Von Leidenschaft, Fischen, Aktfotos und Amen: Aktuelle Beobachtungen aus dem Social Web

Flugperspektive

Mit etwas Abstand sehen die Dinge nochmal anders aus.

Abstand schafft Überblick: Frisch und fröhlich habe ich mich Anfang September nach einer gut vierwöchigen Blog- und Social-Media-Pause wieder in das Getümmel der Sozialen Netzwerke geworfen. Jetzt bin ich wieder so richtig drin – in meiner Arbeit und im Austausch mit anderen. Da viele meiner Leser keine Geeks und 24-Stunden-Onliner sind, hier eine kleine Zusammenfassung meiner Erfahrungen seither.

Google+ bringt’s weiterhin

Bevor ich mich in die Sommerpause verabschiedet hatte, war mir noch aufgefallen, dass sich Google+ ziemlich gut zum Crowdsourcing eignet: Meinungsbilder und Antworten zu einem bestimmten Thema hatte ich hier am schnellsten bekommen. Das ist auch so geblieben. Zudem: Wenig Blödsinn und Kalendersprüche in der Timeline, viel Qualifiziertes. Alle relevanten Links tauchen früher oder später hier auf. Das liegt natürlich auch daran, dass ich meine Circles sehr gezielt zusammengestellt habe. Ich überlege mir sehr genau, wem ich zurückfolge und in welchen meiner Kreise ich denjenigen einsortiere. Bisher bin ich von Google+ weiterhin begeistert. Interessanterweise habe ich in der Zeit, in der ich absolut nichts gepostet habe, schon an die 2.000 Follower gewonnen. (Ich hoffe, die bleiben dann auch, wenn ich wieder aktiv bin. ;))

Meine Circles habe ich übrigens konzentrisch angelegt. Also nicht separiert nach bestimmten Themen oder Branchen (das werde ich erst demnächst mal zusätzlich angehen). Vielmehr habe ich einen innersten Kreis mit den für mich wichtigsten und interessantesten Personen. Das ist keine persönliche Bewertung: Da ich im Social Web fast ausschließlich aus beruflichen Gründen unterwegs bin, sind auch meine Interessen entsprechend. Im nächsten Kreis befinden sich ebenfalls diejenigen aus dem inneren Kreis, aber einige weitere Personen dazu. Es kommen also immer mehr hinzu. Bis hin zum äußersten Kreis, in dem dann alle enthalten sind, denen ich folge. Je nachdem, wie viel Zeit ich habe und wie ausgeprägt mein Bedürfnis nach Unterhaltung, Vielfalt und Ablenkung ist, wähle ich den Kreis aus, den ich mir jeweils anschaue.

Allerdings hat Google+ meine Workflows etwas durcheinander geworfen. Ich habe selbst noch nicht wieder so richtig klar, was ich wo für wen poste: Facebook, Twitter, G+ – oder alle? Und was wird sein, wenn die Google+-API – die zwar gerade herausgekommen ist, aber bisher nur Lesen erlaubt – eine zusätzliche Einbindung zulässt? Macht automatisiertes Posten in alle Netzwerke überhaupt Sinn? Das sind alles Fragen, über die ich in nächster Zeit intensiver nachdenken werde.

Hier noch eine kleine Hitliste der Profile, die ich sofort „zurück-circle“. NICHT.

  • Ihr Profilfoto ist ein (Halb-) Akt.
  • Sie präsentieren sich in lockerer Party-Pose mit Bierglas und johlenden Zechkumpanen.
  • Sie halten auf Ihrem Profilfoto einen Telefonhörer am Ohr, um dezent auf Ihre professionellen Kommunikationsfähigkeiten und Ihre einzigartigen Beratungsqualitäten hinzuweisen.
  • Ihre letzten fünf Postings weisen auf Ihre Website und Ihre einzigartigen Beratungsdienstleistungen hin.
  • Ihre letzten fünf Postings bestehen aus Kalender- und Sinnsprüchen.
  • Ihre letzten fünf Postings bestehen aus Animated GIFs mit lustigen Tieren oder sonstigen Missgeschicken.
  • Damit Sie sofort unter allen anderen auffallen, schreit Ihr Namen komplett in Großbuchstaben.
  • In Ihrem Profil steht – nichts.

Nicht ohne meine Leidenschaft

Viele Diskussionen hat in den letzten Tagen der Artikel „Tschüss Social Media, es ist vorbei! The Passion Haz Gone“ ausgelöst. Angesichts der Ermüdungserscheinungen vieler Web-Protagonisten greift er wichtige Aspekte auf. Bei mir ist vor allem das folgende Zitat hängengeblieben, das ich unterschreibe. Genau so:

Das Know-how lässt sich, auch wenn Social-Media-Akademien, Twitter-Coaches und andere Halbbildungseinrichtungen etwas anderes behaupten würden, nicht einfach in vierstündigen Workshops aneignen.Es lässt sich nur leidenschaftlich erfahren. Oder eben – einkaufen.

Wired: Digitaler geht’s auf Papier nicht

Natürlich habe ich mir Anfang des Monats die erste deutsche Wired sofort gekauft. Angeblich war sie dem Männermagazin GQ beigelegt – in Wirklichkeit war es in der Wahrnehmung fast meines gesamten Umfeldes wohl umgekehrt. Ich habe jedenfalls die andere Zeitschrift, auf deren Titelblatt irgendso ein junger Typ und was mit Autos stand, an einen jungen Mann weiterverschenkt. Die Wired habe ich mir dann am nächsten Abend im Hotelzimmer zu Gemüte geführt. Führen wollen. Doch erstmal musste ich die Zimmerbeleuchtung dramatisch erhöhen. Das Design ist nämlich sehr hip und trendy – aber teilweise wirklich nicht sehr kontrastreich. Und so alt bin ich ja nun wirklich nicht. (Außerdem besitze ich seit Neuestem eine Lesebrille!)

Nachdem ich mit allen verfügbaren Mitteln die Lichtstärke nahezu auf OP-Niveau erhöht hatte, fand ich die Themen ganz interessant und gut aufbereitet. Keine wirklich bahnbrechenden Überraschungen. Aber ich habe noch einiges Neue erfahren. Und die Autoren sind natürlich fast durchweg in der Branche bekannte Namen. Deswegen bin ich auf die nächste Ausgabe gespannt.

Nicht Fisch nicht Fleisch; nicht Freund, nicht Feind: Facebook-Abos

Nicht Fisch, nicht Fleisch; nicht Freund, nicht Feind: Das ist meine erste Meinung zu der Möglichkeit, Facebook-Beiträge zu abonnieren. Man muss also nicht mehr mit jemandem befreundet sein, um in der eigenen Timeline zu lesen, was der- oder diejenige öffentlich gepostet hat. Es bleibt die Frage: Was soll das? Es gibt ja auch noch die Facebook-Pages, die jeder per „Gefällt mir“ abonnieren kann. Die neue Abo-Funktion ist also irgendein Ding dazwischen, das es für den durchschnittlichen Facebook-Nutzer nicht unbedingt leichter macht, das ohnehin komplizierte System zu verstehen. Zudem ist gerade Facebook die Plattform, auf der ich am ehesten schon mal Persönliches und nicht nur Fachliches poste. Das ist zwar nicht geheim, aber der etwas geschütztere Rahmen „unter Freunden“ (sprich: direkten Kontakten) ist mir da schon ganz lieb.

Aber natürlich soll jeder, der es möchte, gerne meine öffentlichen Beiträge lesen. Die sich allerdings nicht so sehr von denen auf meiner Seite unterscheiden. Deswegen habe ich es aktiviert. Wie das funktioniert, habe ich hier kurz erklärt.

Nein oder Amen – und wozu?

Ziemlich viel diskutiert wird derzeit das wohl meist-gehypte Social Network des Jahres: Amen. In Wirklichkeit ist es gar kein richtiges Network, und die Möglichkeiten des Austausches sind sehr begrenzt. Im Grunde kann man einfach nur Behauptungen einstellen, welche Dinge die besten und welche die schlechtesten im Vergleich zu irgendwas anderem sind. Andere können dann zustimmen oder eine andere Meinung kundtun. Das ist mal ganz lustig. Vielleicht kann man da auch den einen oder anderen Restaurant-Geheimtipp finden, so auf Dauer. Zum Wiederkommen motivieren mich im Grunde derzeit nur die Info, dass jemand den ich kenne, dort jetzt auch ist – und die Neugier, welchen Quatsch derjenige sich wohl ausgedacht hat. Aber noch ist das Ganze ja auch Beta, sprich: in der Entwicklung.

Wenn es Sie trotzdem interessiert: Ich bekomme alle paar Tage ein paar neue „Invites“, kann also weitere Leute einladen. Schicken Sie mir einfach Ihre Mailadresse, und wenn ich gerade eine Einladung frei habe, schicke ich sie Ihnen gerne.

Und überhaupt so?

Ich habe es oben schon angedeutet: Mit Google+ und Facebook-Abos und meinem eigenen veränderten Nutzerverhalten stimmen meine Workflows für mich nicht mehr so ganz. Zwar entwickelt sich so etwas ja immer weiter. Aber ich werde mir in nächster Zukunft noch einmal genauer überlegen müssen: Was poste ich wo und für wen? Wo sind Doppelpostings – etwa gleiche Inhalte auf Twitter und auf Google+ – sinnvoll? Und wo nerven sie eher, weil ich hier und da denselben Leuten begegne? Ganz ehrlich: Im Moment habe ich da noch keine völlige Klarheit. Aber das Dynamische, sich ständig Wandelnde ist für mich zugleich das Spannende am Social Web.

Und Sie so? Ich freue mich über Kommentare!

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