Zitieren, verlinken, Bilder veröffentlichen: Was ist erlaubt? Wo drohen Strafen?

Der große Ratgeber Bild-, Zitat- und Urheberrecht in Fragen & Antworten, ganz neu aufgelegt mit Rechtsanwalt Dr. Thomas Schwenke

Stand: März 2017. Damit liegt dieser Ratgeber-Beitrag, der seit 2010 zu den meistaufgerufenen Artikeln im PR-Doktor gehört, in völlig neuer Fassung vor.

Häufig bekomme ich Anfragen zu Urheberrecht, Zitierrecht und Bildrechten, zum Beispiel: Was darf ich verlinken? Wie lang darf ein Zitat sein? Muss ich Fotos von jedem einzelnen der Abgebildeten genehmigen lassen? Kann ich Fotos aus Fotoportalen kostenfrei nutzen? Darf ich Screenshots in meinen eigenen Publikationen veröffentlichen? 

Doch auch wenn ich mittlerweile einiges darüber weiß: Ich bin Kommunikationsfachfrau und Philologin, kann, darf und will also gar nicht juristisch beraten. Doch ich habe die häufigsten Fragen dem Rechtsanwalt Dr. Thomas Schwenke gestellt. Hier antwortet er ausführlich.

Rechtsanwalt Dr. Thomas Schwenke

Frage: Ich möchte gerne in meinem Blog einen Artikel aus „Spiegel online“ zitieren? Darf ich das? Wenn ja: in welchem Umfang? Was muss ich dabei beachten?

Dr. Thomas Schwenke: Vor der Übernahme fremder Inhalte sollten die folgenden Schritte geprüft werden:

  1. Ist der fremde Inhalt urheberrechtlich geschützt? Falls nein, dann darf er übernommen werden.
  2. Falls ja, dann greift vielleicht eine gesetzliche Ausnahme, die die Übernahme erlaubt (insbesondere das Embedding oder das Zitatrecht).
  3. Falls keine gesetzliche Ausnahme greift, bedarf es einer Erlaubnis der Rechteinhaber.

Frage: Wann sind denn fremde Inhalte urheberrechtlich geschützt?

Dr. Thomas Schwenke: Fotografien und Grafiken sind praktisch immer geschützt. Bei Texten ist der Inhalt, also die Fakten und Ideen, nicht geschützt. Das heißt, man darf Inhalte mit eigenen Worten wiedergeben. Geschützt ist jedoch die sprachlich individuelle Einkleidung des Inhalts. Das bedeutet, fremde Texte dürfen weder eins zu eins noch mit geringen Abwandlungen (beispielsweise Umstellen von Worten oder Sätzen) kopiert werden.

Allerdings muss der Text eine gewisse Länge haben, um individuell und originell und damit urheberrechtlich geschützt zu sein. Man spricht dabei vom Erreichen einer hinreichenden „Schöpfungshöhe“. Werden nur ein bis zwei Sätze übernommen, ist das in der Regel kein Urheberrechtsverstoß.

Frage: Heißt das also, dass Titel und ein bis zwei Sätze aus Artikeln immer übernommen werden dürfen?

Dr. Thomas Schwenke: Sehr häufig, aber nicht immer. Auch ein kurzer Text kann ausnahmsweise hinreichend individuell-originell sein, um geschützt zu sein. Das hat zum Beispiel das Landgericht München I bei dem Satz „Mögen hätte ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut“ von Karl Valentin angenommen (Quelle: „Oktoberfest“ in „Karl Valentins gesammelte Werke“, LG München I, 08.09.2011 – 7 O 8226/11).

Ferner kann auch das Leistungsschutzrecht für Presseverleger einschlägig sein, wenn man fremde publizistische Inhalte nicht nur ausnahmsweise, sondern regelmäßig in einer Art Presseschau listet. Dann sollte man zur Sicherheit nicht mehr als den Titel übernehmen.

Frage: Läuft der urheberrechtliche Schutz nicht auch mal ab?

Dr. Thomas Schwenke: Die Schutzfrist endet 70 Jahre nach dem Tot der Urheber bei Texten, Grafiken oder kreativen Fotos (sogenannten Lichtbildwerken). Bei einfachen Schnappschüssen (sogenannten Lichtbildern) beträgt die Schutzfrist 50 Jahre ab der Aufnahme. Das bedeutet, alte Werke sind gemeinfrei. Aber Vorsicht, wenn ein Fotograf zum Beispiel das Gemälde eines alten Künstlers fotografiert, dann ist seine Fotografie wiederum rechtlich geschützt (zumindest laut der bisherigen Rechtsprechung).

