„Netzwerken als Basis für ein erfülltes Leben“

Interview mit der Management-Trainerin, Autorin und Rednerin Sabine Asgodom

Sabine Asgodom

Du kannst (fast) alles verschenken, was du weißt – wenn du das verkaufst, was du kannst!“ Das ist die These meines Buchs Prinzip kostenlos. Seit Jahren beobachte ich viele Menschen, die das erfolgreich verwirklichen. Für das Buch habe ich insgesamt acht bekannte Wissens-Teiler selbst zu Wort kommen lassen. Für diese Praxisbeispiele habe ich die Form des Interviews gewählt. Die Befragten beschreiben, was sie antreibt, was bei ihnen gut funktioniert und auf welche Weise sie so erfolgreich geworden sind. Sie berichten von ihrer Positionierung, von persönlichen Erfahrungen, vom Umgang mit Wettbewerbern und Netzwerkpartnern. Die ungekürzten Fassungen dieser Interviews erscheinen nach und nach hier im PR-Doktor. Hier ist das vierte, in dem Sabine Asgodom von ihren Erfahrungen berichtet.

Frau Asgodom, wie wichtig sind Ihnen Ihre Netzwerke?

Sabine Asgodom: Ich halte drei Ebenen des Netzwerkens für sinnvoll und nützlich – und lustig: Auf der einen Eben formelle Netzwerke wie Berufsverbände oder Interessengruppen, auf der zweiten Ebene  Social Media, und auf der dritten Ebene das informelle persönliche Netzwerk, sprich die Verbindung zu vielen Menschen, die man im Laufe seines Lebens so kennenlernt. Der amerikanische Psychologe Christopher  Petersen antwortet auf jede Frage, was Psychologie ausmacht: „Other people matter!“ Und davon bin ich auch überzeugt: „Die anderen Menschen sind wichtig“.  Netzwerken ist die Basis für ein erfülltes Leben.

Wie netzwerken Sie, wie sieht Ihr persönlicher Stil aus?

Sabine Asgodom: Mir ist es immer schon leicht gefallen, Kontakt zu Menschen aufzubauen. Ich bin einfach offen und neugierig auf Menschen. Ich finde sie spannend, höre gern ihre Geschichten. Und es hat mir immer schon besonderen Spaß gemacht, die interessanten Menschen, die ich kenne, miteinander zu vernetzen. Also verschiedene Menschen zum Essen einzuladen, damit die sich kennenlernen, oder Menschen zu empfehlen; sie  zusammenzubringen, wenn ich denke, das passt. Ich glaube, ich  kenne wirklich Hunderte (Tausende?) von  Menschen, die ich empfehlen oder vermitteln kann. Ich vernetze meine Seminarteilnehmerinnen  genauso gern wie Zuhörer bei Vorträgen. Sprich, ich bringe sie ins Gespräch, ich fördere Teilnehmerlisten und Patenschaften für Umsetzungspläne. Ich vernetze Trainer- Kollegen und Kolleginnen , und empfehle gern Fachleute aus allen Branchen. Ich bin auch kein Kongress-Hopper. Also, im Gegensatz zu vielen Kollegen, komme ich  viel früher  zu meinem Vortragstermin und bleibe auch gerne länger. Die Kaffeepausen sind für mich Menschen-Kennenlern-Pausen und ich bekomme viele wichtige Informationen und habe sehr fröhliche Begegnungen.

Sie sind Mitglied in vielen Frauen-Netzwerken, als sehr präsent nehme ich Sie aber etwa in einer männerdominierten Vereinigung wie der GSA (German Speakers Association) wahr. Netzwerken Frauen denn anders?

Sabine Asgodom: Ich bin Mitglied in einem halben Dutzend Frauennetzwerken wie Journalistinnenbund, Bücherfrauen, EWMD, Europäische Akademie für Frauen, aber auch in gemischten wie dem Marketingclub München oder der GSA.  In den Frauennetzwerken bin ich eher noch aus Unterstützerinnengründen, aber ich habe das Gefühl, ich profitiere  inhaltlich und geschäftlich nicht allzu sehr davon. Frauen lernen es erst noch, sich gegenseitig zu beraten, empfehlen oder zu buchen. Ich sehe da noch Entwicklungsbedarf. In die GSA bin 2005 ich als einzige Frau in den Gründungsvorstand gekommen, jetzt haben wir einen Frauenanteil von geschätzt 40 Prozent. Das ist auch meinem Bemühen zu verdanken, vor allem in meiner Präsidentschaft von 2007 bis 2009. Ich organisiere zum Beispiel jedes Jahr zur Weiberfasnacht eine „Ladies-only“-Veranstaltung der GSA, in der ich Kolleginnen besonders „empowern“ möchte.

Wie behaupten Sie sich mitten unter den männlichen „Netzwerk-Alphatieren“?

Sabine Asgodom: Ich kümmere mich einfach nicht um sie, sondern mache, worauf ich Lust habe. Ich nutze zum Beispiel  Facebook, um meine Fernsehsendung im Bayerischen Fernsehen bekannt zu machen, deren zweite Staffel im April 2012 beginnt, mit acht Sendungen. Ich hatte Ruckzuck in Facebook  5000 „Freunde“, worauf ich eine Fan-Seite eröffnen musste. Mein Vorteil ist, glaube  ich, dass ich meine Beiträge nicht von einer PR-Agentur schreiben lasse, sondern immer wieder selbst gern mit großer Freude für ein paar Minuten  in Facebook gehe, und auch sehr persönliche (nicht private) Posts hineinstelle. Übrigens hat mir meine Facebook-Präsenz das Angebot für eine regelmäßige Kolumne in der Frauenzeitschrift „Freundin DONNA“ eingebracht. Also netzwerken bringt wirklich was.

Brauchen Frauen spezielle Netzwerke, um erfolgreich zu sein?

Sabine Asgodom: Frauennetzwerke sind eine gute Möglichkeit, sich mit anderen Frauen auszutauschen, sich gemeinsam für etwas einzusetzen. Oder manchmal auch einfach, um sich nicht so einsam zu fühlen, vor allem wenn Frauen in reinen Männerdomänen arbeiten. Aber ich rate Frauen immer und überall, ihr eigenes informelles Netzwerk zu stärken und zu pflegen.  Also den Kontakt zu Kollegen, Vorgesetzten und in der Branche insgesamt auszubauen und zu halten. Netzwerken ist für Frauen eine gute Möglichkeit, sichtbarer zu werden. Gerade die fleißigen Frauen machen oft ihre Arbeit prima, aber keiner sieht sie, und zu wenige wichtige Menschen kennen sie. Ein gutes Netzwerk in der Branche eröffnet Möglichkeiten, hilft, sich einen Namen zu machen oder einfach zu wissen, wo eine interessante Stelle ausgeschrieben wird. Es hilft, fachlichen Rat einzuholen oder z.B. das Gehaltsgefüge in einer Firma zu ergründen. Und dafür braucht man auch „wohlmeinende“ Männer.

Sie publizieren Ihr Wissen sehr großzügig im Netz. Vor einiger Zeit haben Sie das Online-Magazin „Coaching-heute“ herausgebracht. Sie haben neuerdings sogar eine eigene Fernsehsendung. Und das, obgleich Sie längst viel mehr Anfragen erhalten als Sie selbst abarbeiten können. Warum tun Sie das?

Sabine Asgodom: Weil es mir Spaß macht! Weil ich es toll finde, selbstständig zu sein und Sachen ausprobieren zu können, die mir wichtig sind. Ich wollte die Diskussion über Coaching anregen und dies nicht einigen Psychologen überlassen. Deshalb haben mein Mann Siegfried Brockert (selbst übrigens ein Dipl. Psychologe) und ich vor drei Jahren Coaching-heute gegründet. Inzwischen haben wir mehr als 3000 feste Abonnenten, und das ist klasse. Im Internet  kann man kein Geld verdienen, aber das muss halt aus dem anderen Topf kommen. Wir möchten auch helfen, dass andere Coaches „sichtbar“ werden. Auch wenn das viele noch nicht kapiert haben.

Ich bin überzeugt davon, dass mir niemand etwas „wegnehmen“ kann, wenn ich mein Wissen  teile. Im Gegenteil.

Zum Thema Fernsehen: Ich bin überhaupt kein großer Plänemacher. Ich bin sicher, dass die Welt mir viel buntere Chancen bieten kann, als sie meine Fantasie hergibt. Wer hätte denn gedacht, dass eine 58jährige, 1,62 cm kleine, ziemlich übergewichtige Frau die Chance auf eine eigene Fernsehsendung in einem öffentlich-rechtlichen Sender bekommt? Da hätte doch vorher niemand einen Fünfer drauf verwettet. Und es geht. Ist das nicht der Wahnsinn?

Fernsehen ist eine Herausforderung für mich. Und das ist der Kick. Ich habe geglaubt, ich kann es, und ich kann es. Es freut mich außerdem, die Idee des Coachings in die Öffentlichkeit zu bringen, weil die Impulse vielen Menschen helfen können. Und das ist keine Akquise, meine Zielgruppe ist eine andere im Fernsehen.  Aber ich habe mich noch nie auf einen Job reduzieren lassen, ich lebe das Puzzle-Leben, das ich manchen Menschen  empfehle. Nach dem Motto:  Das eine tun und das andere nicht lassen.  Oder, wie es schon in der alten römischen Rechtsformel heißt: Do ut des. Gib, damit dir gegeben wird.

Sabine Asgodom ist eine der bekanntesten Management-Trainerinnen, Buchautorinnen und Speaker in Deutschland. Bereits seit 1999 gibt es in München ihr Unternehmen „Asgodom Live“. www.asgodom.de

___________________

Kerstin Hoffmann Prinzip kostenlosDie Kurzfassung dieses Interviews ist erschienen in Prinzip kostenlos, dem neuen Buch von Kerstin Hoffmann. Der Ratgeber zeigt, wie Unternehmen, Berater und Dienstleister neue Kunden gewinnen, ihre Bekanntheit steigern und ihre Umsätze erhöhen, indem sie ihr Wissen verschenken. Er führt die Leser von der Theorie und Psychologie des Teilens bis zur erfolgreichen Realisierung ihrer ganz eigenen Strategie. Dazu gehören auch technische Details für die eigene Wissensplattform sowie Anleitungen für die Vernetzung in Social Networks.

Hoffmann, Kerstin: Prinzip kostenlos. Wissen verschenken – Aufmerksamkeit steigern – Kunden gewinnen. 1. Auflage. Mai 2012. 24,90 Euro 248 Seiten, Hardcover. ISBN-13: 978-3-527-50671-2. Erschienen im Verlag Wiley-VCH, Weinheim*

 


Dr. Kerstin HoffmannDie Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in digitalen Strategien, Public Relations und Corporate Blogging. Sie gibt Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Ihr Blog “PR-Doktor” ist laut Ebuzzing eines der führenden deutschen Blogs über digitale Kommunikation. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Kerstin Hoffmann mit ihrem Team für Ihr Unternehmen tun kann? Hier geht es zum Beratungsangebot. »

kontakt(at)kerstin-hoffmann.de | Kontaktformular »


Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Dann teilen Sie ihn gerne mit anderen!
Foto Sabine Asgodom: (c) Irmin Eitel

  5 comments for “„Netzwerken als Basis für ein erfülltes Leben“

  1. Uwe Hiltmann
    19. September 2012 at 09:31

    Liebe Frau Hoffmann,

    vielen Dank für diesen Beitrag über Frau Asgodom, der sehr inspirierend ist. Ich werde mir wohl mal Ihr Buch bestellen und auf meinem Blog rezensieren, denn es scheint sehr schön das erste Prinzip von Dr. Robert Cialdini über „Reziprozität“ zu verdeutlichen: „Gib‘ erst etwas, damit der andere dann den tiefen, inneren Wunsch aufbaut, dir etwas zurück zu geben.“

    Ich habe diese Erfahrung selbst gemacht, dass ich Kunden meist über einen längeren Zeitraum des „Kennenlernens“ gewinne. In dieser Zeit – wenn man sich regelmäßig z. B. auf Netzwerk-Treffen begegnet – gebe ich immer wieder Informationen kostenlos weiter, Tipps und Tricks etc. Damit baue ich ein „Vertrauens- und Kompetenz-Konto“ auf, welches sich im Inneren meines Gegenübers bildet. Und dann – Jahre später – kommen diese Personen auf mich zu und buchen mich und meine Dienstleistungen.

    Das würde nicht passieren, wenn vorher nicht die kostenlosen Informationen und Tipps geflossen wären …

    Ich freue mich darauf, Ihr Buch zu lesen.

    Herzliche Grüße aus Cardiff, Wales (UK)
    Uwe Hiltmann

  2. 19. September 2012 at 10:22

    Bravo, Frau Hoffmann, genau so funktioniert es mit dem Netzwerkeln, alle haben etwas davon. Vielen Dank für das Teilen. Sabine Asgodom machts einfach. Sie tut und macht, vernetzt und bringt Energie und Bewegung überall hin, wo sie aufgenommen und zu Neuem anregt. Schön, dieser Kick am Morgen. Viele Grüße, Christine Vonderheid-Ebner

  3. 25. September 2012 at 16:21

    Liebe Frau Hoffmann,
    jetzt haben Sie mich aber echt auf das Buch neugierig gemacht! 🙂
    Als niegelnagelneues Greenhorn in Sachen Selbständigkeit interessiert mich sehr, wie ich am besten Vertrauen zu potentiellen Kunden aufbauen kann. Aus dem Grund hab ich selber einen Blog ins Leben gerufen, um den Menschen mein Wissen und meine Persönlichkeit nahe zu bringen. Ich liebe kurze prägnante Sätze und bei Ihrem: „Verschenke Wissen und verkaufe Können“, dachte ich nur, jepp, das isses! Genau! So soll es sein.

    Das Interview mit Frau Asgodom gefällt mir auch sehr gut, ihr Name war mir auch bereits ein Begriff, eines Ihrer Bücher habe ich auch im Schrank…Wahnsinn, was sie bis heute alles bewegt hat, und mit welcher Freude sie das macht. Wirklich inspirierend! Vielen Dank für den Beitrag.
    Schöne Grüße, Andrea Braunger

  4. 29. September 2012 at 09:31

    Klasse! Ich finde viele meiner eigenen Erfahrungen bestätigt. – Habe diesen Beitrag auf unserem Blog für Aachener Unternehmerinnen verlinkt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *