Jede Web-Seite ist die Startseite!

Wirkungsvoller Internetauftritt auf allen Ebenen – mit Checkliste

Die Homepage oder Startseite hat ihre Rolle als zentrales Eingangstor zur virtuellen Welt eines Unternehmens verloren. Via Social Media landen Besucher oft direkt auf einer Unterseite. Erfüllen die Inhalts- und Unterseiten Ihres Internetauftritts die Ansprüche, mit denen Sie auf der Homepage starten?

Goldener Bilderrahmen

Hat jede Unterseite Ihres Web-Auftritts wirklich den richtigen Rahmen?

Wenn ich mit Unternehmern und Marketing-Leuten eine neue Website für die Firma plane, liegt der Fokus naturgemäß erst einmal auf der Startseite: Sie ist der Prototyp für die gesamte Gestaltung, von ihr leitet sich alles Weitere ab. Die Startseite ist selten das Problem, wenn es um die passende Kommunikation mit Blick auf die Unternehmensziele geht. Sie wird gut gestaltet, sorgfältig getextet und im Detail ausgefeilt. So soll es ja auch sein: Die Startseite (oder „Homepage“) ist die Eingangstür in die virtuelle Welt der Firma. Sie soll viele Aufgaben erfüllen: Image bilden, Kunden bringen, Kontakt erleichtern, Handlungen auslösen, Orientierung liefern, zu Unterseiten leiten … – Doch die eigentliche Kunst besteht darin, auch in der Tiefe und Verzweigung die eigentlichen Ziele im Blick zu behalten.

Denn meiner Erfahrung nach geht, je tiefer man sich in den eigenen Informationen, Inhalten und Online-Services verzweigt, der eigentliche Fokus meistens irgendwann verloren. Daher sage ich jedes Mal zu Beginn eines solchen Website-Projektes eindringlich: „Vergessen Sie bei aller Informationstiefe niemals, was Sie eigentlich erreichen wollen.“

Gerade in der vergangenen Woche habe ich mit einem Kunden ein solches großes Website-Projekt angestoßen. Da passt der Artikel sehr gut, den mein Kollege Klaus Eck heute twitterte und der nahelegt, dass die Homepage (also die Startseite eines Internetauftrittes) in der Echtzeitkommunikation an Bedeutung verliert: „The homepage is dead, and the social web has won—even at the New York Times„.

Was der Autor für das große Nachrichtenportal beobachtet, gilt auch für jede Unternehmensseite, die regelmäßig aktuelle Inhalte präsentiert: Nutzer kommen nicht jedes Mal durch die große Eingangstür hinein, sondern landen über einen Direktlink auf einer Unterseite – etwa auf einem Blog- oder Magazinbeitrag, auf Unternehmens-News oder einer Service-Seite.

Die folgenden Punkte und Fragen helfen Ihnen dabei, jede einzelne Seite Ihres Web-Auftrittes im Hinblick auf Ihre Unternehmens- und Kommunikationsziele zu prüfen:

Der erste Kontakt:

  • Wenn ein Besucher direkt auf einer Unterseite landet und dies seine allererste Begnung mit Ihrem Unternehmen ist: Welchen Eindruck gewinnt er von Ihrer Firma?
  • Gewinnt der flüchtige Besucher/Erstbesucher sofort einen Eindruck davon, wer Sie sind, was Ihr Unternehmen ausmacht und was Sie anbieten?

Orientierung:

  • Weiß der Besucher der Unterseite auf Anhieb, wo er sich befindet und wozu die Unterseite gehört?
  • Wie gut kann sich der Besucher anhand dieser Seite in Ihrem Gesamtauftritt orientieren?
  • Findet er sofort den Weg zur Haupt-/Startseite?
  • Bieten Sie ihm die vollständige Navigation bzw. eine sinnvolle Unternavigation an?

Image und Reputation:

  • Vermitteln Sie dem Besucher einer Unterseite das gleiche Bild Ihres Unternehmens, das er auf der Startseite Ihres Auftrittes gewinnen würde?
  • Erfüllen die Gesamtgestaltung sowie der konkrete Inhalt und die Einzelgestaltung den gleichen Anspruch, den Sie auch an Ihre Homepage stellen?
  • Gewinnt er einen Eindruck davon, was Sie tun und was Sie anbieten?

Konversion/“Call to Action“:

  • Trägt die Seite wirklich zu Ihrem übergeordneten Unternehmensziele und zu einem definierten Einzelziel bei?
  • Ist Ihnen für jede Unterseite klar, was der Besucher als nächstes tun soll (Kontakt aufnehmen, Angebot anfordern, Artikel weiterempfehlen, Link verbreiten …) – und ist die Seite entsprechend aufgebaut?
  • Bei Blogbeiträgen und redaktionellen Inhalten: Machen Sie es dem Besucher leicht, den Deep Link weiterzugeben?
  • Findet der zufällige Besucher einer Unterseite alle Kontaktinformationen, die er braucht?

Bitte nehmen Sie sich – je nach Größe Ihres Internetauftrittes – stichprobenartig oder komplett die Unterseiten Ihrer Website vor und haken Sie die einzelnen Punkte ab. Nehmen Sie sich in nächster Zeit bei jedem neuen Blogbeitrag, bei jeder Unternehmensnews, beim Erstellen jeder neuen Seite diese Liste vor. Ich bin fast sicher, dass Sie dabei zu einigen neuen Erkenntnissen und zu mehr Klarheit gelangen.

Über Ihr Feedback in einem Kommentar unter diesem Beitrag freue ich mich.

Vielen Dank an meinen Kollegen Sascha Stoltenow für die freundliche Erlaubnis, seinen Tweet zum Thema als Titel für diesen Blogbeitrag zu nutzen.


Dr. Kerstin HoffmannDie Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Kommunikations- und Social-Media-Strategien, Public Relations, Corporate Blogs, Marketing und Text. Sie gibt Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Kerstin Hoffmann mit ihrem Team für Ihr Unternehmen tun kann? Hier geht es zum Beratungsangebot. »

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  9 comments for “Jede Web-Seite ist die Startseite!

  1. Horst Gräbner
    20. Mai 2014 at 13:04

    Danke für diesen klarstellenden Artikel. Eigentlich sollte es in Zeiten moderner CMS-Systeme (z.B. WordPress) solche gravierenden Unterschiede zwischen „Homepage“ und „Unterseite“ nicht mehr geben. MIt anderen Worten: Der Kopfbereich, der Fußbereich und unter Umständen auch die Sidebar sind überall gleich und transportieren so ein einheitliches Erscheinungsbild. Es gibt allerdings noch Websites, bei denen jede Seite mühsam einzeln erstellt werden muss(te) und ich kann mich erinnern, dass ich vor etwa 10 oder mehr Jahren einzelne Unterseiten teilweise auch eher stiefmütterlich behandelt und die meiste Arbeit in die „Homepage“ gesteckt habe.

  2. 20. Mai 2014 at 13:36

    Es ist ein Irrglaube anzunehmen, dass der gestalterische Rahmen alle Defizite abfangen könnte. Es kommt erstens auch auf die Inhalte an, und zweitens braucht eine Unterseite oft eben gerade einen anderen Rahmen als das Homepage-Template.

  3. Kirsten Mudra
    20. Mai 2014 at 14:23

    Dieser Artikel zeigt mir wieder einmal, warum ich die Beiträge des PR-Doktor so sehr schätze: Klar auf den Punkt gebracht, das wesentliche in den Fokus gerückt.

    Schön ist lange nicht alles und im Prinzip ist es ganz einfach: Der Inhalt bestimmt die Form.
    Stellt man sich im Vorfeld genau diese Fragen, bzw. dem Kunden, wird schnell klar, wie eine logische Struktur aussehen muss und welchen Informationstransport die Website leisten soll.

    Toller Artikel und ein Fragenkatalog, den ich gern nutzen werde 🙂
    Danke.

  4. 21. Mai 2014 at 15:59

    Sehr guter Artikel, vielen Dank. Das ist ein Thema, das wir bei unseren KMU-Beratungen immer und immer wieder durchkauen – die hängen sehr an ihren Startseiten, auf der sie den neuen Kunden ihre Unternehmensgeschichte erzählen möchten. Leider ist der Kunde dann meist schon wieder weg. 😉 Habe die Checkliste direkt in unsere Themen der Woche aufgenommen.

  5. Elena
    21. Mai 2014 at 17:05

    Einer der wenigen gelungenen Artikel zu dem Thema im deutschsprachigen Raum, nett 🙂
    Im Grunde genommen sollte heutzutage fast schon jede Unterseite mit der Sorgfalt einer Startseite erstellt werden. Besonders der Abschnitt zum Call to Action ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten wenn es zur Gestaltung von Webseiten kommt. Im Zuge des Trends seine Seite möglichst „clean“ zu gestalten, wird dieser Part oft vernachlässigt.

  6. 21. Mai 2014 at 17:45

    Hallo Frau Hoffmann, ich wollte Ihren Artikel mal gerne kommentieren: Ich finde nicht, dass das Thema neuerdings wichtig ist, weil man über „Soziale Medien“ JETZT auch auf den Unterseiten landet. Bei einen suchmaschinenoptimierten Seite landen schon seit Jahren 50-75 % auf den Unterseiten einer Website. Wer seine Website für relevante Suchbegriffe optimiert, wird also in der SERPs immer mit den Unterseiten gerankt und nicht mit der Homepage. Ausnahmen sind „Brand“-Seiten oder Seiten die überwiegend über Werbung ihren Traffic bekommen. Insofern haben Sie im Prinzip recht, aber das Ganze ist nicht neu und sicherlich nicht (bis auf Ausnahmen) „sozial“ getrieben.

    Gruß
    Jan Hoffmann

  7. 21. Mai 2014 at 22:42

    Zu erst möchte ich Jan Hoffman zustimmen. Neu ist dieses Phänom nicht.

    Darüber hinaus ist eine einheitliche Gestaltung auch noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Zentraler Punkt sind die Informationen auf der Seite und die gewünschte Aktion der Nutzer. Und gerade bei der Aktion sollte meiner Meinung nach nicht jede Seite grundsätzlich wie eine Startseite, Landingpage aufgebaut sein. Sonst müsste jede Seite die immer gleichen grundlegenden Informationen liefern, mit dem immer gleichen call-to-action. Was besonders beim Leser mehrerer Seiten für Frustration führen dürfte.

    Technisch sind wir doch fortgeschritten genug den Nutzer unterscheiden zu können und ihn individuell je nach seinem bisherigen Pfad abzuholen, an die Hand zu nehmen und dorthin zu führen, wo wir ihn gerne hätten.

    Generalisierte Konzepte sollten dahingehend wirklich einmal über arbeitet werden.

  8. Elena
    22. Mai 2014 at 10:44

    Ich muss Herrn Golka zustimmen, generalisieren sollte man bei dem Aufbau der Unterseiten nicht. Daher habe ich auch geschrieben, dass Unterseiten mit der „Sorgfalt“ einer Startseite aufgebaut werden sollten. Ein Call-to-Action muss dabei nicht auf jeder Seite der „jetzt kaufen“-Button sein, das wäre in der Tat (wenn schlecht eingebaut) sehr frustrierend und wäre eine Vernachlässigung der vielen verschiedenen Möglichkeiten.

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