Im Regelfall wird der fremde Inhalt urheberrechtlich geschützt sein.

Wichtiger Hinweis: Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir hier in den Kommentaren unter diesem Beitrag keine einzelnen Rechtsfragen beratend beantworten können. Bitte wenden Sie sich für die Einzelfallberatung an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens. Am Schluss des Beitrags finden Sie auch die Kontaktdaten von Dr. Thomas Schwenke.

Frage: Du hast von gesetzlichen Ausnahmen gesprochen, die die Übernahme fremder Inhalte möglich machen. Das ist beim Embedding, also dem Einbetten mittels eines Codes, wie ihn etwa YouTube zu jedem Video zur Verfügung stellt, der Fall?

Dr. Thomas Schwenke: Das Embedding ist insoweit keine klassische gesetzliche Ausnahme, schon deswegen, weil sie nicht im Gesetz steht. Aber der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass Embedding weder eine erlaubnispflichtige Vervielfältigung (Kopie) darstellt noch eine erlaubnispflichtige öffentliche Zugänglichmachung (EuGH, 21.10.2014 – C-348/13). Embedding wird also einem bloßen Link gleichgestellt.

Embedding bedeutet dabei, dass man ein fremdes Werk (das heißt die Datei) nicht kopiert, sondern auf die Originaldatei verlinkt, so dass sie auf der eigenen Website ausgegeben wird. Das klassische Beispiel des Embeddings sind YouTube-Videos, die von dem Server von YouTube abgerufen werden.

Man dürfte also ein fremde Bild-Datei so bei sich in die Website einbinden, dass sie auf der Website ausgegeben wird, ohne dass der Rechteinhaber etwas dagegen tun kann (zumindest rechtlich, der Rechteinhaber kann den Abruf des Bildes von seinem Server technisch verhindern).  Diese Rechtsprechung ist, wie viele Entscheidungen des EuGH nicht unumstritten.

Frage: Du hast das Zitatrecht als eine weitere Ausnahme genannt. Wann und in welchem Umfang sind Zitate denn zulässig?

Dr. Thomas Schwenke: Zitate sind seltener zulässig als man es gemeinhin denkt. Denn anders als das „allgemeinsprachliche Zitat“ reicht es für ein urheberrechtlich zulässiges Zitat nicht aus, lediglich die Quelle zu benennen. Ein Bildzitat ist ist gem. § 51 UrhG nur dann zulässig, wenn es als Beleg für eine geistige Auseinandersetzung notwendig ist.

Bei Texten muss es für die Auseinandersetzung mit ihnen erforderlich sein, die jeweilige Passage unbedingt im Original wiederzugeben, weil es auf die Sprachwahl oder das Sprachbild ankommt. So habe ich oben Karl Valentins Satz zitiert, weil eine Wiedergabe mit eigenen Worten dessen Einzigartigkeit nicht hätte wiedergeben können. Das kann auch bei Aussagen im Rahmen von Interviews oder bei Rezensionen von Büchern der Fall sein. Im Übrigen darf man nur kurze Ausschnitte, am besten auch nur einzelne Sätze, zitieren.

Bilder darf man zwar ganz übernehmen, aber auch hier muss das Bild als Beleg für geistige Ausführungen notwendig sein. Das ist zum Beispiel bei Filmkritiken, Beschreibungen von Buchcovern oder Screenshots von Websites zwecks deren Rezension zulässig. Einfach zu sagen, dass das Bild schön oder interessant ist, reicht aber nicht aus.

Ferner muss es notwendig sein, unbedingt dieses Bild verwenden zu müssen. Das bedeutet praktisch, dass man fremde Bilder nicht nutzen darf, wenn man sie auch selbst hätte erstellen oder erwerben können. Alleine weil man über ein Motiv schreibt, darf man nicht fremde Bilder nutzen, nur weil sie thematisch passen. Wenn man über Blumen schreibt, darf man nicht die Blumenbilder fremder Urheber nutzen.

Im Ergebnis kann man also sagen, dass außerhalb von Kritiken oder Rezensionen, zumindest ein zulässiges Bildzitat, aufgrund der hohen rechtlichen Anforderungen in der Regel ausscheidet.

Frage: Was bedeutet das jetzt für den eingangs eingeführten „Spiegel Online“-Artikel?

