… und manchmal lange zurück. Gestern habe ich einen Auftrag von Marcus Haseloff bekommen, der sein Angebot als professioneller Sprecher in der Werbung ausbauen und besser vermarkten möchte. Marcus hatte ich zuletzt vor rund 26 Jahren gesehen. Damals war ich 15 oder 16 und hatte mit einigem Bedauern die Laienspielgruppe verlassen, in der wir beide aktiv waren, weil ich dort keine Perspektive für mich sah.
Bedauerlicherweise hatte ich nämlich als Jüngste immer bloß die kleinen Rollen bekommen, durfte hier mal zwei Wörter sprechen, dort mal einen Satz – und ansonsten vor allem dekorativ herumstehen. Einmal habe ich sogar die Tochter des Oberst in “Andorra” gespielt. (Jedenfalls hatte ich immer gedacht, es sei “Andorra” gewesen. Bis mir meine Tochter kürzlich entschieden versicherte, in “Andorra” gebe es keinen Oberst. Nun ja, vielleicht war es auch “Draußen vor der Tür”.) Den Oberst stellte Marcus dar, sprach viel und gut und spielte mich in jeder Hinsicht an die Wand.
Persönlich verstanden wir uns gut, aber wie das so ist: Kaum sieht man einander nicht mehr, verliert man einander aus den Augen. Jedenfalls entschloss ich mich nach diesen ersten Erfahrungen – abgesehen von einigen Ausflügen in die Theaterkritik – für eine Laufbahn fernab der Bühne. Was wahrscheinlich sowohl für die Bühne als auch für mich nicht die schlechteste Entscheidung war…
Marcus dagegen, der schon damals – ich muss es wohl nicht noch einmal ausdrücklich betonen – so textreiche und verantwortungsvolle Rollen wie der Oberst in “Das Haus in Montevideo” (oder war es “Der Vetter aus Dingsda”?) bekam, blieb nach der Schule beim Metier, trat eine Weile am Theater auf und wurde eine große Nummer im Musicalgeschäft. Mehr als 20 Jahre arbeitete er als Stage Manager bei Produktionen wie “Starlight Express” oder “Cats”. Landete mit seinem ersten selbst geschriebenen Musical “Miami Nights” direkt einen Volltreffer. (Arbeitete wohl auch das eine oder andere mal mit meinem Stiefbruder und dessen Frau zusammen, wie wir ebenfalls erst kürzlich feststellten – aber das ist wieder eine andere Geschichte.) Und war ansonsten ziemlich erfolgreich mit allem, was er anpackte.
So kam es denn auch, dass professionelle Sprecher, Toningenieure – und was weiß ich, wer noch – ihn regelrecht drängten, seine Stimme zu Gold zu machen. Das sonore Timbre, das bereits im Gemeindehaus der Krefelder Pauluskirche die Mütter reihenweise von den Plastikschalensitzen riss, verfehlte auch hier nicht seine Wirkung. So kam Marcus über einige Ecken und irgendwie zu mir zurück. Das Wiedersehen war ein Fest – als lägen nicht zweieinhalb Jahrzehnte dazwischen. Wir hatten gleich wieder einen direkten Draht zueinander. Zwei Bühnenprofis unter sich eben… Jetzt arbeiten wir gemeinsam an seiner Kommunikation. Und ich darf endlich mal mehr sagen als nur zwei oder drei Wörter.
Marcus, wenn du dies liest: Es ist ungerecht, aber du siehst nach all diesen Jahren kaum älter aus. Ehrlich gesagt, hast du damals als Oberst (Weißt du noch? Ich glaube es war in “Minna von Barnhelm”!) sogar älter ausgesehen als jetzt. Aber über deine Website (die mir schon ganz gut gefällt; vor allem die Hörproben finde ich klasse) müssen wir gelegentlich im Detail nochmal sprechen.













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