Gutes Firmenprofil – schlechtes Firmenprofil? Der Check gegen Mythenbildung im Social Web

„Nur zwei von zehn Unternehmen haben kein Profil in sozialen Netzwerken!“, jubelt der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) nach einer aktuellen Befragung. Mehr als 80 Prozent der Firmen besäßen ein Profil  im Social Web. So steht es aktuell in der W&V, und das macht mich sehr nachdenklich: „Ja, aber wie sehen die im Einzelnen aus, diese Profile?!“, war mein erster Gedanke.

Mythologie: Dichtung und Wahrheit hängen oft eng zusammen.

Mythen: Was ist die Wahrheit dahinter?

Mit solchen Aussagen und ihrer Weiterverbreitung werden Mythen geboren; und davon gibt es im Social Web viele. t3n hat erst kürzlich einige „Social-Media-Mythen entzaubert„, und ich stimme da in weiten Teilen zu. Auch zu dem Punkt, dass nicht jeder eine Präsenz braucht. Ich ergänze: Selbst wenn er sie gut gebrauchen könnte, verzichtet mancher besser darauf, solange das Know-How und die Kapazitäten fehlen.

So werden Mythen geboren

Wohlgemerkt: Ich zweifle nicht an der Aussage der zitierten Befragung. Aber ich wüsste gerne nach welchen Kriterien die Profile als solche benannt und gezählt wurden. Zweifelsohne sind zwar inzwischen sehr, sehr viele Firmen in diesem Bereich hervorragend aufgestellt. Aber eben nicht alle. Ein Profil zu haben heißt noch nicht, dass es auch ein gutes und sinnvolles Profil ist. Mehr noch: Im Social Web präsent zu sein ist ja gar kein Wert an sich. Es muss sinnvoll sein, bezogen auf die Unternehmensziele und auf die Bezugsgruppen. Mit unprofessionell aufgesetzten oder schlecht gepflegten Präsenzen schaden sich Unternehmen im Zweifel mehr, als dass sie ihrer Sache nützen. Trotzdem fangen viele „einfach erstmal irgendwie an“.

Beispiele: So besser nicht

Negativbeispiele kennen wir alle, und die gibt es nach wie vor reichlich. Hier einige davon:

  • Blogs und Newsseiten, deren aktuellste Beiträge drei Jahre alt sind.
  • Blogs, Magazine und andere „interaktive“ Plattformen, die aussehen, als hätte sie bestensfalls der Praktikant gebaut (Junge Leute mit Interesse für Medien haben aber meistens mehr drauf.)
  • Social-Media-Icons, die irgendwie auf die Website gehauen sind und zu kryptischen, inhaltsleeren Profilen führen.
  • Twitter-Accounts, die einmal täglich einfach nur die URL der eigenen Website heraushauen, und sonst nichts.
  • Facebook-Seiten, auf denen nicht einmal die standardmäßig vorhandenen, aber nicht genutzten Reiter entfernt wurden.
  • Fanpages, auf denen Kommentare nicht zugelassen sind.
  • Profile in Social-Networks, die noch das Platzhalterbild des Anbieters enthalten.
  • Automatisch generierte Unternehmensseiten auf XING, von denen in der Firma selbst niemand etwas weiß.

Wenn man die jetzt alle herausrechnet …

Wenn man die jetzt mal alle herausrechnet – wie viele von den oben genannten 80 Prozent bleiben dann noch übrig? Aber wir wollen ja nicht nur anprangern. Hier kurz zusammengefasst – denn da scheint immer noch Informationsbedarf zu bestehen -, worauf es ankommt, wenn Unternehmen im Social Web erfolgreich präsent sein wollen. (Definiere erfolgreich: So, dass es ihren Unternehmens- und Kommunikationszielen dient. Was immer auch bedeutet, dass es den Empfängern einen konkreten Mehrwert bietet.)

Einbindung in das Kommunikationskonzept: Das kann man nicht oft genug sagen: Jegliche Kommunikation muss sinnvoll in ein größeres Konzept eingebunden sein und innerhalb einer durchdachten Strategie stattfinden.

Aktualität: Social-Media-Präsenzen müssen gepflegt und beobachtet werden. Es geht um Aktion und um Reaktion. Nicht einfach nur regelmäßig, sondern täglich.

