Vom Star zum echten Gesprächspartner

Wie Speaker und andere Promis ihre Fans im Web wirklich aktivieren

Kontakte im Netzwerk und in Social Networks sollten niemals eine Einbahnstraße sein,

Seit längerer Zeit beobachte ich sehr intensiv das Auftreten und die Äußerungen von bekannten Menschen im Web. Auch und vor allem solcher, die in bestimmten Kreisen oder in spezialisierten Bereichen als Promis oder sogar als Stars der Branche gelten. Dabei sind mir einige typische Verhaltensweisen und Mechanismen aufgefallen. Vor allem habe ich deutlich gesehen, dass etliche dieser Menschen, die ein großes Netzwerk und viele Fans haben, ihr Potenzial bei weitem nicht ausschöpfen, und zwar vor allem in Social Networks.

Mit der Zeit habe ich auch herausgefunden, woran das vor allem liegt: Sie bekommen von Anfang an so viel Resonanz und Bestätigung, dass sie sich davon zuweilen regelrecht in die Irre leiten lassen. Was sie dann dazu bewegt, ihre Strategie so fortzuführen, wie sie scheinbar Erfolg bringt. Was wiederum dazu führen kann, dass sie niemals wirklich in Dialoge eintreten. Jedenfalls nicht in dem Ausmaß, in dem es möglich und wünschenswert ist. Das gilt natürlich nicht für alle im gleichen Maße. Oft hilft schon die Außensicht auf die eigenen Aktivitäten. Velleicht erkennen Sie sich in der einen oder anderen Beschreibung wieder. Vielleicht helfen Ihnen die folgenden Überlegungen, die eine oder andere Ihrer Verhaltensweisen noch einmal genauer zu betrachten.

Übrigens: Es gibt natürlich viele bekannte Persönlichkeiten, Trainer, Vortragsredner, die das alles schon jetzt hervorragend machen. Wenn Sie dazugehören, könnten die Tipps im Kasten am Ende dieses Beitrags wahrscheinlich von Ihnen sein, oder?

Je bekannter desto asymmetrischer

Es gibt diese Theorie von den „Strong Ties“ und den „Weak Ties“ in Netzwerken: Von den engen und den schwachen Verbindungen. Studien haben gezeigt, dass es vor allem die weiter entfernten Netzwerk-Kontakte sind, über die neue Impulse kommen. Zugleich gilt jedoch: Die Bindung muss nicht von beiden Seiten als gleich eng oder entfernt empfunden werden. Nehmen Sie beispielsweise bekannte Musiker oder Hollywood-Stars. Viele Fans fühlen sich ihren Idolen sehr nah und glauben, alles über diese zu wissen. Sie sind ihnen manchmal gefühlt so vertraut wie ein naher Freund. Doch umgekehrt besteht keine direkte Bindung. Der Star kennt seinen Bewunderer nicht und hat noch nie von ihm persönlich gehört.

Das gilt auch in kleinerem Rahmen: Ein charismatischer Speaker stellt beim Vortrag eine große Nähe zu oft etlichen hundert oder noch mehr Personen her. Viele von diesen nehmen den Eindruck einer persönlichen Begegnung mit. Der Speaker aber wird sich allenfalls mit einzelnen von ihnen kurz unterhalten haben. Wenn er gut ist, schafft er es, bei einem solchen Gespräch echte Nähe und menschliche Wärme zu erzeugen. Das gelingt nur aus wirklichem Interesse heraus.

Die Fortsetzung in Social Networks

Soziale Netzwerke wie Facebook oder Youtube und eigene Plattformen wie ein Blog sind hervorragend dazu geeignet, solche Beziehungen fortzusetzen und zu pflegen. Und natürlich stimmt nicht, was zuweilen kategorisch behauptet wird, nämlich dass im Social Web keine „One to Many“-Kommunikation (also Botschaften von einer Quelle in einer Richtung an viele Empfänger) mehr möglich sei. In dieser Absolutheit ist das Blödsinn. Richtig ist allerdings: Es darf nicht dabei bleiben.

Bei manchen Speakern und anderen bekannten Persönlichkeiten gewinnt man jedoch schnell den Eindruck, dass sie in ihrem Facebook-Profil oder ihrem Twitter-Account weiterhin auf einer Kanzel stehen und von dort ihre Botschaften verkünden. Dass sie aber vergessen, dass zwar bei Vorträgen Zwischenrufe nicht erwünscht und Fragerunden nicht immer vorgesehen sind. Dass aber Social Networks andere, direkte Dialogmöglichkeiten anbieten.

