Blogger-Interview 3: Frank Mühlenbeck, social media blog

28. Juli 2008

“Bloggen ist Pflicht”

Mein dritter Interview-Partner ist der Social-Media-Experte Frank Mühlenbeck, auf dessen neues Buch ich neulich schon einmal mit der Frage “Was bewegt Communities?” hingewiesen habe. Gemeinsam mit Prof. Klemens Skibicki betreibt er das social media blog.

Herr Mühlenbeck, was bringt Ihnen das Bloggen?

Als Autor mehrerer Bücher, die sich mit dem Thema Web 2.0 befassen, ist es geradezu eine Pflicht, einen eigenen Blog zu führen. Allerdings schreibe ich im Gegensatz zu den meisten Bloggern eher unregelmäßig Artikel. Der Grund liegt zum einen in der begrenzten Zeit und zum anderen in dem Ansatz, dass ich – wenn ich schreibe – ausführliche Beiträge posten möchte. Ein anderer Grund für das Bloggen besteht darin, die Inhalte der Bücher mit aktuellen Inhalten auf dem Blog zu verbinden.

Im Kopf Ihres Blogs stehen Sie und Prof. Klemens Skibicki. Bisher sind aber alle Beiträge von Ihnen. Wo bleibt da Ihr Blog-Partner?

Die Beiträge stimmen wir im Regelfall ab, ich poste sie. Aber ich werde ihn nochmal darauf ansprechen, guter Tipp.

Sie haben Ihr Blog bei WordPress – als Web-2.0-Profi und -Berater. Der “Blogtrainer” Karl-Heinz Wenzlaff sagt zu diesem Thema: “Sehen Sie auch manchmal Web-Adressen wie malermeisterklecks.homepage.t-online.de am Lieferwagen vor Ihnen? Einen ähnlich unbeholfenen Eindruck würde die Adresse malermeisterklecks.wordpress.com für das Businessblog des Meisters erwecken”. Er weist zudem auf die eingeschränkten Möglichkeiten für “Untermieter bei WordPress” hin. Wie sehen Sie das?

Webseiten und E-Mail Adressen positioniere ich anders als Blog-Adressen, da diese im Regelfall an einen normalen Internetauftritt (zumindest bei Corporate Blogs wie unserem) gekoppelt sind. Herr Wenzlaff hat möglicherweise nicht berücksichtigt, dass Blogs bei WordPress wesentlich schneller und besser bei Google gerankt werden als wenn man eine neue Internetadresse beantragt. Abgesehen davon bin ich ein Fan davon, soziale Software so schnell wie möglich einzusetzen, und dies ist mit dem Aufsetzen eines eigenen Blogs auf einem eigenen Server aufwendiger. Letzlich ist es eine Frage, die im Einzelfall entschieden werden muss.

Woran messen Sie den Erfolg Ihres Blogs?

Ehrlich gesagt gar nicht. Während Blogs bei vielen Selbständigen als Akquisitionsinstrument eingesetzt werden, nutzen wir andere Instrumente. Einzig der Verkauf der Bücher ist eine Zahl, die für uns relevante Aussagekraft besitzt. Insofern kämpfen wir mit dem Blog auch nicht um Abonnenten, dazu haben wir eine Gruppe bei XING mit dem Titel „Community Management“ gegründet, die inzwischen 1.500 Mitglieder zählt und die sehr effizient Wissen vernetzt.

Das klingt ein bisschen so, als liefe das Blog eher so nebenher mit?

Für uns als Web 2.0 Berater und Autoren ist es Standard, einen eigenen Blog zu betreiben. Wir leben aber von Unternehmensberatung und Buchtantiemen, deswegen müssen wir naturgemäß unsere Zeit anders aufteilen als Profi-Blogger.

Ich kenne persönlich wenige Profi-Blogger, die davon leben – aber viele Berater, die Blogs betreiben. Die das als eines der Haupt-Instrumente verstehen, sich und ihr Angebot bekannter zu machen. Würden Sie Beratern generell raten, andere Wege als das Bloggen zu bevorzugen?

Ich rate dazu, sich immer antizyklisch zu verhalten, das heißt andere Wege zu gehen als der Mainstream. Im deutschsprachigen Bereich kenne ich auch kaum Blogger, die mit dem Bloggen Geld verdienen, da gebe ich Ihnen Recht. Aber ich gehöre nicht zu den Beratern, die eine Blog-Strategie als Akquise-Instrument einsetzen. Wichtig ist es aus Beratersicht, seinen Namen im Zusammenhang mit einer Leistung oder einem Wissensgebiet bekannt zu machen. Für uns war es wichtig, bei Google unter dem Begriff „Community Marketing“ weit oben positioniert zu werden. Auf Google-Platz 1 steht inzwischen unser Buch bei Amazon und auf Platz 4 eine von uns betriebene Plattform.

Als Berater haben Sie aber noch ein zweites Problem: Auf der einen Seite müssen Sie darstellen, dass Sie sich mit einem oder mehreren Themen sehr gut auskennen, auf der anderen Seite dürfen Sie aber nicht so viel Wissen preisgeben, dass Sie sich selbst überflüssig machen. Blogging ist daher aus Beratersicht nur begrenzt einsetzbar. Für die Unternehmenskommunikation eignet sich der Blog in vielen Fällen wesentlich besser, wie auch Klaus Eck in seinem Buch „Corporate Blogs“ herausstellt.

Meine Abschlussfrage: Im Web 2.0, mit Twitter und anderen Medien, wird das Bloggen nach und nach regelrecht zu einem traditionellen, etablierten Medium. Wie wird sich das alles Ihrer Ansicht nach weiterentwickeln? Werden Sie, werden wir alle in vier oder fünf Jahren noch genauso bloggen wie jetzt?

Wir werden sicher die verschiedenen Medien (Audio, Video, Texte) wesentlich einfacher nutzen und stärker verschmelzen. Mobile Endgeräte werden noch mehr einbezogen als heute, so dass wir dann von echter Medienkonvergenz sprechen können. Auch die Kommerzialisierung von Blogs wird stärker voranschreiten, so dass etablierte Printmedien zunehmend um ihre Werbepartner kämpfen müssen, während die Werbung Blogger als authentische Alternative anvisiert.

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3 Antworten auf Blogger-Interview 3: Frank Mühlenbeck, social media blog

  1. Karl-Heinz Wenzlaff am 28. Juli 2008 um 10:15

    Sehr aufschlußreiches Interview, Kerstin. Könntest Du bitte für Deine Leser noch Frank Mühlenbecks URL posten?

    Ein selbst gehostetes WordPress ist genauso schnell installiert wie ein Account bei WordPress.com eingerichtet ist (5 Minuten). Dann beginnt die Optimierung, und da sind die Möglichkeiten bei WordPress.com doch sehr rudimentär. Noch ein Punkt: WordPress.com gibt niemanden die Garantie, dass das Blog morgen noch läuft. Im Gegenteil: Blogs mit vielen Besuchern bekommen schnell Performance-Probleme (btw: bei Blogspot wirft man sie dann ganz raus).

    Was das Ranking angeht: Jedes Blog, egal ob auf eigener URL oder auf einer Subdomain bei WordPress.com, braucht einige Zeit, um für relevante populäre Begriffe zu ranken. Ob sich allerdings der ganze Aufwand für einen Suchbegriff wie “Community Marketing” mit einem monatlichen Suchvolumen von nur 590 Google-Suchen in Deutschland (Juni 2008) überhaupt lohnt, sei dahingestellt. Da ist es ziemlich egal, wer auf Platz 1 oder 4 steht. Platz 1 wird an normalen Arbeitstagen vielleicht noch einen oder zwei Click-Throughs abbekommen, Platz 4 vielleicht einen pro Woche im Mittel. Also, worüber reden wir?

    Karl-Heinz Wenzlaff

  2. Kerstin Hoffmann am 28. Juli 2008 um 13:54

    @Karl-Heinz: Danke für den Hinweis und den ausführlichen Kommentar. Der Link zum Blog ist eingefügt.

  3. [...] an denen ich ja auch schon teil genommen habe, sind da eine Möglichkeit. Interviews mit (mehr oder minder) bekannten Bloggern sind da eine andere gute Möglichkeit. Drüben im Bloggers Blog [...]

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