Keine Sorge: Natürlich geht das wieder weg, dieses Social Media …

… nur in die andere Richtung!

Geht das Social Media wieder weg? „‚Geht das Social Media wieder weg, wann denn endlich?‘ wird soeben gefragt“, lautete kürzlich eine Twitter-Nachricht von Klaus Eck live von einem Kongress, über die ich – und nicht nur ich – herzlich gelacht habe. Vielen Dank, lieber Klaus, für das großartige Zitat!

Praktisch jeder, der in Sachen Social Media berät, trifft immer wieder auf Menschen, die sich „dem Social Web“ hartnäckig verweigern. Denn sie halten es für eine vorübergehende Einrichtung, die schnell wieder aus der Mode kommen wird. Und wissen Sie was? Ich stimme ihnen sogar zu.

Als gäbe es noch ein anderes Internet …

Viele sprechen immer noch vom Social Web (bis vor kurzem Web 2.0), als gäbe es noch ein anderes Internet, das irgendwie davon abgetrennt wäre. Dabei ist das schon lange nicht mehr so. Social Networks sind keine Einzelerscheinung, keine isolierte Austauschform irgendwelcher Geeks und Nerds. Sie sind längst Teil unseres täglichen Lebens. Selbst jene, die immer noch darauf warten, „dass das wieder weg geht“ und sich solchen Dingen wie Facebook mit quasi dogmatischer Widerstandskraft entgegenstellen, sind wahrscheinlich schon längst im Social Web.

Sie googlen – und treffen oft als Erstes auf Ergebnisse, die aus Twitter, Blogs oder Google+ stammen. Sie kaufen bei amazon oder anderen Online-Versandhäusern ein und orientieren sich dabei an den Bewertungen, die andere Käufer online abgegeben haben. Sie prüfen anhand von Hotelbewertungen, wo sie den nächsten Urlaub buchen. … und sie warten währenddessen immer noch darauf, dass „dieses komische Social Media“ sich selbst ad absurdum führt. Wahrscheinlich wissen sie dabei nicht einmal, dass ihr Schwager längst die Bilder von der letzten Familienfeier auf seiner öffentlich sichtbaren Facebook-Pinnwand hat. Oder sie erfahren erst über Dritte, dass sich eine engagierte Community in einem Forum über die Produkte austauscht, die ihre Firma herstellt.

Nicht jeder muss überall dabei sein

Was ich damit sagen will: Nicht jedes Unternehmen, schon gar nicht jede Privatperson braucht eine Präsenz in Social Networks. Ganz im Gegenteil. Aber das Social Web ist längst fast gleichbedeutend mit dem Internet. Schauen Sie mal bei Pingdom (englisch) auf die Zahlen im Vergleich. Deswegen die Wahrnehmung dieser völlig fiktiven Trennung übner kurz oder lang verschwinden. Dann haben wir eben wieder nur ein Web. Was immer da noch kommen und wie auch immer es noch genannt werden wird.

Das habe ich mir nicht alleine ausgedacht. Das haben andere schon vor mir gesagt, weil es ja auch so offensichtlich ist. Aber das Eingangszitat – das Klaus Eck ja nicht ohne Grund so pointiert ausgewählt hat – hat mir wieder einmal klar gemacht, in was für einem Zwischenstadium wir gerade sind.Was heute umstritten ist, wird in ein paar Jahren völlig integriert und selbstverständlich sein. Auch wenn die einzelnen Networks und Plattformen sich sicher weiter wandeln und nicht alle bestehen bleiben.

Dennoch haben wir das Dilemma, dass wir jetzt – mit der obigen Erkenntnis, dass es gar keine wirkliche Trennung gibt – nicht einfach aufhören können, über „das Social Web“ zu sprechen, wenn wir bestimmte Strategien und Medien meinen. Denn dann versteht das auch wieder keiner.

Gut die einen, bedauernswert die anderen

Wir befinden auch insofern in einem Übergangsstadium, als die Präsenz und das einzelne Auftreten von Firmen in „diesem Internet“ sehr unterschiedlich ist. Viele Social-Media-Präsenzen sind zwar bereits aktiviert, aber in einem bedauernswerten Zustand; ich habe neulich schon dazu gebloggt. Aber solche Situationen hatten wir auch schon früher, als es nur quasi statische Websites gab, die sehr teuer in der Erstellung waren – und die einen hatten eine gute, die anderen eine grottenschlechte und die dritten noch gar keine.

Wir sind in einer Evolution, keiner Revolution. Das Web entwickelt sich weiter. Und wir in und mit ihm. Egal, wie wir es nennen. Egal, ob wir gegen die eine oder andere Bezeichnung oder das eine oder andere Netzwerk Widerstand haben. Aber von „Social Media“ auf der einen und „dem Internet“ auf der anderen Seite wird wohl schon bald niemand mehr sprechen.

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Die Autorin: Dr. Kerstin Hoffmann berät Unternehmen in klassischer PR & Social Web.
Kontakt: Tel. 02151 970785; kontakt(at)kerstin-hoffmann.de

  11 comments for “Keine Sorge: Natürlich geht das wieder weg, dieses Social Media …

  1. 24. Oktober 2011 at 12:22

    Meine Erfahrung ist weniger, dass sich Menschen dem „Social Web“ als solchem verweigern, sondern eher einzelnen Angeboten, insbesondere Facebook. Diese Netzwerke repräsentieren für sie den Feind, das Social Web. Den Leuten ist häufig gar nicht klar, wie „social“ das Web insgesamt geworden ist und wähnen sich daran unbeteiligt, während sie in Form von Bewertungen etc. längst partizipieren. Unter Social Media werden aus diesem Missverständnis heraus dann häufig eben nur ausgewiesene Netzwerke wie FB, VZ, WKW etc. subsumiert. Die ganz Jungen wiederum kennen das Netz sowieso nur 2.0, auch hier wird die Trennung Web – Social Web unscharf. Aus meiner Sicht haben wir es also mit einer Altersfrage, einem klassischen Generationenkonflikt zu tun.

  2. 24. Oktober 2011 at 12:55

    So gerne ich ja der mittlerweile hohen Durchdringung von interaktiven und kollaborativen Elementen im World Wide Web zustimme: Die Aussage, das Social Web sei längst fast gleichbedeutend mit dem Internet, kann ich aus meiner technischen Sichtweise so garnicht bestätigen. Das Internet befindet sich eine Ebene unterhalb aller Anwendungen und das, was wir das World Wide Web nennen, ist dabei nur ein Teil. Meines Wissens etwa 15% bezogen auf den Gesamt-Traffic. VPNs, P2P, E-Mail, Telefonie, Radio, Fernsehen – um nur ein paar zu nennen – alle diese Dienste teilen sich mehr und mehr die gleiche Plattform. Auch diese Entwicklung ist in vollem Gang und steckt erst in den Kinderschuhen. Und es wird in Zukunft sicher eine weitere Konvergenzbewegung zwischen vielen dieser Anwendungen stattfinden. Deshalb lohnt sich auch für den vielleicht zwar technisch weniger interessierten aber dafür visionären Social-Media-Experten ein Blick über den Tellerrand.

  3. 24. Oktober 2011 at 13:02

    Ok, interessante Sichtweise. Danke.

  4. 24. Oktober 2011 at 16:13

    Sehr lesenswert- Danke.
    Da kann ich voll zustimmen. Das social web ist kein Solitär im luftleeren Raum. Gleichwohl sehe ich einen Unterschied zu der Zeit der statischen Webseiten: Social media bedeutet ‚Dialog auf Augenhöhe‘ und kann (sollte) die Organisationskultur massiv verändern. Hier stehen die meisten Unternehmen noch ganz am Anfang. Transparenz und Dialog auf Augenhöhe sind m. E. nicht immer kompatibel mit bestehenden, prozessorientierten Strukturen.

  5. 25. Oktober 2011 at 10:40

    Hallo,

    jene angesprochene „Evolution“ eines neuen Mediums, einer Innovation und Technik gab es schon immer. Dafür muss man auch keine Kommunikationswissenschaften studiert haben. Erst wurde das Buch verteufelt, dann das Fernsehen, Telefon etc. Menschen neigen immer dazu, an einem bestimmten Punkt des Inovationsprozesses Bedenken zu haben, nur um irgendwann die Innovation in ihren Alltag integriert zu haben. Es ist also durchaus nur eine Frage der Zeit, wenn die Diskussion über das Kommen und Gehen des (Social) Web einschläft. Ebenso möchte ich darauf hinweisen, dass der Begriff „Social Web“ kein Nachfolger des Web 2.0 ist, sondern nur die soziale Komponente des Web betont, während das Web 2.0 die technischen, vor allem interaktiven Elemente unterstreicht. Aber das nur am Rande.
    Liebe Grüße

  6. 26. Oktober 2011 at 09:24

    Als ich vor ueber zehn Jahren in einem eher konservativen Dax-Unternehmen als Internet-Kommunikations-Experte eingestellt wurde, sagten mir aeltere und erfahrenen Kollegen an meinem ersten Arbeitstag: „Wie haben damals auf btx gesetzt und das ist auch wieder verschwunden. Auch Sie werden sich bald nach einer neuen Funktion umsehen muessen…“ – haben sich halt getaeuscht die „alten Hasen“.

    Ich stimme aber auch Frank Herberg zu: Kommunikationsinhalte (auch Web 1.0) waren immer der duennste Oberflaechen-Layer als Teil eines gesammten Internets. Web 2.0 ist dann zur Zeit eher so etwas wie der Goldstaub auf der Aussenhuelle. Der Rest ist Nomenklatur und akademisch – soll heissen: Voellig egal wie wir es nennen.

  7. 2. November 2011 at 18:03

    Ich glaube tatsächlich, das wir hier wieder einmal nur unter uns sind und daher unsere eingeschränkte Sichtweise vorfinden. Der Großteil der Nutzer unterscheidet da nicht sonderlich ob das jetzt Web 1.0 oder 2.0 oder Social Web oder Social Media ist. Die Menschen benutzen das einfach, sie sehen/hören/lesen dass es eine Hotelbewertungsseite gibt und suchen damit nach einem Urlaubsdomizil. Wenn sie unsicher sind ob sie ein Buch kaufen wollen, nutzen sie die Kommentare bei Amazon zur Entscheidung. Daten-upload bei Dropbox oder eine Sicherungskopie machen sie irgendwo ins Netz ohne darüber nachzudenken dass dies jetzt cloudcomputing ist. Aber warum sollten sie auch darüber nachdenken, es ist da und wir genutzt, sie müssen nicht verstehen wie es funktioniert.

    Wir nutzen übrigens auch Gurtrückhaltesysteme, ESP, ASS, Common Rail oder Seitenaufprallschutz ohne uns Gedanken darüber zu machen ob das jetzt aktive oder passive Fahrsicherheitssystem sind.

    Das Internet wird sich weiter entwickeln und es wird immer wieder zu unglaublichen Revolutionen darin kommen.

  8. 2. November 2011 at 18:04

    Danke für die Einschätzung. Aber wirklich Revolutionen? Oder ist das meiste, was wir als revolutionär wahrnehmen, nicht doch mehr das Ergebnis von Evolution?

  9. 4. November 2011 at 11:12

    Ich teile weitgehend die Auffassung von calceola. Und ob das jetzt Evolutionen und Revolutionen sind, ja, das kann eigentlich auch jeder für sich selbst entscheiden. Aus wissenschaftlicher Sicht wird man für technische Entwicklungen wohl kaum den Begriff „Revolution“ verwenden, aber im Alltag ist das m.E. durchaus legitim.

    Letztens habe ich beispielsweise in der brand eins gelesen, dass Cloud Computing ein alter Hut ist. Das gäbe es schon seit Jahrzehnten und eine „Cloud“ gäbe es ohnehin nicht, das seien letztlich immer Server. Das ist richtig. Und genauso falsch. Denn vor 10 Jahren haben nur die Allerallerallerallerallerwenigsten ihre Daten in der Cloud gespeichert. Heute machen das sehr viel mehr Leute. Das Nutzungsverhalten der breiten Masse hat sich durch den technischen Fortschritt also spürbar gewandelt. Und erst dadurch wird eine solche technische Entwicklung zu einer „Revolution“.
    Man sollte auch bedenken: Schon vor dem iPod gab es MP3-Player, schon lange vor dem iPhone konnte man mittels WAP ins Internet und Tablet-PCs gab es ebenfalls schon vor Jahren. Hat sich durch die Apple-Produkte also irgendwas verändert? Ich denke schon :-).

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