Achtung, Trittbrettfahrer! – Teil 2: So vermeiden Sie, selbst zum Linkspammer zu werden

Linkspam im eigenen Blog zielsicher von echten Kommentaren zu unterscheiden, ist eine Sache. Noch wichtiger aber ist es, nicht aus Unkenntnis oder falschem Eifer selbst zu einem solchen Linkspammer zu werden. Im vorigen Beitrag bin ich auf die verschiedenen Arten und Merkmale von unerwünschten Kommentaren eingegangen. Heute möchte ich Ihnen näher auseinandersetzen, warum und wie es passieren kann, dass Blogger Sie als Linkspammer einordnen – und wie Sie das vermeiden. Denn Sie wollen ja im Netz eine gute Reputation aufbauen, nicht nur wahr- sondern auch als Gesprächspartner ernstgenommen werden.

Kommentieren im Grenzbereich

Im Grenzbereich zwischen sinnvollen Diskussionsbeiträgen und inhaltsleerem “Ich wollte auch mal was beitragen” sind vor allem in den besonders vielgelesenen Blogs und Magazinen in Deutschland eine Menge Kommentatoren unterwegs. Das liegt sicher auch an diesem immer wieder gehörten Credo, ohne das kaum ein Social-Media-Ratgeber auskommt: “Du musst in anderen Blogs kommentieren, möglichst in viel gelesenen. So werden bekannte Blogger auf dich aufmerksam und zudem finden deren Leser auch zu dir. Außerdem setzt du auf diese Weise viele Links zu deiner eigenen Seite. Damit erhöhst du zugleich deinen Google-Rank.”

Natürlich kann man diese Art Kommentare nicht alle trennscharf aussortieren. Aber man kann selbst vermeiden, andere Blogs zuzumüllen.

Wo bleibt der gesunde Menschenverstand?

Seltsamerweise vergessen Menschen, wenn sie in Medien unterwegs sind, oftmals ihren gesunden Menschenverstand. Social Media bieten sehr viele Möglichkeiten zur direkten Interaktion; aber das fordert eben auch kommunikative Kompetenz. Oder eben einfach Menschenverstand. Kennen Sie diese Typen, die auf Partys oder Empfängen herumstehen und einfach zum allem und jedem etwas zu sagen haben? Bei denen man den Eindruck hat, sie interessieren sich gar nicht wirklich für ihre Gesprächspartner und für das Thema eigentlich auch nicht? Sie wollen offensichtlich nur auf sich aufmerksam machen; warum auch immer.

Ich gehe davon aus, dass Sie das nicht machen und selbst von solchem Verhalten genervt sind. Aber nicht wenige, die im realen Leben klug und wertschätzend interagieren, mutieren im Web zu genau solchen, wenig beliebten Personen, und das meist nicht mit Absicht und aus bösem Willen. Sondern weil sie die obige Aussage falsch verstanden haben und weil sie ihr eigenes Verhalten nicht recht reflektieren. Oft, weil sie im für sie noch ungewohnten virtuellen Raum schlicht die Metaebene nicht hinkriegen, selbst wenn sie ansonsten kommunikationserfahren sind.

Wohlgemerkt: Wir sprechen hier nicht von den absichtlichen Verstößen gegen gute Kommunikationssitten. Die verschiedenen Sorten von Linkspammern habe ich Ihnen vorgestellt. Die kann man nicht bekehren, und das ist auch gar nicht mein Ziel. Ich möchte hier denjenigen weiterhelfen, die am echten Dialog interessiert sind und im Web erfolgreich sein wollen und dafür vielleicht ihr eigenes Verhalten reflektieren sollten.

Wer anderen nützt, hat selbst etwas davon

Was stimmt an dem oben zitierten Lehrsatz? Ich habe es im letzten Beitrag schon geschrieben: Einiges daran ist schlicht falsch. Einiges stimmt, aber es ist sehr missverständlich formuliert. Daher führt es dazu, dass viele, die es eigentlich gut meinen, nicht gut handeln. Was ihnen selbst schadet. Und die solcherart mit Kommentaren Bombardierten ärgert.

Richtig ist: Das Social Web besteht zu einem großen Teil aus Dialogen und Diskussionen; und wer sich an Diskussionen zum Nutzen aller beteiligt, hat auch etwas davon: Aufmerksamkeit, Bekanntheit, Besuche im eigenen Blog usw. Aber: Sinnfreie Blogkommentare und solche, die ausschließlich zur Linkplatzierung geschrieben werden, nutzen dem Autor allenfalls kurzfristig, auf keinen Fall nachhaltig.. Zudem sind in neueren WordPress-Versionen (und vielen anderen Blogsystemen) Links in Kommentaren sowieso auf “nofollow” gesetzt. Sprich: Sie erzeugen zumindest keine Google-relevanten Links.

Wer kommentiert, um auf das eigene Angebot aufmerksam zu machen, fragt sich häufig nur Dinge wie:

  • Hat das Blog, in dem ich kommentiere, Leser, die für mich als Bezugsgruppe interessant sind?
  • Wie viele Zugriffe auf meine eigene Seite kann ich mit dem Kommentar erzeugen?
  • Wie gelingt es mir am besten, für mein Angebot zu werben? Wie mache ich möglichst gut auf mich aufmerksam?
  • Wie platziere ich mit möglichst geringem Aufwand viele solcher Kommentare?

Das sind sämtlich Fragen, die zwar nicht ganz unberechtigt sind; die alleine und ohne weitere, inhaltliche Betrachtung aber weder dem Thema und der Diskussion nutzen noch den Lesern. Deswegen kann man mit einer Strategie, die so gesteuert ist, zwar eine gewisse Aufmerksamkeit erregen und auch vielleicht gar nicht so wenige Zugriffe erzeugen. Für nachhaltigen Erfolg sorgen Sie so nicht. Schon gar nicht etablieren Sie sich als interessanter Gesprächspartner, für den sich andere Blogger interessieren.

Bevor Sie einen Beitrag in einem anderen Blog kommentieren, könnten Sie sich besser beispielsweise fragen:

  • Welches persönliche oder professionelle Interesse habe ich an dem betreffenden Thema?
  • Was weiß ich über das Thema?
  • Inwieweit kann ich dazu beitragen, die Diskussion zu bereichern?
  • Habe ich ergänzende Informationen oder eine neue Sichtweise beizusteuern?
  • Wen interessiert das, was ich zu sagen habe und warum?
  • Wie schreibe ich den Kommentar so, dass er für die Leser interessant ist?

Dann werden Sie ganz automatisch herausfinden, ob es sinnvoll ist, etwas zu schreiben – und was. Zugegeben: Diese Vorgehensweise ist zeitaufwändiger als das möglichst breitgestreute Verteilen von Kommentaren. Aber es führt dazu, dass Sie in echte Diskussionen einsteigen. Es bringt allen etwas, und deswegen wird es auf Dauer auch Ihnen am meisten bringen. Probieren Sie es einfach aus!

  4 comments for “Achtung, Trittbrettfahrer! – Teil 2: So vermeiden Sie, selbst zum Linkspammer zu werden

  1. WolfsPAD
    11. Juli 2011 at 11:11

    Vielen Dank für die Einsichten. Mein erster Gedanke war – schreib lieber keinen Kommentar. Meine Motivation ist aber die Diskussion und der Kontakt. Erst durch Ihren ersten Beitrag habe ich gelernt, das es auch andere Gründe geben kann, einen Kommentar zu schreiben. Mein Blog wird nicht auf Google gelistet, da ich Ihn als reines Hobby betreibe. Bin gespannt auf weitere Artikel und freue mich auf weiteren Austausch.

  2. 17. Juli 2011 at 09:57

    Stimmt. Das Web besteht aus Diskussionen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es auch Feedback braucht, nicht immer nur intelligente Kommentare, die vielleicht einen neuen Ansatz oder Blickpunkt einwerfen. Gerade für weniger bekannte Blogger sind Kommentare so wesentlich wie ein Bissen Brot. Ein Blog, auf dem nicht oder sehr sehr wenig kommentiert wird, wird zumeist als unbedeutend wahrgenommen. Als Blog-Betreiber muss man demnach seine Leser auffordern, sich zu getrauen, einen Kommentar oder auch nur nette Worte abzugeben. Für viele, die nicht mit PR und Worten professionell umgehen, ist es eine kleine oder große Hürde, sich öffentlich (und mit realem Namen) “preiszugeben”.

    Und freilich gibt es die professionellen Spam-Schleuder-Kommentierer, die man unbedingt aussieben muss und für die der Begriff “Trittbrettfahrer” sehr gut gewählt ist. Übrigens, diese Trittbrettfahrer sind auch in Sozialen Netzwerken immer wieder zugegen.

    [über G+ hierher gekommen]

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