Es ist immer wieder erstaunlich, welche groben Schnitzer sich Unternehmen in ihrer Kommunikation erlauben. Niemand ist davor gefeit. Bei anderen sieht man es sowieso immer leichter als bei sich selbst.
Was in der PR, im Direktmarketing oder in Social Media nicht immer sofort einsichtig ist, wird plötzlich ganz anschaulich, wenn man es mit persönlichem Verhalten im realen Leben vergleicht (für alle Social-Media-Abhängigen: gemeint ist das “real life”. Das, was ihr seht, wenn ihr vom Monitor aufschaut.)
Genau solche Vergleiche habe ich mit einigen Verhaltensweisen einmal ausprobiert. Sehen es mir bitte nach, wenn der eine oder andere Vergleich etwas hinkt oder allzu plakativ ist. Und bitte: Nehmen Sie es nicht zu ernst!
Der Gängigste: Party-Crasher
Sie gehen auf eine Party, betreten den Raum, steuern sofort auf die erste Gruppe zu und beginnen zu reden. Nur über sich, natürlich. Weder wissen Sie, wen Sie vor sich haben – noch was diejenigen interessiert. Ist ja auch egal. Schließlich finden sie nur spannend, was Sie selbst angeht und möchten möglichst viel verlautbaren. Vielleicht haben Sie sogar etwas zu verkaufen und hoffen, hier im privaten Kreis auf neue Kunden. Nachdem Sie eine Weile monologisiert haben, wundern Sie sich, warum die Gruppe vor Ihnen immer kleiner wird. Sie beschweren sich, dass Ihnen niemand zuhört und dass Sie dauernd allein irgendwo herumstehen.
Würden Sie nie tun? Dann zeigen Sie mir bitte mal Ihre Zielgruppen-Analyse für die Website, das Direktmarketing und die Pressearbeit. Viele Firmen schicken pausenlos Verlautbarungen über die eigenen Interessen, ohne sich je zu fragen, wen das interessiert. Sie beschweren sich über niedrige Response-Quoten und geringe Zugriffszahlen sowie darüber, dass ihre Pressemitteilungen nie erscheinen.
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Der Rohrkrepierer: Selbst-Zitate
In kompetenter Runde sagen Sie: “Ich zitiere jetzt mal einen wirklich klugen Kopf…” – und fügen einige Sätze an, die Ihre Behauptungen beweisen und untermauern. Leider stellt sich im weiteren Gespräch heraus, dass der “kluge Kopf” Sie selbst waren. Ziemlich peinliche Situation, oder?
Liegt Ihnen fern? Dann hoffe ich, dass Sie auch nicht zwei Twitter-Accounts haben, mit denen Sie sich gelegentlich oder sogar öfter mal selbst retweeten. Das machen sehr viele, ohne sich je damit beschäftigt zu haben, dass das zu den ungeschriebenen “No-Nos” im Social Web gehört.
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Der ultimative Fehlgriff oder: Eigenlob stinkt
Sie sind in eine neue Stadt gezogen, in der Sie niemanden kennen. Um sich nicht so einsam zu fühlen, treten Sie einem Sportverein bei, besuchen Veranstaltungen und lassen sich auf Stadtfesten sehen. Damit Sie neue Freunde gewinnen können, müssen die anderen natürlich auch auf Sie aufmerksam werden. Am besten, indem sie Sie gleich im besten Licht sehen. Wer könnte das besser darstellen als Sie selbst? Daher flechten Sie in alle Gespräche deutliche Aussagen zu Ihren eigenen Qualitäten ein. Beispielsweise: “Also, jetzt mal ganz objektiv, ich sehe aber heute abend auch mal wieder gut aus!” Sie betonen die eigenen Verdienste, machen klar, was Sie für ein toller Hecht sind und streuen immer mal wieder ein, was Sie alles schon erreicht haben. Falls Sie auf Partnersuche sind: Vergessen Sie nicht, regelmäßig auch Ihre besonderen Qualitäten im Bett hervorzuheben.
Ist gar nicht Ihre Art? Dann möchte ich aber bitte auch nie, nie, nie wieder sehen, dass Sie eine Art Werbetext an eine Redaktion schicken und behaupten, es wäre eine Pressemitteilung!
Garant für Ablehnung: ständig nerven
Manche Leute wissen nie, wann es genug ist. Sie wiederholen pausenlos Dinge, die schon beim ersten Mal keinen Hund hinter dem Ofen hervorgelockt haben. Sie merken nicht, wann es genug ist. Sie rufen wegen einer simplen Verabredung dreimal an und ändern jedes Mal einige Details. Sie bitten um einen Gefallen und fragen dann dauernd nach, wann der denn endlich erbracht werde. Sie haben zu jeder kleinen Frage einen Sermon parat. Bei Gruppen-Unternehmungen binden sie jedem auf die Nase, warum sie wann und wie erst später kommen, dass sie im Grunde eigentlich gar keine Zeit haben, aber dass man bitte für sie spezielles Wasser ohne Kohlensäure bereithalten solle. Worauf sie noch schnelle einige Details aus ihrem Verdauungstrakt ausbreiten, die so genau nun wirklich niemand hören wollte.
Sie gehören nicht dazu? Glückwunsch! Dann schicken Sie sicherlich auch nie dem Moderator einer XING-Gruppe kurz vor einer Veranstaltung, zu der noch 50 bis 400 andere Leute kommen, eine Nachricht, dass Sie doch nicht können; dass Sie eine halbe Stunde später kommen; dass Sie leider früher gehen müssen; ob Sie weniger für das Buffet zahlen können, weil Sie keinen Lachs vertragen. Sie kommentieren ganz sicher nicht jede Termineinladung mit einer persönlichen Mail. Sie lesen bestimmt immer genau die Event-Beschreibungen, ehe Sie wegen Details nachfragen.
Sicherlich gehören Sie auch nicht zu jenen Unternehmern, die nach jeder Pressemeldung fünf- bis achtmal in der Redaktion anrufen, ob das denn nun endlich erschienen sei.
Und garantiert schicken Sie dann auch nicht ein- und dieselbe Nachricht zehnmal über Ihren Twitter, Buzz und ihren Friendfeed (und alle anderen Netzwerke) um sicherzugehen, dass das auch wirklich jeder gesehen hat.
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Der Klassiker: Selbst gemacht statt gut gemacht
Sie wollen sich einen Lebenstraum erfüllen und sich endlich ein eigenes Haus bauen. Einen Architekten brauchen Sie natürlich nicht. Sie haben ja schon genügend gut geplante Gebäude gesehen in Ihrem Leben. Außerdem konnten Sie schon im Kindergarten von allen am besten Häuser malen. Auf den Statiker können Sie ebenfalls verzichten. Statik sieht man ja nicht von außen, daher ist es nicht so wichtig. An Materialien nehmen Sie das Billigste, was Sie bekommen können. Die Handwerker, von denen Sie Angebote angefordert haben, versuchen Sie zunächst herunterzuhanden. Weil Ihnen das nicht im gewünschten Ausmaß gelingt, vergeben Sie alle Arbeiten an Ungelernte.
Leider erkennen Sie nach Fertigstellung, dass die Eingangstür keine Klinke hat und auf der Rückseite des Hauses im ersten Stock angebracht ist. Und dass man, um in die Gästetoilette zu kommen, das Schlafzimmer durchqueren und durch den unbeleuchteten Keller klettern muss, in dem leider keine Treppe ist. Sie erklären, allen das müsse so sein und listen die Vorteile Ihrer neuen Bleibe auf. Zugleich wundern Sie sich, dass niemand Sie besuchen will und dass Ihre Familie Sie bereits nach einer Woche verlassen hat. Sie führen das aber nicht auf das Haus zurück, sondern darauf, dass die Welt ungerecht ist und dass niemand Ihre wahren Qualitäten zu schätzen weiß.
Absurde Vorstellung? Das freut mich. Dann gehe ich davon aus, dass Sie Ihre Werbetexte nur vom Profi schreiben lassen. Dass Qualität in Ihrer Werbung und PR für Sie wichtiger ist als der niedrigste Preis. Dass Sie noch nie versucht haben, eine Agentur herunterzuhandeln mit dem Hinweis, dass andere (wahlweise Ihr Sohn, Ihr Kollege, Ihre Sekretärin oder vielleicht ein befreundeter Bäckermeister) das für einen Bruchteil des Betrages gerne machen würde. Dass Sie für Ihre gesamte Kommunikation professionelle Beratung und Begleitung haben.
Fallen Ihnen weitere Beispiele ein? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!












Interessanter Ansatz, die Projektion des echten Lebens auf die PR-Gebaren mancher Zeitgenossen. Nun, der Artikel besitzt ein amüsantes Potenzial und besticht mit einer “Ich bin von euch genervt”-Note. Was will man mehr?
>besticht mit einer “Ich bin von euch genervt”-Note
… und ich hatte gehofft, das merkt keiner!
Das klingt schon ziemlich glasklar durch
#urlaub?
Urlaub? Was ist das denn für ein Social Network? Wo kann man sich da anmelden?
Ich finde es gut und pragmatisch, die PR- und Social-Media-Aktivitäten mit dem “normalen” Kommunikationsverhalten abzugleichen – da wird es dann ganz konkret und man entlarvt sich selbst mit seiner manchmal doch leider noch Verlautbarungs-PR-Denke
. Sehr gut stellt übrigens Wolfgang Hünnekens in seinem Buch “Die Ich-Sender” dieses “Vergleichsdenken” dar und wählt auch das Bild “Stellen Sie sich vor, Sie gingen auf eine Party…”
[...] Warum machen Sie es dann in Ihrer PR? – Kommunikations-Schnitzer im realen Leben | PR-Doktor. Das … Was wenn PRler sich im echten leben so verhalten würden wie in den (sozialen) Medien? (tags: icommented pr) [...]
Nun, solange das Verhalten von PR und Marketing aber, anders als im skizzierten “wirklichen” Leben, funktioniert, wird sich vermutlich auch vorerst nix ändern.
Funktionieren sie denn wirklich gut und langfristig?