Online-Workshop ‘Neue Website’, Folge 4 Entscheidung: Website, Blog – oder beides?

12. April 2011

Seriöse Unternehmen haben statische Websites, Blogs sind für Blogger und allenfalls Web-affine Firmen: Das stimmt schon lange nicht mehr. Auch das Argument “Unsere Kunden wissen doch gar nicht, was ein Blog ist geht an der Sache vorbei. Nicht alles, was ich einer Blog-Software zur Aktualisierung von Inhalten bedient, muss auch so heißen. Andererseits hat auch in Zeiten von Blogs und Social Media die klassische Website nach wie vor Ihre Daseinsberechtigung. Möglichkeiten direkt zu interagieren sind aber heute schon fast der Normalfall. Wofür entscheiden Sie sich also? Und: Müssen Sie sich überhaupt entscheiden?

Kein Auslaufmodell: Die klassische Website

Zu einem seriösen, gut aufgestellten Unternehmen gehört eine Website, die hochwertig und professionell herüberkommt. Sie erfüllt idealerweise die Anforderungen der Stakeholder. Sie macht anderen es leicht Kontakt mit dem Anbieter aufzunehmen. Sie trägt zum Unternehmenserfolg und zum Gewinn bei. Das sind alles Punkte, die wir uns noch einmal einzeln und im Detail anschauen, wenn wir uns mit Aufbau und Inhalten befassen.

Statische Websites in dem Sinne, wie es sie früher gab, sind schon lange nicht mehr state of the art. Vor einigen Jahren noch richtete im Normalfall eine Agentur eine Website einmal ein. Sämtliche Texte wurden einmal eingestellt. Es gab eine Korrekturphase wie bei einem Print-Produkt. Fertig. Jedes Wort, das nachträglich geändert werden sollte, ging an die Agentur und wurde dort vom Webdesigner eingebaut. Das galt durchaus nicht nur für kleine Unternehmen. Auch in etlichen größeren haben sich Content Management Systeme (CMS), also Programme mit denen jeder selbst Inhalte einpflegen kann, teils erst in den letzten Jahren so richtig durchgesetzt. Oft viel später, als es eigentlich sinnvoll gewesen wäre.

Nie mehr ohne CMS!

Heute ist ein funktionierendes CMS aber Standard, und keine Website sollte mehr ohne gebaut werden – auch keine “statische”, auch nicht eine solche, die angeblich danach nicht mehr verändert werden soll. Das stimmt nämlich erfahrungsgemäß sowieso so gut wie nie. Irgendwas ändert sich immer irgendwann. Und dann ist es auf jeden Fall besser, das selbst schnell auch virtuell richtigzustellen, als auf ewig von einer Agentur abhängig zu sein.

Ob Sie eine günstige Open-Source-Lösung wie WordPress oder Typo3 wählen oder ein individuelles CMS programmieren lassen, hängt von vielen Faktoren ab. Mit diesen wird sich in der nächsten  Folge ein Fachmann befassen.

Heute schauen wir uns die äußere Erscheinung Ihres Internet-Auftrittes an: Stehen die Seiten fest und bleiben die Inhalte bis auf Aktualisierungen statisch? Oder sollen auf der ersten Seite jeweils Neuerungen stehen? Steht die werbliche Unternehmensdarstellung im Vordergrund? Oder wollen Sie bei Ihren Besuchern eher mit Expertenwissen und News aus der Branche punkten?

Geht auch: modular einbeziehen und später realisieren

Die Entscheidung darüber ist gar nicht so einfach. Aber sie muss auch nicht immer sofort getroffen werden. Beispielsweise könnten Sie eine statische Website planen und konzipieren. Ein Blog beziehen Sie modular mit ein und bauen es später auf und aus. Ein Social Media Newsroom könnte in einem weiteren Schritt hinzukommen. Auch eine bereits bestehende Web-Präsenz können Sie um ein Blog ergänzen. Das ist aber aufwändiger, als wenn Sie es gleich zumindest als Möglichkeit vorsehen.

