Denn sie twittern nicht, was sie tun!

Digital Natives und die Herausforderungen in der digitalen Kommunikation

Lieber nicht öffentlich im Web zeigen! Viele Jugendliche sind nicht so Social-Media-affin, wie oft angenommen wird.

Lieber nicht öffentlich im Web zeigen! Viele Jugendliche sind nicht so Social-Media-affin, wie oft angenommen wird.

Meine erste große Desillusionierung bezüglich der Mediennutzung junger Leute hatte ich vor einiger Zeit in einer Diskussion mit „meinen“ Studierenden: Wir sprachen in lockerer Runde über neueste Geräte. Ich sang das Loblied der E-Books und berichtete, dass ich nach Möglichkeit gar kein gedrucktes Buch mehr in die Hand nehme. Meine Studis schauten etwas konsterniert. Sie hoben ihrerseits hervor, was sie mit Büchern aus Papier verbinden, mit der Haptik und mit dem Geruch, und dass doch nichts über eine echte Zeitung am Frühstückstisch gehe. Ähnliches hatte ich bisher allenfalls von gestandenen Mittfünfzigern gehört. Jetzt diese Digital Natives auch? (Okay, teils etwas älter als die ‚richtigen‘ Digital Natives, aber doch recht weitgehend mit dem Internet und der digitalen Technik groß geworden.) Noch dazu junge Leute größtenteils mit Marketing-Schwerpunkt im Studium, die man für besonders medienaffin halten sollte? Ich war mehr als perplex.

„Frau Hoffmann, nehmen Sie es nicht persönlich“, meinte einer der Studenten. „Aber für Sie sind alle diese Dinge begeisternd, weil sie für sie noch immer neu sind. Wir sind damit aufgewachsen. Für uns ist das nichts Besonderes. Wir verbinden eher mit traditionellen Medien besondere Werte.“ Übrigens würden viele von ihnen auch wieder mit nicht-digitalen Kameras fotografieren, fügten einige Komilitoninnen dazu. Etliche Kollegen hätten sich schon bei Facebook abgemeldet. Ach ja, und übrigens: Manche hätten schon wieder Mobiltelefone ohne Schnickschnack statt der neuesten Smartphones.

Anekdotische Evidenz – aber signifikant

Meine Erfahrungen sind nicht repräsentativ nach wissenschaftlichen Kriterien. Ich bin mir bewusst, dass ich hier auf anekdotische Evidenz zurückgreife. Aber ich habe von „meinen“ Studis unterschiedlicher Fachrichtungen mittlerweile so viele Äußerungen in der gleichen Richtung gehört, dass ich diese Erfahrungen zumindest als signifikant bezeichnen möchte.

Was richtig ist: Zumindest meine Studierenden (die ja wieder nur einen kleinen Ausschnitt aus der Gesamtbevölkerung bilden und nur eine Altersgruppe von etwa 18 bis meist nicht über 30 vertreten) sind durchaus souverän im Umgang mit digitalen Geräten. Natürlich kollaborieren sie digital über entsprechende Plattformen. Sie bilden eher geschlossene, kleinere Gruppen, etwa via Messenger. Dating-Apps wie Tinder sind sehr verbreitet. Sie nutzen vor allem das digitale Spiele-Angebot, wenn man einer aktuellen BITKOM-Studie glauben darf. 

Ja, es gibt auch die diejenigen, die …

Ja, es gibt auch diejenigen, die auf Instagram mehr Follower haben als ich. Einige meiner Studierenden orientieren sich in Richtung Modeblogs, machen Musik oder Kunst, und diese setzen dann die großen sozialen Netzwerke mit ein, häufig – wenn auch nicht immer – mit einem recht hohen Grad der Professionalität. Aber wenn ich einmal wieder irgendwo von irgendwelchen Shitstorms aufgrund eines einzelnen Tweets eines Jugendlichen lese, dann habe ich den Eindruck, dass gerade Twitter für die Mehrheit der jungen Leute in Deutschland kaum Relevanz besitzt.

Die allermeisten derjenigen, mit denen ich gesprochen habe, besitzen einen Facebook-Account. Aber sie setzen ihn eher ein, um Informationen zu bekommen, um Marken und Seiten zu folgen. Häufig höre ich: „Ich hätte mich längst abgemeldet, aber dann bekomme ich nicht mehr mit, was im Studium läuft, weil ich nicht mehr in den Facebook-Gruppen sind.“

Sie sind meiner Erfahrung und vielen, vielen Gesprächen nach eher ängstlich darauf bedacht, keine Spuren im Netz zu hinterlassen. Peinliche Party-Bilder? Öffentliche Zurschaustellung? Fehlanzeige! Sie haben viel zu viel Angst vor Mobbing und unkontrollierbaren Entwicklungen, und das aus meiner Sicht oft übertrieben und irrational. – Wenn ich, und das ist der Inhalt eines meiner Seminare, beginne, mit ihnen über den aktiven Aufbau einer Online-Reputation nachzudenken, ist ein großer Teil von ihnen zunächst eher abwehrend und skeptisch. Das wandelt sich mit der Erkenntnis, dass es besser ist, aktiv zu steuern, was über sie selbst im Netz zu finden ist, als dies Anderen oder dem Zufall zu überlassen.

Nun ist ja nahezu jede Entwicklung natürlichen Pendelbewegungen unterworfen, aber es ist eben durchaus nicht so, als wären sie generell nicht digitalaffin. Sie sind aber womöglich die Vorreiter der Entwicklung hin zu „Tribes“, die ja viele digitale Vordenker längst prognostizieren.

Aber aktive, publizierende Präsenz in den großen Netzwerken, die zum derzeitigen Kanon der digitalen Unternehmenskommunikation gehören, ist eben nicht unbedingt ihre Sache. Was bedeutet das für die professionelle Kommunikation?

Was bedeutet das für die Unternehmenskommunikation?

Es muss natürlich auch nicht jeder twittern oder auf Facebook präsent sein. Aber in diesem digitalen Wandel sollte jeder sich zumindest mit grundlegenden digitalen Prinzipien und deren Auswirkungen auseinandersetzen. Sonst kann man in dieser Gesellschaft nicht Schritt halten und als aufgeklärter Mensch politisch informiert bleiben. Wer sich mit Unternehmenskommunikation im weiteren Sinne befasst, muss auf jeden Fall bestimmte Medien auch aus eigener Anschauung und Erfahrung kennen. Das gilt aber für Profis jeglichen Alters.

Ganz sicher sind – bei aller Begeisterung für die Studierenden, mit denen ich zu tun habe – „Digital Natives“, nur weil sie sich auf Facebook zurechtfinden, nicht bereits vor Abschluss ihrer Ausbildung beispielsweise zum Facebook-Marketing prädestiniert. Wenn es also darum geht, den derzeitigen Kanon der Medien zu bespielen, dann sind sie nicht automatisch die Richtigen dafür, ohne über entsprechende Fachkenntnisse zu verfügen. Andererseits zeigt sich einmal mehr, wie sehr die Unternehmenskommunikation in diesem digitalen Wandel Schritt halten muss mit dem sich wandelnden Medienverhalten jeweils anderer Generationen.

„Das sollen mal die jungen Leute machen!“

„Das sollen mal die jungen Leute machen!“, ist ja nach wie vor ein in Firmen sehr häufig gehörter Ausspruch, wenn es um die Online-Präsenzen des Unternehmens geht. Tatsächlich ist es viel einfacher und geht viel schneller, einem erfahrenen, aufgeschlossenen Marketer die Grundprinzipien digitaler Kommunikation nahezubringen als einen Digital Native zu einem erfahrenen Online-Marketer zu machen. Dies liegt ja auch in der Natur der Sache. Sie sind ja noch mitten in der Ausbildung, und noch vor wenigen Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, dem Werksstudenten mal eben einen Großteil der Firmen-PR anzuvertrauen. Nun ist das ja durchaus keine völlig neue Erkenntnis. Erstaunlich ist nur, dass sich solche Bestrebungen so hartnäckig halten.

Noch erstaunlicher finde ich aber, und da sind wir wieder am Beginn des Artikels, dass, obgleich (oder weil? s.o.) die sogenannten Digital Natives anders mit Technik konfrontiert waren als wir, sind sie auf den ersten Blick nicht per se besonders medien- und digitalaffin. Eine Erfahrung, die übrigens ganz ähnlich Sabine Haas gemacht hat, wie ich gerade las, als ich ein wenig recherchierte: „Skepsis gegenüber der Netzkultur – Keine Frage des Alters“ bloggte sie vor einiger Zeit.

Für mich stellt sich gleichwohl die Fragen: Sind sie wirklich weniger medienaffin? Oder entsprechen sie einfach nur nicht den Erwartungen, die wir aus eigener Erfahrung und aus eigenen Vorlieben heraus in sie projizieren?

Welchen Herausforderungen wir uns stellen müssen

Wir sind ja erst am Beginn des digitalen Wandels, und vieles wird sich erst einregeln. Ganz sicher wird professionelle Kommunikation nach wie vor eine Frage der Ausbildung sein, die manche absolvieren und viele andere eben nicht. Wer mit den Medien vertraut ist, wächst leichter in diese hinein, weil er die Werkzeuge gleich richtigherum anfasst. Aber ausbilden müssen wir nach wie vor gewissenhaft und gründlich.

im Umkehrschluss bedeutet es aber zugleich eine große Herausforderung an die professionelle Kommunikation, mit den Entwicklungen in den nachfolgenden Generationen Schritt zu halten und zu sehen, wo das Kommunikationsverhalten wirklich hingeht. Wir können nicht einfach unser digitales Verhalten und unsere Annahmen auf diejenigen übertragen, die mit den Technologien, welche wir ebenfalls nutzen, groß geworden sind.

Alles das stellt eine Herausforderung an alle Beteiligten dar. Aber eine sehr interessante, der ich mich gerne (mit) stelle. Ich bin sehr gespannt, wie es in fünf, zehn und zwanzig Jahren aussieht, und hoffe sehr, dass ich dann auch noch an der Universität lehre, um dies zu beobachten!

Was meinen Sie dazu? Ich freue mich über Kommentare unter diesem Beitrag!


Dr. Kerstin HoffmannDie Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in digitalen Strategien, Public Relations und Corporate Blogging. Sie gibt Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Ihr Blog “PR-Doktor” ist laut Ebuzzing eines der führenden deutschen Blogs über digitale Kommunikation. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Kerstin Hoffmann mit ihrem Team für Ihr Unternehmen tun kann? Hier geht es zum Beratungsangebot. »

kontakt(at)kerstin-hoffmann.de | Kontaktformular »


Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn gerne mit anderen!

  40 comments for “Denn sie twittern nicht, was sie tun!

  1. 10. März 2015 at 08:42

    Die Leute fotografieren wieder analog? Kaufe ich nicht – womit denn? Kodak ist pleite, Agfa und Ilford auch. Die Hersteller analoger Filme werden langsam rar. Sicher, es gibt auch Leute, die analoge Platten hören, aber eine Massenbewegung wird das nicht mehr.

    Ich finde aber, man muss da unterscheiden: Texte schreiben geht am PC einfach besser als am Computer, digitale Kameras funktionieren besser als solche mit Film – die Leute nehmen ja heute auch das Auto statt des Pferdes. Ob sie allerdings dauerhaft und in Masse Zeit damit verbringen, ihre Privatsphäre zu entblößen, nur weil das auf Facebook plötzlich so einfach geht, das ist eine andere Frage. Und die letzte Statistik, die ich über Twitter gelesen habe, war recht ernüchternd: Zehn Prozent aller Deutschen twittern regelmäßig, der Rest tut’s nicht. Wozu auch?

  2. 10. März 2015 at 08:46

    Zwar zähle ich nicht zu den Digital Natives (30 Jahre, auf dem Land ohne schnelles Internet groß geworden), dennoch kann ich die Positionen der hier porträtierten Stufierenden nachvollziehen. Ich würde mich als onlineaffin beschreiben und trotzdem gibt es Dinge, da schlägt Print das Digitale für mich. Ich habe zum Bsp. einen Kindle Reader, nutze ihn aber nicht, da ich nicht damit klar komme, dass das Ding auf dem Tisch liegt und ich nicht mit einem Blick sehe, wo ich im Buch gerade bin und wie viel noch zu lesen ist, bis es endet. Also kaufe ich wieder Bücher und habe Lesezeichen dafür.

    Ich hab ne zeitlang mal nur online Nachrichten gelesen. Seitdem ich wieder eine Printausgabe abbonniert habe, bilde ich mir ein, die Dinge, die ich gelesen habe, auch zumindest für ein paar Stunden im Kopf zu behalten.

    Im Job nutze ich oft die Word-Kommentierfunktion. Dennoch finde ich, wenn ich die Texte ausdrucke, einen ganz anderen Zugang zu ihnen. Ich streiche an, schreibe etwas handschriftlich hinzu und habe das Gefühl, die Texte so wesentlich besser bearbeiten zu können.

    Bisher saß ich oft hier, hab diesen und andere Blogs gelesen und mich komisch gefühlt, so als ob ich zu dieser Generation gehörte, die das Alte nicht loslassen kann. Aber ich sehe oft wirklich die großen Vorteile des Digitalen nicht bzw. kann es nicht bestätigen, dass private und berufliche Kommunikation und Mediennutzung unbedingt händchenhaltend ins digitale Zeitalter laufen müssen.

    Viele Grüße

    P.S.: Aber selbst ich verschicke keine Faxe mehr 😉

  3. 10. März 2015 at 09:30

    Guten Tag Frau Hoffmann,
    das sind spannende Beobachtungen, die Sie in Ihrem Artikel beschreiben. Ich gehöre auch zu den sogenannten digital Natives und in meinem Bekanntenkreis haben die meisten „nur“ ein Profil auf Facebook. Dort beobachte ich, dass die aktive Beteiligung stark nachgelassen hat. Insbesondere die persönlichen Statusmeldungen sind stark zurückgegangen und es werden eher Beiträge geteilt oder kommentiert als selbst verfasst. Bei unseren Azubis hat mich sehr überrascht, dass alle Whatsapp nutzen aber viele kein eigenes Profil auf Facebook haben. Beim Thema E-Books geht es mir übrigens genauso wie Ihren Studenten. 🙂 Ich bin selbst im Bereich Social Media tätig und bin auch sehr gespannt, wie sich dasKommunikationsverhalten weiterentwickelt.
    Frühlingshafte Grüße aus Süddeutschland, Alena Kotter

  4. 10. März 2015 at 11:04

    Es gibt sie nicht: DIE Generation Y oder DIE Digital Natives. Klar: Ein Smartphone können die alle bedienen. Aber eine zielgerichtete strategische Umgangsweise mit Digitalem bedeutet das eben noch lange nicht. Und auch nicht die Bereitsschaft dazu.

    Meine Anekdote: Ich halte regelmäßig Vorträge zum Thema Netzwerken und „How to find a Job“ auf Hochschul-Karrieretagen. Und da sind viele Studenten kurz vor der Jobaufnahme. Bei der Frage, ob sie denn bereits in beruflichen Netzwerken sein, antworten wieviele mit „Ja“? Na? Durchschnittlich geschätzte 20 Prozent. Das finde ich regelmäßig irritierend.

    Wenn ich dann nach Twitter, Blogs etc. frage, melden sich höchstens noch ein paar versprengte. Übrigens völlig unabhängig von der Fachrichtung.

    Auf der einen Seite beunruhigt mich das, weil irgendeine Stimme in mir sagt: Das ist typisch deutsch und geprägt durch unsere technikskeptische Öffentlichkeit und Bildung; und hier verpassen wir gerade den internationalen Anschluss.

    Aber auf der anderen Seite: Ist doch irgendwie auch beruhigend für uns. Es gibt da noch viel zu tun.

  5. ottmar
    10. März 2015 at 11:38

    Ja, ich sehe es an meinen Kindern. Ich habe früher auch mit chemischer Entwicklung rum gepuscht, mein Kinder fotografieren jetzt wieder analog. Warum? Meine kleine hat es so ausgedrückt: bei einer Digitalkamera sind alle erschreckt, analog wird freudig gelacht. Analog ist in, auf der Highend habe ich die Plattenspieler bewundert deren Knistern ich noch im Ohr habe. Die Kinder wollen anders als die Eltern, aber die analoge Zeit ist vorbei. Das beginnt schon beim Lesen der Tageszeitung. Denn da sperren sie sich vor dem Format und nehmen höchstens das Tablett zur Hand. Und die Zeitung ist wichtig.

  6. Jürgen Zirbik
    10. März 2015 at 11:44

    Ich beobachte Gegenteiliges bei „meinen“ Studenten. Digital ist einfach vollkommen normal. So wie ich die Zeitung am Morgen „erwarte“, gehen die Studierenden (Eventmanagement) mit der digitalen Welt um. Allerdings spielen dabei die großen Plattformen eine zunehmend geringere Rolle. Wo alle sind (auch die „Alten“), da wird es schon wieder uninteressant. Lass uns doch unser eigenes Ding machen.

