Heute schon ein Buch geschrieben? – der Realitäts-Check

BooksUnter Beratern, Trainer, Coaches und PR-Leuten grassiert ein seltsames Gerücht, das inzwischen den Status einer absoluten Wahrheit erlangt hat: „Ein eigenes Buch ist die beste PR. Wer ein Buch geschrieben hat, ist fein heraus, bekommt wie von selbst die höchsten Honorare und braucht sich um Aufträge keine Sorgen mehr zu machen.“

Ich kenne mehr Menschen, die Bücher schreiben wollen als solche, die regelmäßig welche lesen. Wenn ich erzähle, dass ich gerade an einem Buch arbeite, höre ich in neun von zehn Fällen: „Ach ja, das will ich auch schon immer. Mache ich demnächst. Denn ein eigenes Buch ist die beste PR… usw.“

Tatsächlich sind die meisten erfolgreichen Leute, die ein Buch veröffentlicht haben, gefragt, gesucht und gut bezahlt, weil sie gut sind. Deswegen sind auch ihre Druckwerke interessant – und nicht umgekehrt. Dann ist das Buch natürlich auch zugleich hervorragende PR.

Aber die Welt ist voll von nichtssagendem Schriftgut, das außer der stolzen Oma und den Eltern des Schriftstellers niemand lesen will. Viele Verlage bauen auf die Eitelkeit derjenigen, die sich zum Autor berufen fühlen, und lassen sich Veröffentlichungen gut bezahlen.

Sie wollten auch immer schon ein Buch schreiben? Dann nehmen Sie die folgenden Punkte einfach einmal als Denkanregung:

1. Haben Sie wirklich etwas zu sagen?

… und zwar etwas, das andere Menschen – große Mengen anderer Menschen! – interessiert und bewegt? Haben Sie etwas Neues beizutragen? Was ist Ihre Botschaft? Nicht der Mitteilungs- oder Selbstdarstellungsdrang und auch nicht die Karrierewünsche des Autors sind ausschlaggebend für den Erfolg eines Buchs, sondern der inhaltliche Wert für die Leser. Das Thema, das Sie wählen, sollte zudem locker für hundert oder mehr Seiten tragen. Ansonsten machen Sie besser einen Blogbeitrag oder einen Zeitungsartikel daraus.

2. Schreiben Sie gerne?

Wenn Sie sich jedesmal an den Computer quälen müssen und eigentlich schon in der Schule Aufsätze gehasst haben – gehen Sie in Ihrer kostbaren freien Zeit lieber angeln, golfen oder ins Kino. Und verwenden Sie Ihre Arbeitszeit für etwas, das Sie wirklich gut können und gerne tun.

3. Schreiben Sie gut?

Schreiben Sie flüssig und verständlich? Können Sie mit dem, was aus Ihren Tasten kommt, andere begeistern und bei der Stange halten?  Finden Sie fesselnde Einstiege? Halten Sie längere Strecken durch? Sind Sie mit den grundsätzlichen formalen Anforderungen des Schreibens für dieses Genre vertraut? Fehlende Rechtschreibsicherheit ist kein Problem – so etwas kann man korrigieren. Schlechten Stil in guten oder gar Lahmes in Fesselndes zu verwandeln, ist deutlich schwieriger. Wenn Sie sich zutrauen, ein ganzes Buch mündlich zu erzählen, das andere dann aufschreiben: auch eine Option. Aber dann informieren Sie sich am besten zunächst über die Honorare für Ghostwriter, ehe Sie das Projekt in größerem Stil bekannt machen. Am besten setzen Sie sich dabei hin…

4. Haben Sie aktuell viel Zeit übrig?

Ein Buch schreibt man nicht an einem Tag und auch nicht in einer Woche. Sie können stückchenweise vorgehen. Aber wenn Sie vorhaben, über Monate und Jahre immer mal wieder an Ihrem großen Werk zu arbeiten, ist ziemlich wahrscheinlich nach einer Weile die Luft heraus oder  das Thema überholt. Oder jemand anders hat schon darüber veröffentlicht. Eine Auszeit ist eine gute Gelegenheit zum Schreiben. Manche schaffen es, ganze Tage regulär zu arbeiten und sich dann bis spät in die Nacht dem Manuskript zu widmen. Ich habe das zum Beispiel damals mit meiner Doktorarbeit so gemacht. Doch obgleich mir das Schreiben sehr leicht von der Hand geht, auch das wissenschaftliche, habe ich danach viele Monate gebraucht, um mein optisches Alter wieder meinem chronologischen anzugleichen.

