Ich weiß, womit du diesen Sommer wirbst


Update 14. Juli 2014: WELTMEISTER! Glückwunsch an die deutsche Mannschaft. – Die Versuchung ist groß, aber: Jetzt bitte keine Newsletter, Blogbeiträge, Ratgeber-Artikel mit Analysen und Analogien, warum man in der Beratung/Dienstleistung/im Business von der Erfolgsmannschaft lernen kann. Warum? Das steht im folgenden Text.


Warum Sie nicht auf jeden Themen-Hype aufspringen sollten

Nein, ich werde es hier nicht in den Mund nehmen, das „F-Wort“. Ich will hier dennoch, aus Gründen, beispielhaft von jenem großen Ereignis sprechen, dessen Abkürzung mit W anfängt und mit M aufhört. Nicht etwa, dass ich etwas gegen Ballsportarten hätte. Ganz im Gegenteil. Mir kommt nur die Werbung, Beratung, Aufmerksamkeitsheischung mit jenem Großereignis langsam zu den Ohren heraus. So ähnlich wie dem Twitterer Olebix … 😉

 

Gebäck essen die Leute sowieso

Natürlich ist es verständlich, dass Menschen sich solidarisch zeigen wollen. Ich kann noch verstehen, wenn mein Bäcker unbedingt „Weltmeisterbrötchen“ backen will. Gebäck essen die Leute sowieso, warum also nicht auf lokaler Ebene auf diese Weise Verbundenheit mit einem Großereignis beweisen? Aus meiner Sicht überflüssig, aber nun gut. Die Leute freuen sich. Der Bäcker hat mal was anderes geboten. Alles fein. Konsumgüter mit Fähnchen, Sammelkarten, Schirmmützen: von mir aus gern, solange ich sie nicht exzessiv schwenken, sammeln, aufsetzen muss. Natürlich ist das alles eine gewaltige Marketingmaschinerie rund um ein Großereignis.

Was ich allerdings nicht verstehe, ist folgendes; Warum meinen zu Zeiten solcher Themenhypes so viele Unternehmen, die mit dem Thema eigentlich direkt gar nichts zu tun haben, sie würden in irgendeiner Weise herausstechen, wenn sie sich in die große Masse derjenigen begeben, die irgendwie – mag es noch so weit hergeholt sein -, das gerade angesagte Thema für ihr Marketing aufgreifen:

Webinare, die mich fragen, ob meine Medien WM-fähig seien. Beratungsunternehmen, die mich auffordern, von den Ballsportlern zu lernen, wie Erfolg funktioniert. Meisterschafts-Rabatte auf Dienstleistungen oder auf völlig fach-, will sagen: ballfremde Produkte.

Ich warte ja fast schon darauf, dass mir eine orthopädische Klinik anbietet, mir schon heute vorsorglich eine künstliche Hüfte einsetzen zu lassen – in schwarzrotgold und, natürlich, mit WM-Rabatt.

Gefährlich ist’s, sich mitreißen zu lassen!

In der Unternehmenskommunikation, in Marketing und PR, lässt mancher sich leicht von angesagten Trends mitziehen, weil es so einfach und naheliegend erscheint. Es ist ja auch irgendwie verständlich, wenn das Thema so mitreißend ist.

Tatsächlich führt es aber dazu, dass das eigene Angebot in der Masse schlicht untergeht. Was bedeutet: Kommt der 25. Newsletter mit dem gleichen Aufhänger, dann bin ich davon bereits so übersättigt, dass ich gähnend abwinke – wenn überhaupt. Schlimmstenfalls verliert der Anbieter, den ich bisher für originell und in seinem Fach alleinstehend hielt, bei mir an Ansehen und Glaubwürdigkeit.

