr gibt. Da heißt es sich auf den Hosenboden setzen und arbeiten – für jeden einzelnen Kunden.
    :-)
    Beste Grüße, David

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *




Alle Beiträge