Pinterest ist das neue Amen …

… und andere aktuelle Beobachtungen aus dem Web

Es ist schon Mitte Januar. Es ist zu warm für die Jahreszeit. Und nach der ruhigen Zeit um die Feiertage herum geht es im Web mal wieder richtig rund. Zeit für einige Betrachtungen und Beobachtungen. Das steht mir, finde ich, zu – nachdem ich in den ersten beiden Wochen meines Blogjahres die eher klassikaffinen Leser mit grundsoliden Denkanstößen für die Kommunikation versorgt habe. Da ich hier im Buchmanuskript-Abgabestress bin, ist mir nur das wirklich Hervorstechende aufgefallen. Natürliche Selektion nennt man das wohl.

PinterestAlle wollen pinnen!

Eines fällt selbst mir massiv auf: Jeden Tag gewinne ich neue Follower auf Pinterest. Auf einmal geht es da los wie nichts, obwohl Pinterest schon eine Weile online ist. Um 4.000 Prozent ist die Plattform angeblich innerhalb von sechs Monaten gewachsen. Oft kommt mir mein virtuelles Netzwerk vor wie eine große Clique, die von Party zu Party zieht: erst ein paar frühe Vorreiter, die schon eine Einladung für die Beta-Phase hatten. Dann alle Kolleginnen und Kollegen, die sich das schon aus rein professionellen Gründen anschauen wollen. Und schließlich der ganze Rest. Leider sind, wie so oft, am Anfang dien Profile recht leer, und das sieht dann ungefähr so aus wie im Bild rechts.

Kein Wunder: Wer denkt schon daran, den ganzen Tag beim Lesen im Netz immerzu Bilder zu pinnen? Ich jedenfalls nicht. Einige andere aber schon. Zum Beispiel die vorbildliche Maren Martschenko, die viele sehenswerte Boards angelegt hat. Oder der ebenso vorzügliche Nico Lumma, der angefangen hat, Produkte der Woche zu sammeln. Mal sehen, ob er das fortsetzt. Und was überhaupt daraus wird. (Denn von dem hoffnungsvollen Startup Amen, das im letzten Jahr so gehypet wurde, hört man schließlich auch relativ wenig im Moment.)

Von möglichen Urheberrechtsproblemen beim Sammeln fremder Bilder auf eigenen Pinnwänden, über die mein geschätzter Kollege Leander Wattig und ich immerhin schon im vergangenen November diskutiert hatten, ist vorerst nichts zu spüren. Aber schließlich zeigen ja auch die meisten anderen Plattformen, wie etwa Facebook oder Google+, automatisch externe Bilder zu Links mit an.

… fragen Sie Ihren Arzt oder Psychologen

Dass Facebook zu Depressionen führen kann, ist ein oft gehörter Spruch in den letzten Tagen. Allerdings, wenn man den entsprechenden Artikel im Focus selbst liest, anstatt nur den Gerüchten zu glauben, stellt man fest, dass es hier um „anfällige Jugendliche“, und auch nur um manche von ihnen geht. Besonders, wenn sie „massenweise Fotos von feiernden Menschen“ sähen. Und selbst da sind Ursache und Wirkung nicht ganz klar. Vielleicht sollte man mal Radio Eriwan dazu befragen …

Mir dagegen ist im Vergleich zwischen meinen Facebook-Freunden und meinen Google+-Followern einmal mehr der Unterschied zwischen den „weak ties“ und den „strong ties“ in Netzwerken (Achtung: der vorherige Link öffent direkt ein PDF) klargeworden. Nämlich als mir letztens mein Blog komplett abschmierte und ich über den Prozess des Wiederaufbaus in meinen Social Networks berichtete. (Ist Ihnen aufgefallen, dass sich das Design leicht geändert hat? Wie gefällt es Ihnen?)

Auf Facebook: Nur Mitgefühl und Unterstützung. Auf Google +: Zwar auch unter anderem freundlicher Zuspruch, aber durchmischt mit deutlicher Häme und selbstgerechter, von wenig Social-Web-Erfahrung getrübter Besserwisserei. Kein Wunder: Auf Google+ habe ich dreimal so viele Follower wie auf Facebook „Freunde“ – und nur einen Teil davon kenne ich persönlich, und mit denen bin ich auch anderswo verknüpft.

Ist Google+ deswegen überflüssig? Steckt es gar in einer Sinnkrise, wie Simon Nickel meint? Glaube ich nicht. Es geht eben immer darum, genau zu beobachten und sich gut zu überlegen, was man wo postet. Und: Wer sichtbar ist, zieht eben auch Trolle an. Deswegen verfalle ich jedenfalls nicht in Depressionen. Ich würde wahrscheinlich depressiv, wenn ich pausenlos mitten in großen Mengen laut feiernder Leute festsäße. Aber ich bin eben auch keine Jugendliche, und darüber bin ich dann irgendwie doch froh.

re:publica 2012Sommerpause: Verbindlich angemeldet

Nachdem ich minutenlang über das Wort „Kompetenzplattform“ meditiert hatte, war ich endlich in der Lage, mir die hilfreiche Übersicht über die diesjährigen wichtigsten Messen und Konferenzen zu Social Media anzuschauen.

Falls Sie mich irgendwo treffen wollen: Auf der re:publica haben Sie auf jeden Fall Gelegenheit dazu! Ansonsten habe ich mich mal für das Event >>>Sommerpause<<< angemeldet, habe aber noch keine Bestätigung erhalten.

Wunderkit für ein neues Leben

Ebenfalls mal angemeldet habe ich mich für Wunderkit. Kann ja nicht schaden. Wann verspricht einem schon mal jemand „A new way to organize your life“? Ich meine, nicht dass ich da wirklich Bedarf hätte – mein Leben läuft mehr als großartig. Aber vielleicht haben sie ja doch ein paar interessante Ideen im Detail. Zum Beispiel, wie ich meinen Schreibtisch organisiere, der da irgendwo unter den Materialien für mein Buch versteckt sein müsste … Ich kann Ihnen aber noch nicht mehr dazu berichten, denn irgendwie hat mir niemand ein Beta-Invite angeboten, und darum zu betteln bin ich zu stolz. Oder, naja. falls jemand eines …

Das Mitmach-Web greift nach Büchern

Wollten Sie schon immer mal in einem Buch genannt werden? Dann möchte ich Ihnen abschließend, wenn wir schon einmal bei Google+ sind, die Aktion meiner Kollegin Annette Schwindt ans Herz legen. Die gefeierte Autorin des Facebook-Buches schreibt jetzt in kürzester Zeit einen Ratgeber zu dem nämlichen Netzwerk und sucht dafür Beispiele. Fragen dürfen Sie ihr bei der Gelegenheit auch stellen.

A propos Fragen

Fragen können Sie übrigens auch mir stellen, wenn wir das Thema schon mal ansprechen. Zum Beispiel auf meiner Facebook-Page. Oder, noch besser: Schreiben Sie doch hier etwas in die Kommentare. Ich freue mich darauf!

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Die Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät Unternehmen in klassischer PR & Social Web.
Kontakt: Tel. 02151 970785; kontakt(at)kerstin-hoffmann.de; www.kerstin-hoffmann.de

  5 comments for “Pinterest ist das neue Amen …

  1. Janne
    19. Januar 2012 at 10:24

    Hi Kerstin,

    schöner Artikel! Mir persönlich ist Pinterest aber ein wenig zu langweilig, es geht da ja nur um Rezepte und so. Es gibt übrigens eine ähnliche Seite in Deutschland namens LikedBy (www.likedby.de). Die haben coolere Bilder. Ist natürlich subjektiv das ganze, aber anschauen lohnt sich, denke ich ;-)!
    J*

  2. 19. Januar 2012 at 13:14

    Update: Danke für die vielen Wunderkit-Invites. 😉 Sogar ein direktes von Wunderkit selbst!

  3. Janne
    23. Januar 2012 at 17:53

    hey, janne nochmal, ich hab noch was besseres gefunden… http://openPIN.org – dieser likedby kram stürtzt ständig ab…. gucks dir mal an… brauchst nichmal nen invite

  4. 30. Januar 2012 at 09:21

    Dafür, dass du im „Buchmanuskript-Abgabestress“ bist, wie du sagst, ist der sehr umfangreich. Ich wollte etwas über PINTEREST, das habe ich aber leider nicht gefunden. Die Sache kommt nicht auf den … Punkt.

  5. 30. Januar 2012 at 09:47

    Tut mir leid, dass der Artikel deine Erwartungen nicht erfüllt. Eine Pinterest-Anleitung war aber gar nicht meine Absicht. Wenn du die suchst, schau mal hier nach: http://pr-blogger.de/2012/01/27/pinterest-1-benutzung-und-benefits-fur-unternehmen/

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