Haben Sie auch einen Social-Media-Kater?

7 Tipps, wie sich selbst wieder auf die richtige Schiene bringen

Kater auf der grünen Wiese

Manchmal gefährlich, aber gut zu zähmen: der Social-Media-Kater

Social Media sind Teil der professionellen Kommunikation, und wir wollen – wie im vorigen Beitrag dargelegt – nicht mehr über Sinn und Unsinn diskutieren. Gleichwohl überfällt gerade diejenigen, die schon sehr lange online kommunizieren, irgendwann fast sicher einmal der Überdruss. Was tun, wenn sich der Kater meldet – und bevor Sie zu unüberlegten Handlungen neigen oder Ihnen die digitale Präsenz gänzlich unerträglich wird? Hinweis: Wir sprechen hier über Unternehmenskommunikation und professionelles Personal Branding im Netz.

Kürzlich telefonierte ich mit einer Kollegin, die ebenso wie ich professionell im Web unterwegs ist. „Weißt du“, sagte sie, “ ich habe momentan so einen richtigen Social-Media-Kater.“ Ich wusste genau, was sie meinte. Ich habe das momentan nicht, denn nach einer langen Weihnachtspause macht mir der virtuelle Austausch gerade wieder richtig viel Spaß. Aber ich bestätigte ihr, dass ich genau dieses Gefühl sehr gut kenne. Uns beiden war aber zugleich klar, dass Social Media für uns fester Bestandteil der professionellen Kommunikation sind und somit unverzichtbar. „Professionell im Web unterwegs“ heißt in meinem wie in ihrem Fall: Kunden in Sachen Onlinekommunikation und Social Media beraten ebenso wie selbst in sozialen Netzwerken präsent zu sein. Kundenblogs, Kundenaccounts, Kundenseiten, Kundenpräsenzen auf diversen Plattformen ebenso pflegen, betreuen und mit Inhalten befüllen wie die eigenen. Es heißt aber: persönlich präsent sein, sich als Mensch mit anderen austauschen. Es bedeutet, nicht nur rein Professionelles zu teilen, sondern sich auch als Person, als Mensch zu zeigen und mit anderen zwischenmenschlich zu kommunizieren. Das ist wunderbar. Aber manchmal auch nicht ganz so.

Bei vielen Kolleginnen und Kollegen, die sich mal eben von dieser oder jener Plattform abmelden, habe ich ja den Verdacht, dass auch nur der Kater zugeschlagen. Selbst bei Sascha Lobos wohlüberlegten und wohlgesetzten Worten mit der Überschrift „Das Internet ist nicht das, wofür ich es gehalten habe“ frage ich mich, ob er nicht auch einfach nach der langen Zeit der Omnipräsenz einfach ein wenig überdrüssig ist und ob dies nicht seine Feder mit gelenkt hat.

Im Nachgang zum oben zitierten Telefonat habe ich einmal genauer darüber nachgedacht, was ich unternehme, um den „Kater“ zu zähmen, und was ich Kunden und Beratungsklienten empfehle, die von dieser Erscheinung geplagt sind. Hier meine sieben Tipps:

1. Besinnen Sie sich auf die professionelle Kommunikation

Austausch in sozialen Netzwerken ist wunderbar, inspirierend und kann sehr persönlich sein. Das Gute an dieser Art der Kommunikation besteht darin, dass sich Professionelles und Persönliches mischt. Der Austausch lebt vom Zwischenmenschlichen. Das ist aber auch zugleich die Gefahr, denn jeder Einzelne ist gefordert, sich auch persönlich einzubringen. Es kann aber immer noch mit dem professionellen Blick geschehen. Fragen Sie sich, warum Sie eigentlich online kommunizieren und machen Sie sich klar, dass das Teil Ihrer Arbeit ist. In jedem Job gibt es einmal Durchhänger. Das ist normal und verständlich. Es ist aber kein Grund, seine Arbeit nicht mehr vernünftig zu machen.

2. Trennen Sie stärker zwischen privat und beruflich – zumindest für eine Weile

Vielleicht sind Sie sich mit der Zeit selbst in die private Falle gegangen, und es ist einfach zu viel geworden? Fahren Sie den privaten Anteil herunter. Sie können persönlich, in Ihrer professionellen Identität kommunizieren, ohne immerzu privat online zu sein. Beobachten Sie sich einfach einmal eine Weile genau, wann Sie posten, wie oft Sie in der Freizeit zur Facebook-App greifen und ob Sie sich unter Umständen angewöhnt haben, einen Großteil Ihres Privatlebens ebenfalls zu dokumentieren.

3. Gönnen Sie sich Pausen – große und kleine

Social-Media-Kommunikation folgt keinem Nine-to-Five-Stundenplan, das ist klar. Aber niemand muss pausenlos online sein. Ein gut aufgebautes Netzwerk verträgt mehr Zeiten der Funkstille, als Sie vielleicht meinen – auch in der professionellen Kommunikation. Viele Menschen, die online sehr präsent sind, gönnen sich jedes Wochenende Auszeiten. Manche sind mehrere Wochen im Jahr offline. Da Sie mit Menschen kommunizieren, haben diese auch Verständnis dafür, dass Sie keine Social-Media-Maschine sind. Oder erwarten Sie das etwa von anderen?

4. Beobachten Sie Ihre eigenen Reaktionen – und handeln Sie danach

Ganz ehrlich: Wenn Sie mal fünf Tage nichts von einem Unternehmen auf Twitter gelesen oder auf Facebook wahrgenommen haben – kehren Sie diesem als Kunden den Rücken? Nein, oder? Klar, je nach Definition und Ausrichtung dürfen Social-Media-Kanäle nicht Tage oder auch nur halbe Tage brachliegen, etwa wenn dort Kundendienst betrieben wird. Aber solche Aufgaben sollten ohnehin auf mehrere Schultern verteilt sein. Und selbst wenn Sie (zeitweise) allein „Chef vom Dienst“ sind, bedeutet das nicht, dass Sie zugleich auf allen anderen Kanälen auch funken müssen. Beschränken Sie es auf die professionellen Notwendigkeiten und vertrauen Sie darauf, dass sich deswegen nicht sofort der ganze deutsche Markt von Ihrem Unternehmen abwendet.

5. Suchen Sie nach anderen Ursachen und gewinnen Sie Abstand

Womöglich ist die Social-Media-Kommunikation nur ein Symptom für etwas anderes, Grundlegendes, was im Job fehlt läuft, in Ihrer Positionierung oder worin auch immer. Alles, was man zu lange zu gleichförmig betreibt, kann zum Überdruss führen. Ich erinnere mich dass ich mich, nachdem ich viele Jahre lang für eine Tageszeitung Ausstellungen rezensiert hatte, einfach ‚leergeschrieben‘ fühlte. Ich hatte zu lange das Gleiche getan, ohne es wirklich weiterzuentwickeln oder mir neue Perspektiven zu erschließen. Vielleicht ist es also gar nicht „dieses Social Media“, was Sie primär nervt. Sondern es geht insgesamt um eine Neupositionierung, nach welcher Sie wieder freudig frische Botschaften in die Welt hinaussenden mögen. (Das ist nur eine Anregung. Wissen können Sie das allein selbst.)

6. Gewinnen Sie den Spaß zurück

Das ist genau der gegenteilige Ansatz zur Fokussierung auf das Professionelle: Vielleicht sind Sie einfach Social-Media-müde, weil Sie immer wieder die gleichen fünf Aussagen variieren, auf der gleichen Plattform, im ähnlichen Stil. Probieren Sie doch ein bisschen etwas aus. Ergänzen Sie die allzu trockene Kost mit etwas Spielfreude. Springen Sie auch mal über Ihren Schatten und freuen sich am sinnfreien Unfug anderer. Oder trauen Sie sich, ein bisschen etwas auszuprobieren. Neue Plattformen. Oder neue Formen auf bestehenden Plattformen.

7. Lassen Sie sich nichts einreden

Ständig online zu sein wird von vielen als die Geißel unserer Zeit verflucht. Ich genieße es zum Beispiel, im Urlaub im Web allein meinen privaten Vergnügungen nachzugehen. Zudem beruhigt es mich, wenn ich meine Mails abrufen und mich überzeugen kann, dass im heimischen Büro alles rund läuft. Aber es gibt immer wieder selbsternannte Propheten der Internet-Abstinenz, die mir einreden wollen, das sei sozusagen krankhaft oder zumindest sehr ungesund. Ich könne gar nicht mehr richtig abschalten, und ich müsse das sofort üben, um nicht im Burnout zu langen.  Wohlgemerkt: Was für mich gilt, muss für Sie nicht gelten. Vielleicht ist es bei Ihnen umgekehrt. Entscheidend ist: Wer Aussagen anderer glaubt, statt auf die eigene Intuition und die eigenen Bedürfnisse zu hören, der ist natürlich in besonderer Weise für den digitalen Kater prädestiniert. Lassen Sie nichts einreden!


Dr. Kerstin HoffmannDie Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Kommunikations- und Social-Media-Strategien, Public Relations, Corporate Blogs, Marketing und Text. Sie gibt Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Kerstin Hoffmann mit ihrem Team für Ihr Unternehmen tun kann? Hier geht es zum Beratungsangebot. »

kontakt(at)kerstin-hoffmann.de | Kontaktformular »


 

  5 comments for “Haben Sie auch einen Social-Media-Kater?

  1. 13. Januar 2014 at 15:54

    Liebe Kerstin,
    ich muss grinsen – der Artikel hat genau meinen Nerv getroffen! Auch ich war vor Weihnachten müde ob der ganzen Informationen und dachte: Mensch, das ist dein Job, das kannste ja keinem verraten. Was mir geholfen hat, sind im Prinzip die Dinge, die du erwähnt hast: Im Urlaub mal bewusst abschalten, sich locker machen (als Einzelunternehmer kann man nicht das gleiche Programm abfahren wie eine 20-Mann-Mannschaft, die auch noch die Aufgabe hat, im Web zeitnahen Kundenservice zu leisten). Auch haben meine Kunden und Interessenten ein anderes Tempo als das, was wir unter Kollegen gewohnt sind – da wird einfach mit anderen Maßstäben gemessen. Das muss man sich immer mal wieder klar vor Augen rufen. Was ich noch hinzufügen kann: Zumindest an Twitter habe ich wieder mehr Spaß, seitdem ich konsequent alle Personen in Listen eingeordnet habe (siehe auch mein letzter Blogartikel (http://buff.ly/18ZfcVz).
    Viele Grüße
    Ute

  2. 13. Januar 2014 at 17:20

    Guter Artikel…allerdings möchte ich das Ganze mal aus meiner Sichtweise beleuchten. Eine Sichtweise eine Nutzer von sozialen Netzwerken der diese vom Ursprung aus immer privat genutzt hat. Ich denke eine Trennung macht hier durchaus Sinn. Ich bin seit 2004 sozialen Netzwerken aktiv. Erst myspace, dann ein kleines lokales Social Network, dann studivz, dann Facebbok, aber immer nur eins und nur privat. Ca. 2010 habe ich dann begonnen zu Twittern, rein beruflich.Dann kam Google+. Die beiden letzteren nutze ich zu 99% beruflich. Ich konnte diese strikte Trennung bis heute nicht ganz aufrecht halten, da man über Facebook manche wichtige berufliche Kontakte besser erreicht. Versuche es dort aber eher über die Fanpage beruflich aktiv zu sein. In meinen „privatn“ Facebook Account haben sich in den letzten 2 Jahren nach und nach mehr und mehr beruflich Kontakte eingeschlichen. Und jetzt nutze ich diesen auch zu ca. 30% beruflich (notwendiges Übel), aber Schwerpunkt bleibt auf der privaten Kommunikation. Eine Trennung halte ich dennoch für Sinnvoll um den Kater zu vermeiden. Du sagst selber das Schöne an Social Media ist, dass man auch als Mensch überzeugen muss, aber wie weit muss hier eine Vermischung zwischen dem öffentlichen/beruflichen und dem privaten stattfinden? Ich habe neben meinem Beruf noch ein anderes Leben und Interessen, was Freunde interessiert aber beruflichen Kontakte meistens eher weniger. Umgekehrt wenn es um das Berufliche geht. Eine Vermischung sorgt dafür, dass man nur schwer „Feierabend“ machen kann, da man egal beruflich oder privat immer aktiv sein muss.

  3. 14. Januar 2014 at 12:28

    Ich würde folgenden Punkt noch hinzunehmen: Überprüfen Sie Ihre Präsenzen auf den diversen Plattformen. Manchmal hängt so ein Kater auch damit zusammen, daß man mit einer Plattform müde ist. Vielleicht weil sie nicht mehr das gewünschte Ergebnis bringt, weil sie konträr zur Außendarstellung der eigenen Person ist. Da hilft mal Inventur zu machen, sich zu besinnen, neu zu justieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *