Blogger-Interview 4: Stefan Hagen, Projektmanagement Blog

25. August 2008

„Wissen vermehren durch Teilen“

Vor einiger Zeit bin ich auf ein Blog gestoßen, das mir außerordentlich gut gefällt. Das „Projektmanagement Blog“ von Stefan Hagen, Österreich. Stefan arbeitet als Managementberater und Projektmanager für große und mittelständische Unternehmen und auch für öffentliche Verwaltungseinheiten. Im Blog bietet er sehr vielseitige, hervorragend präsentierte Informationen. Methoden, Pläne, Herangehensweisen: Das Blog ersetzt glatt ein gutes Fachbuch. Dazu bietet es jede Menge kostenlosen Zusatznutzen, etwa eine Projekthandbuch-Vorlage oder den 30-Minuten-Projektplan zum Download. Warum macht jemand so etwas?

Stefan, du gibst wertvolles Fachwissen kostenlos im Internet preis. Was bringt dir das?

Ich bin davon überzeugt, dass im freizügigen, offenen Verteilen und Diskutieren von Wissen die Zukunft liegt. Nach dem Motto: Wissen ist die einzige Ressource, die sich vermehrt, wenn man sie teilt.

Seit wann gibt es dein Blog und wie oft bloggst du?

Ich habe im August 2006 mit dem Bloggen begonnen. Seither blogge ich im Schnitt zwischen drei- und fünfmal in der Woche, je nach verfügbarer Zeit.

Kannst du den Erfolg messen? Bekommst du dadurch neue Kunden?

Ja, den Erfolg kann ich definitiv messen. Im letzten Jahr habe ich annähernd ein Fünftel meines Jahresumsatzes mit Kunden gemacht, die direkt oder indirekt über das Internet auf mich aufmerksam geworden sind. Das ist doch schon eine durchaus erhebliche Zahl – mit Potenzial nach oben. Für mich hat sich diese “Marketing-Strategie”, die völlig zufällig und ohne große Ziele entstanden ist, also voll bewährt.

Was tust du, um dein Blog bekannt zu machen?

Ich denke, das geht hauptsächlich über die Qualität der Inhalte. Wenn man sich vornimmt, den Leserinnen und Lesern einen echten Mehrwert zu bieten, spricht sich so ein Angebot automatisch herum. Da muss man gar nicht viel mehr dazu tun. Außerdem lese ich natürlich selbst jede Menge Blogs und schreibe von Zeit zu Zeit Kommentare zu Beiträgen, die mich interessieren oder ansprechen.

Ist das Blog dein Haupt-Akquiseinstrument – oder gehst du noch auf anderen Wegen auf potenzielle Kunden zu?

Mein Haupt-Akquiseinstrument ist “Word of Mouth” – also Empfehlungen zufriedener Kunden. Mein Marketing-Budget tendiert im derzeit gegen Null. Natürlich ist aber auch die Zeit, die ich für das Bloggen verwende, als Investition zu sehen. Allerdings als sehr gute Investition.

Wie bist du überhaupt zum Blogger geworden?

Das war reiner Zufall. Ich interessiere mich schon immer für das Internet und die verschiedenen Entwicklungen, die es im Netz in den letzten Jahren gegeben hat. So bin ich dann irgendwann auch auf Blogs gestoßen, und aus Interesse daran habe ich’s dann auch irgendwann ausprobiert. Wie gesagt ohne spezielle Intentionen, Ziele oder Vorstellungen.

Was ist für dich der wichtigste Grund zu bloggen?

Gute Frage. Ich denke, meine Hauptmotivation besteht darin, gelesen zu werden – klingt vielleicht eitel, ist aber so. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich meinen Leserinnen und Lesern sinnvolle Impulse liefern kann, dann ist das für mich Motivation genug. Was für mich sicher nicht im Vordergrund steht, sind irgendwelche geschäftlichen oder finanziellen Interessen. Das kommt automatisch, wenn man etwas mit Freude und Leidenschaft tut, authentisch und ehrlich ist und sich in dem jeweiligen Thema einigermaßen auskennt.

Was würdest du jemandem raten, der als Berater neu an den Markt geht und als Teil seiner PR-Strategie ein Blog eröffnen will?

Einen inhaltlichen Schwerpunkt für den Blog definieren – möglichst eng und fokussiert. Selbst viele Blogs lesen. Einfach mal anfangen! Und vor allem auch authentisch sein.

Meine Abschlussfrage: Im Web 2.0, mit Twitter und anderen Medien, wird das Bloggen nach und nach regelrecht zu einem traditionellen, etablierten Medium. Wie wird sich das alles deiner Ansicht nach weiterentwickeln? Wirst du, werden wir alle in vier oder fünf Jahren noch genauso bloggen wie jetzt?

Ich denke, die ganze Sache wird noch mobiler, noch schneller und noch multimedialer werden. In einigen Jahren werde ich wohl von meinem Handy aus einen Blogpost sprachgesteuert aufnehmen. Dazu ein kleines Video drehen oder ein paar Bilder schießen beziehungsweise einbetten. Im selbstverständlich auch mobilen Internet noch ein paar Links dazu zusammen suchen und den Beitrag „posten“. Internet wird überall sein, der Blog – oder wie das dann heißen mag – ein Kanal, um direkt und “nahe” mit den relevanten Anspruchsgruppen zu kommunizieren und in Dialog zu treten. Twitter und ähnliche innovative Konzepte sind da sicher nur der Anfang. Ich freu’ mich schon drauf…


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