Google+: Bitte nicht pushen!

17. Juli 2012

Aus aktuellem Anlass möchte ich nochmal auf einen Blogbeitrag hinweisen, den ich bereits vor einiger Zeit geschrieben habe: “Soziale Netzwerke: Was tun, wenn die eigene Botschaft einmal besonders wichtig ist?” Vor allem auf Google+ teilen immer mehr Leute irgendwelche Beiträge direkt mit mir. (Und ganz sicher nicht nur mit mir!) Meistens solche Beiträge, in denen sie selbst vorkommen oder die sie geschrieben haben. Bei G+ ist das besonders einfach; einfacher als etwa bei Facebook, Twitter oder XING. Hier muss man gar keine anderen Funktionen, wie etwa die Event-funktion “kapern”, sondern kann Empfänger aus einer Liste direkt hinzufügen. Aber Sie tun sich selbst keinen Gefallen damit!

Solche Mitteilungen landen dann immer in meinem Mail-Postfach. Eigentlich möchte ich diese Benachrichtigungs-Einstellung auch nicht ändern, weil mir dann wirklich Wichtiges auch durchgehen würde. So geht es – ebenfalls ganz sicher – vielen anderen auch. Wenn das öfter passiert, bleibt mir daher oft nur die Wahl, sie Betreffenden zu blockieren. Oft schweren Herzens, weil ich ja davon ausgehe, dass sie es gut meinen. Dass viele von ihnen mir das schicken, weil sie es für besonders relevant und interessant für mich halten. Nur: Damit sind sie eben nicht allein. Und deswegen ist es schon lange nicht mehr möglich, jeden, der so vorgeht, kurz anzuschreiben oder anzusprechen.

Lieber möchte ich daher noch einmal daran erinnern, dass Social Media nicht Push bedeutet, sondern Pull. Und zwar in Ihrem eigenen Interesse: Gute Kontakte aufzubauen ist aufwändig. Sie zu verärgern geht schnell. Sie zurückzugewinnen ist oft unmöglich. Stellen Sie sich daher bitte einmal vor, das oben Beschriebene machten jeden Tag Tausende mit Tausenden anderer Nutzer. Wie sähen dann unser aller Postfächer aus? Wie sollte überhaupt noch jemand in seinen Mitteilungen zwischen persönlichen Nachrichten und “gepushten” Massen-Infos unterscheiden?

Bitte vertrauen Sie daher dem “Pull” Ihrer Empfänger, statt diese zu verärgern. Und: Ja, damit riskieren Sie, dass das eine oder andere beim einen oder anderen nicht ankommt. So ist das Leben. So ist das Social Web:

“Vom Push zum Pull” ist ja eine der Leitlinien, des Social Web: Man kann niemandem mehr etwas aufdrängen, aufdrücken (push). Ich kann nur interessante Inhalte anbieten und diese gut platzieren – in der Hoffnung, dass die gewünschten Empfänger darauf aufmerksam machen, sich die Inhalte heranziehen (pull) und sie weiterverbreiten an andere, die wiederum deren Informationsströme ziehen. Dieser Paradigmenwechsel kommt vor allem PR-Leute und Werber oft schwer an, die bisher gewöhnt waren, ihre Botschaften quasi mit dem Megaphon an möglichst viele zu verkünden. Wer solche “One to Many”-Kommunikation (“einer an viele”) in Social Networks versucht, kann nur scheitern.

Die Verantwortung dafür, dass wir alle in der Flut der Informationen weiter klarkommen, tragen nämlich: Wir alle. Und niemand ist dabei wichtiger als der andere, niemandes Botschaften herausragender als die eines anderen. Es sei denn, sie wären wirklich so viel besser und wichtiger. Aber dann, Seien Sie bitte ganz sicher, finden sie von selbst den Weg zu mir – und zu allen anderen!

In dem genannten Artikel finden Sie praktische Tipps, wie Sie es anstellen, dass Ihre Botschaften auch ohne “Push” zu den Empfängern gelangen.

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Die Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät Unternehmen in klassischer PR & Social Web.
Kontakt: Tel. 02151 970785; kontakt(at)kerstin-hoffmann.de; www.kerstin-hoffmann.de

Hinweis: Diesen Beitrag hatte ich in kürzerer Form bereits bei G+ und Facebook gepostet. Wegen der großen Resonanz habe ich das Thema hier für die Blogleser noch einmal aufgegriffen.

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