Text-Check: Ist das relevant oder kann das weg?

textGoethe, Heine und wahrscheinlich noch mindestens vier bis sechs weiteren deutschen Dichtern wird die Entschuldigung für einen Brief zugeschrieben, der deswegen so lang ausgefallen sei, weil der Betreffende wenig Zeit zum Schreiben gehabt habe. Da ist viel Wahres dran. Natürlich sind nicht alle langen Texte schlecht und alle kurzen gut. Entscheidend ist vielmehr, wie viel Text man braucht, um den gleichen Gehalt zu erreichen.

Gehalt ist mehr als Inhalt

Ich schreibe bewusst Gehalt und nicht Inhalt, denn es geht nicht um Inhalte allein. Texte haben ja noch andere Aufgaben als zu informieren, und zwar auf ganz unterschiedliche Weise, je nach Gattung und Zweck. Wollte man das nur nach Informationsdichte beurteilen, fielen wahrscheinlich die meisten Gedichte gnadenlos unter den Tisch.

Aber welche Mengen überflüssigen Geschwurbels sich selbst in einem Fünf- oder Sechszeiler unterbringen lassen, ist mir kürzlich einmal wieder klar geworden, als ich meine eigene Autorenbeschreibung überarbeiten musste: eine kurze Beschreibung meiner Person und dessen, was ich beruflich mache. Bei eigenen Projekten sind ja bekanntlich selbst Berufsschreiber schon mal auf beiden Augen blind. So auch ich in diesem Fall. Egal, wie ich es anpackte, welche Wörter ich umstellte, was ich hineinpackte und wieder herausnahm: Es kam mir nie zufriedenstellend vor.

Zum Glück sah ich in meinem Messenger eine mir nahestehende Edelfeder online und kopierte flugs die Kurzbiographie in das Chatfenster. Eine Minute später klingelte das Telefon, und während wir gemeinsam den Text durchsprachen, legte sie nacheinander den Finger auf alle überflüssigen und schwammigen Stellen. Die fertige Beschreibung war nur noch ein Drittel so lang, aber ungefähr dreimal so aussagekräftig. Eine Beschreibung, die sich, wie alle guten Texte, so flüssig und selbstverständlich las, als hätte man sie niemals anders schreiben können.

Wie schreibt man solche guten Texte?

Texte für andere sind zugegebenermaßen immer einfacher als solche Selbstbeschreibungen. Wäre das anders, wäre ich ja als professionelle Texterin verloren. Gute Texte schreibt man also mit viel Übung – und denen einen fällt es zudem leichter als den anderen. Natürlich ist das Thema komplexer, als sich in einem Blogartikel zusammenfassend lässt. Hier geht es nicht um Schreiben generell, sondern ganz speziell darum, was in ein bestimmtes Stück hineingehört und was nicht.  Ganz gleich wie leicht oder wie schwer es Ihnen fällt: Die folgenden Fragen helfen Ihnen dabei, herauszufinden, welche Bestandteile eines Textes relevant sind und welche Sie weglassen können (und sollten). Je kürzer der Text, desto genauer sollten Sie hinsehen. Handelt es sich nur um wenige Sätze, sollten Sie jedes einzelne Wort prüfen.

Der Text-Check

Wenn es konkrete Daten und Informationen sind:

  • Was sagt es aus, welchen Informationswert hat es tatsächlich?
  • Was bringt diese Information dem Leser im Hinblick auf das Ziel des Textes? Beispiel Kurzbiografie: Ist diese Information relevant für den Zweck, für den sie geschrieben ist?
  • Enthält es relevante Daten?

Wenn es sich nicht primär um Informationen/Daten handelt:

  • Trägt es zur Unterhaltung bei?
  • Illustriert es einen Sachverhalt?
  • Erzeugt es eine andere Stimmung, die zum Ziel des Textes gehört? Ist es beispielsweise: witzig , ergreifend, berührend, polarisierend …
  • Motiviert es den Empfänger zum Weiterlesen?
  • Macht es den Text leichter lesbar?
  • Trägt es zum besseren Verstehen bei?
  • Dient es dazu, eine Handlung oder eine Reaktion auszulösen?

War dieser Blogartikel hilfreich für Sie? Hat er etwas in Ihnen ausgelöst? Ich freue mich über Ihren Kommentar.

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Die Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät Unternehmen in klassischer PR & Social Web.
Kontakt: Tel. 02151 970785; kontakt(at)kerstin-hoffmann.de; www.kerstin-hoffmann.de

  4 comments for “Text-Check: Ist das relevant oder kann das weg?

  1. Barbara Waßenberg
    23. November 2011 at 09:15

    Hilfreich? Ja.
    Ausgelöst? Ein Nicken.

    Und ich habe einen Text über Text bis zum Ende gelesen. Das sagt alles.

    Danke.

  2. 23. November 2011 at 09:24

    Sehr schön kurz gesagt! ;)

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