Dr. Thomas Schwenke: Das bedeutet, dass man grundsätzlich mit eigenen Worten den Inhalt wiedergeben und höchstens ein bis zwei Sätze aus dem Text übernehmen darf. Das Bild sollte man nicht kopieren, sondern allenfalls einbetten.

Frage: Ich sehe es immer wieder, dass Menschen Zeitungsartikel einscannen und auf ihre Website oder in ihr Blog stellen. Dürfen sie das?

Dr. Thomas Schwenke: Nein, die Scans sind unerlaubte Kopien. Das gilt auch, wenn es in den Artikeln um das eigene Unternehmen oder eigene Person geht und ebenso bei Artikelbildern, auf denen man selbst abgebildet ist.

Frage: Wie sieht es mit Zitaten und Links in Social Media – beispielsweise Facebook, Twitter, XING oder Social-Bookmarking-Diensten – aus. Gelten da andere Regeln?

Dr. Thomas Schwenke: Hier gilt praktisch dasselbe. Kurze Textauszüge sind zulässig. Wenn man progressive Ansichten vertritt, dann ist auch das automatisch generierte Vorschaubild beim Teilen des Beitrags bei Facebook zulässig. Denn es ist eine übliche und vom Urheber, der seine Bilder im Internet verbreitet, hingenommene Nutzung. Bisher hat dies urheberrechtlich noch keine Schwierigkeiten bereitet.

Frage: Wenn die fremden Inhalte urheberrechtlich geschützt sind, das Embedding und ein Zitat nicht greifen, dann ist eine Zustimmung der Urheber notwendig?

Dr. Thomas Schwenke: Das ist richtig. Diese Zustimmung kann individuell, zum Beispiel auf Nachfrage erklärt werden. Sie kann auch mündlich erfolgen, sollte aber aus Nachweisgründen schriftlich festgehalten werden. Zudem muss man dabei darlegen, für welche Zwecke man den fremden Text oder das Bild nutzen möchte.

Ferner können Zustimmungen auch standardisiert erfolgen. Man spricht dann von Lizenzen, die man zum Beispiel bei Stockbildanbietern kostenpflichtig oder zum Beispiel bei Creative-Commons-Lizenzen kostenfrei erwirbt.

Frage: Um Blogbeiträge zu bebildern, verwenden viele Blogger Fotos aus öffentlichen Portalen, zum Beispiel flickr.com. Ist das überhaupt erlaubt – und was ist zu beachten?

Dr. Thomas Schwenke: Hier ist das Sprichwort „Umsonst gibt es nichts“ zu beachten. Im Urheberrecht heißt es, dass kostenlose Portale und kostenlose Bildlizenzen grundsätzlich keine Gewährleistung bieten. Dabei muss man bedenken, dass es im Urheberrechten keinen „Guten Glauben“ gibt. Das bedeutet, auch wenn man dachte, das Bild aus dem Portal verwenden zu dürfen, kann man abgemahnt werden, wenn es ein Irrglaube war.

Frage: Wie sieht es mit Bildern aus, für die ich bei Bilddatenbanken Nutzungsrechte erworben habe?

Dr. Thomas Schwenke: Kostenpflichtige Stockbildanbieter übernehmen im Regelfall die Haftung, falls ein Bild doch nicht hätte genutzt werden dürfen. Nur die Möglichkeit, Schadensersatzansprüche vom Bildlieferanten zu verlangen, bietet die einzige Sicherheit im Urheberrecht.

Frage: Gilt das auch für Creative-Commons-Lizenzen?

Dr. Thomas Schwenke: Creative-Commons-Lizenzen sind auch „freie Lizenzen“, die keine Gewähr bieten. Allerdings heißt das nicht, dass alle kostenlosen Bilder eine irrationale Gefahr darstellen. Nur sollte man sich dessen klar sein und bei Bildern, die eigentlich zu perfekt sind, um kostenlos zu sein, Vorsicht walten lassen.

Im Übrigen nutze ich auch selbst Bilder unter Creative-Commons-Lizenzen, prüfe aber vorher, ob sie zum Stil des Fotografen passen. So sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand ein fremdes Bild einfach deswegen unter einer CC-Lizenz hochgeladen hat, weil er es schön fand und die Lizenz nicht verstand.

Des Weiteren speichere ich einen Screenshot der Webseite mit der Lizenz, um später zumindest ein Indiz für eine erlaubte Nutzung des Bildes zu haben. Denn der Hinweis auf die Creative-Commons-Lizenz könnte nachträglich entfernt werden.