    Facebook scheint out zu sein (Datenkrake), Twitter war nie wirklich in (irgendwie uninteressant). Bilder (Pinterest) Musik und Videos sind der Renner- und das studentische Netzwerk. Also lebensnahes digi-netzwerken via Smartphone und Lap. Das finde ich interessant, denn es bildet sich eine eigene, kleinere Digiwelt heraus. Ein Gegenentwurf zum mittlerweile Etablierten: „Das ist 2000ter“, also uralt :-), „wir sind 2010er“, eine völlig andere Welt. Da steckt ein Tempo drin, dem wir „Alten“ (ich selbst Bj. 1957) kaum folgen mögen (können?).

    Alte Medien, inklusive Analogfotografie (das ist wohl etwas für Liebhaber und Künstler) und Ähnliches, spielen keine bedeutende Rolle, so mein Eindruck. Medienkonsum läuft hier über 80 Prozent (mindestens) über das Netz. Für Fotos braucht man nicht einmal einen Fotoapparat – Tablet und Handy tun es auch. Im Übrigen macht man da schon mal lieber ein Video…

  7. 10. März 2015 at 11:51

    Ach schön beruhigend, dass nicht nur ich diese Erfahrungen mache. Ich unterrichte seit Jahren im Bereich Online-Redaktion und Marketing. Das sind junge Studierende, die Kommunikation und die Produktion von Inhalten lernen wollen. Diejenigen, die aktiv ein Blog, einen Twitter-Account oder einen YouTube-Account betreiben sind verschwindend gering. In der Regel eine/r oder zwei pro zehn Studierende. Ich finde das tragisch, weil ich die – vor allem kostenlosen – Möglichkeiten zum Experimentieren im Web sehr hoch schätze. Praxis schlägt Theorie.

    Selbst das Argument, dass man sich durch Sichtbarkeit hervorhebt und evtl. dadurch einen Arbeitsplatz bekommt, verstehen meine Studierenden nicht wirklich. Nach einem Semester hat sich so gut wie nie der Status Quo verändert.

  8. 10. März 2015 at 12:13

    Liebe Kerstin,

    ja, ich mache in meiner Arbeit als Job-Coach ähnliche lustige Erfahrungen, wenn es um digitale Sichtbarkeit geht.
    Ich stehe da als Digital Immigrant – in meiner ersten Ausbildung mit Teletext! aufgewachsen – und erzähle meinen Kunden (15 – 20 Jahre jünger) begeistert, wie man die Sozialen Medien für die Bewerbung strategisch nutzen kann. –
    Auch im privaten Umfeld der Anfang Zwanzigjährigen kann ich das bestätigen: es wird wieder analog fotografiert, auf Facebook nix Privates und Basteln, Stricken, Upcyclen ist in. Das Ergebnis gerne danach auf Instagram ….

  9. Grützner, Gunnar
    10. März 2015 at 12:16

    Ein wirklich interessantes Thema. Die Entwicklung treibt alle an. Was wir grauhaarigen (Jhg. 58) Kommunikation, Marketing usw. nennen und uns darüber permanent Gedanken machen, wie wir richtig vernetzt sind, wir wir Strukturen den neunen Möglichkeiten unterordnen können oder uns auch von diesen teilweise (un)bewusst fangen lassen, läuft das bei den sogenannten „Digital Natives“ einfach nebenher. Einfach so.
    Und jetzt kommen wir und grübeln. Ihre Frage „Oder entsprechen sie einfach nur nicht den Erwartungen, die wir aus eigener Erfahrung und aus eigenen Vorlieben heraus in sie projizieren?“ trifft für _mich_ den Kern.

  10. maria
    10. März 2015 at 12:31

    Und ich druck mir die Seite jetzt aus. Jawoll! (Maria, Jahrgang 1960)

  11. 10. März 2015 at 12:56

    ich finde davon einiges als völlig der „Verhaltensnorm“ entsprechend. Haben Ältere ein SocialMedium erobert können junge Erwachsene dort sich nicht mehr ganz so heimisch fühlen, Jugendliche schon gar nicht.
    Wer geht schon gern ins selbe Kaffeehaus wo Muttern sitzt? Egal welches Alter beide haben…

    Studierende und spätere Jobsuche: meine Erfahrung lehrte mich, dass junge Menschen sehr viel mehr im Hier und Jetzt leben; die Welt von Studierenden ist das Studieren (auch wenn Unis diesen Anspruch seit einer gewissen Reform kaum mehr erfüllen, sie bilden eher fürs Arbeitsleben aus und wurden Schulen) –

    Jobsuche ist eine andere Zeit und wie arm wäre unsere Welt, wenn jeder nur mehr in der Vorsorge leben tät … Vorsorgen : zb sich während des Studiums um den angrenzenden Job zu kümmern ist ein Thema der Vorsorge… genauso wie die Pensions//Rentenversicherung – alles ein Leben im „Später“ nicht im „Jetzt“.

    Viele in meiner Generation sind stolz, weil sie diese digitale Welt eroberten oder grade dabei sind es zu tun, eben alles neu, super, toll => so wie sich der Musikgeschmack im Laufe eines Lebens oftmals ändert, sich die Kleidung verändert, das Selbstbild, so ändert sich auch der Umgang mit Gruppierungen (SocialMedia) oder mit der Technik.

    Nebst der Tatsache, dass ich seit ´77 einen PC habe, mache ich das Papier für meine Grußkarten selbst => als Hobby und weil es nun was Besonderes ist. Stricken wurde hochmodern, weil es was Besonderes wurde in einer Zeit der Kleidungsmassenproduktion und Billigware – Stricken ist ein teures Hobby geworden, meine Oma tat es um Geld zu sparen….

    ich wäre entsetzt, würden meine Kinder dieselben Plattformen nutzen wie ich => es wäre das absolut untrügliche Zeichen, dass sie alt geworden sind 🙂 [ ich natürlich nicht! ]

  12. 10. März 2015 at 13:54

    Witzig. Da decken sich unsere Beobachtungen und die Äußerungen der Studierenden ja fast wörtlich..

    http://www.result.de/skepsis-gegenueber-der-netzkultur-keine-frage-des-alters/

    http://www.result.de/skepsis-gegenueber-der-netzkultur-keine-frage-des-alters-2/

    Das weist ja schon auf einen Trend hin..

  13. Marlene Hofmann
    10. März 2015 at 14:23

    Eine interessante Beobachtung. Ich, die vielleicht gerade noch zur erwähnten Gruppe gehört, würde mir das so erklären: In jeder Generation gibt es Leute, die 1) gern schreiben und publizieren – die machen jetzt auch Blogs, 2) gern kommunizieren & Erfahrungen austauschen – die tun das jetzt auch online aktiv, 3) Liebhaber, die gern Schallplatten hören und lieber analog fotografieren und 3) Leute, die damit nicht so viel am Hut haben und lieber Inhalte anderer konsumieren, gern auch digital. Die letzte Gruppe ist die größte. Die Verteilung ist bestimmt in jeder Generation gleich. Nur, weil jetzt problemlos jeder bloggen könnte, tut das ja noch nicht jeder. Und wenn sich nicht alle Internetnutzer in einer Handvoll riesiger Netzwerke versammeln, sondern alles etwas pluralistischer und nischenorientierter wird, ist das auch nur positiv (im Hinblick auf die übergroße Macht internationaler Unternehmen), aber auch in Bezug auf zielgruppenorientiertes Marketing. Ich selbst liebe übrigens Blogs, Twitter und E-Books – aber das ist eben Geschmackssache!

    Herzliche Grüße,
    Marlene Hofmann

  14. Sachse
    10. März 2015 at 14:28

    Als Kind der ersten Stunde (Bj 65), würde ich mich eigentlich als „digital natives“ beschreiben, aber diese Wahrnehmung ist richt und falsch zugleich. Für usn war udn ist es ein täglich neuer Kosmos, der sich schneller entwickelte als wir selbst gereift sind. Wir haben in den 90ern eine komplett neue Welt entdeckt und geschaffen, die wir immer noch staunend begaffen. Für meine Nachkommen (Bj 90) ist es etwas ganz anderes: Alltag. Nüchtern, sachlich, hypless der Umgang mit den Werkzeugen, die dieser Aspekt des Lebens bietet. Genauso wird es erfahren udn genutz. EIN Aspekt und nicht das neue Zentrum, wie viele es im Bereich Kommunikation gerieren. Als Kaufmann (und Unternehmensberater) erinnere ich gerne daran, dass die .com Blase bereits in den 2000 geplatzt ist, dass in den Köpfen der vor90geborenen nur nicht wirklich angekommen ist. Wir Senioren träumen da immer noch den gleichen Traum, währen die nachwachsenden Jahrgänge das mit der notwendigen Sachlichkeit viel prakmatischer erkennen, nutzen und umsetzen.
    Zum Verlgeich: Wer geht heute noch in die öffentliche Bücherhalle um zu lesen? Haben Sie einen Bibliotheksausweis? Lesen Sie Bücher online? Lesen Sie überhaupt einen längeren Text am Bildschirm/Monitor/Display/Touchscreen?

    Eben.

  15. 10. März 2015 at 14:33

    Habe ich auch festgestellt, daher ist dein Artikel oben ja auch verlinkt.

  16. 10. März 2015 at 14:33

    Schön, mit dieser Beobachtung doch nicht ganz so alleine zu sein. Ich bin auch erstaunt, wie wenig sichtbar PR-Studierende im Mainstream-Netz sind. „Digital Native“ heißt halt nur, dass man „Zeitgenosse“ ist, und nicht, dass man es selber täglich und immer „macht“. Ich bin seit letztem Sommer auch „Weltmeister“ oder war mal „Papst“, kann aber weder Ronaldo ausdrippeln noch einen Rosenkranz beten… Die schiere Möglichkeit, dass man mit seinem Smartphone heutzutage ein 4k-Video aufnehmen kann, macht noch niemanden zu einem zweiten Steven Spielberg, und die Tatsache, dass man noch nie eine Floppy Disk gesehen hat, noch lange nicht zu einem zweiten Steve Jobs. Es ist das Interesse an der onlinekommunikativen Sache selbst, die „wir“ PRler den Studierenden fälschlicherweise unterstellen. Sie haben – wie die meisten anderen älteren auch – halt gänzlich andere Interessen und kümmern sich um völlig andere Dinge. Und das ist total cool so! Ich hatte als pickeliger Teenie auch ein Moped, aber keine Ahnung, wie man den Vergaser wieder zusammenschraubt. Ich hatte einen Walkman, aber trotzdem keine coole Teenie-Mucke auf der MusiCassette. Ich war Zeitgenosse, aber nicht Trendscout…

  17. 10. März 2015 at 14:37

    Witzig, diese Pendelbewegung. Aber vielleicht nicht schlecht. Diese Hype um die sozialen Netze war einfach ein wenig zu viel. Irgendwann wird sich das auf einem normalen Niveau einpendeln.

