Über das Best-Practice-Blog bin ich auf einem Beitrag von Joachim Rumohr gelandet: “23 Minuten XING am Tag“. Alles keine Geheimnisse, aber sehr gute Tipps, um die eigenen XING-Aktivitäten effizient auf den Punkt zu bringen. Übrigens ist die beschriebene Strategie ziemlich genau das, was ich auch auf XING mache.
Allerdings, und hier kommt der springende Punkt, den die meisten übersehen: Meines Erachtens funktioniert XING für sich genommen überhaupt nicht. Es ist dann – und nur dann! – ein großartiges Werkzeug, wenn man das Netzwerken an sich begriffen hat und sowieso praktiziert. Das ist auch der Grund dafür, warum einige sagen: “Von XING bin ich sehr enttäuscht, es hat mir überhaupt nichts gebracht.” und die anderen darüber einen Auftrag nach dem anderen generieren.
Die letzteren sind eben gute Akquisiteure und Netzwerker, und für sie ist XING ein Tool, das dabei etliche Abläufe und Vorgänge vereinfacht. Früher habe ich beispielsweise von bestehenden Kontakten neue Ansprechpartner und Telefonnummern bekommen und so mein Netzwerk erweitert. Das ist auch heute noch so, aber über XING läuft es oft einfacher.
Kürzlich hat beispielsweise ein Unternehmensberater, den ich auf einem Seminar kennengelernt habe, mir einen Kollegen zum Kontakt und Austausch empfohlen – und mich ihm. Zunächst hat dieser mich angerufen, aber über XING hatten wir dann sofort alle Kontaktdaten.
Zudem bietet mir das Portal gute Möglichkeiten, mich fachlich zu positionieren – mit Beiträgen in Gruppen. Ich finde viel leichter mögliche Kooperationspartner oder auch Kunden, oder diese mich. Aber wenn einmal der Kontakt da ist, suche ich ziemlich sofort den Austausch auf persönlicher Ebene. XING ist dann nicht viel mehr als eine Datenbank für alle diese Kontakte.
Daher halte ich auch überhaupt nichts von einer virtuellen Vernetzung, ohne dass ein persönlicher Bezug vorhanden ist. Solche Anfragen bekomme ich – wie die meisten – natürlich sehr häufig. Meine Antwort lautet dann ziemlich standardmäßig so:
“Liebe Frau Sowieso!
Danke für Ihre Nachricht. Meine XING-Kontakte bestehen durchweg aus Menschen, mit denen ich tatsächlich kooperiere, die mir Aufträge erteilen oder die ich persönlich kenne. Ich fände es daher sehr schön, wenn wir Ansatzpunkte für einen Austausch oder sogar Ideen für eine Zusammenarbeit fänden. Sehen Sie da irgendwelche Ansätze? Wenn ja, freue ich mich darauf, wieder von Ihnen zu hören.
Herzliche Grüße,
Kerstin Hoffmann”
Von den meisten höre ich daraufhin nie wieder etwas. Mit einigen ergibt sich sehr schnell ein intensiver Austausch, der dann oft tatsächlich in einer Kooperation oder einem Auftrag mündet. Erst wenn sich wirklich ein persönlicher Bezug zeigt, schalte ich den Kontakt frei.
Umgekehrt finde ich es aber sehr schön, reale Personen auf XING wiederzufinden und mich mit ihnen zu vernetzen. Um so wiederum auch für deren Kontakte sichtbar zu sein.
Übrigens habe ich noch Profile etwa bei LinkedIn und in einigen anderen Netzwerken. Im Moment konzentriere ich mich mit meinen Aktivitäten weitgehend auf XING, weil ich die Funktionen am komfortabelsten finde, weil dort die meisten meiner Kontakte sind – und weil einfach die Zeit für solche Aktivitäten begrenzt ist. 20 bis 30 Minuten an einem – an jedem! – vollen Arbeitstag, das ist schon eine Menge.
Wie halten Sie es damit? Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Haben Sie eine ganz andere Strategie?













Hallo Frau Hoffmann,
Ihren Antworttext auf Kontaktanfragen finde ich sehr gut. Ich finde es sehr schade, daß viele Mitglieder nur auf Quantität und nicht auf Qualität in Ihrem eigenen Netzwerk setzen.
Insofern haben Sie es auch richtig erfasst, warum es Menschen gibt, die mit XING keinen Erfolg haben.
Dies darf jedoch nicht im Zusammenhang gesehen werden. Auch Menschen mit (zu) vielen Kontakten können im XING-Netzwerk sehr erfolgreich sein.
Der Schlüssel ist in der Tat das “richtige” Netzwerken.
Viele Grüße
Joachim Rumohr
Ehrlich gesagt finde ich die Xing-Foren ziemlich grauenhaft: Menschen, die offensichtlich zu wenig Arbeit haben und zu viel Zeit und all dies mit einem übersteigerten Selbstbewusstsein und einem unfreundlich-arroganten Ton kompensieren.
Dennoch habe ich über Xing schon sehr gute und “ergiebige” Kontakte geknüpft. Allerdings liegt das eher an meiner Nische als an ausgiebigem Xing-Netzwerken.
Ich netzwerke lieber woanders. Wo mir die Menschen sympathischer sind.
@Herr Rumohr: … und auch das gehört natürlich zum Netzwerken: in anderen Blogs schreiben, besonders, wenn sie sich auf eigene Beiträge beziehen.
Danke für Ihr Feedback!
Ich sehe das so:
Xing für sich alleine kann schon was bringen, v.a. wenn man viel in Gruppen mitdiskutiert, zu Themen, mit denen man in Zusammenhang gebracht werden möchte.
Am besten ist es natürlich – nicht nur als Unternehmen sondern auch als Freiberufler – eine integrierte Social Media-Strategie zu fahren. Welche Tools man dabei verwendet hängt sicher auch von persönlichen Vorlieben ab.
Mein Mix besteht zur Zeit hauptsächlich aus meinen beiden Blogs, Kommentieren auf anderen Blogs, Twitter und Xing.
Oft läuft es so, dass man sich bei Twitter, in meinem oder einem fremden Blog (im Bereich der Kommentare) kennen lernt, und wenn man sich schon öfter über den Weg gelaufen ist, schaut man sich mal das Xing-Profil an, und wenn sich hier bestätigt, dass man Anknüpfungspunkte hat, “kontaktet” man sich.
Ich kriege auch häufig Xing-Anfragen wie “Sie haben aber ein interessantes Profil, wollen wir Kontakte sein…?” Darauf gebe ich eine ähnliche Antwort wie Sie…
Früher habe ich konsequent nur Kontakte zu Leuten bestätigt, die ich persönlich kenne, mittlerweile habe ich das aber auf “virtuelle” Kontakte erweitert.
Wichtig ist mir: Ich muss von einer Person deutlich mehr kennen als das Xing-Profil und es müssen Anknüpfungspunkte und gegenseitiges Interesse am Kontakt bestehen, sonst macht das Ganze für mich keinen Sinn…
@Susi: Ich habe ganz ähnliche Erfahrungen gemacht wie Sie und bin aus einigen Xing-Gruppen auch wieder ausgetreten. Denn wenn man dort einen konstruktiven Beitrag brachte, sahen dies (neidische) Gruppenmitglieder als Aufruf zu unsachlicher Kritik.
Inzwischen bin ich nur mehr bei drei Xing-Gruppen dabei, meine Hauptaktivität beschränkt sich aber auf eine. Qualität geht vor Quantität gilt eben auch beim Netzwerken.
Herzlichst,
Ihr Albert Bloch (Texter)
@Karin: Ja, ganz ähnlich ist es bei mir. Danke für die Ergänzung.
@Susi und Albert: Ich habe zum Glück in XING-Gruppen bisher fast nur positive Erfahrungen gemacht. Gelesen habe ich in einigen Gruppen auch ziemlich unqualifizierte Äußerungen – da halte ich mich dann einfach raus.
XING ist wie ein Werkzeug, es kommt darauf an, wie ich damit umgehe und was ich damit mache.
Mach ich nix, bringts auch nix.
Bei mir bringt es außerordentlich viel
Mit besten Grüßen,
Alexander E. Schröpfer
Was mich in letzter Zeit immer wieder an Xing nervt: Es ist nicht vollständig.
Echt! Manche Menschen sind dort nicht zu finden. Wie soll ich mit denen jetzt in Kontakt bleiben?
Aber jetzt mal Spass beiseite: Ich habe mich wirklich so an Xing gewöhnt, dass es manchmal blöd ist, wenn man jemanden dort nicht findet, mit dem man in Kontakt bleiben möchte.