Gilt für das „F“-Wort genauso wie für Adventskalender

Das entsprechende Budget des Anbieters ist also womöglich völlig verschwendet. Daher, und ich spreche jetzt nicht vom derzeitigen Großereignis, sondern von jeglichem Werbe-Massentrend, lohnt es sich immer hinzuschauen, ob man sich wirklich an den bereits fahrenden, schon überfüllten Zug anhängen will. Oder ob es sich nicht vielmehr auszahlt, noch einmal nachzudenken und sich antizyklisch zu verhalten.

Das gilt für weltmeisterliche Anspielungen genauso wie beispielsweise für die Online-Adventskalenderflut in der Vorweihnachtszeit.

Klischees machen die Sache nur vordergründig leicht

Meinem Bäcker kaufe ich seine Brötchen ab, egal wie er sie nennt. Bei einer hochwertigen Dienstleistung erwarte ich schon ein paar mehr und bessere Argumente, mich näher damit zu befassen, als einen mühsam konstruierten Zusammenhang mit dem F-Phänomen. Bei letzterem fiebere ich lieber im Original vor dem Fernseher mit, denn dieser Begeisterung kann selbst ich mich nicht entziehen.

Klischees und thematische Trends machen die Themenfindung eines Marketing-Aufhängers nur vordergründig leicht. Daher sollten Sie nicht gerade in diese allzu viel Budget und Gehirnschmalzv investieren. Das gilt eben nicht nur für das aktuelle Ereignis, sondern für jeglichen Hype. Ansonsten wäre ja auch dieser Artikel hier in einer halben Woche obsolet.

Kundennutzen statt arg bemühter Bezüge

Wie wäre es daher, wenn Sie die paar Tage, die die Meisterschaft noch andauert, einfach die Spiele genießen, Ihre Fußballbegeisterung mit anderen teilen – und sich dann für Ihr Marketing ein ganz eigenes Thema ausdenken? Ein Thema, das genau zu Ihrem Unternehmen passt und das Empfänger und Kundennutzen im Fokus hat statt eines Trendthemas, zu dem Sie allenfalls einen arg bemühten Bezug herstellen können?

Was meinen Sie dazu?

Ergänzung: Obgleich ich eigentlich alle Artikel des großartigen Thomas Koch lese, hatte ich in diesem Fall nicht gesehen, dass er bereits über dieses Thema geschrieben hat. Leseempfehlung. »


Dr. Kerstin HoffmannDie Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in digitalen Strategien, Public Relations und Corporate Blogging. Sie gibt Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Ihr Blog “PR-Doktor” ist laut Ebuzzing eines der führenden deutschen Blogs über digitale Kommunikation. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Kerstin Hoffmann mit ihrem Team für Ihr Unternehmen tun kann? Hier geht es zum Beratungsangebot. »

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  6 comments for “Ich weiß, womit du diesen Sommer wirbst

  1. 11. Juli 2014 at 09:15

    Ich meine, das ist eine ganz famose Idee! Der WM-Zug ist eh schon überfüllt. Wobei, so eine Hüfte in schwarz-rot-gold… 😉

  2. 11. Juli 2014 at 09:19

    🙂

  3. 11. Juli 2014 at 09:54

    Sehr schön! Auch der Schwenk zu anderen Trend-Hype- und Jahreszeiten Themen (Adventskalender). Ich erinnere mich noch gut an das Millenium … Tatsächlich finde ich es sehr vernünftig, das Adidas mich als F-Mutti dazu gebracht hat, das Zeugnis des elfjährigen mit WM-Logo-Schuhen und eingelasertem Namen zu belohnen. Oder dass meine Mölmsch-Brauer in Mülheim die F-Fans mit begleitendem Freibier locken. Das ist alles sehr passend und richtig. Aber ich habe letztens einen TV-Spot gesehen, bei dem der Bezug so an den Haaren herbeigezogen war, dass ich ihn gar nicht verstanden habe. Glücklicherweise habe ich den Absender auch gleich vergessen.

  4. 14. Juli 2014 at 17:09

    Also nicht zu viel Schland-Content? 😉

  5. 14. Juli 2014 at 18:24

    Alles am richtigen Ort. 😉

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