Frage: In letzter Zeit hört man öfter, dass bereits Links zu Urheberrechtsverstößen führen können. Stimmt das?

Dr. Thomas Schwenke: Der EuGH urteilte letztes Jahr, dass bei Links, die mit Gewinnerzielungsabsicht gesetzt werden, die Kenntnis des verlinkten Urheberrechtsverstoßes vermutet wird (EuGH, 08.09.2016 – C-160/15). Es sei denn, die Linksetzer können nachweisen, sich um die Klärung der Urheberrechte bemüht zu haben. Dabei wird die Gewinnerzielungsabsicht sehr weit verstanden und liegt praktisch bei allen von Freiberuflern und Unternehmen gesetzten Links, Einbettungen oder in Social Media geteilten Inhalten vor.

Im Ergebnis müsste man den Betreiber der Webseite, auf die man verlinkt anschreiben und um Bestätigung bitten, dass die Inhalte bei ihm urheberrechtlich einwandfrei sind. Ich zumindest würde eine solche Bestätigung wegen möglicher Haftung nie geben.

Diese Rechtsprechung klingt, gelinde gesagt, sehr weltfremd, wurde aber vom Landgericht Hamburg bestätigt (LG Hamburg, 18.11.2016 – 310 O 402/16). Nun hoffen wir, dass andere Gerichte die Kommunikationsfreiheiten höher als das Urheberrecht bewerten oder zumindest Ausnahmen bei Links auf zum Beispiel große Medienportale oder Verlagsseiten annehmen werden. Derzeit könnte man eher das Gegenteil vermuten.

Frage: Gilt diese strenge Linkhaftung auch bei Privatpersonen?

Dr. Thomas Schwenke: Die strenge Linkhaftung gilt nur im kommerziellen Bereich. Privatpersonen haftet erst ab nachweisbarer Kenntnis des Rechtsverstoßes, also wenn sie jemand darum bittet, den Link zu entfernen. Ebenso haften sie bei Links auf offensichtlich rechtswidrige Inhalte, wie zum Beispiel auf illegale Filmstreamingportale.

Frage: Neben den Urheberrechten muss man bei Bildern auch das Recht am eigenen Bild beachten, oder?

Dr. Thomas Schwenke: Das stimmt, wenn man das Bild mit einer abgebildeten Person vor sich hat, muss man sich zwei Fragen stellen:

  1. Habe ich eine Berechtigung, die Aufnahme zu nutzen? Das haben wir bisher geprüft.
  2. Dann muss ich mich aber auch fragen, ob man das Motiv, also die abgebildete Person „nutzen“ darf.

Grundsätzlich muss die Person dazu ihre Zustimmung gegeben haben, außer es greift eine der gesetzlichen Ausnahmen.

Frage: Welche Ausnahmen gibt es, wann darf also der Fotograf die Aufnahmen veröffentlichen, ohne zu fragen?

Dr. Thomas Schwenke: Die Ausnahmen stehen im § 23 Kunsturhebergesetz (KUG). Wenn die Aufnahme im Rahmen von zeitgeschichtlichen Ereignisses entstehen (zum Beispiel bei Aufnahmen von Bühnen, bei Marathonläufen, Karnevalisten und dergleichen) dann dürfen sie ohne Einwilligung der Abgebildeten veröffentlicht werden.

Das gilt auch bei Aufnahmen von Versammlungen und Aufzügen, also Menschen, die sich bewusst zu einer Gruppe zusammenschließen. Das ist nicht der Fall, wenn Menschen lediglich zufällig zusammenstehen, wie etwa an einer Bushaltestelle. Gemeint sind vielmehr zum Beispiel Demonstrationen oder das Publikum bei einer Veranstaltung. Ferner sollte die Gruppe aus mindestens drei und besser aus fünf Personen bestehen. Ebenfalls muss es sich um eine öffentliche Versammlung handeln, so dass das Publikum bei geschlossenen Veranstaltungen (beispielsweise Betriebsfesten) keine Gruppen im Sinne der Ausnahmeregel sind.

Ebenso bedarf es keiner Einwilligung, wenn die abgebildeten Personen nur zufällig und ohne das Bild zu prägen im Hintergrund auftauchen. Das ist etwa bei Straßenaufnahmen mit Passanten häufig der Fall.

Allerdings gibt es von den Ausnahmen auch wiederum Ausnahmen, diesmal zu Gunsten der Abgebildeten.

Frage: Gibt es Fälle, in denen der Fotograf die Aufnahmen nicht veröffentlichen darf, ohne zu fragen, obgleich eigentlich eine der Ausnahmen greift?

Dr. Thomas Schwenke: Eine Veröffentlichung ist nicht erlaubt, wenn die Privat- oder die Intimsphäre der Abgebildeten verletzt werden. Das ist beispielsweise der Fall, wenn jemand sich in fortgeschrittener Feierlaune in einem hilflosen oder zumindest einem dem öffentlichen Ansehen nicht nur unerheblich abträglichen Zustand befindet (in diesem Fall kann die Aufnahme zudem gem. § 201a StGB strafbar sein). Ebenso wäre eine leicht bekleidete Person auf einem Bild kein Beiwerk mehr.

Des Weiteren dürfen die Personen nicht wirtschaftlich ausgebeutet werden. So darf ein Künstler auf der Bühne im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung abgelichtet, aber nicht als Werbebild von Unternehmen verwendet werden. 

Frage: Bedeutet das, dass bei Vorträgen oder Aufführungen die Vortragenden und das Publikum fotografiert werden dürfen?

Dr. Thomas Schwenke: Ja, so können etwa die eigenen Fotos von den Vortragenden oder dem Publikum in einem Bericht über eine Veranstaltung im Blog oder auf der eigenen Facebookseite verwendet werden.

Allerdings müssen bei Veranstaltungen nicht nur die Rechte der fotografierten Personen, sondern auch des Veranstalters als Inhaber des Hausrechts beachtet werden. Dieser müsste also das Fotografien erlaubt oder zumindest offensichtlich geduldet haben (was bei Veranstaltungen mit Onlinebezug, wie etwa Barcamps, fast immer der Fall ist).

Frage: Wessen Rechte an einem Bild sind mehr wert? Die des Fotografen oder der abgebildeten Person?

Dr. Thomas Schwenke: Der Fotograf hat das Recht, die Aufnahme nach Belieben zu löschen. Die zu Unrecht abgebildete Person kann wiederum die Löschung des Bildes oder zumindest dessen Veröffentlichung verhindern. Insoweit kann jede der Parteien die Veröffentlichung verhindern, aber nur beide zusammen können sie ermöglichen.

Frage: Was ist eigentlich mit Fotos, die man mit Creative-Commons-Lizenz verwenden darf, die aber beispielsweise eine Marke, ein Produkt oder ein Logo abbilden? Also beispielsweise Legosteine, eine Aral-Tankstelle oder eine Calvin-Klein-Jeans. Darf ich die in meinem Blog verwenden?

Dr. Thomas Schwenke: Die Creative Commons-Linzenz deckt nur das „Recht an der Aufnahme“ ab. Das „Recht am Motiv“ ist von ihr nicht umfasst. Sind Personen abgebildet, dann muss man prüfen, ob die oben genannten Ausnahmen für Aufnahmen von Personen, etwa in Gruppen oder als Beiwerke, einschlägig sind.

Auch kann die Verwendung fremder Markenlogos vor allem im kommerziellen Bereich verboten sein. Das gilt vor allem, wenn man am Image bekannter Marken partizipieren möchte. So würde sich ein Auto der Marke Bentley sicherlich gut als Grafik in einem Werbebanner machen, sollte aber nicht verwendet werden.

Hier kommen also neben Urheber- auch Markenrechte ins Spiel, die mindestens genauso kompliziert sind. Aber auch Marken darf man als Beiwerke abbilden, zum Beispiel bei einem Straßenbild, in dem zufällig eine Tankstelle zu sehen ist oder jemand im Motiv eine bekannte Jeansmarke trägt oder mit Legoklötzchen spielt.

Frage: Gelten bei Videos dieselben Regeln?

Dr. Thomas Schwenke: Ja, Videos sind praktisch bewegte Bilder. Daher können die Ausführungen zu Urheber- und Persönlichkeitsrechten übertragen werden. Auch Videos kann man in kurzen Ausschnitten zitieren, wenn man zum Beispiel einen Bericht über YouTuber mit kurzen Ausschnitten aus deren Werken belegen möchte. Ebenso dürfen Videos eingebettet werden, ohne dass die Einbettung einen Urheberrechtsverstoß darstellt. Allerdings gilt leider auch hier die verschärfte Linkhaftung, wenn die Videos selbst Urheberrechtsverstöße enthalten. Wurden die Videos im kommerziellen Rahmen eingebettet oder verlinkt, dann wird die Kenntnis der Rechtsverstöße vermutet.

Frage: Was kosten Verstöße gegen Urheberrechte?

Dr. Thomas Schwenke: Das ist sehr einzelfallbezogen. Im geschäftlichen Rahmen sollte man mit den Kosten des eigenen Anwalts durchaus mit zirka 1000 bis 1.500 Euro im Schnitt rechnen. Geht die Sache vor Gericht, können die Kosten über mehrere Instanzen auch auf 10.000 Euro ansteigen.

Frage: Angesichts all dieser Regeln, kann man den Ausgang von Gerichtsverfahren in solchen Fällen überhaupt vorhersagen?

Dr. Thomas Schwenke: Es ist häufig tatsächlich sehr schwer, den Ausgang von Gerichtsverfahren vorherzusagen. Viele der genannten Regeln stehen nicht direkt im Gesetz, sondern sind durch Richter im Rahmen von Urteilen entwickelt worden (sogenanntes „Richterrecht“).

Urteile gelten jedoch für Einzelfälle. Das bedeutet, dass Entscheidungen in anderen Fällen schon bei geringen Abweichungen der Umstände oder vorgebrachter Argumente komplett anders ausfallen können.

Frage: Warum wird das Gesetz nicht vereinfacht?

Dr. Thomas Schwenke: Gesetze sind so kompliziert wie das Leben und deren Vereinfachung eine selten erreichte juristische Kunst. Ein Gesetz ist das Ergebnis vieler Kompromisse. Und weil viele Interessen berücksichtigt werden wollen (zum Beispiel der Unternehmen, der Nutzer, des Allgemeinwohls und so weiter), enthalten Gesetze viele Ausnahmen.

Zudem werden Gesetze wie das Urheberrecht sehr abstrakt und unbestimmt formuliert. So können sie zwar auch auf künftige technologische Entwicklungen angewendet werden, sind jedoch ohne Fachkenntnis nur schwer zu verstehen.

Frage: Ist eine einfache Zusammenfassung all dieser Regeln möglich?

Dr. Thomas Schwenke: Eine grobe Zusammenfassung, also Faustformeln, könnte wie folgt lauten:

  • Fremde Bilder nicht kopieren, sondern einbetten.
  • Ein zulässiges Bildzitat ist eine seltene Ausnahme.
  • Vorschaubilder und -texte in Social Media bergen kaum Probleme.
  • Textauszüge von 1 bis 2 Sätzen sind unproblematisch (außer bei Gedichten).
  • Keine kostenlosen Bilder nutzen, die nach Profiarbeit aussehen.
  • Menschen nur mit Zustimmung abbilden, außer im Rahmen öffentlicher Ereignisse, zum Beispiel auf Bühnen, bei Zusammenschlüssen zu Gruppen oder als Beiwerke.
  • Menschen nicht in peinlichen Situationen ablichten oder Aufnahmen von Menschen ungefragt zu Werbezwecken verwenden.
  • Links nach Möglichkeit nur auf große Medienportale setzen oder ein bisschen Risiko eingehen und einer fragwürdigen Rechtsprechung trotzen.

Natürlich kann ich hier nur eine grobe Übersicht liefern, was auch für alle obigen Antworten gilt. Im Urheberrecht kommt es auf den Einzelfall und Feinheiten an, die jedoch den Rahmen eines oder gar vieler Blogbeiträge mehr als sprengen würden. In 99 Prozent aller Fälle werden diese Orientierungshilfen jedoch ausreichen. Denn nach meiner Erfahrung ist der Grund für die meisten Abmahnungen nicht die fehlende Detailkenntnis, sondern das Fehlen jeglichen Gespürs für das Urheberrecht.

Ich bin mir aber sicher, dass die Leser dieses Artikels das nötige Gespür für das Recht erworben haben und sich daher vor Urheberrechtsverstößen nicht mehr fürchten müssen.


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Dr. Thomas SchwenkeDer Interviewpartner: Dr. Thomas Schwenke, LL.M. (UoA), Dipl.FinWirt (FH), ist Rechtsanwalt in Berlin, berät international Unternehmen sowie Agenturen im Marketingrecht, Urheberrecht, Vertragsrecht und E-Commerce, ist zertifizierter Datenschutzbeauftragter sowie Referent, Blogger, Podcaster und Buchautor. Kontaktdaten finden Sie auf seiner Website. Thomas Schwenke im Social Web: Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat, Podcast.