    Ich selbst gehöre wohl eher nicht zu den „digital natives“ (bin knapp 60), bin aber seit 40 Jahren Softwareentwickler. Twitter und Facebook habe ich mir angeschaut, fand es irgendwie auch ganz interessant, aber nach einem Blick auf die AGB habe ich von einer Anmeldung Abstand genommen. Blogging fand ich hingegen hochinteressant, von Anfang an. Ich habe mir ein Blog selbst geschrieben und bis Ende letzten Jahres betrieben. Momentan fehlt mir einfach die Zeit dafür. Ein Smartphone hatte ich auch bis vor Kurzem, da ich auch eine Zeit lang als Webentwickler gearbeitet habe (zur Kontrolle der Arbeiten). Es ist kürzlich kaputt gegangen. Also habe ich meinen alten Teleknochen wieder reaktiviert. Tut auch. Ich finde es äusserst witzig und amüsant, dass ich mit einem Mal wieder modern bin.

    Das Internet mit all seinen Möglichkeiten hat Vorteile, aber auch Nachteile. Wer die Ruhe bewahrt und eigene Entscheidungen trifft und sich diese Entscheidungen nicht von der Masse abnehmen lässt, fährt meist recht gut.

  18. 10. März 2015 at 14:55

    Na, Super! Meinst Du, das habe ich gesehen? Dabei habe ich den Artikel bis zu Ende gelesen. Aber das passiert, wenn man zwischendurch telefoniert und dann weiterliest.. So was. Ist mir auch noch nie passiert. Sorry.

  19. 10. März 2015 at 14:59

    Liebe Kerstin,
    das ist in der Tat faszinierend und erschreckend zugleich, dass viele Firmen immer noch pauschal sagen „Lasst die Online-Kommunikation mal die jungen Leute machen!“ Man sollte meinen, es hätte sich in der Zwischenzeit herumgesprochen, dass Unternehmenskommunikation in geschulte Hände gehört, und nicht *jeder* die Außendarstellung (mit)bestimmen kann, der aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Altersgruppe automatisch dafür prädestiniert erscheint. Manchmal denke ich, ich stecke zu tief in meiner „Filterblase“ und dass wir das doch längst hinter uns gelassen haben; aber in der Praxis scheint sich der „Digital Native Praktikant“, der im luftleeren Raum die Online-Unternehmenskommunikation schmeißt, doch stellenweise hartnäckig zu halten. 😉

  20. 10. März 2015 at 14:59

    (Sehr schön ist übrigens die URL zu diesem Beitrag, die mit „denn sie twittern nicht, sie tun“ doch auch eine sehr treffende Aussage macht… :-))

  21. 10. März 2015 at 15:27

    Großartige Denkanregung mal wieder, liebe Kerstin. Sehr spannend!

    Bin ganz bei Lars Hahn: Es gibt nicht mehr die Generation Y. Sondern nur Einzelfälle. Da überlagern sich so viele Effekte, dass es schlicht unmöglich ist, ein klares Bild herauszuarbeiten (Retro-Trend, Skepsis gegenüber dem Nutzen von Social Media in Relation zum nötigen Zeiteinsatz, Papier als avantgardistische Provokation, Begreifbarkeit und Abgeschlossenheit von Papiermedien als Gegenentwurf zu einer entgrenzten Online-Welt, Angepasstheit gegenüber dem Beharrungsvermögen der alten Machtstrukturen, vor allem im Hinblick auf die berufliche Zukunft „Studenten wollen Beamte werden“ usw.).

    Möglicherweise hilft bei der Betrachtung ein Aspekt, der gern vernachlässigt wird: Die Ein-Prozent-Regel von Jakob Nielsen. Sie sagt, dass online 90 Prozent passiv bleiben, 9 Prozent von Zeit zu Zeit reagieren und tatsächlich nur 1 Prozent aktiv ist. Im persönlichen Kontakt („anekdotische Evidenz“) wären also 200 Gespräche nötig, um zwei Aktive und Begeisterte zu finden, während die überwältigende Mehrheit vollkommen passiv oder nur gelegentlich aktiv erschiene: überwältigendes Potenzial für einen Statistik-Bias.

    Stellt man dem die Zahl der verkauften Smartphones und Tablets oder ähnliche Erhebungen gegenüber, gerät man schnell ins Grübeln, da kann was nicht stimmen. Aber ganz ehrlich: Ich habe auch nicht die geringste Ahnung und sammle Gedanken. Deshalb: grazie mille! 🙂

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/junge-studenten-ziehen-eine-stelle-beim-staat-der-freien-wirtschaft-vor-13028053.html

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ein-Prozent-Regel_(Internet)

  22. 10. März 2015 at 16:11

    Hallo,

    die Beobachtungen decken sich voll mit denen, die ich mit unserem Studenten machen. Er ist absolut Technik affine und fit im Umgang mit den „neuen“ Medien. Trotzdem nutzt er Sie ganz anders als ich gedacht hätte. Facebook – nein Danke, eBooks – nöö, Fotos mit dem Smartphone – nur im Notfall.

    Ich finde es sehr schön das er (und anscheind auch seine Kommilitonen) so bewusst mit neuer Technik und neuen Medien umgehen können und das sie sich auch sehr bewusst zum teil dagegen entscheiden.

  23. 10. März 2015 at 20:28

    Herr Kemper,
    Weder Kodak noch Ilford sind pleite, und das ist auch gut so.

  24. 10. März 2015 at 22:54

    Wir sollten nicht den Fehler begehen und das Thema aus der engen deutschen Sicht heraus betrachten. Solange in den meisten deutschen Schulen Web 2.0 von Altvorderen verteufelt wird (Datenkraken, WLAN-Strahlung, digitale Demenz, …), werden „Digital Natives“ die warnenden Stimmen ihrer Eltern und Lehrer multiplizieren. Ihnen fehlen häufig die digital arbeitenden Vorbilder.

    Man möge bitte mal in skandinavische / baltische Länder, nach Australien, Japan oder China schauen! – Deutschland, digital im OECD-Mittelfeld, ist keineswegs der Nabel der twitternden Welt.