Inhaltliche Stringenz: Irgendwas kann jeder schreiben. Aber was nützt es, wenn es am Thema vorbei geht oder falsche Merkspuren legt? (siehe auch: Kommunikationskonzept)

Kontakt zu den Zielgruppen: Wer in Social Networks präsent ist, muss zuhören und sich für andere interessieren. Social Media müssen nicht nur aus One-to-One-Kommunikation bestehen – wenn sie richtig definiert sind, funktionieren auch Werbe- und PR-Kanäle -, aber sie müssen zumindest auch den Raum dafür freilassen.

Wissen um die Funktionalitäten: Das Bild an der Wand ist das Ziel – nicht die Bohrmaschine, der Dübel oder der Nagel. Aber wer Werkzeuge richtig bedienen will, muss wissen, wie man diese Werkzeuge richtig bedient. Punkt.

Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben und auch nicht herzustellen, lassen Sie es lieber und konzentrieren Sie sich auf das, was Sie wirklich gut können. Bis Sie vielleicht so weit sind, dass Sie doch etwas ändern wollen.

Drei Schritte sollst du tun …

Sie sind möchten weiterkommen, was die Präsenz Ihres Unternehmens im Social Web angeht? Dann empfehle ich drei Schritte:

  1. Ressourcen und Budgets klären beziehungsweise festlegen.
  2. Zeitplan aufstellen.
  3. Fachwissen selbst draufschaffen oder externe Unterstützung holen. Besser noch: beides.

Das steht auf jeden Fall jetzt schon an

Monitoring etablieren: Auch wenn Sie selbst nicht teilnehmen, reden andere womöglich über Sie. Ein grundlegendes Monitoring sollte wirklich jedes Unternehmen heutzutage haben. Setzen Sie bitte zumindest Google Alerts auf Ihre Namen, Marken, Führungspersönlichkeiten und noch ein paar weitere relevante Begriffe. Sagen Sie jetzt bitte nicht, Sie wissen nicht, wie das geht. Erstens steht es dort beschrieben. Zweitens lassen Sie auch nicht Ihr Auto in einem fahruntauglichen oder gefährlichen Zustand, weil Sie es nicht selbst reparieren können.

Unternehmens-/Markennamen sichern: Sie sind jetzt noch nicht präsent? Sichern Sie sich auf jeden Fall in den wichtigsten Networks Ihren Namen. Sonst ist er nachher weg, wenn Sie doch loslegen wollen.

Sichtbare Profile zumindest mit den Grund-Informationen bestücken: Manche Profile kann man vorerst auf unsichtbar stellen, etwa einen Youtube-Kanal. Wo das nicht möglich ist, sollten Sie zumindest dafür sorgen, dass sie ordentlich aussehen.

Ach, und wenn Sie die letzten drei Punkte erledigt haben – und sonst aber noch nichts – dann tun Sie mir bitte einen Gefallen: Wenn das nächste Mal ein Verband in einer Umfrage von Ihnen wissen will, ob Sie bereits eine „zentrale Präsenz“ im Social Web haben, verneinen Sie es beherzt, bis Sie wirklich so weit sind!

  4 comments for “Gutes Firmenprofil – schlechtes Firmenprofil? Der Check gegen Mythenbildung im Social Web

  1. 14. Oktober 2011 at 11:27

    Toller Beitrag!
    Von den erwähnten Negativbeispielen fallen mir auch sofort jede Menge ein. Deine Zusammenfassung, wie ein Unternehmen im Social Web erfolgreich präsent ist, werde ich gleich mal weiterempfehlen.

  2. Kevin
    29. Februar 2012 at 09:54

    „Wissen um die Funktionalitäten: Das Bild an der Wand ist das Ziel – nicht die Bohrmaschine, der Dübel oder der Nagel. Aber wer Werkzeuge richtig bedienen will, muss wissen, wie man diese Werkzeuge richtig bedient. Punkt.“ ??

    Um richtig zu bedienen, muss man wissen wie man richtig bedient?? Klingt logisch… und aussagelos.
    Sollte es nicht heissen: „wer sein Ziel erreichen will, muss wissen wie man die Werkzeuge bedient“?

  3. 29. Februar 2012 at 10:05

    Danke für die Nachfrage, aber es ist tatsächlich so gemeint, wie es dort steht. Weil viele Menschen gerade in der Kommunikation mit Werkzeugen arbeiten die richtig zu bedienen sie nie gelernt haben.

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