Wer sich ins Social Web begibt, muss auch reagieren

Nun kann sich ja jeder in seinen Accounts verhalten, wie er oder sie will, und sie entsprechend definieren. Er muss sich aber nicht wundern, wenn die Resonanz dürftig ausfällt und auf Dauer abnimmt. Reine Einbahnstraßen verlieren für die Kontakte schnell an Interesse.Weil jedoch Erfahrung und entsprechende Referenzgrößen fehlen, werden die Reaktionen, die erfolgen, als das Maß aller Dinge wahrgenommen und nicht weiter hinterfragt.

Ein „Like“ ist noch kein Dialog

Wer bekannt ist und öffentlich auftritt, hat quasi von Natur aus viele potenzielle Fans auch in Sozialen Netzwerken. Diese verfolgen dann gerne die Aktivitäten auf einer Facebook-Seite, und viele sind regelrecht stolz darauf, wenn sie zu den direkten „Freunden“ oder XING-Kontakten eines bekannten Menschen gehören. Natürlich „liken“ sie auch Nachrichten, Einträge und Links von diesem und empfehlen sie weiter. Je größer die Zahl der Kontakte, desto höher natürlich auch die Zahl der „Likes“ und Empfehlungen. Doch oft liegt diese weit unter dem eigentlichen Potenzial. Wo dieses liegt, können Sie nicht allein zahlenmäßig erfassen, und schon gar nicht anhand von absoluten Zahlen.


Das können Sie tun, um Ihre Fans und Ihr Netzwerk im Web zu aktivieren:

Sprechen Sie nicht immer nur von sich! Mag ja sein, dass Ihre eigenen Termine, Auftritte und deren lobende Erwähnung in der Presse für Sie absolute Priorität haben. Aber Ihr Publikum hat durchaus noch ein oder zwei andere Interessen. Deswegen:

Schaffen Sie Nutzen! Unterhaltung, Wissensvorsprung, interessante Informationen … – Was Ihre Fans interessiert, wissen Sie wahrscheinlich selbst am besten. („Ich spreche am 1. April um 11.11 Uhr da und da, und übrigens: Ich bin mal wieder supertoll!“ – Das bringt „Likes“ von wirklich eingefleischten Hardcore-Fans. Aber etliche andere werden sich, wenn solche Nachrichten auf Dauer die Einzigen bleiben, eher abwenden.)

Machen Sie sich Themen zu eigen! Das gehört zum Thema nutzen dazu. Sprechen Sie über Dinge, statt immer nur über sich selbst. Ihr Netzwerk wird es Ihnen danken. Es wird Ihre interessanten Botschaften weiterverbreiten. Und die Chancen stehen gut, dass der eine oder andere von selbst dazusagt, wie toll er sie findet.

Zeigen Sie Interesse! Zum Beispiel, indem Sie echte Fragen stellen. (Achtung! Fragen wie „Findet ihr dieses oder jenes Foto von mir toller?“ oder „Welches meiner Videos gefällt euch am allerallerbesten?“ sind gelegentlich erlaubt, wenn Sie wirklich Feedback von Ihren Fans wünschen. Aber wenn nichts anderes kommt, zeigen Sie letztlich nur, dass Sie sich bloß für das Eine interessieren: sich selbst!)

Führen Sie Dialoge! Zum Beispiel, indem Sie auf Fragen Ihrer Fans antworten. Indem Sie auf deren Kommentare eingehen. Indem Sie auch mal bei jemand anderem kommentieren oder einen Beitrag „liken“.

Pflegen Sie Ihre Accounts selbst. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn die Fanpage eines Prominenten von einer Agentur oder einem Mitarbeiter gepflegt wird. Wenn Sie viel unterwegs sind und einen Gutteil des Tages in Veranstaltungen, fehlt Ihnen wahrscheinlich die Zeit, alles selbst zu beobachten und zu überwachen. Aber dort, wo Sie als Person auftreten, sollten Sie auch nur selbst schreiben und antworten. Mobile Endgeräte machen das leichter als je zuvor. Sie müssen ja auch nicht dauernd schreiben: Lieber weniger und dafür persönlich!

Üben Sie das Handwerkszeug! Natürlich verfügen Sie über eine hohe Sozialkompetenz und wissen, wie Kommunikation zwischen Menschen funktioniert. Aber um das in den virtuellen Bereich zu übertragen, braucht es noch etwas mehr, damit es in gewohnt souveräner Weise herüberkommt. Deswegen sollten Sie sich lieber gründlich einarbeiten und mit den Gesetzmäßigkeiten der einzelnen Medien und Plattformen vertraut machen. Das befreit Aufmerksamkeit für das eigentlich Wichtige: die Inhalte und die Dialoge.

Gestatten Sie sich Irrtümer! Kommunikative Einbahnstraßen haben den Vorteil, dass auch wenig Kritik zurückkommt. Denn Kritik tut weh, erst recht, wenn sie einen wahren Kern enthält. Auch Promis sind verletztlich. Und gerade bekannte Menschen wissen, dass sie sowieso schon oft als Projektionsfläche herhalten müssen. Warum dann noch risikieren, dass man sich lächerlich macht oder böse Stimmen herausfordert? Aber wer sich ins Web begibt, muss das einkalkulieren und aushalten können. Wie im richtigen Leben. Dazu gehört auch, dass jeder mal Fehler macht, etwas Peinliches sagt oder dass sich eine Vorgehensweise als nicht sehr sinnvoll erweist. Das passiert jedem mal. Je mehr Sie den vorigen Punkt mit dem Handwerkszeug beherzigen, desto geringer die Gefahr, dass Sie so richtig danebenhauen.

Geben Sie sich nicht zu leicht zufrieden! Viele „Likes“ sind toll. Durchgehend positive Kommentare und lobende Erwähnungen schmeicheln dem Ego. Aber das ist nicht Ihr wahres Potenzial! Probieren Sie es aus!


Wie gehen Sie denn selbst vor? Was sind Ihre Erfahrungen mit bekannten Menschen im (Social) Web?* Haben Sie weitere Tipps?

*Bitte keine namentlichen Anprangerungen. Positive Beispiele mit Namensnennung sind dagegen ausdrücklich erwünscht!


Dr. Kerstin HoffmannDie Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät und unterstützt Unternehmen sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in digitalen Strategien, Public Relations und Corporate Blogging. Sie gibt Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Ihr Blog “PR-Doktor” ist laut Ebuzzing eines der führenden deutschen Blogs über digitale Kommunikation. Sie wollen mehr darüber erfahren, was Kerstin Hoffmann mit ihrem Team für Ihr Unternehmen tun kann? Hier geht es zum Beratungsangebot. »

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  3 comments for “Vom Star zum echten Gesprächspartner

  1. 17. April 2012 at 19:28

    Gerade in der klassischen Musik gibt es immer noch viele Berührungsängste, als netzaffiner Musiker werde ich von Kollegen oft bestaunt: „Braucht man dieses FB denn“ etc sind dann so die üblichen Fragen.. ich glaube ja, es ist die wichtigste Chance, daß klassische Musik in einer sich wandelnden Welt entweder ihren Platz behält oder einen neuen andersartigen findet. Die großen Namen der Klassik werden da meist aber von ihren Agenturen plaziert und „gefüttert“, was selten wirklich spannend ist, ich glaube, daß echte Kommunikation der einzige Weg ist! Ich selber versuche der 80/20-Regel zu folgen, 80% NICHT über mich zu posten, hat manchmal die surreale Folge, daß ich gefragt werde, ob ich auch Musik mache oder nur darüber schreibe – ist aber auf schräge Art ein Superkompliment für einen Klassikindie im Netz!

  2. 20. April 2012 at 14:00

    Danke für diesen wertvollen Beitrag und er kommt mir in so fern gelegen, dass er meinen Lesestoff von gestern Abend noch einmal befruchtet. Ich las in John Naisbitts „Mind Set!“ im Kapitel: „Fügen Sie nichts hinzu, ohne etwas Anderes dafür wegzulassen“. Diese (beinahe schon) Lebensregel trifft auf die heutige Medienlandschaft wie angegossen zu. Die Bespielung vieler Netzkanäle bringt im Zweifelsfall eher Seichtwasser zustande. Tiefe erlangt man m. E., wenn man sich für wenige Kanäle bewusst entscheidet und dort klare Linien bietet. Ein Zitat aus dem Kapitel: „Was wir brauchen, sind keine Informationsfriedhöfe, sondern Wiegen des Wissens als Hilfe zur Orientierung und Quelle der Inspiration.“

    „Füge nichts hinzu, ohne etwas Anderes dafür wegzulassen.“ Wie wahr.

    Beste Grüße, Frau Hoffmann!

    Volker Remy

  3. 20. April 2012 at 14:08

    Freut mich, danke!

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