Dr. Kerstin HoffmannDie Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Kommunikationsstrategien, Content-Marketing und Social Media. Ein Schwerpunkt liegt im Aufbau der „Köpfe“ im Unternehmen als Markenbotschafter. Sie hält Vorträge und schreibt Bücher. Ihr Blog “PR-Doktor” ist laut Ebuzzing eines der führenden deutschen Blogs über digitale Kommunikation. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Kerstin Hoffmann für Ihr Unternehmen tun kann? Hier finden Sie das Beratungs- und Vortragsangebot. 

Hinweis von Dr. Kerstin Hoffmann: Gastbeiträge und Interviews müssen nicht meine Meinung wiedergeben. Der Interviewpartner ist für seine Aussagen selbst verantwortlich.

Hinweis von Dr. Thomas Schwenke: Die hier vertretenen Ansichten stellen die Meinung des Autors dar und können in diesem sich permanent entwickelndem Rechtsbereich keinen Anspruch auf absolute Rechtssicherheit erheben. Ebenso dient der Beitrag einer Übersicht über die Problematik und stellt keine umfassende Darstellung aller möglichen rechtlichen Details und Probleme dar, zumal jeder Fall einzeln beurteilt werden muss. 

  16 comments for “Zitieren, verlinken, Bilder veröffentlichen: Was ist erlaubt? Wo drohen Strafen?

  1. 30. März 2017 at 09:25

    Schön zusammengefasst, danke an Euch Beiden. Was Bilder betrifft, habe ich zum Beispiel die Flucht nach vorne ergriffen und nutze nur noch selbstgemachte Bilder.

    Als Papa nutze ich dabei die Legofiguren meiner Kinder. Für meine Bücher habe ich dann tatsächlich nachgefragt, ob die Abbildung erlaubt sei. Spontane Antwort: Ja und gerne. Also: Fragen ist manchmal gar nicht doof.

    lG
    Stephan

  2. 30. März 2017 at 10:37

    Vielen Dank!
    Vor allem die Zusammenfassung ist kurz genug, um schon mal vorsichtig zu sein, wenn ein Themenbereich touchiert wird, der nicht ganz klar ist. Mir ist das mit den Gebäuden noch immer nicht ganz klar, also öffentliche Gebäude zB als Selfie mit mir im Vordergrund – als Facebook-Post o.ä. Hab mir bisher damit abgeholfen, das Gebäude nicht zur Gänze aufzunehmen, was mir anwältlich als o.k. gewertet wurde. Dennoch: viel Unklarheiten bei dem Thema.
    Aber: im Artikel ist schonmal echt viel abgedeckt. Nochmals danke und beste Grüße,
    Petra R. Lehner

  3. 30. März 2017 at 12:39

    „Weltfremd“ ist noch sehr höflich ausgedrückt! Das Urteil zur Linkhaftung ist ein Skandal und beschädigt die Netzkultur extrem, denn viele verlinken dann lieber gar nicht als sich dem Risiko auszusetzen. Gibt es eigentlich keine Möglichkeit, gegen solche Urteile vorzugehen? Gibt es nicht so etwas wie eine „Normenkontrollklage“, die eine Partei oder Abgeordnete voran treiben könnten?

    Andersrum pervers ist das Embedding-Urteil. In der „Kurzfassung“ am Ende dieses Artikels tritt die ganze Absurdität zu Tage:

    1) Fremde Bilder nicht kopieren, sondern einbetten.
    2) Ein zulässiges Bildzitat ist eine seltene Ausnahme.

    Bettet man es aber ein, ist man offenbar auf der sicheren Seite und muss sich um Urheberrecht/Zitatrecht gar nicht mehr kümmern. Logisch, oder?

  4. Sven
    30. März 2017 at 23:29

    Einmal mehr heisst das für Blogger, dass sie vor gierigen Abmahnanwälten nur sicher sind, wenn sie sich über eine nordkoreanische Adresse registrieren. Schade, dass Anwälte sich am Volk weiterhin schadlos halten können.

  5. 2. April 2017 at 20:53

    Sehr interessantes Interview, klasse zusammengefasst!
    Als regelmäßiger Hörer der „Rechtsbelehrung“ von Marcus Richter und Dr. Thomas Schwenke war mir schon vieles bekannt. Aber einige Sachen habe ich auch hier wieder dazu gelernt.
    Mit internetten Grüßen!