    Ich bin übrigens 61 Jahre alt, Lehrer mit den Fächern Religion und Sozialwissenschaften, und seit Jahren in allen gängigen Netzwerken zu Hause. Selbst Fido-Mailboxen und krächzende Akustikkoppler / Modems habe ich noch erlebt. Seit knapp zwei Jahren beteilige ich mich an dem Projekt „OpenData & Schule“ (eine Kooperation mit der Stadt Moers und der Hochschule Rhein-Waal).

  25. 11. März 2015 at 07:40

    Total d’accord. Deutschland ist nicht nicht nur der Nabel der twitternden Welt. Wir sind auf dem besten Weg ins Entwicklungsland, weil Wirtschaft und Entsxheider sich dem Digitalen so weitgehend verweigern. Aber das ist wieder ein anderes Thema – um das es übrigens demnächst hier ausführlicher gehen wird.

  26. 11. März 2015 at 09:10

    Toller Artikel. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass viele Digital Natives eine Menge über Social Media wissen. Aber zu wenig von Marketing verstehen. Und deshalb selber auf keinen grünen Zweig kommen. Und auch keine Unternehmen beraten können. Da bin ich ganz Ihrer Meinung.

  27. 11. März 2015 at 09:20

    Ahoi,
    Ich gehöre mit zu diesen Digital Natives (25 Jahre). Ja ich bin einer der Wenigen in meinem Bekanntenkreis, die Twitter aktiv nutzen, die einen eigenen Blog bespielen und auch einen Facebook- und elloaccount haben. Momentan sitze ich in Kanada und hier ist es ein wesentlich größerer Teil der Normalität sich vor allem auf Twitter und Facebbok zu bewegen.
    Ich habe das Gefühl, dass es zwei Gründe für die jungen, vor allem gebildeteten Deutschen gibt diese sozialen Netzwerke zu meiden. Zum einen, wie Thomas Nolte weiter oben schon geschrieben hat: Uns wurde von Lehrern, Eltern und anderen Autoritäten vermittelt, dass wir ja vorsichtig sein sollen, was wir im Netz teilen. Weil man weiß nie und so weiter und so fort.
    Zum anderen hat es für mich ganz stark damit zu tun, dass wir immer weiter auf Effizienz getrimmt wurden. Das sieht man vor allem in den Auswirkungen des Bolonga-Prozesses. Sich für studentische Belange zu engagieren wird eher zur Seltenheit. Es sei denn ich kann mein Engagemten später in meiner Bewerbungsmappe reinkleben, um meinen zukünfitgen Arbeitsgeber zu beeindrucken. Da ist ein soziales Netzwerk wie Twitter eine Versuchung, die jeder einsehen kann und dadurch eine Stolperfalle in meiner Karriere bedeuten kann. Deshalb umgehe ich diese weiträumig.
    Vielleicht ist das auch eine Entwicklung, die ich meine zu beobachten: Ein Neo-Biedermeier. Wir ziehen uns ins private zurück, weil wir keine Veränderung erwarten. Nicht in der Politik, nicht im Netz. Wir wollen nicht auffallen. Denn wer den Kopf rausstreckt, der bekommt ein über die Rübe gezogen. Für uns gibt es kaum positive Vorbilder die uns zeigen, wozu soziale Netzwerke taugen. Wir lernen viel eher über negative Beispiele, wie Facebook-Parties, Kündigungen wie Justine Sacco oder Trivia wie #thedress. Aber positive Narative über soziale Netzwerke gibt es kaum. Vor allem nicht im deutschen Raum.

    Was das Ganze mit der Rückkehr zur Analogfotografie und Büchern zu tun hat? Zum einen ist es meiner Meinung nach ein Trend (die meisten haben keine Ahnung von Fotografie und werden nach wenigem Knipsen wieder ihr Smartphone rausholen). Zum anderen ist es wie gesagt ein Neo-Biedermeier. Eine Rückbesinnung auf alte Werte, weil wir Angst haben, was uns unsere Zukunft bringt.

  28. 11. März 2015 at 11:03

    Manchmal komme ich aus dem Schmunzeln nicht mehr raus. Das Leben und das Verhalten wird immer eine Wellenbewegung bleiben. So sind die Jungendlichen von heute wieder neugierig auf das „Alte“. Habe ich gerade auch im Bekanntenkreis gehört, dass wieder Spiegelreflexkamera der Eltern gefragt sind, mit Film und Filtern. Dass FB von den Jüngeren gemieden wird, liegt vielleicht wirklich daran, dass Kinder nicht so gern im selben social Netzwerk sind wie Eltern und Großeltern.

    Viele Jugendliche sind auch aufgklärter bzgl. Fotos und Äußerungen, die irgendwann einmal gegen sie verwandt werden könnten im Netz.

    Interessant finde ich, dass auch aus meiner Erfahrung viel weniger persönliche Statusmeldungen zu finden sind. Es wird alles mögliche Belanglose geteilt und geliked. (Was natürlich auch wieder etwas über den Menschen aussagt.) Man kann nicht ohne Spuren im Netz leben und deswegen verabschieden sich vielleicht viele wieder daraus. Eigentlich schade, mir macht es überwiegend Freude. Und wenn ich nun in meinem Alter noch mal wieder neu anfangen soll… ganz schön anstrengend.

    Übrigens teile ich die Meinung von Wieland: ein deutsches Phänomen.

  29. 11. März 2015 at 11:46

    Jugendliche und soziale Netzwerke oder „Geh sterben, Facebook!“
    Auf Golem hat sich ein Siebzehnjähriger gerade dazu geäussert:

    http://www.golem.de/news/jugendliche-und-soziale-netzwerke-geh-sterben-facebook-1503-112782.html

  30. 11. März 2015 at 13:42

    Was der Thomas Nolte sagt:
    „Solange in den meisten deutschen Schulen Web 2.0 von Altvorderen verteufelt wird (Datenkraken, WLAN-Strahlung, digitale Demenz, …), werden “Digital Natives” die warnenden Stimmen ihrer Eltern und Lehrer multiplizieren.“
    Genau!
    Und dann kommt der oberste Lehrer Deutschlands im Rahmen des Bildungskongresses didacta kürzlich daher und redet von „Totaler Zwangsdigitalisierung“. https://medium.com/@DerLarsHahn/zwangsdigitalisierung-an-deutschen-schulen-sch%C3%B6n-w%C3%A4r-s-rant-7a352fa01585
    Und das hat der absichtlich gemacht! Der meint das so.

  31. 11. März 2015 at 15:40

    „… dann habe ich den Eindruck, dass gerade Twitter für junge Leute in Deutschland kaum Relevanz besitzt …“

    Mein Eindruck ist, dass Twitter bei jungen Leuten vor allem in der Fankultur sehr relevant ist. Fast jeden Tag ist irgendein ask[YouTubestar einsetzt]-Hashtag in den Trends. Ich gehe davon aus, dass die Fragesteller im Schnitt deutlich unter 20 sind.

    Allgemein: Ich glaube, die Hexenverbrenner-Kultur im Netz hat einen großen Anteil daran, dass sich die Leute abwenden und das Interesse verlieren. Medial wird dann nochmal Bezin ins Feuer gekippt („Selbstmord nach Facebook-Mobbing“ etc.) und fertig ist.

    Dazu kommt vllt. noch ein durchaus verständliches Desinteresse an der ständigen Weiterentwicklung, ständig neuen Trends und der absolute Reizüberflutung.

    Persönlich kann ich sagen: Ich bin digital sehr interessiert, auf verschiedenen Netzwerken unterwegs, kaufe aber gedruckte Bücher und Musik auf Schallplatten. Warum? Weil sie mir untergründig Wert und Beständigkeit vermitteln und nicht so flüchtig sind wie digitale Medien.

  32. Thomas
    11. März 2015 at 16:38

    Vielleicht ist es auch wichtig im Hinterkopf zu haben, dass das Konzept der „Digital Natives“ keinerlei wissenschaftliches Fundament hat. Der Begriff wurde 2001 in einem Artikel eines Ausbildungsspezialisten erstmals erwähnt – und von dort aus hat sich der Mythos des Digital Natives ausgebreitet.

    Insofern vernebelt die Diskussion um die Korrelation „Lebensalter – digitale Kompetenzen“ eher den Blick auf andere Einflussfaktoren wie sozioökonomischer Status, Ausbildung, Geschlecht etc.

    Einen spannenden Artikel dazu findet man hier: http://www.thebaffler.com/blog/the-digital-native-a-profitable-myth/

  33. 15. März 2015 at 20:14

    Ich denke, man muss da Senden und Empfangen unterscheiden. Nur weil ich nicht total bei FB oder Twitter poste, heißt das nicht, dass ich mir passiv keine Infos ziehe. Dann bin ich eben der stille Mitleser, der seinen eigenen Mix macht: FB, Twitter, die Papier-Wochenzeitung oder RSS. Hauptsache, ich komme an relevante Neuigkeiten und Themen.

    Andererseits: Es gab kürzlich eine repräsentative SINUS-Studie aus Baden-Württemberg (habe leider gerade den Link nicht parat), in der Azubis gefragt wurden, wie sie sich über _Unternehmen_ informieren würden. Dort landeten Youtube, FB, Twitter etc. buchstäblich auf den letzten Plätzen. Schon interessant. Unternehmen (oder eben professionelle „Sender“ scheinen dort keine große Glaubwürdigkeit zu besitzen). Ich selbst kenne den Fall eines Industrieverbandes, der 35.000 EUR in ein Imagevideo investiert hat und jetzt ins Kissen weint, weil es bei FB und YT keiner anklickt. So kann’s eben auch gehen.

  34. 15. März 2015 at 22:56

    Äh – ja, genau. Um diesen Unterschied zwischen Senden und Empfangen dreht sich ja eigentlich ein Gutteil des Artikels. 😉

    Interessant ist aber übrigens auch der Dreh bei Nicht-Digitalaffinen, wenn sie den Dreh zum Selbst-Senden vollziehen und vergessen, dass man das Web auch nutzen kann, um Informationen zu bekommen. Davon handelt der Artikel, der übermorgen, Dienstag hier als Nächstes erscheint.

  35. Uwe
    19. März 2015 at 10:25

    Vielen Dank für diesen sehr interessanten Beitrag, der sich auch mit meinen eigenen Beobachtungen im kleineren Umfeld deckt. Da gibt es z.B. einen spotifysozialisierten 17jährigen, der sich einen Plattenspieler kauft, weil er sich mit der Musik seiner Lieblingsbands intensiver beschäftigen und sie nicht nur konsumieren möchte, wie er sagt. Oder der Ausspruch einen 10jährigen – eines wahren Digital Native, der meinte „Hoffentlich gibt es Bücher nicht irgendwann nur noch auf dem Computer. Das wäre doof.“ Oder ich selbst, der ich twittere und facebooke, was das Zeug hält, mehrere Blogs betreibe, begeistert bin von digitalen Literaturprojekten wie Christiane Frohmanns „Tausend Tode schreiben“ – und trotzdem niemals auf den Genuss verzichten würde, ein gedrucktes Buch in der Hand zu halten. Digitalpioniere lächeln ja meistens über den Begriff „Haptik“, aber ich glaube, eben diese Haptik ist der alles entscheidende Unterschied. Und der Grund, warum gedruckte Bücher nicht verschwinden werden. Mehr zu diesen Überlegungen habe ich hier aufgeschrieben: http://wiewerdenwirlesen.de/von-haptik-und-buechern/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *