Bedrohen Bots twitternde Unternehmen?

Wie geht man mit Bot-Followern um? Wie ordnet man sie ein?

followerzahlen

Dass in Social Networks reine Zahlenspiele der reine Blödsinn sind, ist auch über Fachkreise hinaus längst bekannt. Das war ja hier auch schon oft genug Thema. Dass es aber irgendwie immer noch Anbieter geben soll, die mit gekauften Fans und Followern Profit machen, ist ebenso offensichtlich. Warum fallen Firmen nach wie vor darauf herein? Tun sie das überhaupt wirklich – oder gibt es da noch andere Mechanismen? Und: Warum ist es nicht einfach egal, ob einem Account ein paar hundert oder gar ein paar tausend Bots mehr oder weniger folgen?

Der aktuelle Anlass für diesen Beitrag: Eine italienischer Hochschullehrer will in einer Studie herausgefunden haben, dass bei einigen großen Marken fast die Hälfte der Twitter-Follower in Wirklichkeit Bots sind – also automatisierte Accounts, hinter denen kein echter Mensch steht. Nun stellt einer meiner Twitter-Follower – den ich sogar persönlich kenne, der also mit Sicherheit kein Bot ist 😉 – die berechtigte Frage, ob es nicht egal sein könne, wenn unter den eigenen Followern Bots seien. Die Antwort muss lauten: Im Prinzip ja, erst einmal ist es egal. Aber es kann zu falschen Annahmen führen.

Zahl ist nicht gleich Zahl

Der Wert von Marken leitet sich zu einem guten Teil aus Zahlen ab. Deswegen beispielsweise sind schlecht gepflegte Kundendatenbanken so fatal. Gibt es viele Dubletten und längst erloschene Geschäftskontakte, liefert das völlig falsche Informationen über den Kundenbestand und damit gegebenenfalls auch den Wert eines Unternehmens.Das ist also kein reines Social-Media-Phänomen. Aber altbekannte Mechanismen sind erstaunlich gut auf das Social Web übertragbar!

Natürlich hat jeder Twitterer Bots unter seinen Followern, und im Zweifel ist das auch nicht so schlimm. Tatsächlich stören die Bots ja meistens nicht. Doch problematisch wird es, wenn beispielsweise die Zahlen überhaupt nicht mehr in Relation zur Interaktion stehen. Sechsstellige Followerzahlen und nicht mehr Retweets und Mention als jemand mit ein paar tausend Followern? Da kann etwas nicht stimmen.

„Aufblasen“ fürs C-Level?

Da liegt dann umgekehrt in bestimmten Fällen der Verdacht nahe, dass die Marketingabteilung etwas zahlenmäßig „aufblasen“ musste, um die Geschäftsleitung zufriedenzustellen. Denn das ist ja nicht erst seit dem Social Web so, dass das C-Level, also die Geschäftsführer-Ebene, nachgerade absurde Vorstellungen davon hat, welchen Erfolg eine Maßnahme haben sollte.

Da wurden früher irgendwelche sinnbefreiten Gutscheine in Mailings eingebaut, um die Konversionsrate zu erhöhen. Da hat man später auf Websites irgendwelche Landing Pages mit Gewinnspielen erzeugt, damit die Web-Statistiken, die man im Meeting vorzeigte, toll aussahen. Mit Erfolg oder gar Umsatz hat das meist wenig zu tun. Es setzt sich aber eben im Social Web fort.

Verifizieren? Vielen zu aufwändig!

Ist das denn nun eine Bedrohung für Unternehmens-Accounts? Soll man deswegen Follower auffordern, sich zu verifizieren? Zunächst einmal: Bots, die nicht nerven, muss man auch nicht rauswerfen (sprich: blockieren). Man muss sie noch nicht mal identifizieren. Bei sehr großen Followerzahlen ist das auch mit vertretbarem Aufwand gar nicht machbar. Bloß mit zweifelhaften Strategien anlocken oder gar in den Erfolg hineinzählen sollte man sie nicht.

Es gibt ja Angebote, mit denen sich Follower als Menschen ausweisen können oder sogar müssen, um einem Account zu folgen. Eine Weile war das mal sehr in Mode. Ich rate generell eher von so etwas ab. Ich würde selbst auch nicht die Mühe auf mich nehmen. Für so etwas bleiben in den schnellen Medien einfach zu wenig Zeit und Aufmerksamkeit, und im Zweifel schreckt man damit mehr potenzielle Follower ab als man Bots aussortiert. Wozu auch? Twitter ist ein offenes, öffentlich verfügbares Medium.

Wer sich an drei Haupt-Regeln hält, braucht sich um Bots nicht zu sorgen:

1. Accounts langsam und solide aufbauen.

2. Aktivitäten mit echten Netzwerken verknüpfen, in denen Aktion stattfindet, die echte Menschen interessiert.

3. Nicht in die Quantitätsfalle gehen: Erfolg wird in Social Networks immer auch qualitativ bewertet und nicht nur quantitativ gemessen.

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Die Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät Unternehmen in klassischer PR & Social Web.
Kontakt: Tel. 02151 970785; kontakt(at)kerstin-hoffmann.de; www.kerstin-hoffmann.de

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  6 comments for “Bedrohen Bots twitternde Unternehmen?

  1. 12. Juni 2012 at 09:50

    Vielen dank für den sehr guten Artikel, der mir wirklich aus der Seele spricht.
    Auch ich werde dauernd von solchen Bot verfolgt, die ich Anfangs immer brav zurückverfolgt habe. Mittlerweile werden diese Follower konsequent ignoriert oder geblockt.
    Leider sind entgegen Deiner Annahme immer noch sehr sehr viele Nutzer verschiedenster Netzwerke mit der Überzeugung unterwegs: Anzahl Follower, Freunde, etc. = Erfolg und Qualität.

  2. 12. Juni 2012 at 11:40

    Noch heikler wird die Thematik aus meiner Sicht, wenn die Bots aktiv werden und z.B. automatisiert jeden Tweet retweeten. Hier vermute ich, dass das betroffene Unternehmen (oder ein betroffener individueller Twitter-Nutzer) in eine Reputationsfalle laufen kann. Denn der vermeintlich erfreuliche Retweet wird damit zum Spamprodukt. Und spätestens dann stören Bots richtig.

  3. 12. Juni 2012 at 11:45

    Stimmt. Danke für die Ergänzung. Dann sollte man sie zügig blocken. Wobei man ja immer auch schauen muss, wer den RT dann tatsächlich sieht. – Das zeigt aber eben nur mal wieder, dass Social-Media-Kommunikation genausoviel Aufmerksamkeit und Sorgfalt erfordert wie jede andere Form.

  4. !i!
    12. Juni 2012 at 20:56

    Hallo Frau Hoffman, auch von mir vielen Dank für die Informationen. Da ich mitlerweile ein paar Accounts betreuen muss, kenne ich das Bot Problem natürlich auch. Ich habe mich trotz des Aufwandes dafür entschlossen, die Follower manuell zu filtern. In der Regel geht das recht zügig (Vergleich der Follower zahlen und Tweet/RT Verhältnis). Eine „saubere“ Follower Liste, dient auch für mich als Qualitätsmerkmalund sagt etwas über die Intensität aus, mit der ein Social Media Kanal betreut wird.

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