Sie könnten die jeweils neuesten Beiträge aus Ihrem Blog auf der Startseite Ihrer Website anzeigen lassen. Oder Sie können beides getrennt existieren lassen, so wie ich das ganz bewusst für meine Webpräsenzen entschieden habe.

Aus meinem eigenen Nähkästchen: Ich habe einerseits eine statische Website, die über mein Portfolio als Beraterin und Texterin informiert. Diese ist vor allem für direkte Interessenten gedacht, die sich beispielsweise auf eine Empfehlung hin für mein Angebot interessieren.

Blog: Ist schön, macht aber viel Arbeit!

Längst jedoch hat dieses Blog, in dem Sie gerade lesen, als zentraler Knotenpunkt meiner Kommunikation die Website weit überholt; sowohl was die Bedeutung angeht als auch die Zugriffszahlen. Natürlich verweist es auf meine Website, so wie diese umgekehrt auf das Blog. Aber es ist bewusst nicht werblich angelegt, sondern enthält fachlichen Rat, Neuigkeiten aus der Kommunikation und Beiträge wie diesen. Die Leser haben die Möglichkeit ihre Meinung zu sagen, zu diskutieren, ihrerseits Informationen beizutragen. Und sie finden unmittelbare Schnittstellen zu den Angeboten des Social Web.

Das ist für mein Netzwerk ungleich interessanter als werbliche Selbstaussagen. Drumherum entwickelt sich ein komplexer Social-Media-Workflow. (Auch dieses Thema werden wir uns später genauer anschauen.)

Eine solche Plattform, auf der Sie Ihr Expertenwissen zeigen, ist eine sehr schöne Sache. Aber sie macht auch viel Arbeit und erfordert einigen Betreuungsaufwand. Nicht jedes Unternehmen kann und will das leisten. Auch sind nicht jede Firma und ihre Bezugsgruppen internetaffin genug für ein Blog, das auch diese Bezeichnung trägt. Noch nicht! Die Zeiten ändern sich schnell, was das betrifft.

Viele Unternehmen nutzen aber ein Blog für einen redaktionellen Teil. Sie nennen es “Aktuelles”, “News”, “Magazin” oder ähnlich, und häufig sieht ein Außenstehender gar nicht, dass er hier einen anderen Bereich betritt. Hier erscheinen sie regelmäßig oder gelegentlich Neuigkeiten, Pressemitteilungen oder Tipps. Je interessanter die Inhalte für eine bestimmte Lesergruppe sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass diese immer wieder vorbeischaut und sich auch insgesamt für das Unternehmen interessiert. Zudem hat häufig aktualisierter Content erhebliche suchmaschinentechnische Vorteile.

Interaktion ist der Normalfall

Das Userverhalten hat sich geändert. Möglichkeiten direkt mit dem Anbieter zu interagieren oder sogar sichtbar auf seiner Seite zu diskutieren sind schon der Normalfall. Allerdings darf die Frage nicht nur lauten: Wie aktiv sind unsere Besucher? Als Anbieter müssen Sie auch in der Lage sein, einerseits den Dialog aktiv zu fördern. Andererseits müssen Sie schnell und flexibel reagieren können.

Ehe Sie entscheiden, ob Sie einmalig statische Inhalte hochladen (lassen) und diese nur gelegentlich aktualisieren oder ob Sie einen Blogbereich hinzunehmen, sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

  • Haben wir häufig oder wenigstens gelegentlich neue Inhalte, die wir kommunizieren wollen?
  • Wie sind unsere Akquise- und Vertriebswege? Lohnt sich der Aufwand für unsere Bezugsgruppen? (Achtung: Nicht nur direkte Kunden in die Überlegungen einbeziehen, sondern auch Multiplikatoren!)
  • Wenn wir uns für ein Blog entscheiden: Welche Veröffentlichungsfrequenz setzen wir fest, die wir auch auf Dauer durchhalten können?
  • Wie motivieren wir unsere Besucher zum Dialog?
  • Gibt es im Unternehmen jemanden (und mindestens einen Stellvertreter), der/die bereit ist, die Webpräsenz unseres Unternehmens zu betreuen und regelmäßig zu aktualisieren, vor allem aber mit den aktiven Besuchern zu kommunizieren?
  • Wenn die vorige Folge mit ‘nein’ beantwortet wird: Können und wollen wir das an einen externen Dienstleister vergeben?
  • Wie sind die firmeninternen Entscheidungswege? Wie schnell können wir reagieren? Wie gut sind unsere Szenarien für die Fälle, in denen etwas Unangenehmes oder Imageschädigendes passiert?
  • Haben wir ein Konzept zur Krisenkommunikation?

Soweit die ersten Vorüberlegungen. Die gesamte Thematik ist natürlich weitaus komplexer. Es gibt viele Formen und Mischformen. Man kann Social Media auf viele verschiedene Weisen einbinden. Es gibt den Sonderfall Social Media Newsroom. Mit Facebook Fanpages kann man sich näher befassen.

Detailfragen zur Website-Planung werden wir in weiteren Folgen betrachten. Zum Thema Blog gibt es noch einen eigenen Beitrag, und auch die Anbindung an das Social Web schauen wir uns später näher an.

In der kommenden Woche erscheint der erste Gastbeitrag. Darin geht es um das richtige CMS.

 

Nächste Folge:
5. CMS: Wie kommen Ihre Inhalte ins Netz? (erscheint am Dienstag, 19. April 2011)

Bisher erschienen:
Kostenloser Blog-Workshop “Neue Website”: Stellen Sie vorab Ihre Fragen, bitte!
1. Einleitung: So wird Ihre Website ein Erfolg
2. Strategie: Erst das Ziel, dann die Fahrkarte
3. Vorarbeit: Zeitplan und Entscheidungswege
4. Entscheidung: Website, Blog – oder beides?

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Planen Sie die Website Ihres Unternehmens neu aufzubauen, anders zu gestalten oder textlich zu überarbeiten? Oder wollen Sie Ihre statische Website dynamischer machen und an das Social Web anbinden? Dann ist diese Serie für Sie interessant.
In Form eines Workshops – mit Fachbeiträgen und Checklisten – behandle ich viele verschiedene Aspekte, die für eine gute und funktionale Website essenziell sind. Fachleute aus verschiedenen Spezialgebieten tragen in Gastbeiträgen Insider-Tipps und wertvolles Wissen bei. – Der Workshop ist kostenfrei abrufbar, als offen hier im Blog publizierte Serie. Sie müssen sich nicht anmelden und sind an keine Zeiten gebunden. Bereits Veröffentlichtes bleibt online. Sie können also jederzeit von Anfang an einsteigen. Wenn Sie automatisch von diesen (und anderen) Beiträgen erfahren wollen, können Sie

 

(c) Illustrationen: Kerstin Hoffmann. Verwendung nur mit ausdrücklicher Genehmigung.

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5 Antworten auf Online-Workshop ‘Neue Website’, Folge 4 Entscheidung: Website, Blog – oder beides?

  1. Tanja Handl am 12. April 2011 um 14:58

    Liebe Frau Hoffmann,

    vielen Dank für Ihre wertvollen Tipps zum Thema Blog. Wir sind gerade selbst dabei, einen Blog zum Thema Leben und Karriere im digitalen Zeitalter aufzubauen, und auch für uns enthält ihr Beitrag einige wertvolle Anregungen.

    Mit herzlichen Grüßen,
    Tanja

  2. Kilian am 12. April 2011 um 23:40

    Auf meinem Ipad sieht dein Blog irgendwie seltsam aus.

  3. Kerstin Hoffmann am 13. April 2011 um 06:49

    Das ist das Themen für das iPad. Man sollte es so besser lesen können.

  4. @klemmissimo am 14. April 2011 um 18:33

    In den relativ wenigen Zeilen haben Sie die Problematik bestens auf den Punkt gebracht. Ich kann nur jedem empfehlen, sich dieser Vorgehensweise anzuschliessen. Aber viele Unternehmen wissen halt gar nicht, dass es so und nur so läuft.
    FK

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