  6. Louis
    3. April 2017 at 12:22

    Schöner Artikel. Mich würden nochmal insbesondere ihr Standpunkt zum Urheberrecht bei Tweets interessieren. Dürfen beliebte Tweets zu einem Thema aufgrund ihrer Kürze einfach kopiert werden? z.B. für Social Media Content (vgl. Visual Statements) – oder greift hier doch das Urheberrecht aufgrund der Kreativität? Beispiel: https://twitter.com/Sprayraumbarbie/status/735211362108985344

  7. 3. April 2017 at 15:08

    Wie sieht es denn mit Inhalten (Texte, Bilder, Fotos) aus Pressemitteilungen aus? Da müsste man doch davon ausgehen, dass die genau für den Zweck der Nutzung auf anderen Seiten bereitgestellt werden, oder?

  8. Michael Oeser
    4. April 2017 at 08:53

    Da steht die Judikative auf der einen und die technische Entwicklung bzw. das moderne Leben auf der anderen Seite.

    Wenn man „weltfremd“ steigern kann, dann würde ich das hier mit „lebensfremd“ tun und genau das ist es, was z.B. die Linkhaftung ist.

    Ich bin nicht dafür, dass jeder Dummdödel alles fröhlich kopieren und für seine Zwecke nutzen darf, aber das Urheberrecht ist an der Stelle komplett antiquiert und schadet dem Internet bzw. der Lebensrealität der Menschen, die sich darin bewegen (also fast allen).

    Der Hinweis „Keine kostenlosen Bilder nutzen, die nach Profiarbeit aussehen“ bedeutet für mich, dass man keine Bilder von Portalen wie unsplash.com mehr nutzen kann, weil dort eben (auch) Profis ihre Bilder unter „mach damit was Du willst“ Lizenz veröffentlichen. Dass sowas ein, der modernen Welt angepasster, Marketingkanal für eben diese professionellen Fotografen sein kann, das kann sich das deutsche Urheberrecht offenbar nicht vorstellen und belegt erneut seine Kleingeistigkeit und seine ewige Gestrigkeit (wenn ich von Urheberrecht mal wie von einer Person sprechen darf).

    Es ist und bleibt ein erbärmliches Drama.

  9. 10. April 2017 at 18:32

    „Links nach Möglichkeit nur auf große Medienportale setzen“

    Wirklich großartig. Man könnte fast vermuten, dass Juristen mit Staats- und Konzernmedien unter einer Decke stecken. Gerade auf die großen Medienportale sollte man nicht verlinken. Aus vielen Gründen. Am Ende werden alle, die das machen zur Kasse gebeten – Stichwort Leitungsschutzrecht. Drecksbande alle zusammen! Wer bezahlt eigentlich die Richter?

    Links nur auf Blogs und Open Source Projekte.

  10. Mark
    23. April 2017 at 11:21

    Wie sieht es denn aus, wenn die die Sache von der anderen Seite aufrolle? Was darf ich mit Pressefotos machen, die ich selber gemacht habe, woch ich also das Urheberrecht habe, und die unter den Richtlinien für Pressefotos rechtlich einwandfrei sind? Dürfen die nur für den Zweck der Berichterstattung veröffentlicht werden, oder darf ich die auch z.B. in einem von mir geschriebenen Buch veröffentlichen, wo ich eben über entsprechende Pressetermine/Berichterstattung von Veranstaltungen schreibe, also über meine Arbeit erzähle?

  11. Christoph
    24. April 2017 at 12:48

    Verschafft einen guten Überblick.
    Aber ein Beispiel, das ich mittels oben genannter Aspekte nicht eindeutig klären konnte:
    Ich betreibe einen Blog und möchte Android Apps besprechen (und damit bin ich ja nicht alleine…). Dazu würde ich gerne das Logo der App im Blogeintrag anzeigen. Kann sein dass ich gut, aber eben auch ungünstig über eine App berichte.
    Nun kann ein App Icon ja durchaus künstlerisch wertvoll sein, muss es aber nicht (und ist ganz sicher subjektiv…).
    Dazu gibt es ja auch noch das Prinzip der kleinen Münze (https://de.wikipedia.org/wiki/Kleine_M%C3%BCnze), in dem die untere Grenze des Urheberrechts geklärt werden soll.
    Muss ich bei der Verwendung des App Logos zuvor die Zustimmung des App Eigentümers einholen, oder reicht ggfs. auch die Quellenangabe, bzw. ein Link zum Eintrag im Playstore?
    Grüße!

  12. 24. April 2017 at 13:09

    Wie im Artikel deutlich gekennzeichnet nachzulesen: Wir können hier keine individuelle Beratung leisten.

  13. Pingback: Recht | Pearltrees

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