Wäre cool, wenn man solche Personen dort einpflegen könnte, natürlich nur für einen selber sichtbar. Sonst brauche ich doch wieder ein zweites Tool und muss diese synchron halten (das hasse ich beim Kalender schon).
Aber vielleicht gibt Xing das ja bereits her und ich weiss es nur nicht?
Viele Grüsse aus der Schweiz
Eigentlich schon alles gesagt, nur noch nicht von allen… XING ist ein gutes Werkzeug, und ersetzt zunehmend den immer unübersichtlicheren Kasten mit den Visitenkarten. XING-Kontakte gibt es bei mir nur nach persönlichem Kennenlernen, was aber auch schon ein Telefonat sein kann. Zum Netzwerken: Die für mich beeindruckendste Definition oder vielmehr Voraussetzung hat Thorsten Hahn http://www.bankingclub.de einmal genannt: Bedingungslosigkeit. Das hat mich sehr überzeugt.
[...]Weniger ist oft mehr – das ist die Botschaft von 2 der heute ausgewählten Artikel.[...]
Dieser Eintrag wurde als „Artikel des Tages für Multiprojecter” nominiert. Hier kannst du bis 08.10.2008. 23:59 die anderen Kandidaten besichtigen und für deinen Lieblingsartikel stimmen. Wir würden uns freuen, deine Meinung zu hören.
@Frank H. aus Z.: wenn Ihnen die Personen bekannt sind, warum nutzen Sie dann nicht die Einlade-Funktion auf der xing-Startseite?
So lernt Ihr Kontakt evtl. xing erst kennen.
Ansonsten halte ich es wie die Meisten hier: entweder persönlich bekannt (privat / geschäftlich) oder irgendwie positiv “aufgefallen”.
Beste Grüße aus Berlin
Thomas
Eine schöne Diskussion, die hier entstanden ist.
Ich selber halte es mit der Netzwerkregel Nr. 1: Erst geben, dann nehmen.
Wenn mich jemand kontakiert oder ich jemanden bei XING entdecke, dann prüfe ich, ob wir gemeinsame Ansatzpunkte haben und spreche mit demjenigen darüber. Wichtig ist immer, dass diese Ansatzpunkte einen nachhaltigen Nutzwert für beide Seiten haben.
Aus solchen (auch zuerst virtuell entstandenen Kontakten) entwickelt sich meist sehr viel, aber nichts muss, alles kann
Mir fällt auf, dass viele XING-User zu statisch und zu wenig situation und netz- sowie nutzwertig agieren. Dass hier Input und Output langfristig nicht zusammenpassen, ist kein Wunder.
[...] Kerstin Hoffmann hat meinen Artikel aufgegriffen und sehr ausführlich Ihre Gedanken und Tipps dazu niedergeschrieben. Mindestens genauso lesenswert ist die Diskussion, die sich an dem Beitrag anschliesst. Unbedingt [...]
@Thomas: Ich habe das gleiche ‘Problem’ wie Frank, denn wenn ich Netzzugang habe, nutze ich XING auch gerne als Adressbuch, besonders unterwegs, auf Reisen. Aber was für mich geradezu Grundlage meiner Arbeit ist – mit meinen Kontaktdaten sichtbar und im Netz schnell findbar sein – ist anderen ein Gräuel.
Andere haben einfach keinen Draht zu XING oder sind nicht Internet-affin genug, um es zu nutzen. Wäre klasse, wenn man deren Daten – nur für einen selbst sichtbar – auch dort speichern könnte, wo eh schon viele der eigenen Kontakte vertreten sind. Denn natürlich kann man die eigenen Kontakte auch selbst online speichern. Aber wer bei XING vertreten ist, nimmt mir schon mal das Einpflegen und Aktualisieren ab.
Eines ärgert mich übrigens auch besonders: Wenn ich unterwegs bin und eine Telefonnummer oder eine Mail-Adresse brauche, die ich nicht dabei habe. Und deswegen schnell im XING-Profil desjenigen nachschaue – und dann hat er mir überhaupt keine Kontaktdaten freigegeben. Ist mir grad vorgestern passiert, als ich von unterwegs dringend jemandem eine Mail senden musste. Das ist wohl nie Absicht. Viele achten überhaupt nicht darauf, was sie mit ihren Datenfreigaben machen. Aber dann macht es auch keinen Sinn, auf XING vertreten zu sein, finde ich…