Lügen, die das Web nicht braucht: Was Sie besser nicht einfach glauben sollten

23. November 2010

Das Internet wimmelt ja von tollen Geschäftsideen. Wenn man den entsprechenden Twitterern und selbsternannten Social-Media-Experten glaubt, denn kann jeder in wenigen Wochen Millionär werden. Komisch eigentlich, dass mir so wenige Millionäre begegnen. Ich habe in den vergangenen Wochen einfach mal einige solcher Aussagen gesammelt. Sicher kommen sie Ihnen bekannt vor, wenn Sie sich schon länger im Social Web bewegen. Wenn Sie Einsteiger sind, dann werden sie Ihnen ganz sicher in Zukunft auf die eine oder andere Weise begegnen. Mein Tipp: Nicht einfach glauben, was so behauptet wird, sondern selbst nachdenken. Was in klassischer Kommunikation und im richtigen Leben unrealistisch ist, lässt sich meistens auch im Web nicht ganz so einfach machen, wie einige versprechen.

“Bringen Sie Ihre Twitter-Followerzahlen in wenigen Wochen auf Hunderttausende und verdienen Sie damit tausende Euro am Tag.”

Abgesehen davon, dass es wenige erlaubte Methoden gibt, um Followerzahlen so aufzublasen: Der Zusammenhang mit dem Einkommen ist noch lange kein unmittelbarer. Es ist wie im richtigen Leben: Entscheidend ist, was Sie zu sagen haben und welchen Mehrwert Sie Ihrem Netzwerk bieten. Wenn Sie heiße Luft ohne Nähr- und Mehrwert in die Welt hinausposaunen, ist es vergleichsweise egal, ob Ihnen zehn, hundert oder hunderttausend Leute zuhören. Auch die Masse lässt sich nicht beliebig bescheißen. Übrigens: Wenn Sie beim Klick auf einen neuen Follower nur noch die Nachricht erhalten: “This profile is suspended”, dann hat hier wahrscheinlich jemand Mittel eingesetzt, die Twitter nicht erlaubt. Das ist umso ärgerlicher für diejenigen, die bis dato ein solches Profil solide und langsam aufgebaut haben und dann auf ein Followerbooster-Versprechen hereingefallen sind.

Besser: Einen Account nachhaltig aufbauen. Vor allem: Diejenigen anziehen, die es wirklich interessiert und die für einen selbst interessant sind. Den Twitter als einen Kanal unter mehreren verstehen und einen sinnvollen Workflow mit hochwertigen Inhalten etablieren.

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“Social Media sind erstklassige Marketingkanäle .”

Falsch. Social Media sind Angebote zum Netzwerken. Zudem bedeuten Aktivitäten dort die völlige Aufgabe von Kontrolle.

Besser: Marketing mit Marketing-Werkzeugen machen.

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“Sie brauchen sich nur in einer XING-Gruppe als Moderator einsetzen zu lassen. Schon werden sehr viele Leute auf Sie aufmerksam, und die Kunden kommen darüber wie von selbst.”

Wer nur die Kundenakquise im Blick hat und kein Interesse daran, sich ehrenamtlich zu engagieren, der wird hier nicht viel Erfolg haben – aber jede Menge Frust. Stellen Sie sich mal einen Schützenvereinsvorsitzenden vor, der dieses Amt zum einzigen Zweck annehmen würde, um seine Produkte an die Mitglieder zu verkaufen. Na? Genau: Jeder merkt die Absicht und ist verstimmt. Zudem ist das Social Web eben ein Netz von vielen Angeboten. Ein einziges kann nie die alleinige Glückseligkeit bringen.

Besser: Die Moderation einer Gruppe dann übernehmen wenn (und weil!) Sie selbst das Thema interessiert und Ihnen die Moderation Spaß macht. Loten Sie vorher aus, wieviel Zeit Sie dafür brauchen werden und ob Sie das auf Dauer durchhalten können.

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“Wir bieten Ihnen Suchmaschinenoptimierung, mittels derer Ihre Seite überall an oberster Stelle steht.”

Ja, und das bieten die wahrscheinlich allen an? Das ist wie mit dem Bus im Ostfriesenwitz, der 42 Meter breit und einen Meter lang ist, weil alle neben dem Fahrer sitzen wollen. Zweifelsohne gibt es sehr wirksame Suchmaschinenoptimierung, und ich will die Leistungen der Anbieter auch nicht schmälern. Aber auch hier ist entscheidend, was dahinter steckt: Wie gut ist denn die Seite, auf die die Suchenden dann gelangen? Sie müssen ja nicht nur hinkommen, sie müssen auch bleiben. Und vor allem: Sie müssen die richtigen Konsequenzen ziehen. Beispielsweise Kontakt aufnehmen oder ein Produkt tatsächlich kaufen.

Besser: Eine gute Seite aufbauen. Sich beim Texten beraten und einen Profi programmieren lassen. Suchmaschinenoptimierung als einen Baustein mit einbinden.

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“Je mehr Aufmerksamkeit Sie erzielen, desto besser.”

Wenn das allein stimmen würde, dann hätten Menschen, die nackt durch ein Fußballstadion rennen, alle ausgesorgt. Aufmerksamkeit ist wichtig, aber über den Erfolg entscheiden Inhalte und Qualität – und zwar über einen längeren Zeitraum.

Besser: Nur dann laut rufen, wenn Sie wirklich etwas zu sagen haben. Ansonsten: Erstmal zuhören und sich genau überlegen, wen Sie auf welche Weise aufmerksam machen wollen.

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“Im Social Web kann jeder ein Vertriebsgenie werden. Sie brauchen bloß ein Webinar zu besuchen, danach gewinnen Sie Kunden ohne Unterlass.”

Richtig ist: Gute Vertriebler sind gute Vertriebler. Schlechte Vertriebler sind – na? Genau: schlechte Vertriebler. Das ist zwar ein Handwerk, das man erlernen kann, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Ganz bestimmt ist es auch sinnvoll, einmal eigene Grenzen auszuloten und sich zu trauen, einen Telefonhörer in die Hand zu nehmen. Ansonsten gilt, wie für viele andere Berufe: Das erlernt man nicht mal eben mit einem Webinar und ein bisschen E-Mail-Coaching. Zudem haben wirklich erfolgreiche Vertriebler meistens bereits viele Jahre Erfahrung.

Besser: Die eigenen Stärken nutzen und das tun, was Sie am besten können. Wenn es Vertrieb ist: Fein, dann sollten Sie sich hier unbedingt weiterbilden. Wenn nicht: Holen Sie sich professionelle Unterstützung, statt täglich mit dem Hörer in der schweißnassen Hand eine Abfuhr nach der anderen zu kassieren.

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“Ihr Unternehmen braucht unbedingt eine Facebook-Seite.”

Wenn Sie schon eine funktionierende Social-Media-Strategie haben, sich souverän im Social Web bewegen und wissen, was Sie mit Ihrem Facebook-Account machen können und wie Sie sich dort darstellen: Fein. Vorausgesetzt in Ihrem Unternehmen sind genügend Ressourcen, um das zu handhaben. Sie kennen die Chancen und Risiken und haben die Strukturen, um auch mit Problemen umzugehen. Wenn dagegen weder Sie noch Ihre Kunden Internet-affin sind, kann es schlicht herausgeschmissenes Geld sein. Pauschal jeder Firma eine Facebook-Seite zu empfehlen und gleich einzurichten, wäre nachgerade dumm und gefährlich.

Besser: Zuerst eine Kommunikationsstrategie aufbauen und überlegen, wie und in welchem Umfang Social Media mit eingebunden werden. Das hat ebenso viel damit zu tun, wo Ihre Zielgruppen tatsächlich sind, wie mit den eigenen Kapazitäten.

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“Twitter ist der Königsweg zu Ihrem beruflichen Erfolg.”

Falsch. Twitter kann immer nur ein Baustein von mehreren sein. Ein “Social-Media-Berater”, der allein etwas zu Twitter zu sagen hätte und keine Ahnung von Vernetzung und von Kommunikation insgesamt hat, ist wie ein Autoverkäufer, der Sie ausschließlich über das rechte Hinterrad berät.

Finden Sie erst heraus, was Sie erreichen wollen und bieten Sie Substanz und Inhalt. Twittern ohne Ausrichtung und ohne Inhalte ist ungefähr, als würden Sie jemanden anrufen, ohne zu wissen, was Sie sagen wollen. Schaffen Sie Vernetzung. Und vorher: Schaffen Sie sich einen Überblick über die Komplexität des Social Web.

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“Die gute Gestaltung einer Website ist alles.”

Nein, eine schöne Website ohne überzeugende Inhalte und ohne professionelle Texte ist wie ein schöner Mensch, der nur Blödsinn schwafelt. Entscheidend ist zudem das, was man nicht auf den ersten Blick sieht: Beispielsweise eine gute Programmierung und die funktionierende Suchmaschinenoptimierung. Denn eine noch so schöne Website, die niemand findet, ist wie ein Bild, das in einem dunklen Keller hängt.

Besser: Sich beraten lassen und alle Aspekte einer guten, funktionierenden Website verwirklichen. Lieber eine kleine, aber überzeugende Lösung als eine große, bei der am falschen Ende gespart wurde.

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Kennen Sie weitere solcher unsinnigen Aussagen und unzulässigen Verallgemeinerungen? Ich freue mich über Ergänzungen in den Kommentaren!



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6 Antworten auf Lügen, die das Web nicht braucht: Was Sie besser nicht einfach glauben sollten

  1. Stefan am 23. November 2010 um 10:20

    Größtenteils stimme ich zu, allerdings bieten Social Media sehrwohl Marketing-Kanäle (Facebook, YouTube…) und eine große Lüge formulierst Du leider selbst: “Zudem bedeuten Aktivitäten dort die völlige Aufgabe von Kontrolle.”.

    VG,
    Stefan

  2. Markus am 23. November 2010 um 10:26

    Sie nerven schon gewaltig diese Lautsprecher, die einem auf Twitter und anderen Plattformen immer häufiger über den Weg laufen. Ich habe mich lange gefragt, wer solchen Versprechungen, die nicht mehr sind als die alten „5000 Euro von Zuhause verdienen“-Anzeigen, eigentlich glaubt. Kann doch keiner so blöd sein, dass er darauf reinfällt. Bis ich um Hilfe gefragt wurde, weil der Sohn einer Bekannten mit einer dieser „Geschäftsideen“ starten wollte. Also habe ich ein bisschen tiefer gegraben und musste feststellen, dass die Methoden dieser Laubbläser des Internets sich leider nicht nur auf das Ablassen markiger Sprüche reduzieren. Sie fangen die Menschen bewusst in Notsituation ab. An den äußersten Schmierrändern dieser Szene „verkaufen“ sie vor allem die Themen „Schnell viel Geld verdienen“ oder als Variation „Schnell raus aus den Schulden“ sowie „Diät-Produkte“ und ähnliches Zeug, was Menschen anspricht, die gerade in einer labilen Lebenssituation stecken. Häufig wird diesen Menschen dann gleich vermittelt, dass sie sich ein oder zwei Mentoren suchen und deren Seminare besuchen sollen. Letztlich wird ihnen dort beigebracht, das Geschäfts-Konzept des Mentors weiterzuverkaufen, so dass eine Endlosschleife entsteht: man (soll) Geld damit verdienen, in dem man erklärt, wie man schnell viel Geld verdient, in dem man erklärt, wie man schnell viel Geld verdient…etc.. Wer hier schnell viel Geld verdient, ist dann ja klar. Ich möchte nicht wissen, was den armen Teufeln, die diese Geschäftskonzepte als letzten Strohhalm ergreifen, in den Seminaren erzählt wird. Der Sohn der Bekannten war zumindest gegen jede rationale Argumentation und Berichte von seriösen Bloggern, wie hier Robert Basic http://www.robertbasic.de/2010/11/verdient-man-mit-blogs-geld-wahr-oder-falsch/ nicht zu überzeugen. Insgesamt glaube ich, dass die Reduzierung der Diskussion auf die leeren Versprechungen, die gemacht werden, zu kurz greift. Klar, sind wir keine Sozialpädagogen, aber ein genauerer Blick auf das Geschehen wird hier sicherlich noch mehr zu Tage fördern und eine Diskussion darüber könnte vielleicht helfen, den ein oder anderen vor einer Dummheit zu bewahren. Mir erscheint das Ganze nach der Fortsetzung der Schneeballsysteme mit anderen Mitteln. Übrigens blocke ich auf Twitter mittelweile alle, die bei drei Tweets mit phantastilliarden Followern daherkommen.

  3. Lars Hahn am 23. November 2010 um 11:22

    “Social Media sind tolle Vertriebsinstrumente, weil sie nichts oder kaum etwas kosten.”

    Nette Empfehlung, oder?!

  4. Thomas Büdinger am 25. November 2010 um 15:33

    Wow. Ich bin echt erschüttert über die Menge dieses Quatschs mit dem man im World Wide Web konfrontiert wird, mal an einer Stelle zu sehen. Wer glaubt denn so etwas, wie “Bringen Sie Ihre Twitter-Followerzahlen in wenigen Wochen auf Hunderttausende und verdienen Sie damit tausende Euro am Tag.”? Es geht bei diesen Angeboten immer um den schnellen Erfolg. Wer heute immer noch glaubt, dass Erfolg eine schnelle Angelegenheit sei, hat doch nichts dazu gelernt. Erfolg ist immer harte Arbeit. (Wobei natürlich zu definieren wäre, was Erfolg für den einzelnen eigentlich ist)

  5. Kerstin Hoffmann am 25. November 2010 um 15:38

    Wie wahr! :) Danke für das Feedback.

  6. Dieter Kiwus am 26. November 2010 um 18:27

    Vielen Dank für diese Sammlung an potentiellen Fallen und den vielen guten Tipps, wie man es besser macht! Als Internet-Laie ist man ja immer auf die Beratung von Experten angewiesen. Diese Liste hilft, die ganzen Trends rund um Social Media, Twitter usw. besser zu beurteilen und richtig einzuorden! Meines Erachtens ist es das A und O, stets die eigene Zielgruppe im Auge zu behalten.

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