5. Können Sie sich selbst motivieren?

Auch eine Auszeit kann man prima mit der Planung eines Buches verbringen und mit dem festen Vorsatz: „Morgen fange ich aber wirklich an.“ Das erste eigene Buch ist eine nicht zu unterschätzende psychische Hürde. Es ist eine Sache, genügend Selbstdisziplin für das Tagesgeschäft zu haben und eine andere, sich selbst tatsächlich ans Schreiben zu bringen und dranzubleiben. Suchen Sie Unterstützung und Austausch mit Gleichgesinnten, etwa in Autorenforen. Setzen Sie sich selbst feste Termine, Meilensteine und klare Ziele.

6. Kennen Sie den Buchmarkt?

Wissen Sie, was gefragt ist? Welcher Verlag geeignet wäre? Haben Sie einen Agenten oder Kontakte? Mit einem Stapel bedruckten Papiers unter dem Arm über die Buchmesse zu tingeln,  ist die am wenigsten erfolgversprechende Methode. Besser: Bereits mit dem ersten Konzept und einem Exposé zu einem Agenten gehen oder einen Verlag ansprechen. So vermeiden Sie beispielsweise, dass Sie ein fertiges Manuskript komplett umschreiben müssen, weil es irgendwelchen formalen Kriterien nicht entspricht.

7. Immer noch motiviert?

In diesem Fall lassen Sie sich den Plan vom ersten eigenen Buch nicht ausreden. Bleiben Sie dran. Aber tun Sie es der Botschaft wegen und nicht hauptsächlich wegen der PR. Dann wird sich der Erfolg von selbst einstellen.

Foto: Creative Common License, Darren Hester auf flickr.com

  4 comments for “Heute schon ein Buch geschrieben? – der Realitäts-Check

  1. 26. August 2009 at 10:19

    😀
    Eigentlich schiebe ich schon seit gefühlten Jahren gleich zwei Buchthemen vor mich her. Es wäre für beide Themen sogar die goldrichtige Zeit diese Projekte zu verwirklichen. Die Titel habe ich sogar schon. Und die Titelgestaltung des einen, habe ich schon lange vor Augen. Mal sehen. Vielleicht traue ich mich ja demnächst. 😉

    Aber ich bin gerade nicht der Meinung, daß man unbedingt ein Thema haben sollte das so viele Leser wie möglich anspricht. Das wäre dann ein Buch um des Buches Willen. Oder eben als Eigen-PR.
    Viel zu viele Bücher kommen mir im Referat-Stil daher und sind der 1.000ste Abklatsch eines weiteren, z.B. Marketing Ratgebers.

    Ich denke also, es wäre kein guter Start, wenn man ein Buch als PR anvisiert ohne nicht bereits ein echtes Thema mit fundierten Kenntnissen »gelebt« zu haben. Will sagen, einfach mal ein Thema suchen dürfte eine langwierige und schwierige Aufgabe sein.

    Ohnehin bin ich gar nicht begeistert von der Manie, jeder müsse ein Buch schreiben. Wahrscheinlich bin ich deshalb auch selbst zurückhaltend. Während es aber früher bei Fachbüchern eben meist geschätzte Experten waren, die ein Thema beleuchteten, macht sich heutzutage jeder selbst zum Experten und sieht sein Büchlein das die Welt nicht braucht eben als PR-Mittel.

    Ein Buch macht also lange noch keinen Experten. Und es besteht doch auch zumindest die Gefahr für den Autoren, daß es zu negativer PR führt.

    Natürlich stehe ich nicht nur inhaltlich, sondern auch gestalterisch für die professionelle Umsetzung des Projekte Buch. Gerade arbeite ich an einem Layout-Konzept für ein sehr spezielles Fachbuch. Die Gestaltung soll den gehaltvollen Inhalt unterstreichen. Nicht etwa überhöhen.

    Auch hier kann man schöne negativ Beispiele auf dem Buchmarkt finden. Zum einen Werke deren Gestaltungen mehr versprechen, als die Inhalte hergeben. Zum anderen eben auch Bücher, die vielleicht fulminates Wissen offenlegen, aber billig verpackt oder typografisch schlecht aufbereitet sind.

    Ein Buchprojekt ist also keine leichte Nummer und sollte Hand und Fuß haben.

    Schönes Thema! 😉

    Gruß vom Elbstrand
    Oliver Schuh | agd | die gebrauchsgrafiker

  2. 31. August 2009 at 22:34

    Hallo Kerstin,

    die Frage, „kann/soll ich ein Buch schreiben?“ stellt sich nicht nur Beratern, Trainern, Coaches und PR-Leuten. Viele Menschen fühlen sich „berufen“ – allerdings häufig mit dem von dir beschriebenen Ergebnis: Ich habe eigentlich nichts zu sagen und trotzdem – der Drang ist da…
    Dazu und zur Aktion „Ich mache was mit Büchern“ ist mir der ein oder andere persönliche Gedanke gekommen, der hier zu finden ist: http://www.oliversteinke.info/?p=357

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